Ukraine-Konflikt
Bild: Emilio Morenatti / AP / dpa

Am Donnerstag hat Russland die Ukraine überfallen, am Freitag standen bereits Panzer vor der Hauptstadt Kiew. Schon nach dem ersten Tag sind viele Tote zu beklagen und Tausende Menschen auf der Flucht. Es ist ein brutaler Angriffskrieg gegen einen souveränen Staat, mit dem Russland die europäische Friedensordnung nach dem Fall der Mauer aufkündigt. Eine Erschütterung, die Leben und Politik in ganz Europa verändern wird.

Lange Zeit haben Deutschland und Europa versucht, Russland durch Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit zum Partner zu machen. Das ist gescheitert. Auf einem Krisengipfel am Donnerstagabend vereinbarten die Ministerpräsidenten der Europäischen Union weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen russische Banken, Oligarchen und Industrie. Sie sollen an diesem Freitag in Kraft treten. Weitere Maßnahmen könnten folgen. Das wird auch uns etwas kosten.

Hier eine erste Einschätzung, was das für das Leben hierzulande bedeutet.

Haben wir genug Gas zum Heizen, falls Russland nicht mehr liefert?

Kurz und mittelfristig ja, erklären einhellig Gas-Branchenverband, Bundesregierung und EU-Kommission. Zwar werden fast die Hälfte des deutschen Gasbedarfs und 40 Prozent des EU-Verbrauchs mit russischem Gas gestillt. Aber noch sind die Lager voll genug. Außerdem haben sich die EU-Staaten abgestimmt und zusätzliche Lieferungen von Flüssiggas geordert, die über das Gasnetz verteilt werden. Für den nächsten Winter müsste die EU aber auch auf andere Energieträger ausweichen.

Werden die Energiepreise steigen?

Durch den russischen Einmarsch ist der Gaspreis an der Börse auf einen neuen Rekord geschnellt. Klar ist damit, dass wir alle mit deutlich mehr Kosten fürs Heizen rechnen müssen. Weil Gas teuer ist, weicht die Industrie auf andere Energieträger aus. Deshalb steigen auch die Kosten für Kohle oder Öl – und auch für erneuerbare Brennstoffe.

Wenn Du in einem Haus mit Zentralheizung lebst, streckt Dein Vermieter den Heizkostenanstieg vor. Die Preiserhöhungen kommen also verzögert bei Dir an. Bereite Dich darauf vor. Für Wohngeld- und Bafög-Empfänger gibt es bereits einen Heizkostenzuschuss der Regierung, der aber deutlich zu niedrig ist, um alle Erhöhungen auszugleichen. Prüfe, ob Du Wohngeld-Anspruch hast.

Müssen wir auch für Strom mehr zahlen?

Auch der Börsenpreis für Strom ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen, um mehr als 70 Prozent. Für Verbraucher wurde Strom aber nur etwa 13 Prozent teurer, vor allem weil die EEG-Umlage sank.

Um die Kunden bei den Energiekosten zu entlasten, hat die Ampelkoalition beschlossen, im Sommer die EEG-Umlage ganz abzuschaffen, was den Strom 4,4 Cent pro Kilowattstunde günstiger macht (siehe Beitrag weiter unten). Außerdem bringt das Frühjahr wieder einen höheren Anteil an Solarenergie, was ebenfalls den Strompreis dämpft. Schließe also aktuell eher keinen neuen Jahresvertrag für Strom ab, wenn Dein aktueller Preis nicht völlig überteuert ist.

Wird die Inflation zunehmen?

Energie steckt in vielen Preisen als Kostenfaktor. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass höhere Gaspreise die Inflation deutlich treiben. Das IW rechnet in zwei Szenarien mit 4 bis 6 Prozent Inflation für dieses Jahr. Schon vor dem Ukraine-Krieg erwartete die Bundesbank 3,6 Prozent Inflation für das gesamte Jahr. Auch die EU-Sanktionen gegen Russland werden zur Inflation beitragen.

Was bedeutet das für meinen Arbeitsplatz?

Wir müssen damit rechnen, dass die steigende Inflation und die Sanktionen die Konjunktur insgesamt drosseln – und die Erholung von der Corona-Pandemie verlangsamen.

