Neulich sprach ein Vertreter der deutschen Lebensversicherungsbranche auf einer Veranstaltung in Berlin den Satz: Lebensversicherer könnten das Geld ihrer Kunden aktuell nicht vermehren – aber sie müssten das auch nicht. Im Gegenteil: Kunden sollten froh sein, wenn es der Versicherer schaffe, die eingezahlten Beiträge zu erhalten. Ob er das ernst meine, wurde er gefragt.

Wo ist denn da die Logik?

Die Deutschen hätten eben keine Lust, sich mit Geldangelegenheiten zu beschäftigen, kam prompt die Antwort. Natürlich könne ja jeder erst mal auch separat ansparen bis zur Rente und hätte wahrscheinlich mehr davon. Aber Sparer hierzulande wollten das Komplettpaket, die Lösung aus einer Hand. So wie Häuslebauer, die ihr Heim am liebsten schlüsselfertig kaufen.

Ist da was dran?

Sagen wir mal so: Das Sparverhalten der Deutschen ist eine Sache für sich. Oft wird es als zu sicherheitsorientiert und in dem Sinne irrational kritisiert. Zuletzt hat der Spiegel dem Thema sogar eine Titelgeschichte mit dem schönen Namen „Unvermögen“ gewidmet. Die Deutschen könnten Risiken nicht richtig einordnen, wollten entweder zu viel oder zu wenig, seien „Zocker“ oder Bargeldfanatiker.

Das sagen die Zahlen

Seit Ausbruch der Finanzkrise ist die Rendite, die deutsche Privathaushalte mit ihrer Geldanlage erzielen, spürbar abgerutscht – von vorher 3,5 auf im Mittel noch gut 1,5 Prozent. Sagt die Bundesbank. Verantwortlich dafür waren aber nicht etwa die Verluste bei Aktien und anderen Wertpapieren, sondern die Tatsache, dass Sparer ihr Geld von Festgeld– und Sparkonten abgezogen haben und in „geringe oder gar negativ verzinste Sichteinlagen“ – also aufs Tagesgeld– oder aufs Girokonto – umgeschichtet haben.

Verbrauchervermögen Vergleich 2000 und 2015
Der Anteil von Bargeld und Geld auf Girokonten steigt, in Aktien und Fonds haben dagegen weniger Deutsche investiert. Quelle: Bundesbank

Das geht besser!

Ein direkter Zugriff auf einen Teil des Ersparten ist wichtig, keine Frage. Die eiserne Reserve, der Notnagel für Neuanschaffungen, das Urlaubsgeld – all das sollte auf dem Tagesgeldkonto liegen. Aber 1,2 Billionen Euro und damit gut jeden vierten Euro auf dem Girokonto oder zu Hause als Bargeld unter dem Kopfkissen zu parken – das geht nicht. Und es muss nicht sein! Denn gute Geldanlage ist nicht schwer. Das kriegen Sie hin ohne die Finanzindustrie, ohne Versicherungsvertreter und Bankberater!

Langer Atem zahlt sich aus

Bei Finanztip haben wir ausgerechnet, wie sich verschiedene Portfolios über die vergangenen 40 Jahre entwickelt haben. Unser Ergebnis: Selbst wer zur Unzeit ausgewogen investiert hat (kurz vor dem Zusammenbruch der Neuen Marktes) und 10 Jahre später seine Anlagen zur Unzeit (nach der Finanzkrise 2009) verkauft hat, hat den Wert seines Vermögens gesteigert. Nach 15 Jahren war sogar unser aktienstarkes Musterportfolio immer im Plus.

Besser als die Lebensversicherung!

Die Ergebnisse unserer Rechnungen basieren natürlich auf historischen Daten und sind daher nicht 1:1 in die Zukunft zu projizieren. Dennoch stützen sie die Grundannahme, dass eine langfristig geplante Geldanlage den größten Erfolg verspricht. Wer 15 Jahre und länger in einer guten Mischung aus Tagesgeld, Festgeld und kostengünstigen Indexfonds, anlegt und den ETF so wählt, dass Aktien über die Welt gestreut sind, sollte allemal mehr herausbekommen als Versicherungsbranche und Girokonto zusammen.

Sara Zinnecker
Autor

Stand:

Sara Zinnecker war bis Juni 2020 Finanztip-Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.

2 Kommentare

  1. @Philipp: Sehr richtig! Es hat zwar eine ganze Weile in meinem Leben gedauert bis ich zu dieser Einsicht kam, aber nun beschäftige ich mich mehr und mehr selbst damit. Und siehe da: Nicht nur die Rendite steigt, sondern auch die persönliche Zufriedenheit.

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