New Yorker Börse
Bild: Richard Drew / AP/dpa

Kürzlich nannte die „Süddeutsche Zeitung“ den MSCI World einen „Schummel-Index“. Harte Worte. „Ist da was dran?“, fragt beispielsweise Finanztip-Leser Philipp, und Frederick erkundigt sich in unserem Forum: „Reicht es aus, in den MSCI World zu investieren?“

Wir finden: ja. Und Geschummel können wir da nicht entdecken. Wenn Du Dir einen ETF mit den 1.600 größten börsennotierten Firmen aus 23 Industrieländern ins Depot legst, ist das eine gute Entscheidung.

Das Gewicht der einzelnen Staaten im Aktienkorb entspricht nicht ihrer Wirtschaftsleistung, lautet ein Kritikpunkt am MSCI World. Doch das sind Äpfel und Birnen. Nur ein Beispiel: Der deutsche oder auch italienische Mittelstand sind sehr fleißig – aber gar nicht an der Börse vertreten. Und deshalb verständlicherweise auch nicht im Index.

Weiterer Kritikpunkt ist der starke Schwerpunkt auf den USA. Für die Top 3 im MSCI World haben wir ihr internationales Geschäft mal genauer angeschaut. Apple erzielte im vorigen Jahr 55 Prozent seiner Einnahmen außerhalb des amerikanischen Kontinents. Microsofts Umsatz kommt nur zur Hälfte aus den USA, Amazon macht immerhin etwa 30 Prozent seines Geschäfts außerhalb der USA. Ein kleiner Beleg dafür, wie global die US-Schwergewichte im Index agieren.

Wir bleiben dabei: Etwas mehr Schwellenländer oder Europa fürs Depot sind als Erweiterung okay. Aber mit dem Dickschiff MSCI World machst Du nichts falsch und deckst die mit Abstand wichtigsten Börsenwerte ab.

In einer aktuellen Folge von Tenhagens Corona-Podcast sprechen wir über die Kritik am MSCI World.

Mehr dazu auch hier.


Tenhagens Corona-Podcast


Hendrik Buhrs
Autor

Stand:

Redakteur im Team Bank und Versicherung. Vor seiner Zeit bei Finanztip berichtete er für die Radioprogramme des Hessischen, später des Westdeutschen Rundfunks über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Hendrik hat in Münster und Exeter VWL studiert. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er bei Radio Q und im Lokalfunk Recklinghausen. Gespartes Geld investiert er gern in Reisen.

1 Kommentar

  1. Ich kann diese Kritik an jenem Artikel der Süddeutschen Zeitung nicht nachvollziehen. Ja, der Begriff „Schummel-Index“ ist recht plakativ, bezieht sich in jenem Artikel aber vor allem darauf, dass die Bezeichnung „World“ eine größere Streuung suggeriert, als der Index tatsächlich abbildet, da nur Industrienationen enthalten sind. Die von der SZ angesprochenen Nachteile des MSCI World sind aber nunmal zutreffend: Die USA sind im Index massiv überrepräsentiert, Schwellenländer (darunter immerhin drei der zehn größten Volkswirtschaften!) nicht enthalten.

    Dass hier vorgebrachte Argument, dass US-Unternehmen Umsätze im Ausland generieren, wird übrigens von der SZ auch explizit genannt. Allerdings könnte man das Argument auch umdrehen: Denn natürlich machen auch Nicht-US-Unternehmen Umsätze in und mit den USA. Und angesichts des Außenhandelsdefizits der USA dürfte dieser Effekt sogar stärker sein.

    Letztendlich spricht sich jener SZ-Artikel gar nicht gegen eine Investition in MSCI-basierte ETFs aus: Er empfiehlt statt Investitionen in den MSCI World eine Aufteilung auf vier regionale Indizes mit jeweiliger Gewichtung nach Wirtschaftsleistung. Was das im MSCI World bestehende Klumpenrisiko tatsächlich deutlich senkt.

    Für einen Anleger, der per Sparplan 25 Euro im Monat spart, ist eine Aufteilung auf mehrere ETF natürlich witzlos, weil zu aufwändig. Aber wer einmal eine größere Summe oder monatlich > 500 € anlegt, für den ergibt das durchaus Sinn. Was nicht heißt, dass es nicht gut ist, in den MSCI World zu investieren – aber das sollte kein Grund sein, es nicht noch besser zu machen.

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