Bankschließfach
Bild: CTK-Photo / Imago

Gestern noch Zinskönig, heute Pleitekandidat. Die Bremer Greensill Bank könnte tatsächlich zum größten Entschädigungsfall in Deutschland seit Jahren werden. Das treibt vielen Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn. Inzwischen hat das Amtsgericht Bremen das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Aufsichtsbehörde Bafin hat den Entschädigungsfall offiziell festgestellt.

Doch so eine Pleite wäre für Privatanleger kein Grund zur Sorge. Solltest Du bei der Bank Geld liegen haben, gilt: 100.000 Euro pro Person sind gesetzlich geschützt. Und über eine weitere Einlagensicherung auf freiwilliger Basis sogar noch deutlich höhere Beträge.

Wann Finanztip Bankprodukte empfiehlt

Die traditionellen Banken und Sparkassen geben praktisch keinen Zins mehr auf Tages- und Festgeld. Manche verlangen bereits Negativzinsen. Deshalb suchen viele Sparer nach Alternativen. Und gehen auch zu Banken mit unbekanntem Namen.

Wir haben in der Finanztip-Redaktion lange abgewogen, unter welchen Bedingungen wir unseren Leserinnen und Lesern solche Banken empfehlen können. Klar war für uns immer: Geld auf einem Tages- oder Festgeldkonto muss absolut sicher sein. Deshalb haben wir nie einfach die Banken mit den höchsten Zinsen empfohlen.

Unsere Abwägung, kurzgefasst: Von außen lassen sich die geschäftlichen Risiken der Banken nicht im Detail bewerten, deshalb gehen wir grundsätzlich vom schlimmsten Fall aus – was passiert, falls eine Bank pleitegeht? Mit anderen Worten: Wir beurteilen die Bank nach der Qualität der Einlagensicherung. Ist die tadellos, können wir die Anlage empfehlen.

Diese Regel haben wir hier im Newsletter erläutert. Und sie ist Maßstab für alle unsere Empfehlungen zu Spargeldern. Ausführlich nachlesen kannst Du unser Vorgehen in diesem Ratgeber.

Wo die Einlagensicherung stottern könnte

Deshalb empfehlen wir bewusst keine Banken aus Sicherungssystemen wirtschaftsschwächerer Länder wie Italien oder Kroatien. In den Rankings anderer Medien tauchen auch sie auf; in unserem Rechner für Festgeld dagegen nur in der Spalte „Weitere Angebote“ – getrennt von unseren Finanztip-Empfehlungen. Grund: Der noch etwas höhere Zins rechtfertigt nicht das Risiko.

2014 gab es beispielsweise einen Kundenansturm auf zwei große Banken in Bulgarien – eine davon die Fibank, bei der deutsche Sparer Geld hatten. Diese verloren seinerzeit kein Geld, aber bei einer fortgesetzten Krise wären Einlagen aus unserer Sicht in diesen Ländern gefährdeter gewesen als in finanzkräftigen Staaten. Bei der anderen bulgarischen Bank, der Korporativen Handelsbank, wurden Sparer 2014 erst mehrere Monate später entschädigt.

Es gibt zwar gemeinsame EU-Regeln für die Einlagensicherung, aber die Notfalltöpfe werden noch immer von jedem Land in eigener Regie eingerichtet. Bei einer größeren Pleite würden zwei Dinge passieren: Zuerst bekommen die Sparer Geld aus dem Entschädigungstopf. Sobald der leer ist, besorgt sich die Einlagensicherung das fehlende Geld von den anderen Banken – und in letzter Instanz müsste der Staat selbst in die Bresche springen. Ob das dann in diesen Ländern tatsächlich passiert, darauf wollen wir uns nicht verlassen.

Wo die Einlagensicherung belastbar ist

Das Sicherungsnetz in Deutschland und in einer Reihe von wirtschaftsstarken europäischen Ländern wie Frankreich oder Österreich halten wir für belastbar genug, um auch für weit größere Bankpleiten einzustehen, als es jetzt im Fall Greensill passieren könnte. Wir stützen uns dabei auf das Urteil internationaler Rating-Agenturen. Weitere Länder, in denen Du derzeit bedenkenlos Festgeld anlegen kannst, sind Luxemburg, Schweden, die Niederlande und Norwegen.

