Beiersdorf Hauptversammlung
Bild: Christian-Charisius / dpa

Wer langfristig Vermögen aufbauen, sich aber ansonsten nicht weiter um die Geldanlage kümmern will, dem empfehlen wir „thesaurierende Fonds“. Die Gewinnausschüttungen (Dividenden) der Aktienunternehmen werden dann sofort wieder im Fondsvermögen angelegt.

„Aber was bedeutet das genau?“, fragte uns Leser Ulrich. Ist ein Fonds, der Dividenden wieder anlegt, dann mehr „wert“ als einer, der das nicht tut? Und wie kann das überhaupt sein, schließlich sollte es doch nur einen „richtigen“ Aktienkurs geben – und zwar den, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt.

Es stimmt. Der Aktienkurs bildet sich aus Angebot und Nachfrage. Schüttet zum Beispiel die Beiersdorf AG nach der Hauptversammlung (oben im Bild) ihre jährliche Dividende aus, ist die Aktie aber rechnerisch weniger wert. Bei 70 Cent Dividende fällt der Aktienwert unmittelbar nach der Ausschüttung zum Beispiel von 90 Euro auf 89,30 Euro. Für den Aktionär ändert sich wirtschaftlich also nichts.

In den Kursdaten wird vermerkt, dass es sich von nun an um einen Nach-Dividenden-Kurs handelt („ex Dividende”, „xD” oder „exDiv”). Dann bildet sich direkt wieder ein Preis aus Angebot und Nachfrage. Dabei berücksichtigen die Händler, dass 70 Cent pro Aktie im Unternehmensvermögen fehlen.

Das Gute an einem thesaurierenden Fonds ist: Er kann die 70 Cent Ausschüttung pro Aktie direkt nutzen, um damit neue Aktien zum Nach-Dividenden-Kurs von 89,30 Euro zu kaufen. Der Wert des Fondsanteils steigt also wieder auf 90 Euro. Das ist praktisch, weil dann alles Geld investiert bleibt. Im Gegensatz zu ausschüttenden Fonds, bei denen die Dividende auf dem Girokonto landet.

Steuerlich können ausschüttende Fonds attraktiver sein

Die Profis unter Ihnen nutzen zur langfristigen Anlage manchmal doch ausschüttende Fonds. Sie kümmern sich dann selbst um die Wiederanlage der Dividenden – sammeln also das Geld auf dem Girokonto und kaufen immer mal wieder Fondsanteile des ausschüttenden Fonds nach.

Der Vorteil ist, dass Sie Dividenden erst einmal steuerfrei bekommen, sofern Sie unter 801 Euro jährlichen Kapitaleinkünften bleiben. Sie sparen also auf die lange Sicht Steuern – haben dafür aber immer wieder Kaufkosten und Aufwand. Unser Kollege Saidi erklärt im Video genau, worauf Sie achten müssen.

Und noch ein Tipp: Wenn Sie zum Beispiel den Weltaktienindex im Internet aufrufen, etwa bei den gängigen Seiten finanzen.net oder onvista.de, achten Sie darauf, welche Indexvariante angezeigt wird: der Kursindex, der keine Dividendenzahlungen berücksichtigt. Oder der Performanceindex, der die Dividenden einpreist und insofern „mehr“ Wert ist. Zum Unterschied zwischen Kurs- und Performanceindex schauen Sie auch mal in den Ratgeber zum MSCI World rein.

Sara Zinnecker
Autor

Stand:

Sara Zinnecker war bis Juni 2020 Finanztip-Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.

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