Schließfächer
Vielleicht haben Sie ein Schließfach geerbt, von dem Sie nichts wissen. Bild: kali9, GettyImages

[Die erste Fassung ist vom Juli 2017, wir haben den Text am 1. November 2019 noch mal komplett überarbeitet und ergänzt.]

Mehrere Milliarden Euro liegen auf den Konten Verstorbener – und die Erben wissen nichts davon. Niemand ruft das Geld ab. Die Banken tun nichts, um die Erben zu finden. Wenn Sie also den Verdacht haben, dass da irgendwo noch Geld herumliegt, dann müssen Sie sich schon selbst darum kümmern.

Die Banken sprechen von „nachrichtenlosen Konten“. Schätzungen zufolge liegen in Deutschland 2 bis 9 Milliarden Euro auf solchen Konten. Meist sind die Besitzer tot, manchmal sind die Konten auch nur bei einem Umzug vergessen worden. Die Sparkasse Dortmund zum Beispiel führte zum 1. September 2019 knapp eine Viertelmillion nachrichtenlose Konten. Guthaben: 4,7 Millionen Euro.

Das Geld verfällt nicht. Es liegt solange bei der Bank, bis sich Erben melden. Dann müssen die Institute auch noch Jahrzehnte nach der letzten Kontobewegung das Guthaben auszahlen. Allerdings ziehen sie in dieser Zeit weiter regelmäßig ihre Kontoführungsgebühren ab.

Nach 30 Jahren müssen sie das Geld ausbuchen und als Gewinn versteuern, so verlangen es die Finanzämter. Aber trotzdem müssten die Banken es immer noch auszahlen, falls Sie sich als Erbe melden und Ihre Berechtigung nachweisen können.

Die Briten machen es besser

Ansonsten passiert in Deutschland erstmal nichts mit diesem Geld. Anders macht das zum Beispiel Großbritannien. Nach 15 Jahren buchen die Banken das Vermögen von einem solchen Konto auf eine gemeinnützige Förderbank und verwenden das Kapital für soziale Zwecke.

Dafür ist es in Großbritannien aber auch sehr leicht, so ein Konto aufzuspüren. Es gibt ein zentrales Register im Web („My Lost Account“) mit dem man kostenlos Konten finden kann.

Mit einer Kleinen Anfrage und mit Hinweis auf das britische Vorbild haben die Grünen im Bundestag die Regierung aufgefordert, sich zu dem Thema zu erklären. Gute Initiativen dazu gibt es bereits: Das Netzwerk der sozialen Unternehmer (SEND) fordert ein Melderegister herrenloser Konten bei der staatlichen Förderbank KfW, das den Erben die Suche stark erleichtern würde. Nach einer Frist von zehn Jahren soll das Geld automatisch an einen sozialen Fonds fließen.

Bislang müssen Sie ohne ein solches Register auskommen. Die Bundesregierung plant derzeit keine gesetzlichen Maßnahmen, teilt sie in der Antwort auf die Kleine Anfrage mit. Auch die Bankenverbände halten sich in dieser Frage bedeckt. Das heißt nicht, dass Sie herrenlose Konten nicht finden können, es ist aber mühsam. Deshalb haben wir alle wichtigen Stellen zusammengetragen, bei denen Sie nachforschen können.

Noch ein Tipp: Manche habe auch Geld im Ausland angelegt. Besonders häufig in der Schweiz oder Luxemburg. Auch dort gibt es Anlaufstellen.

So gehen Sie vor:

1. Konten bei einer Sparkasse

Um Konten bei einer Sparkasse zu finden, können Sie sich per Post an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband wenden oder per E-Mail an nachforschung@dsgv.de.

Senden Sie immer die Kopie des Erbscheins oder Testaments mit. Die Anfragenden müssen ihre Anschrift mitteilen sowie den letzten kompletten Wohnort des Verstorbenen.

Der Verband leitet die Anfrage an den zuständigen Regionalverband weiter, der sich nach dem letzten Wohnort des Verstorbenen richtet. Hat er Konten bei einer Sparkasse, bekommt der Erbe direkt Post von der zuständigen Sparkasse. Es kann sein, dass die entsprechende Sparkasse für die Recherche eine Gebühr erhebt.

2. Konten bei einer Volks- und Raiffeisenbank

Bei Volks- und Raiffeisenbanken gibt es auf der Website des Verbands einen Service Kontonachforschung. Dahinter verbirgt sich allerdings keine zentrale Auskunftsstelle. Es ist immer der Regionalverband, der die Anfrage beantwortet. Die Suche ist auf ein Bundesland beschränkt.

