Hitze in der Wohnung
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Feuchtigkeit, Schimmel oder eisige Kälte – Mieter müssen nicht alles erdulden. Sie haben das Recht, die Miete zu kürzen, bis der Vermieter die Wohnung wieder hergerichtet hat. Röhrt nach einem Wasserschaden beispielsweise ein Luftentfeuchter in Ihrer Wohnung oder lassen Baumängel den Schimmel aus der Wand sprießen, dann dürfen Sie die Miete um bis zu 100 Prozent mindern. Neben solch weithin bekannten Gründen für die Kürzung gibt es aber jede Menge weitere. Hier die interessantesten vier:

1. Zu viel Hitze in der Wohnung

Im Sommer gilt die Faustregel: Drinnen muss es sechs Grad kälter sein als draußen. Der Vermieter muss die bautechnischen Voraussetzungen für eine Abkühlung der Räume schaffen. Jedenfalls sahen das die Oberlandesgerichte (OLG) Hamm und Rostock so (Aktenzeichen 30 U 131/06 und 3 U 83/98). Die Urteile beziehen sich zwar auf gewerbliches Mietrecht, lassen sich nach Ansicht unserer Rechtsexperten aber durchaus auf privates Mietrecht übertragen. Denn was für Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen gefordert wird, kann man als Mieter auch verlangen.

2. Spinnen, Kakerlaken und Mäuse

Wenn Ungeziefer Ihre Wohnung bevölkert, machen Sie regelmäßig Schnappschüsse davon. Haben sich zu viele Krabbeltierchen einquartiert, können Sie die Miete kürzen. 60 Mäuse in zehn Monaten bringen eine Minderung von 10 Prozent (AG Bonn, Az. 6 C 277/84). Aber nicht übertreiben: 24 Ameisen in sechs Monaten sind kein Minderungsgrund (AG Köln, Az. 213 C 548/97.

3. Lärmende Baumaschinen, quietschende Tore

Lärm ist nicht gleich Lärm: Kinderlärm zum Beispiel müssen Sie hinnehmen (BGH, Az. VIII ZR 197/14). Nicht akzeptieren müssen Sie jedoch Baulärm in der Umgebung (LG Hamburg, Az. 327 S 97/98) oder Krach durch die Gäste eines angrenzenden Hotels (LG Berlin, Az. 67 S 162/16). Ebenfalls Gründe für eine Mietminderung: häufiges Gebell, quietschende Garagentore oder fehlende Trittschalldämmung in der Wohnung über Ihnen. Bis zu 20 Prozent können Sie von der Miete zurückhalten. Ganz egal, ob Ihr Vermieter für den Lärm verantwortlich ist.

4. Weniger Quadratmeter als behauptet

Messen Sie mal Ihre Wohnfläche nach: Stehen im Mietvertrag oder in der Immobilien-Annonce deutlich mehr als tatsächlich vorhanden, dürfen Sie Ihre Miete kürzen (BGH, Az. VIII ZR 144/09). Beträgt die Differenz beispielsweise 15 Prozent, dann überweisen Sie 15 Prozent weniger Miete. Allerdings muss der Vermieter um mehr als 10 Prozent geschummelt haben, damit Sie ihn dafür belangen können. Das Gute: Diese Mietminderung gilt dauerhaft.

Dabei gilt: Diese Urteile lassen sich nicht immer eins zu eins auf Ihren Fall übertragen, geben aber einen guten Anhaltspunkt. Je höher das Gericht, desto besser die Chance, dass ein ähnlich gelagerter Fall genauso entschieden wird.

Wichtig ist: Sie dürfen Ihre Miete nicht rückwirkend mindern. Haben Sie einen Mangel entdeckt, dokumentieren Sie ihn unbedingt und geben Sie Ihrem Vermieter sofort Bescheid. Für die Zeit, in der der Mangel ab dann besteht, können Sie die Miete kürzen. Das müssen Sie taggenau nachweisen.

Wie Sie vorgehen sollten und welche Urteile es noch gibt, lesen Sie in unserem Ratgeber Mietminderung.

Daniel Pöhler
Autor

Stand:

Daniel Pöhler war bis Ende 2020 Co-Pilot im Newsletter-Team und gelegentlich als Mobilitäts-Experte von Finanztip unterwegs. Daniel hat Betriebswirtschaft studiert und bei einem Fachmagazin für Telekommunikation volontiert. Seine ausgeprägte Leidenschaft für gute Sprache hatte ihm einen weiteren Job bei Finanztip eingebracht: den des stellvertretenden Textchefs.

1 Kommentar

  1. Danke für den informativen Beitrag über Mietminderung. Meine Tante hat sich eine altersgerechte Wohnung zugelegt, jedoch stimmt die Quadratmeterzahl nicht ganz. Leider geht der Vermieter nicht darauf ein. Gut zu wissen, dass man in dem Fall eine Mietminderung beantragen sollte. Vielleicht erkundigen wir uns noch bei einem Rechtsanwalt für Immobilienrecht.

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