Verdichterstation
Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Seit Mittwochmorgen acht Uhr liefert Russland kein Gas mehr an Polen und Bulgarien; durch die Jamal-Pipeline (Bild oben) fließt nichts mehr. Die Nachricht ließ die Gaspreise an der Börse direkt auf 11 Cent pro Kilowattstunde in die Höhe schnellen – das sind rund 15 Prozent mehr als Anfang der Woche. Noch sind sie zwar nicht wieder auf dem Höchststand nach Ausbruch des Krieges. Aber die Märkte kommen nicht zur Ruhe.

Für Dich bedeutet das: Der Preis für Dein Erdgas bleibt weiter hoch – und könnte sogar nochmal steigen.

Russlands Lieferstopp trifft uns auch

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat bereits erklärt, dass es „solidarische Notfallpläne“ in der Europäischen Union gebe. So betrifft der Lieferstopp auch uns ganz direkt. Seit Kriegsbeginn sucht nicht nur Wirtschaftsminister Habeck (Bild unten) nach alternativen Quellen. Tatsächlich gibt es bereits Lieferzusagen aus den USA, Katar und Ägypten, die aber bislang längst nicht alles an russischem Gas ausgleichen können.

Bei Engpässen geht die Versorgung von Privathaushalten zwar vor, aber die Preise könnten weiter steigen. Ob Dein Anbieter den Preis erhöht, hängt auch davon ab, wie langfristig seine Lieferverträge sind. Je mehr kurzfristige Verträge er hat, desto stärker muss er den Preis erhöhen.

Rechne mit steigenden Preisen

Wohnst Du im eigenen Haus oder hast Du eine Etagenheizung, hat Dein Gasanbieter vermutlich schon deutlich erhöht. Stell Dich auf weitere Preiserhöhungen ein – vielleicht im Sommer oder Herbst, spätestens aber zum Jahreswechsel.

Der Wechsel des Anbieters bringt nicht immer eine Entlastung: Vergleiche stets erst die Preise, bevor Du Deinen bestehenden Vertrag kündigst. Und bedenke: Derzeit sind einige Grundversorger am günstigsten. Aber auch sie können jederzeit den Preis anheben.

Bei Gas-Zentralheizung Geld zur Seite legen

Lebst Du in einem Haus mit Zentralheizung zur Miete, spürst Du die höheren Gaspreise wahrscheinlich erst, wenn die nächste Heizkostenabrechnung kommt. Diese Abrechnung dürfte zwar etwas höher ausfallen als zuvor – aber noch nicht so sehr. Denn sie bezieht sich ja auf 2021. Und in dem Jahr stieg der Gaspreis für Haushalte im Schnitt nur um 1 Cent pro Kilowattstunde (kWh).

Bei einem typischen Haushalt in einer 80-Quadratmeter-Wohnung in einem durchschnittlich gedämmten Haus liegt der Verbrauch bei etwa 10.000 kWh jährlich. Das kostete 2021 etwa 700 Euro – 100 Euro mehr als im Jahr zuvor.

Habeck
Bild: Bernd von Jutrczenka / dpa

Verdoppelter Gaspreis

Richtig heftig wird die Abrechnung im kommenden Jahr. Denn seit Ende 2021 hat sich der Gaspreis nahezu verdoppelt. Nach unserer Schätzung müssen Verbraucher derzeit im Schnitt rund 13 Cent pro kWh mehr zahlen. Genaue Zahlen werden erst im Sommer vorliegen.

Um beim Beispiel zu bleiben: Kostete es 2020 noch 600 Euro, um unsere 80 Quadratmeter zu heizen, und 2021 etwa 700 Euro, dürften 2022 etwa 1.300 Euro zusammenkommen. Den Mehrbetrag stellt Dir Dein Vermieter aber erst 2023 als Nachzahlung in Rechnung. Alternativ kann er schon dieses Jahr die Vorauszahlungen erhöhen. Dazu braucht er keine Zustimmung.

Entlastungspaket hilft

Damit Du die Kosten stemmen kannst, will der Staat helfen: Du sollst in diesem Jahr einmalig 300 Euro (vor Steuern) erhalten, wenn Du arbeitest und Sozialabgaben zahlst. Dieses Entlastungspaket hat das Kabinett diese Woche endgültig beschlossen; im Mai wird es vermutlich im Bundestag verabschiedet.

Das Entlastungspaket wird aber nicht alle Mehrkosten auffangen, weil die Preise insgesamt steigen. Im April lag die Teuerungsrate vorläufigen Berechnungen zufolge bei 7,4 Prozent. Unser Tipp für Mieter mit Zentralheizung: Lege jetzt genug Geld auf die Seite, um die Nachzahlung im kommenden Jahr schultern zu können – wenn Dein Vermieter die Vorauszahlung nicht sowieso schon stark erhöht hat.

Sollte sich der Konflikt zwischen Russland und der EU weiter verschärfen, könnten die Gaspreise noch steigen. Hier findest Du Tipps zum Energiesparen. Und hier Spartipps gegen die Inflation.

Zum Ratgeber

Ines Rutschmann
Autor

Stand:

Ines Rutschmann ist unsere Energie-Expertin und widmet sich allen Fragen, die sich Verbraucher rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung. Danach war sie für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Masterabschluss in Energiemanagement.

2 Kommentare

    1. Lieber Hans,
      unser Vergleichsrechner ist unabhängig von der Größe des Hauses. Sie können Ihren Gasverbrauch eingeben und erhalten Angebote. Ob es sich um ein Einfamilienhaus, ein Mehrfamilienhaus oder eine Wohnung mit Gasetagenheizung handelt, ist egal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate-Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate-Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.