Im Regen stehen
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Liebe Leserin, lieber Leser,

die Axa hat sich verkalkuliert. Sie hat Kunden eine langfristige Versicherung verkauft, die sie nun nicht mehr finanzieren will, weil sie das Angebot teurer kommt als erwartet. Statt fair zu bleiben und diesen Verlust hinzunehmen, setzt die Axa rund 17.500 Kunden mit einem Schreiben die Pistole auf die Brust: Entweder Ihr akzeptiert einen drastisch teureren Neuvertrag oder wir kündigen Euch.

Da stellt sich die Frage: Können wir uns auf eine Versicherung noch verlassen?

Schon früher haben einzelne Versicherer eigenmächtig gekündigt. Besonderes Aufsehen erregte die Ergo, die vor fünf Jahren 120.000 Versicherte mit Wohngebäude-Policen vor die Frage stellte: schlechtere Konditionen oder Kündigung? Bis zu doppelt so teuer wurden damals die Verträge. Auch bei Rechtsschutzversicherungen kommt es immer wieder vor, dass vereinbarte Leistungen gestrichen werden.

Doch der Fall Axa ist schwerwiegender.

Für viele Kunden wird das Schreiben der Axa ein Schock sein. Denn es handelt sich bei den Verträgen um eine sogenannte „Unfall-Kombirente“, die als Alternative zur teuren Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) verkauft wurde. Solche Versicherungen sind mit fortgeschrittenem Alter immer schwerer zu bekommen. Deshalb dürfen Anbieter eine BU nicht kündigen, sondern höchstens teurer machen – in einem vorher festgelegten Rahmen.

Dagegen dürfen die Anbieter Schadenversicherungen wie Hausrat, Haftpflicht, Rechtsschutz und die Autoversicherung ohne besonderen Grund kündigen. Das gilt auch für die Unfallversicherung – weshalb die Axa der Meinung ist, sie dürfe ihre „Kombi“-Versicherung kündigen.

Die Versicherer machen von ihrem Kündigungsrecht immer wieder Gebrauch. Oft geht es auch darum, dass der Anbieter den Versicherten für ein schlechtes Risiko hält, weil er überdurchschnittlich viele Schäden meldet.

Wie können Sie sich vor Kündigungen schützen?

Bei Hausrat, Haftpflicht und Rechtsschutz lohnt es sich, dem Versicherer nur große Schäden zu melden. Sonst droht nicht nur eine Kündigung, sondern es könnte auch schwierig werden, eine neue Versicherung zu finden. Vereinbaren Sie am besten gleich eine Selbstbeteiligung, dann bekommen Sie für Ihre Zurückhaltung direkt einen günstigeren Tarif.

Oft bieten Versicherer wie jetzt die Axa eine teurere Alternative an, bevor sie kündigen. Dann haben Sie die Chance, nochmal zu vergleichen, ob Sie nicht woanders bessere Konditionen kriegen. Außerdem können Sie selbst kündigen. Das hat den Vorteil, dass Sie beim nächsten Abschluss nicht das Manko haben, gekündigt worden zu sein.

Die Versicherer benutzen eine Auskunftei ähnlich der Schufa, die sogenannte HIS. Fordern Sie dort eine Selbstauskunft an, falls Sie eine neue Versicherung suchen. Prüfen Sie die Angaben und korrigieren Sie mögliche Fehler, denn falsche Daten zu Schäden und anderen Sachverhalten können die Tarifsuche erschweren.

Falls Sie glauben, dass eine Kündigung nicht rechtens ist, können Sie den Versicherungsombudsmann einschalten. Das ist vielleicht auch für Kunden der Axa-Kombi-Rente sinnvoll.

 

3 KOMMENTARE

  1. Meiner Meinung nach hat sich die AXA damit einen Bärendienst erwiesen.

    Es mag ja durchaus sein, dass man sich verkalkuliert hat. Es ist sicherlich auch rechtlich in Ordnung, ordentlich zu kündigen. ABER: Welches Signal sendet denn hier diese große französische Versicherung an die Kunden (auch zukünftige)? Auf uns ist kein Verlass! Lebenslanger Schutz? Aber nur bis wir dir kündigen.

