Scholz und Merkel
Bild: Michael Kappeler / dpa-Pool / dpa

130 Milliarden Euro will der Staat ausgeben, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln – und uns zum Einkauf zu locken. Das beschlossen diese Woche die Spitzen der Großen Koalition. Wichtigste Maßnahme dazu ist die Senkung der Mehrwertsteuer Anfang Juli von 19 auf 16 Prozent bis Ende des Jahres. Der ermäßigte Satz soll von 7 auf 5 Prozent sinken. Ob die Anbieter den Vorteil an die Kunden weitergeben oder für sich behalten, wird man sehen. Zumindest der Gastronomie und kleinen Händlern könnte man es kaum übelnehmen. Wo es aber viel Konkurrenz gibt, dürften auch die Preise sinken.

Alle Maßnahmen im Konjunkturpaket müssen zunächst in Gesetze gegossen werden. Änderungen sind also noch möglich. Hier die wichtigsten Maßnahmen:

Eltern: Für jedes kindergeldberechtigte Kind bekommen Sie einen einmaligen Bonus von 300 Euro. Für viele Besserverdiener bleibt davon aber nach der Steuererklärung 2020 nichts mehr übrig: Sie profitieren mehr vom Kinderfreibetrag als vom Kindergeld – und der Freibetrag wird nicht geändert. Das ausgezahlte Kindergeld wird damit verrechnet. Wer Hartz IV bezieht, darf den Kinderbonus komplett behalten. Alleinerziehende können bei der Steuer einen speziellen Freibetrag nutzen: den Entlastungsbetrag. Dieser steigt deutlich von 1.908 Euro auf 4.000 Euro für dieses und nächstes Jahr.

Autofahrer: Die umstrittene Kaufprämie für Benziner und Dieselautos ist vom Tisch, was ausnahmsweise mal Ökonomen und Umweltschützer gemeinsam loben. Stattdessen verdoppelt der Staat den Zuschuss für Elektroautos bis 40.000 Euro Nettolistenpreis auf 6.000 Euro. Hinzu kommt noch der Bonus vom Hersteller von mindestens 3.000 Euro (manche geben weitere Nachlässe). Plus Mehrwertsteuervorteil. Außerdem fällt zehn Jahre lang keine Kfz-Steuer an, diese Maßnahme wurde verlängert. Zugleich soll es mehr Ladesäulen geben und endlich ein einheitliches Bezahlsystem dafür.

Stromkunden: Die Ökostrom-Umlage soll nächstes Jahr von derzeit 6,76 Cent auf 6,5 Cent sinken und im Jahr 2022 dann auf 6 Cent. Ohne Gegenmaßnahmen würde sie vermutlich drastisch steigen. Die Entlastung macht am Ende pro Haushalt einen niedrigen zweistelligen Betrag aus.

Arbeitnehmer, Selbstständige und Unternehmen: Durch die „Sozialgarantie 2021“ will die Bundesregierung die Nettogehälter stabil halten. Dafür sollen die Beiträge für die Sozialversicherung auf 40 Prozent gedeckelt werden – aktuell sind es um die 39,75 Prozent. Zusätzliche Hilfen bekommen Unternehmen, deren Umsätze aufgrund der Coronakrise eingebrochen sind. Besonders erwähnt werden in dem Papier unter anderem Hotels und Gaststätten, Caterer, Kneipen, Clubs und Bars, Jugendherbergen, Reisebüros, Schausteller und Veranstalter. Der maximale Hilfsbetrag beträgt 150.000 Euro für drei Monate.

Unternehmer, die auch während der Coronakrise genauso viele oder mehr Menschen ausbilden, können bis zu 3.000 Euro Prämie für jeden neu geschlossenen Ausbildungsvertrag erhalten. Das Geld wird nach dem Ende der Probezeit ausgezahlt.

Das Original-Dokument zum Konjunkturpaket finden Sie übrigens hier.

 

Unsere Ratgeber zur Corona-Krise:

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Von Miete bis Kredite – wie Sie Zahlungen aufschieben können
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Daniel Pöhler
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Daniel Pöhler arbeitet am Newsletter und wirkt als stellvertretender Textchef an der sprachlichen Qualität der Finanztip-Texte mit. Seine redaktionellen Schwerpunkte sind Mobilität und Digitales. In seinem Volontariat bei einem Münchner Fachmagazin hat er erfahren, wie die Telekommunikations-Branche und der Handel ticken. Daniel hat ein Diplom in Betriebswirtschaft von der Universität Bayreuth.

8 Kommentare

  1. Super, das Paket ist da und meine Dönerbude von Nebenan hat gleich reagiert. Letzte Woche gabs den Döner noch für 3,50€, jetzt kostet er 4€. Ein Schelm der dabei Böses denkt, wenn ab 01.07. der Döner wieder 3,50€ kostet, das sind ja gleich mehr als 3% Rabatt, das ist günstig, zumindest bis 31.12.
    Unterm Strich, das Paket ist nicht verkehrt, es jedem Recht zu machen geht nicht aber einige Dinge, wie. z.B. eine Autoprämie, egal was für ein Antrieb, Nein, das hätte in die Bildung und die Infrastruktur gehen müssen, Nachhaltig eben.

  2. Frage: wie wirkt sich due MWST Senkung ab 1.7.20 bei Versicherungen aus, die schon vor diesem Datum fürs ganze Jahr bezahlt wurde? Rückerstattung? Wie bei denjenigen, die monatlich abgebucht werden? Wie bei Krankenversicherungen?

    1. Es gibt keine Mehrwertsteuer auf Versicherungsbeiträge.

      Auf Kranken- und Lebensversicherungsbeiträge zahlt man keine Steuern. Auf Sachversicherungen (KfZ, Privathaftpflicht, Hausrat, etc.) gibt es die Versicherungssteuer, die entweder auch 19% beträgt wie die Mehrwertsteuer oder darunter liegt (z.B. Feuer, Hausrat-, Wohngebäudeversicherung).

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