Finanztip-Spar-WG
Linus, Jana, Lena und Sofie (von links) in ihrer Wohnung in Berlin. Bild: Piero Chiussi

„Gut, mal den Arsch hochzukriegen!“, sagt Sofie. Wir sitzen in der Küche am WG-Tisch, zu trinken gibt es Leitungswasser, im Hintergrund müht sich die Waschmaschine. Sofie, Lena, Jana und Linus wohnen hier seit Sommer 2018 zusammen in einer Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg.

Die vier haben sich bereiterklärt, zusammen mit Finanztip ein kleines Experiment zu wagen: Wir haben uns vorgenommen, gemeinsam alle finanziellen Entscheidungen durchzugehen. Und überall zu sparen, wo es sinnvoll ist. Die vier sind alle Anfang zwanzig und studieren. Jana und Linus Medizin an der Charité, Lena Landschaftsarchitektur an der TU Berlin und Sofie Urbane Zukunft an der FH Potsdam.

Die vier kennen sich aus mit „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“, mit „urbanem Metabolismus“ oder mit „Ökosystemdiensten in Abgrabungsgewässern“. Aber wenn es um die eigenen Finanzen geht, um die Verträge, die man heute so als normaler Mensch halt braucht, wird es knifflig. In der Schule ist das kein Thema, an der Uni schon gar nicht.

„In Gelddingen keine Ahnung“

Lena ist total neugierig: „Offen gesagt: In Gelddingen habe ich keine Ahnung von irgendwas.“ Sie habe noch nie einen Vertrag abgeschlossen – „außer mal fürs Handy“. Auch Linus hofft auf viele Impulse, wo er bei seinen Finanzen „überall ansetzen kann“.

Alle kommen auf um die 900 Euro an Unterstützung von Eltern und Bafög. Alles Weitere muss durch Jobs reinkommen. Allein die Miete für die Wohnung kostet 1.250 Euro im Monat. Für Strom, Gas, Internet und GEZ kommen noch mal 270 Euro dazu. Dadurch gehen also schon 40 Prozent des Unterhalts drauf.

„Welcher Strom kommt woher?“

Aber es geht nicht nur um reine Kosten, sondern auch darum, wer das Geld kriegt. „Welcher Strom kommt woher?“, fragt Jana. „Nach dem, was am Hambacher Forst passiert ist, würde ich schon gerne eine Wahl treffen, die RWE nicht unterstützt.“

1. Aufschlag: Wie viel kann eine WG sparen?
2. „Nur 7,99 Euro für einen Handytarif?“
3. „Was ist, wenn die Waschmaschine ausläuft?“
4. „Dürfen wir etwa nicht untervermieten?“
5. „Was bitte ist ein Freistellungsauftrag?“
6. Stromvertrag: „Unbedingt den Bonus retten“
7. „Meine Mutter hatte den Vertrag ganz vergessen“
8. Etwas mehr gejobbt – prompt sind Steuer und Abgaben fällig
9. Netflix stottert – wenn vom schnellen Internet nichts ankommt
10. „Wenn ich schon ‚Aktien‘ höre, ist bei mir Schicht im Schacht“
11. Kassensturz zum Monatsende: „Ich war überrascht“
12. Das Ergebnis: 981 Euro und „immer Spielraum für Verhandlungen“

 

Wir sind uns einig: Alles soll auf den Tisch. Alle Verträge auf den Prüfstand. Im Gespräch wird schnell deutlich: Viele Fragen stellen sich die Studenten zum ersten Mal. „Was passiert eigentlich, wenn die Waschmaschine ausläuft?“ fragt sich Jana. „Bin ich dann als Hauptmieterin verantwortlich?“

„Die kriege ich doch wieder?“

Lena bekommt seit Oktober kein Bafög mehr, weil sie viel neben dem Studium arbeiten musste und so ihren Bachelor nicht in der Regelzeit fertigkriegte. Nun muss sie extra viel arbeiten. Ende Dezember kam die erste Jahresabrechnung: Ihr wurden 21,44 Euro an Lohn- und Kirchensteuer abgezogen. „Die kriege ich doch wieder, oder?“

Wir legen die Spielregeln fest: Die vier machen alles alleine, Finanztip liefert nur Tipps und Anstöße. Wir lassen einen Spar-Zähler mitlaufen. Wir wollen wissen, um wie viele Euro die vier ihre Ausgaben drücken können. Zum Anreiz legt Finanztip am Ende noch einmal eine Jahresersparnis oben drauf.

Protokoll: Matthias Urbach

Lesen Sie ab jetzt im Newsletter, welche Erfahrungen die vier sammeln. Nächste Woche: Neue Handys dank neuer Tarife?

Matthias Urbach
Autor

Stand:

Als stellvertretender Chefredakteur ist Matthias Urbach für den Newsletter, Kooperationen und die redaktionellen Sonderprojekte von Finanztip verantwortlich. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

3 Kommentare

  1. Wenn der Opa 5000 € in Aktien angelegt hat und die Enkelin nach 15 Jahren nur noch 2500 übrig hat, so bedeutet das, daß sie nichts gemacht hat, sondern das Depot wie ein Sparbuch betrachtet hat. Im Übrigen kann man von traurigen Einzelfällen nicht auf das Ganze schließen. Meine Mutter hat mir als ich 18 war 30’000 DM in ein Depot gegeben – das sind heute 44 Jahre später 1,5 Mio.

    1. Das ist aber auch „nichts gemacht“! Hättest Du das stets optimal angelegt, hätten es heute eine Milliarde sein können!! Aber klar – wer kann schon hell sehen :-).

  2. Mein Sohn studiert auch seit kurzem. Wenn ich lese dass die Studenten in Gelddingen keine Ahnung haben dann frag ich mich was die denn von ihren Eltern gelernt haben?
    Wenn mein Sohn eine Frage hat wendet er sich an mich oder seinen Vater. Ist das nicht das normalste der Welt? Das ist doch weder Aufgabe der Schule noch der Uni!

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