Nur wenige Jobs werden direkt betroffen sein: Der Anteil Russlands am deutschen Handel ist mit rund 2 Prozent vergleichsweise gering. Die russisch geführten Unternehmen in Deutschland beschäftigen nur etwa 8.100 Mitarbeiter. Aber es gibt auch einzelne Firmen, die viel nach Russland verkaufen und nun hart getroffen werden könnten.

Was bedeutet das für meine Aktien?

Die Berichterstattung über die Börsen ist meist sehr alarmistisch. Tatsächlich verzeichnen die globalen Börsenindizes wie auch der Dax Verluste am Tag des Einmarsches – aber nur ein paar Prozent, also in überschaubarem Rahmen. MSCI World und Dax standen Freitagfrüh noch immer über dem Niveau von vor zwölf Monaten.

Hart getroffen hat es am Donnerstag die russische Börse, die an dem Tag ein Drittel an Wert verlor. In den von uns empfohlenen ETFs spielen russische Firmen kaum eine Rolle – in keinem ETF machen sie mehr als 0,4 Prozent aus. Wer unseren Empfehlungen gefolgt ist, kann sein Depot einfach in Ruhe lassen.

Was bedeutet das für Festgeld bei russischen Banken?

Beim Festgeld haben wir immer von Anlagen in unsicheren Ländern abgeraten. Auch in Russland. Allerdings gibt es Töchter russischer Banken, nämlich die VTB Direkt in Frankfurt und die Sberbank in Wien, die bisher zu unseren Empfehlungen gehörten. Denn Einlagen dort sind durch die Einlagensicherungen von Deutschland und Österreich geschützt.

Trotz der Sanktionen gegen die Mutterkonzerne, die beide mehrheitlich im Staatsbesitz sind, musst Du Dir also keine Sorgen machen. Geld beim Robo-Advisor von VTB Invest ist Sondervermögen – und damit auch sicher.

Ob man da jetzt noch Geld neu anlegen möchte, ist eine andere Frage. Wir haben beide Anbieter aus unseren Empfehlungen herausgenommen.

+++ Aktualisierung, 2. März: Die Sberbank Direkt und die Sberbank Europe stellen den Betrieb ein. Sparer müssen sich keine Sorgen machen, denn sie werden von der Einlagensicherung entschädigt. Pro Person sind in der Regel bis zu 100.000 Euro geschützt. Mehr erfährst Du in unserem Beitrag zur Sberbank. +++

Was passiert als Nächstes?

Einhellig sprachen gestern Politiker von SPD, Grünen, FDP und Union von einer Zäsur, die eine neue Politik erfordere. Wir werden Dich auf diesem Weg begleiten und Dich über alles, was Deine Finanzen betrifft, auf dem Laufenden halten.

Matthias Urbach
Autor

Stand:

Matthias Urbach war von 2014 bis 2022 stellvertretender Chefredakteur von Finanztip. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

19 Kommentare

  1. Mein Festgeld bei der VTB läuft noch 1,5 Jahre. Gibt es irgendeine Möglichkeit das Festgeld zu kündigen. (z.B. drohende Insolvenz, Wegfall der Geschäftsgrundlage). Wenn ja könnten Sie ein Musterschreiben dazu veröffentlichen. Wie soll man sich verhalten? Einfach abwarten, bis die VTB insolvent wird und man aus der Einlagensicherung Geld bekommt?
    Was raten Sie Sparern mit Festgeld bei der VTB?

  2. Hallo
    in verschiedenen Medien list man jetzt zur aktuellen Lage und dem Krieg in der Ukraine, abstürzende Börsenkurse, widersprüchliches zum Thema – Mir geht es darum ob man jetzt aus einem breit gestreuten nachhaltigen Welt Aktien ETF wie ISIN: LU0629459743 (UBS ETF (LU) MSCI World Socially Responsible UCITS ETF) eine Zeitlang aussteigen solle – also damit man nicht (vielleicht die ganze) Talfahrt komplett mit macht und wenn die Lage in Russland und der Ukraine wieder stabiler sind bzw. ein Ende des Konflikts absehbar sind wieder das Geld in diesen ETF anzulegen.

    Mal lese ich man kann getrost in dem ETF drin bleiben da es nur kurzfristige Kurschwankungen sind und auf längere Sicht z.B. 5-10 Jahre eher keinen Einfluß hat.
    Mal lese ich dass diese Krise nicht zu unterschätzen ist und es zu einer weltweiten Rezession kommen könnte.