 

Eure Fragen zu Greensill

Die Greensill Bank ist über den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen außerdem noch im freiwilligen Sicherungsfonds der deutschen Privatbanken. Dieser deckt knapp 75 Millionen Euro pro Person ab. Wir haben bereits vergangene Woche über die aktuelle Entwicklung berichtet.

Wir wollen an dieser Stelle ein paar Fragen beantworten, die uns rund um die Greensill Bank erreicht haben.

Warum haben Greensill-Anleger noch keine Nachricht vom Einlagensicherungsfonds erhalten?

Dafür ist es noch zu früh. Die Aufsichtsbehörde Bafin hat am 15. März allerdings beim Amtsgericht Bremen einen Insolvenzantrag für die Greensill Bank gestellt. Am 16. März hat die Bafin den Entschädigungsfall ausgerufen. Erst nach diesem formalen Schritt wirst Du als Anleger kontaktiert, und im Hintergrund wird die Rückzahlung Deines Geldes vorbereitet. Du musst also selbst nichts unternehmen. Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken setzt sich unaufgefordert mit den Anlegern in Verbindung.

Auf welchen Weg kommt die Nachricht?

Du bekommst einen Brief. Falls Du also seit der Geldanlage bei der Greensill Bank umgezogen bist und die Bank noch nicht Deine aktuelle Adresse hat, solltest Du ihr diese mitteilen, damit die Post Dich erreichen kann. Allerdings musst Du keine Angst haben, etwas zu verpassen: Laut Gesetz verjährt Dein Anspruch auf Rückzahlung erst nach fünf Jahren, selbst wenn jetzt etwas dazwischenkommen sollte.

Ich habe mehr als 100.000 Euro bei der Greensill Bank. Muss ich mich um mein Geld fürchten?

Über die Grenze der gesetzlichen Einlagensicherung hinaus solltest Du aus unserer Sicht nur in Ausnahmefällen bei einer einzigen Bank anlegen. Hier im konkreten Fall dürfte aber auch das kein Problem sein. Knapp 75 Millionen Euro pro Anleger sind bei der Greensill Bank geschützt. Der Bundesverband deutscher Banken als Träger der freiwilligen Sicherung verweist darauf, dass es in 40 Jahren noch keinen verlorenen Spar-Euro nach einer Bankpleite gegeben habe.

Zum Ratgeber

 

(Die erste Fassung stammt vom 12. März. Der Beitrag wurde am 16. März aktualisiert.)

Hendrik Buhrs
Autor

Stand:

Redakteur im Team Bank und Versicherung. Vor seiner Zeit bei Finanztip berichtete er für die Radioprogramme des Hessischen, später des Westdeutschen Rundfunks über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Hendrik hat in Münster und Exeter VWL studiert. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er bei Radio Q und im Lokalfunk Recklinghausen. Gespartes Geld investiert er gern in Reisen.

5 Kommentare

  1. Auch kein Kommentar, sondern noch eine Frage:
    Bei dem Einlagen-Sicherungsfonds ist immer die Rede von Banken und Sparkassen. Sind Einlagen auf einem Bausparkonto einer Versicherung auch durch diesen Sicherungsfonds geschützt?
    Herzlichen Dank vorab

    1. Bausparen ist ja nur eine Art Sparkonto. Das ist abgesichert.

      Bei Versicherungen greifen andere Mechanismen, wie potent diese sind kann ich nicht beurteilen.

  2. Hallo Herr Buhrs,

    DANKE, denn in Ihrem Artikel haben Sie genau die Fragen beantwortet, die sich die Anleger bei Greensill stellen.

    Weltsparen, also der Vermittler von Geldanlagen auch bei Greensill, hat sich bisher diese Mühe nicht gemacht. Es gab bisher lediglich eine Mitteilung über die Tatsachen, verbunden mit einigen „beruhigenden“ Anmerkungen.

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