Für die Nachforschung können Kosten anfallen, die aber nicht genauer beziffert werden, sondern vom Umfang der Recherchen abhängen. Auch dem Regionalverband gegenüber müssen Sie beweisen, dass Sie Erbe sind, entweder durch einen Erbschein oder ein Testament mit Eröffnungsprotokoll.

3. Konten bei privaten Banken

Ergeben sich bei Sichtung des Nachlasses Anhaltspunkte, dass der Verstorbene auch Konten bei privaten Banken wie etwa der Deutschen Bank oder der Commerzbank hatte, können Erben sich an den Bundesverband deutscher Banken wenden. Kann der Erbe seine Berechtigung nachweisen, leitet der Verband ein zentrales, bundesweites Nachforschungsverfahren ein. Findet ein Institut ein Konto, Schließfach oder Wertpapierdepot, setzt es sich direkt mit den Erben in Verbindung. Das Verfahren ist kostenlos.

4. Konten bei öffentlichen Banken und Bausparkassen

Zu den öffentlichen Banken gehören unter anderem die Deutsche Kreditbank (DKB) und die Landesbausparkassen. Der Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands (VOEB) bietet kein Nachforschungsverfahren mehr an. Heute muss man sich als Erbe an die einzelnen Banken wenden.

5. Konten in der Schweiz und in Luxemburg

Vermuten Sie, dass Ihre verstorbenen Verwandten auch Geld im Ausland angelegt haben, ist die Kontensuche zumindest in der Schweiz und Luxemburg leichter.

Die Schweiz hat das Problem vorbildlich gelöst. Dort können Sie sich an eine zentrale Stelle wenden, nämlich den Bankenombudsmann. Nach Ausfüllen eines Fragebogens mit Kopie von Personalausweis und Erbschein erhalten Sie innerhalb von drei bis vier Wochen eine Auskunft, ob der Erblasser ein Konto in der Schweiz hatte. Aber Vermögenswerte, welche seit 60 Jahren ohne Kontakt zwischen Kunde und Bank sind, müssen von Gesetzes wegen an den schweizerischen Staat abgeliefert werden.

In Luxemburg gibt es eine Unterstützung des Bankenverbandes: Für 60 Euro bekommen Sie von der Luxemburger Bankenvereinigung (ABBL) einen Musterbrief, alle Adresslabels und weitere Informationen. Die suchen zwar nicht für Sie, helfen aber bei der Suche.

14 KOMMENTARE

  1. Danke für den Artikel. Gibt es auch eine Möglichkeit Lebensversicherungen aufzuspüren?
    Mein verstorbener Mann hatte seine LV bei einer Bank als Sicherheit hinterlegt, anscheinend ist die Police verloren gegangen.
    MfG

  2. Guten Tag,
    ihr Hinweis dass Nachforschungen beim Bankenverband -Priavtbanken – für Kontenermittlunng im Erbfall kostenlos sind, ist etwas verwirrend.
    Bei einer Anfrage beim Bankenverband -Privatbanken- wurden mir im Vorfeld bis zu 100,00 € an Kosten genannt, je nach Aufwand. Dann habe ich von dieser Art der Nachforschung abgesehen.

  3. Der Artikel ist schön und gut, allerdings verlangen die Banken teils horrende Gebühren wenn ein Konto gefunden wurde.
    Mir liegt ein Schreiben einer Sparkasse vor, die 1.000€!!! Gebühren für Kontoauszüge der letzten 10 Jahre verlangt. Das kann doch nicht rechtens sein!!!

    • Ich musste für das Ausdrucken der Kontoauszüge vom Konto meines verstorbenen Vaters bei der Sparkasse Wetzlar für die letzten 4 Jahre fast 400 Euro bezahlen.

  4. Naja, die Banken wollen immer mit verdienen, auch wenn’s um herrenlose Konten geht. Da müsste eben der Gesetzgeber etwas tun die Banken in solchen Fällen zu verpflichten automatisch tätig zu werden. Ebenso wie bei Schwarzgeld oder betrügerischer Kontonutzung. Da wird den Bank auch auferlegt dies zur Sachaufklärung weiter zu melden, Ansonsten kann die Bank selber zumindest wegen Ordnungswidrigkeit bestraft werden. Warum kann man nicht auch ähnliche Vorschriften bei herrenlosen verwaisten Konten einführen? Auch die BaFin könnte solche Vorschriften erlassen.