    Was raten Sie?

  3. Hallo,

    ich habe die Aktualisierung bzgl. des Moratoriums gelesen. Mein Mann hat tatsächlich sein Tagesgeldkonto auf der Sberbank. Am Freitagabend hatten wir versucht das Geld noch abzubuchen, was durch das Moratorium misslang. Die Bank teilte uns mit, dass das Geld noch da sei, wir es aber nicht mehr sehen können,da dieses erst manuell neu eingebucht werden müsse. Es ist nicht so beruhigend, sich auf das Hören Sagen fremder Menschen zu verlassen. Die Frage die sich mir stellt ist nun, ob die Bank uns den Zugriff auf das Geld verwehren kann und wie lange es dauert, bis wir es zurück bekommen. Die Einlagensicherung greift im Falle eines Bankrotts der Bank, was passiert aber, wenn die Bank nicht zahlungsunfähig wird, haben wir dann wirklich monatelang keinen Zugriff auf das Geld? Letztendlich sind das Rücklagen,auf die man im bestimmten Fall angewiesen ist. Wir sind natürlich sehr besorgt aktuell.

  4. Guten Morgen,
    ich beschäftige mich derzeit mit dem Thema Geldanlage. Bei meiner Hausbank habe ich ein Depot eröffnet, das im Jahr 12 Euro kostet. Mir geht es um Anlage in Unternehmen, die im Bereich der nachhaltigen Energien arbeiten, die Menschenrechte achten und keine Rüstungsgeschäfte machen.
    Der Finanzberater meiner Bank hat mir einen Strauß aus unterschiedlichen Aktien- und Rentenfonds zusammengestellt und schlägt vor, in mehreren monatlichen Tranchen zu investieren. Er empfiehlt mir, genau jetzt einzusteigen.
    Im Depot ist beispielsweise der Deka Nachhaltigkeitsfonds Global. Die Kosten für diesen Fonds stellen sich so dar:
    Kostenzusammenfassung bei einer angenommenen Haltedauer von 5 Jahren
    Dienstleistungskosten 85,86 EUR 1,16 % p.a.
    Produktkosten 103,55 EUR 1,43 % p.a.
    Gesamtkosten 189,41 EUR 2,59 % p.a.
    davon Zuwendung an die Sparkasse 82,65 EUR 1,12 % p.a.
    davon Zuwendung an die DekaBank 3,21 EUR 0,04 % p.

    Weitere empfohlene Fonds sind:
    – Deka-Nachhaltigkeit Impact-Aktien CF
    – Deka-Nachhaltigkeit Renten CF
    – Deka-Umweltinvest CF

    Meine Fragen:
    1. Ist es tatsächlich sinnvoll, jetzt einzusteigen?
    2. Sind die Kosten z.B. für den o.a. Fonds angemessen?
    3. Ist es ratsam, diese Fonds zu kaufen und dabei vor allem nur auf den Anbieter Deka zu setzen?

    Danke, mit freundlichen Grüßen
    Frank Gerstenberg

    1. Hallo, Herr Gerstenberg. Wenn Sie viel Zeit mitbringen, wie wir es immer raten (10, besser 15 Jahre lang nicht an das Geld müssen), spielt der Einstiegszeitpunkt keine besondere Rolle. Langfristig hat sich der Aktienmarkt aufwärts entwickelt. Da würde ich also soweit mitgehen. Mehrere Tranchen sind zur Abfederung nicht verkehrt, allerdings weiß man auch hier nicht im Voraus, welche kurzfristigen Schwankungen es geben wird.
      Die Fonds sind aktiv gemanaget und haben entsprechend deutlich höhere Jahresgebühren als passiv anlegende ETFs, die wir bei Finanztip empfehlen. Jahr für Jahr fließt also ein nicht ganz kleiner Teil der Anlage ins Management. Schauen Sie gut in die Fondsunterlagen, ob Ihnen die Sache das wert ist. Bei einer überzeugenden Nachhaltigkeitsstrategie ist das, je nach Ihren Vorstellungen, vielleicht ok. Der Deka-Nachhaltigkeit GlobalChampions CF (wenn Sie den meinten) hat aber beispielsweise die größten Positionen Alphabet, Apple, Amazon, Microsoft. Das bekommen Sie platt gesagt deutlich günstiger UND mit stärkeren Filterkriterien bei einem nachhaltigen ETF auf den MSCI World SRI.
      https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/nachhaltige-geldanlagen/
      Vielleicht kommt auch eine Kombination aus einem nachhaltigen ETF (günstig) und einem spezialisierteren aktiven nachhaltigen Fonds (teurer, aber präziser) in Frage.
      Ein Gedanke zum Schluss: Wenn Sie Wert auf einen Ansprechpartner und das vertraute Bank-Umfeld legen, sind insbesondere für Einsteiger auch die genannten Produkte nicht verkehrt. Vielleicht kommt dann nach einer Startphase die Lust, es kostengünstiger mit passiven und/oder spezialisierteren Fonds zu versuchen.
      Viele Grüße!

