Frau arbeitet in Cafe
Bild: ferrantraite / GettyImages

Es ist eine beeindruckende Zahl: Mehrere Hunderttausend neue Wertpapierdepots sind hierzulande 2020 schon eröffnet worden. Hast Du auch ein Depot eröffnet? Dann ist dieser Zweiteiler für Dich. Vorige Woche haben wir im Newsletter erklärt, welche ersten Schritte wichtig sind, um vernünftig an der Börse loszulegen. Heute klären wir, wie Dein Wertpapierdepot auch langfristig fit bleibt.

1. Denk beim nächsten Geldbonus ans Depot

Okay, vielleicht sagst Du jetzt: „Was soll denn der nächste Geldbonus sein?“. Wir denken da etwa an eine größere Gehaltserhöhung. Aber nicht nur: Da ist vielleicht auch das Urlaubsgeld, ein Bonus vom Stromanbieter, die Rückzahlung vom Finanzamt oder ein Geldgeschenk von der Großmutter.

Denk in diesem Moment auch an Dein Depot. Schiebe ohne lange nachzudenken einen Teil des zusätzlichen Geldes auf das Verrechnungskonto und dann in Deinen Sparplan oder als Einmalsumme in Deinen ETF. Faustregel: Schon bei einem höheren dreistelligen Betrag lohnt sich ein Nachkaufen weiterer ETF-Anteile auf einen Schlag, andernfalls erhöhe einfach die monatliche Sparplanrate.

2. Erst Notgroschen anlegen

Bevor Du Deine Extras im Depot anlegst, solltest Du aber ein Geldpolster für unerwartete Ausgaben ansparen. Wir empfehlen, zwei bis drei Nettogehälter auf einem Tagesgeldkonto zu parken. Dann kommst Du nicht in die Bedrängnis, das Wertpapierdepot anzuknabbern, wenn es doch mal eng wird. Fülle daher das Tagesgeldkonto zuerst mit diesem Notgroschen auf – zwacke am besten immer direkt nach Gehaltseingang etwas ab.

3. Darf‘s eine Dividende sein?

Eine wichtige Entscheidung hast Du ja schon beim ETF-Kauf getroffen: Ob Du einen Fonds gekauft hast, der Dividenden automatisch wieder anlegt – oder ob regelmäßig die Dividenden als Ausschüttungen auf Deinem Verrechnungskonto landen. Hast Du einen ausschüttenden Fonds, solltest Du einen Freistellungsauftrag bei der depotführenden Bank einrichten. Damit bleiben bis zu 801 Euro Deiner Dividenden erstmal steuerfrei. Falls es Dir nicht auf die Ausschüttungen ankommt, setze künftig besser auf „thesaurierende“ (wiederanlegende) ETFs. Diese eignen sich wegen des Zinseszinseffektes gut für den langfristigen Vermögensaufbau.

4. Nicht so viel über Steuern nachdenken

Abgesehen vom Freistellungsauftrag brauchst Du Dir vorerst keine Gedanken über die Versteuerung Deines Depots zu machen. Es steht völlig in den Sternen, ob es noch eine Abgeltungssteuer wie heute geben wird, wenn Du 2030, 2040 oder später anfängst, wieder Geld aus dem Depot zu nehmen.

5. Füße stillhalten

Reicht es denn wirklich, einen Welt-ETF und eventuell noch einen Europa-ETF im Depot zu haben? Auch das fragen sich viele Anleger. Ja, absolut! Ein Wertpapier-Investment wird nicht besser, wenn Du besonders lange daran rumschraubst. Komplexere Depots vernebeln den Durchblick.

Rechne etwa ein Mal im Jahr aus, wie viel Dein Depot nach einem Kursrutsch um 50 Prozent noch wert wäre. Als konkreten Betrag in Euro. Sollte Dir dieser „Probealarm“ zu viel Kopfschmerzen bereiten, schichte etwas um in risikoarme Anlagen wie Festgeld oder Tagesgeld.

6. Offene Fragen

Wir hoffen, Dir mit den ersten „Depot-Pflegetipps“ geholfen zu haben. Denk immer daran, dass Bankberater, Börsenzeitschriften oder auch Tippgeber in Internetforen ihre eigenen Interessen verfolgen und Dich eventuell zu einem komplizierteren Depot bewegen wollen. Das bringt selten mehr Rendite, verursacht aber oft deutlich mehr Gebühren – und kostet stets mehr Zeit.

Wenn Du weitere Fragen zum neuen Depot hast oder Dich mit anderen Börsen-Neulingen austauschen willst, dann schreibe gerne einen Kommentar.

Hendrik Buhrs
Autor

Stand:

Redakteur im Team Bank und Versicherung. Vor seiner Zeit bei Finanztip berichtete er für die Radioprogramme des Hessischen, später des Westdeutschen Rundfunks über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Hendrik hat in Münster und Exeter VWL studiert. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er bei Radio Q und im Lokalfunk Recklinghausen. Gespartes Geld investiert er gern in Reisen.

13 Kommentare

  1. Hallo liebes Team, ich als ETF Neuling frage mich, wie ich meinen Sparplan mit einer Einmalsumme aufstocken kann (Smartbroker)? Oder ist es sinnvoll einen 2. ETF mit Einmalanlage zu starten?
    Viele Grüße

  2. Liebes Finanztip Team,
    Ihr gebt den Hinweis: „…falls es Dir nicht auf die Ausschüttungen ankommt, setze künftig besser auf „thesaurierende“ (wiederanlegende) ETFs. Diese eignen sich wegen des Zinseszinseffektes gut für den langfristigen Vermögensaufbau.“ Was sollte man tun, wenn ein thesaurierender ETF zu einem ausschüttenden ETF wird/ wechselt. Dies ist bei mir der Fall gewesen. Bisher habe ich aber leider keinen Rat dazu gefunden.