  5. Danke für den Artikel. Bin gespannt, ob er bei einem Vortrag von Digitale Existenz zu „Digitales Erbe“ zitiert wird. Möglicherweise ist der Beitrag etwas älter. Insofern wäre es interessant zu wissen, ob die von @Kalkofe, 9.11.17, und @Otto, 22.10.17, angegebenen Kosten immer noch gültig sind.

  6. Ob die erhobenen Gebühren vertretbar sind, hängt auch vom Einzelfall ab. Will ich als Begünstigter eines reinen Sparkontos alle Kontobewegungen kennenlernen, so dürfte das lediglich die jährliche Gutschrift der Zinsen (ja ,die hat`s mal gegeben) und die Kontoführungsgebühr betreffen. Also nicht teuer; dazu tritt eine Bearbeitungsgebühr & auch eine Kostenerstattung von Ausdrucken aus elektronisch gespeicherten Daten (bzw. Fiches) ist nicht unkorrekt.
    Hier wurden nur Konten in Nachlässen, genauer vererbten Kontenguthaben, verhandelt. Wie sieht es aber mit geschenkten Guthaben auf Sperrkonten mit Codenamen aus, die nicht mehr nachvoolziehbar – also unbekannt – sind? Auch diese Fälle sind nicht selten. Wenn der Schenker verstorben ist, ist eine Auflösung nur über die Bank möglich. Ist sie dazu verpflichtet und welche Nachweise sind gegebenenfalls zu erbringen? Für einenHinweis wäre ich Ihnen sehr verbunden.

  7. Vielen Dank für diesen Artikel, wie verhält es sich jedoch mit „herrenlosen Wertpapieren“
    herausgegeben von deutschen Banken in den 30er-Jahren ?

  8. Das Bundeszentralamt für Steuern kann für alle in Deutschland bestehenden Konten die wesentlichen Daten abfragen. So kann beispielsweise in der Zwangsvollstreckung nach der ZPO der Gerichtsvollzieher (unter recht engen Voraussetzungen, insbesondere der Verweigerung der Abgabe eines eidesstattlich versicherten Vermögensverzeichnisses) beauftragt werden, die Daten über das Bundeszentralamt für Steuern abzufragen. Die Kosten liegen bei unter € 100,00. Allerdings ist eine Abfrage durch Privatpersonen nicht möglich (https://www.bzst.de/DE/Privatpersonen/Kontenabruf/kontenabruf_node.html). Dies ist aus Datenschutzgründen nachvollziehbar, wenn es um fremde Daten geht. Geht es um eigene Daten (zu denen auch die ererbten Konten gehören), überzeugt dies jedoch nicht. Dies wäre der einfachste und günstigste Weg, die Daten zu erhalten. Vielleicht ein Anlass, hier einmal journalistisch nachzuhaken?

  9. Unser Problem als Erbengemeinschaft ist, dass wir zwar von einem Luxemburger Konto seit einigen Jahren wissen und auch, dass das Geld zurückgeholt werden kann, wir aber nicht wissen wie, da wir erst nach einem 3/4 Jahr über die Erbschaft informiert wurden und viele Dokumente nicht auffindbar sind. Die Luxemburger Bank bestätigt alles, sagt aber das der Erbschein nicht ausreicht. Wir finden dies höchst fragwürdig, da man uns nicht in dieser Sache nicht weiterhilft.
    Von welcher Summe wir reden, ganz zu schweigen.
    Der Verweis von Ihnen auf eine Luxemburger Hilfestelle ist gut, aber leider alles in englischer, französischer oder luxemburger Sprache.

    • Zu einem Luxemburger Konto: Wenden Sie sich an die Botschaft von Luxemburg: https://berlin.mae.lu/ge/Adresse-und-Oeffnungszeiten-der-Botschaft. Die müssten bei der Übersetzung behilflich sein und ihnen erläutern, was die Bank tatsächlich als Nachweis verlangt, damit sie Ihnen glaubt, dass Sie Erbe sind. Und eigentlich sollte die Luxemburger Bank auch den deutschen Erbschein anerkennen.
      Helfen würde auf jeden Fall ein sogenanntes europäisches Nachlasszeugnis. Das könnten Sie beim Nachlassgericht beantragen und gilt auf jeden Fall als Nachweis in Luxemburg.

  10. Wie ist die Situation im Hinblick auf Konten-Suche in einem Behinderten-Testament für den gesetzlich erforderlichen Testamentsvollstrecker? Eine Aufzählung diverser Banktypen des Erblassers noch zu dessen Lebzeiten ist unüblich, weil noch veränderlich. Was könnte Finanztip.de dazu empfehlen?

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