Statt Schiffen oder Bürogebäuden haben Anleger in Deutschland in den vergangenen Jahren vermehrt Transportcontainer als Anlage entdeckt. Seit vorige Woche ist nun ein Teil der Firmengruppe P+R pleite, Deutschlands größtem Anbieter von Schiffscontainer-Investments. Mehr als 50.000 Anleger sind betroffen, es könnten 3,5 Milliarden Euro Anlagegelder verloren sein – der größte Anlegerpleite seit Jahren.

Sparer hatten über die 1975 gegründete Firmengruppe solche Container neu oder gebraucht gekauft. P+R sollte die Container dann erfolgversprechend vermieten und nach einigen Jahren den Wiederverkauf organisieren. Weil die Geschäfte jahrzehntelang liefen und die Vertragskonstruktionen kompliziert waren, hatten viele Anleger ohne Detailkenntnis Geld angelegt.

Im Mai 2016 hatte allerdings schon der kleinere Konkurrent Magellan aus Hamburg Konkurs anmelden müssen. Damals war es für die Schadensbegrenzung bei Anlegern entscheidend, den Besitz konkreter Container vertraglich nachweisen zu können.

Das ist auch der erste Tipp von Finanztip: Verträge zusammenstellen und Besitz dokumentieren. Konkursverwalter Michael Jaffé kündigte an, den Betrieb der Firmengruppe zunächst weltweit fortzusetzen, um laufende Mieteinnahmen zu sichern. Anleger können sich über die Webseite www.frachtcontainer-inso.de informieren.

Hermann-Josef Tenhagen
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Als Chefredakteur verantwortet Hermann-Josef Tenhagen alle Inhalte und die grundsätzliche Ausrichtung von Finanztip. Er war 15 Jahre Chefredakteur bei der Zeitschrift Finanztest (Stiftung Warentest). Davor war er unter anderem Nachrichtenchef der Badischen Zeitung und stellvertretender Chefredakteur bei der taz. Er studierte Politik, Volkswirtschaft, Pädagogik und Literaturwissenschaften.

2 Kommentare

  1. In Deutschland und Europa Jagd eine Pleite die andere.
    Wie kann das bei den verschärften BAFIN Vorschriften passieren.
    Die Dummen sind immer die Kunden und Anleger am Ende der Nahrungskette.
    Die Manager, Steuerberater, Rechtsanwälte und Insolvlenzverwalter verdienen munder weiter…

    1. Wie das sein kann? Weil es eine Horde von Drückerkolonnen (euphemistisch auch „Anlageberater“ oder „Makler“ genannt) gibt, die die – nicht zuletzt wegen der hohen Vertriebsprovisionen – überteuerten und großenteils undurchsichtigen Produkte der Finanzindustrie an den Mann bringen. Den wenigsten davon geht es um den Bedarf ihrer „Kunden“ sondern nur um die Provision. Kein informierter und vernünftig denkender Mensch würde sonst von sich aus auf die Idee kommen, sein Geld in Zertifikate, Kapitallebensversicherungen, Schiffsfonds oder Container zu stecken. (Die Liste ist bei weitem nicht abschließend.) Insbesondere würde niemand, der etwas von Geldanlage versteht, den Großteil seines Gelds in nur eine Anlageform stecken … aber Diversifizierung würde ja Arbeit für die Drückerkolonnen bedeuten.

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