    Versicherungen stellen sich selbst (sogar wortwörtlich bei einer) als Fels in der Brandung dar, hoffentlich … versichert, hilft dir immer usw. Da Versicherungen reine Vorsorgeprodukte sind (man sorgt für ein ungewisses Ereignis vor), ist das Vertrauen der Kunden geradezu essentiell.

    Und das alles verspielt die AXA hier. Ich möchte lieber nicht wissen, was AXA-Vertreter gerade denken mögen. Hier stellt sich wirklich die Frage, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, den Tarif lieber querzusubventionieren als solch verheerendes Signal auszusenden. Wobei…. mich würde es nicht wundern, wenn es in Deutschland sogar gesetzlich verboten wäre, Tarife querzusubventionieren. Dann allerdings, und nur dann, dürfen sich alle Betroffenen bei ihrem Bundestagsabgeordneten bedanken.

  2. Hallo und Guten Tag,
    wenn Sie den Versicherungsombudsmann empfehlen sollten Sie vielleicht dazu sagen das es sich hier um einen Verein handelt.
    Ein Verein hat immer Vorstandsmitglieder. Diese Vorstandsmitglieder setzen sich beim Versicherungsombudsmann ausschließlich aus Mitgliedern der Versicherungsbranche zusammen.
    Als da wären:
    Thomas Flemming
    Vorsitzender der Vorstände
    Mecklenburgische Versicherungsgruppe

    Dr. Jörg Frhr. Frank von Fürstenwerth
    Vorsitzender der Geschäftsführung
    Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.

    Klaus-Jürgen Heitmann
    Vorstandssprecher
    HUK-COBURG Versicherungsgruppe

    Hermann Kasten
    Vorsitzender der Vorstände VGH Versicherungen

    Uwe Laue
    Vorsitzender der Vorstände Debeka-Versicherungsgruppe

    Dr. Norbert Rollinger
    Vorsitzender des Vorstands R+V Versicherung AG

    Dr. Wolfgang Weiler
    Präsident Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.

    Stand: 2017 / Webseite: https://www.versicherungsombudsmann.de/der-verein/vorstand/

    Vertreter von den Verbraucherverbänden und/oder dem Bund der Versicherten kann ich hier nicht finden.

    Aus meiner Sicht also wohl eher ein „EIN SCHLECHTER SCHERZ“, wie das ganze Versicherungs(un)wesen*** dem es bis Heute, vermutlich mit staatlicher Genehmigung, gestattet wird ohne Preisangaben für Verwaltungskosten und Risikoanteil mit Versicherungskunden Verträge abzuschließen.
    Mein Buchtipps:
    1. ***Das Versicherungs(un)wesen von Hans-Dieter Meyer. (Gibt es leider nur noch gebraucht, evtl. bei AMAZON).
    2. Versichert, verraten, verkauft: Wie Versicherungen mit unserem Geld umgehen – von Leo Müller 
    3. Garantiert beschissen!: Der ganz legale Betrug mit den Lebensversicherungen – von Holger Balodis, Dagmar Hühne
    4. Alt, arm und abgezockt – von Sven Enger

    Mit freundlichen Grüßen – Uwe Oehm

    • Lieber Herr Oehm,

      der Ombudsmann selbst aber stammt nicht aus der Versicherungsbranche, sondern ist ein ehemaliger BGH-Richter. Er war sogar Präsident dieses Gerichts. Nach unserer Einschätzung urteilt nicht einseitig zugunsten der Versicherungen. Die Branche ist im Vorstand, weil sie diese Einrichtung bezahlt. Der Versicherungsombudsmann gilt gemeinhin als das gute Vorbild für andere derartige Einrichtungen.

      Beste Grüße!

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