  5. Hallo Herr Diener,

    nach der Finanztip-Empfehlung habe ich voriges Jahr einen Sparplan für einen Robo-Advisor über je 100 Euro monatlich bei VTB Invest abgeschlossen. 8 mal 100 Euro habe ich bis jetzt einbezahlt und auch den Bonus von 50 Euro bekommen. Soll ich die monatliche Rate weiterhin einbezahlen, wenigstens solange, bis ich ein Jahr erfüllt habe und damit den Bonus nicht zurückzahlen muss? Oder soll ich die Zahlungen stoppen, weil ggf. die Einlagensicherung nicht eintritt für Geld, das in Kenntnis der Sanktionen überweisen wurde?

    Vielen Dank für Ihre Antwort!

    Gert Fleischer

  6. Habe noch einen Vertrag über die vermögenswirksamen Leistungen bei der VTB bis 2027. Kann ich den Vertrag kündigen oder zumindest aussetzen, damit nicht weiter Geld eingezahlt wird?

  7. Hallo!
    Was sollte man als Kunde der Sberbank direct tun? Ich habe heute die Auszahlung beauftragt, aber was passiert, wenn am 02.03.2022 das Moratorium endet und die Bank pleite ist? An wen kann ich mich dann wenden und wie erhalte ich mein Geld aus der Anlagensicherung?
    Vielen Dank für Eure Hilfe!

    1. Hallo Martin, während des Moratoriums bekommt man keinesfalls mehr als die zugestandenen 100 Euro pro Tag heraus. Falls die europäische Aufsicht danach den Entschädigungsfall offiziell feststellt, muss man nichts machen, man wird kontaktiert. Allerdings sollten dafür die Kontaktdaten aktuell sein, die bei der Bank hinterlegt sind. Aufgrund einer Kooperation zwischen der österreichischen Einlagensicherung ESA und der deutschen EdB (Entschädigungseinrichtung deutscher Banken) würden Sparer aus Deutschland von der EdB kontaktiert werden.
      https://www.einlagensicherung.at/sbe.php
      Viele Grüße!

  8. FRIEDENSAPPELL 🕊️☮️

    In Europa endet das Friedensglück,
    Das Reich des Bösen meldet sich zurück.
    Der Angriffskrieg, eine scheußliche Tat,
    Fluch über Putin samt Machtapparat.
    Lasst die Ukraine jetzt nicht allein,
    An Dnepr und Donez muss Friede sein.

    Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Land.
    Die Waffen nieder, den Krieg verbannt!
    Sofort stoppen den Kampf und das Leid,
    Zum Sieg verhelfen der Menschlichkeit.
    Den Erdball frei von Hass und Aggression,
    Frieden und Freiheit für alle der Lohn.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

    1. Hallo, M. Diener. Ein Kreditvertrag läuft grundsätzlich weiter, also insbesondere die Verpflichtung, das Geld wie vereinbart zurückzuzahlen. Wie das im konkreten Fall dann ablaufen wird, kann man heute noch nicht sagen. Viele Grüße!

    2. Ich würde keinen Cent weiter bezahlen. Der Wert der ganzen Assets die die neuen „Besitzer“ eingesackt haben übersteigt bei weitem das was die Einlagensicherung an die Kunden auszahlen wird…

  9. Gute Morgen,
    Ich beschäftige mich gerade mit dem Thema Geldanlage, habe hierzu ihren großen Depot Check Februar 2022 vorliegen. Wäre nun nicht der richtige Zeitpunkt, zu investieren?
    Mit freundlichen Grüßen
    FB

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