Bären am Wasserfall
Bild: ZUMA Wire / IMAGO

Vertrauen zu haben, ist eigentlich eine gute Überzeugung. Sie wird aber traditionell am 1. April auf die Probe gestellt: An diesem Tag sind wir alle etwas aufmerksamer, um nicht auf einen Streich hereinzufallen.

Dabei sollten wir uns eine gewisse Grundskepsis zur Lebensregel machen, zumindest wenn wir online unterwegs sind. Denn wir werden inzwischen förmlich bombardiert mit vielen lukrativen Versprechen, hinter denen nichts steckt als die Absicht uns auszunehmen.

Deshalb haben wir für Dich zum 1. April die häufigsten Betrugsmethoden im Netz zusammengestellt, die leider kein Scherz sind.

1. Die Sanktions-Masche: „Sonst wird Ihr Konto eingefroren“

Die Mail sieht aus wie eine Nachricht der Sparkasse. „Durch das aktuelle Vorgehen der russischen Regierung … sind alle Banken der EU verpflichtet sicherzustellen, dass alle ihre Kunden sich an die neuen Sanktionen halten.“ Deswegen müsse man das Konto einfrieren, wenn der Kunde sich nicht ganz schnell neu verifiziere. Darunter ein Button zur Anmeldung. Er führt auf eine gefälschte „Sparkassen“-Website. Dort fangen Kriminelle die Daten ab und plündern das Konto.

Experten sprechen von Phishing, weil persönliche Daten abgefischt werden. Solche oder ähnliche Mails mit Links auf betrügerische Websites kommen auch im Namen anderer Banken wie DKB oder Volksbank. Neueste Variante: eine Mail mit QR-Code statt Link. Der Effekt ist derselbe.

Hier unsere Tipps dazu. Hier eine Liste aktueller Phisher.

Bär und Fisch
Bild: ITAR-TASS / IMAGO

2. Der Mitleidstrick: „Jetzt spenden!“

Der russische Angriff auf die Ukraine schockiert uns alle. Viele wollen helfen. Und auf Social Media kursieren natürlich auch betrügerische Spendenaufrufe. Einer zum Beispiel führt auf eine Website mit dem Titel „Erste Hilfslieferungen unterwegs“. Dazu ein großer Button mit Herzsymbol „Jetzt spenden!“.

Auf solchen Seiten sind meist wenig Informationen zu finden. Dafür werden Gefühle geschürt. Doch spenden solltest Du mit kühlem Kopf. Wie Du den Ukrainern wirklich helfen kannst, liest Du hier.

3. Die Fake-Shops: „Sofort lieferbar und supergünstig“

Durch die Corona-Krise sind viele Lieferketten gestört. Etwa bei Fahrrädern ist das Angebot zu Saisonbeginn knapper als üblich. Ideale Bedingungen für Fake-Shops. Erst Anfang März warnte die Polizei in Rheinland-Pfalz vor fahrrad-handels·de, wo beliebte Modelle angeblich supergünstig und sofort lieferbar waren.

Früher konntest Du Fake-Shops am schlechten Deutsch erkennen oder am fehlenden Impressum. Inzwischen sehen viele perfekt aus. Auffällig ist nur, dass sie in aller Regel am Ende auf Vorkasse bestehen. Hier eine Liste mit Fake-Shops, die aber nie vollständig sein kann.

Am besten kaufst Du nichts Teures in Shops, wo Du noch nie bestellt hast. Und wähle nur Zahlungsarten mit Käuferschutz. Weitere Tipps findest Du hier.

4. Krypto-Betrug: „Friedrich Merz investiert in Bitcoin“

Die mickrigen Zinsen der Banken sind deprimierend. Deshalb gibt es viele Gaunereien, die hohe Rendite versprechen. Besonders beliebt ist Betrug mit Kryptowährungen. Denn auch die seriöse Berichterstattung ist voll mit dem Thema, die Chancen klingen verlockend. Um Anleger zu narren, werden sogar Medien-Websites nachgebaut. Etwa ein vermeintlicher Zeit-Online-Artikel zu den Auswirkungen des Ukrainekriegs mit dem Titel „Friedrich Merz – Er schützt sein Vermögen, indem er in Bitcoin investiert“.

Solche Beiträge verlinken auf angebliche Investmentportale. Wer dort anlegt, bekommt zunächst Gewinne angezeigt. Viele schießen daher Geld nach. Willst Du dann abheben, ist alles weg. Kürzlich wurde ein solcher Betrugsring ausgehoben. Die Masche läuft weiter.

5. Der Urlaubsschwindel: „Wo ist mein Ferienhaus?

Ein Klassiker bleibt der Ferienhaus-Betrug: Typisch ist der Fall eines Ehepaars aus Hof, von dem jüngst die Polizei berichtete. Es hatte mehrere Tausend Euro für den Urlaub auf Teneriffa vorgestreckt. Vor Ort fand das Paar weder das Haus noch die angebliche Agentur.

Es gibt sowohl gefälschte Angebote auf seriösen Websites wie FeWo-direkt, Airbnb oder Casamundo als auch ganze Fake-Websites von angeblichen Vermittlern. Typische Warnzeichen: Die Miete ist ungewöhnlich günstig, der Anbieter verlangt das komplette Geld im Voraus und er kommuniziert außerhalb der Plattform. Hilfe bietet das Europäische Verbraucherzentrum.

6. Die Jobfalle: „Produkttesterin gesucht“

In letzter Zeit häufen sich gefälschte Jobanzeigen. Dabei geht es wahlweise um Jobs als „Mitarbeiter m/w/d im Prozesscontrolling“, „Produkttesterin“, „App-Tester“, „Aushilfe im Büro m/w/d“ oder „Minijob Bürotätigkeit“. Die Aufgabe ist angeblich, die Website oder App einer Bank zu testen. Dafür sollst Du Konten eröffnen, die anschließend angeblich gelöscht werden. Die Verbrecher führen diese aber weiter – etwa für Geldwäsche. Das kann Dir als Kontoinhaber dann große Probleme einbrocken.

7. Fake-Rechnungen: „Offene Rechnung“

Auch bei der gefälschten Inkasso-Drohung ist es wieder das Prinzip Emotion und Handlungsdruck, das die Gauner nutzen. Sie schicken Dir eine Mail mit Zahlungsaufforderung. Darauf auch ein Link zu dem Shop, wo Du angeblich eingekauft hast.

Hier geht es nicht immer um Phishing. Manchmal versuchen Betrüger auch, eine Schadsoftware auf Deinem Rechner zu installieren. Öffne daher keine Anhänge und auch keine Links. Prüfe den Status Deiner Einkäufe lieber auf den Websites der Shops selbst, bei denen Du bestellt hast.

Was tun? Unsere Tipps:

Das Prinzip der E-Mails, Posts oder Anzeigen ist immer gleich: Es werden Emotionen geschürt und Handlungsdruck aufgebaut. Behalte einen kühlen Kopf!

Grundsätzlich gilt: Klicke keine Links in Mails oder aus Social Media, um dann Deine persönlichen Daten einzugeben. Gib lieber die URL direkt im Browser ein. Oder nutze Bookmarks.

Und nimm für die Geldanlage keine Werbung als Grundlage – lies stattdessen unseren Ratgeber.

Matthias Urbach
Autor

Stand:

Matthias Urbach war von 2014 bis 2022 stellvertretender Chefredakteur von Finanztip. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

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