Pendler
Bild: Peter Kneffel / dpa

Geringverdiener leiden derzeit ganz besonders unter den hohen Kosten für Benzin – Azubis etwa, die auf dem Land leben und es weit zur Lehrstelle oder Berufsschule haben. Weil sie meist keine Einkommensteuer zahlen, können sie nicht von der Entfernungspauschale profitieren. Als die Große Koalition diese Pauschale erhöhte, hat sie deshalb für Geringverdiener ab dem Steuerjahr 2021 die Mobilitätsprämie eingeführt. Wir erklären Dir Punkt für Punkt, wie hoch sie ist und wie Du sie erhältst.

Punkt 1: Was ist die Mobilitätsprämie?

Alle Pendler können Fahrten zum Arbeitsplatz als Werbungskosten absetzen. Für die ersten 20 Kilometer einfache Wegstrecke darfst Du 30 Cent pro Kilometer und Arbeitstag als Werbungskosten ansetzen, ab dem 21. Kilometer jetzt sogar 35 Cent. Fernpendler können also mehr Kosten von der Steuer absetzen als bisher – und eventuell mit einer Steuer-Rückerstattung rechnen.

Leer gingen bislang alle aus, die so wenig verdienen, dass bei ihnen gar keine Einkommensteuer anfällt. Das wird mit der Mobilitätsprämie nun anders: Die zahlt das Finanzamt als Ersatz für die entgangene erhöhte Entfernungspauschale.

Punkt 2: Wer bekommt die Prämie?

Zwei Voraussetzung müssen erfüllt sein: Dein Arbeitsplatz ist mindestens 21 Kilometer entfernt. Und Du zahlst keine Steuern auf Dein Einkommen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge und der 1.000 Euro Werbungskostenpauschale von Deinem Jahresbruttolohn Dein Einkommen am Ende unterhalb des Grundfreibetrags liegt – für das Jahr 2021 sind das 9.744 Euro.

Sowohl bei der Mobilitätsprämie als auch der Entfernungspauschale ist es egal, welches Verkehrsmittel Du benutzt hast – ob das für teuer Geld betankte Auto, die U-Bahn, den Zug oder das Fahrrad. Selbst Fußgänger ohne Kosten bekommen sie.

 

Stau
Bild: querbeet / GettyImages

 

Punkt 3: Wieviel Geld ist drin?

Das hängt von Deiner individuellen Situation ab. Wie oft und wie weit bist Du gefahren? Im Ratgeber Entfernungspauschale haben wir für Dich zwei Beispiele durchgerechnet: In einem gibt es gut 48 Euro, im anderen 176 Euro als Prämie vom Finanzamt.

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht, denn die Behörde berechnet für Dich den Betrag. Allerdings bekommst Du nur etwas ausbezahlt, sofern mindestens 10 Euro Prämie herauskommt.

Punkt 4: Wie kommst Du an die Mobilitätsprämie?

Für die neue Mobilitätsprämie musst Du eine Steuererklärung für 2021 mit der Anlage Mobilitätsprämie abgeben, als Arbeitnehmerin außerdem die Anlage N. Dafür hast Du drei Möglichkeiten: Du kannst sie kostenlos mit Papier-Formularen machen oder elektronisch über das kostenlose Programm des Finanzamts „Mein Elster“ (inklusive Registrierung auf dem Elster-Portal). Oder Du nutzt eine kommerzielle Steuersoftware. In unserem Test im vergangenen Jahr haben die Alleskönner Wiso* und Steuersparerklärung* sehr gut abgeschnitten (siehe oben bei den „Schnäppchen der Woche“). Die aktuellen Versionen in abgespeckter Variante sind noch günstiger zu haben.

Unser Tipp: Berufseinsteiger, Azubis und Studenten bis 28 Jahre mit Einnahmen bis höchstens 25.000 Euro können die Steuersparerklärung 2022* in einer für sie kostenlosen Version benutzen.

Punkt 5: Bis wann musst Du die Prämie beantragen?

In der Regel bist Du als ledige Berufseinsteigerin oder Azubi gar nicht verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Dann hast Du vier Jahre Zeit, das freiwillig zu tun – also bis Ende 2025 für das Steuerjahr 2021.

Bei Abgabepflicht muss Deine Steuererklärung 2021 spätestens am 31. Oktober 2022 beim Finanzamt eintreffen.

Udo Reuß
Autor

Stand:

Udo Reuß war bis Sommer 2022 Steuer-Experte bei Finanztip. Zuvor hat der Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Steuerrecht für verschiedene Wirtschafts- und Fachverlage wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media geschrieben – 14 Jahre davon als Chefredakteur von Fachzeitschriften.

2 Kommentare

  1. Mit dem Vierten Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Viertes Corona-Steuerhilfegesetz (BGBl. 2022 I S. 911) hat der Gesetzgeber die Frist für die Abgabe der Einkommensteuererklärungen für den Veranlagungszeitraum 2021 um drei Monate, für 2022 um zwei Monate und für 2023 um einen Monat für steuerlich nicht beratene Steuerpflichtige verlängert. Für den Veranlagungszeitraum 2024 ist die Frist nicht verlängert worden und endet daher regulär am 31. Juli 2025. Veranlagungszeitraum

    Frist

    2021

    31. Oktober 2022

    2022

    30. September 2023

    2023

    31. August 2024

    2024

    31. Juli 2025

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