    Sollte ich alle Anteile jetzt verkaufen, ein Zeitraum von mind. 15 Jahre ist noch nicht um,
    und das Kapital wieder in einen theausrierenden ETF anlegen?
    Oder sollte ich nun jedes mal die Dividenden selbst wieder anlegen. Dies ist arbeitsintensiver und ich würde evtl. über den Freibetrag kommen.

    Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.
    Vielen Dank
    Daniel

    1. Auch bei Thesaurierung wird der hinzugewonne Ertrag versteuert, spätestens bei der Auszahlung am Ende. Es macht also keinen großen Unterschied. Im Gegenteil ist die jährliche Versteuerung u. U. besser weil wenn du sie am Ende auf einen Schlag versteuern musst, kommst du evtl. über den Freibetrag.

  3. Liebes Finaztip Team,

    Unter dem Punkt 3. beschreibt ihr, dass man bei einem ausschüttenden Fond einen Freistellungsauftrag einrichten sollte.
    Macht das bei einem thesaurierenden auch Sinn? Oder würdet ihr empfehlen, diesen dann auf andere Konten zu verteilen?
    Und wenn ja, bei welchen Konten kann das Sinn machen?

    Viele Grüße

    1. Sinnvoll immer da wo erwartungsgemäß Nennenswerte jährliche Zinserträge zu erwarten sind. Umgekehrt tut er aber auch nicht weh wenn er ungenutzt bleibt. Viele Banken erlauben das mittlerweile auch bequem übers Online-Banking. Ist also wenig Aufwand. Aufpassen muss man nur dass man den Überblick behält wenn man die Freistellungsaufträge bei mehreren Banken setzt, denn außer dir prüft sonst keiner ob du in Summe nicht mehr als den erlaubten Freibetrag gesetzt hast.

  4. @Fox Fan, ich denke das für Börsenneulinge das Geld auf das Tagesgeldkonto gehört.
    Der Notgroschen ist die eiserne Reserve auf die man nicht noch Zinsen zahlen sollte.

    An sich finde ich den Beitrag sehr gut und kann nur jedem ans Herz legen mit dem Investieren zu beginnen.

    Gruß

  5. Hallo Danke für die vielen Tipps nachdem ich bei meiner DKB Bank ein Depot in der Corona Zeit eröffnet habe bin ich mir nicht sicher in welchen ETF Fond investieren soll. Gibt es da aktuelle Empfehlungen?

    1. Sollten sich alle nicht sonderlich viel nehmen. Wichtig ist dass der Anbieter seriös, das Volumen groß und der ETF am besten schon mehrere Jahre am Markt ist. Bekannte sind z. B. iShares, Lyxor, Almundi, DWS. Weiß aber nicht welcher von denen welche ETFs konkret im Angebot hat. Die Stiftung Warentest (Finanztest) hat eine umfangreiche Datenbank mit Bewertungen hierzu (Zugang kostet aber).

  6. Ich halte es für wichtig, wenn Börsenneulinge ihre Kosten für die Anlage von Aktien, ETFs und Fonds irgendwie selber dokumentieren. Am besten in Form einer Excel Tabelle . Wenn sie später den aktuellen Kurs des Wertpapier eingeben, können sie sehen, wieviel der Wert gestiegen oder gefallen ist. Wenn mann dann auch jeweilige Ausschüttungen mit hinzufügt, sieht man, wie der Wert insgesamt steigt auch wenn die Kurse evtl. gefallen sind.
    Die Depotbanken bieten meist so etwas auch an, doch die Ausschüttungen sind dort nicht berücksichtigt. Einmal pro Monat aktualisiere ich mein Depot und speichere es separat ab.
    Später kann man viel besser nachvollziehen, welche Wertpapiere besonders günstig sich entwickelt haben. Das beruhigt ungemein.

  7. Hallo, ihr schreibt:
    Rechne etwa ein Mal im Jahr aus, wie viel Dein Depot nach einem Kursrutsch um 50 Prozent noch wert wäre. Als konkreten Betrag in Euro. Sollte Dir dieser „Probealarm“ zu viel Kopfschmerzen bereiten, schichte etwas um in risikoarme Anlagen wie Festgeld oder Tagesgeld.

    Das ist in dem sonst guten und gut verständlichen Artikel der einzige Punkt der mich entsetzt.

    Wertpapiere und dazu zählen auch ETF kauft man als Normalverdiener mit langem Erwartungshorizont. Da spielen vorübergehende Kursverluste keine Rolle. Wer Kursverluste egal in welcher Höhe nicht aushalten kann, der sollte generell die Finger von Wertpapieren lassen.

  8. Mit den 2 ETF mag man einigermaßen gut abgesichert sein. Aber 2 weitere ETF auf neue Entwicklungen kann auch nicht schaden. Jeder der 1 und 1 zusammen zählen kann, wusste im spätestens im März, das Aktien von Biotechnologie und Wasserstoff steigen werden. Das ganze Leben ist ein Risiko und 25% in etwas Risiko anlegen wird einen nicht umbringen.

    1. Stimme zu. Bei solchen Sparten-Fonds muss man nur aufpassen, dass man nicht versehentlich in gemanagte Fonds mit relativ hohen Gebühren (>1% p. a.) investiert, da dies einerseits die Rendite schmälert und die Wertentwicklung solcher Fonds nur selten besser als der Markt bzw. der entsprechende Index läuft. Am besten Markt breite, indexnahe ETFs nehmen.

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