Mietwagenschalter
Typischer Mietwagen-Schalter am Flughafen. Bild: Jacobson, iStock

Viele Urlauber buchen ihren Mietwagen inzwischen daheim über Vergleichsseiten, bevor sie ins Ausland aufbrechen. Auf den Portalen gibt es gute Preise und oft sinnvolle Versicherungen. Das ist gut. Doch viele Autoverleiher versuchen dann vor Ort wieder auf ihren Schnitt zu kommen. Das Ergebnis: schlechter Service und jede Menge Betrugsmaschen. Hier die Liste des Horrors, zusammengestellt aus Erfahrungen unserer Leser, der Finanztip-Redaktion und des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ). Und natürlich unsere Tipps, wie Sie damit umgehen.

1. Die doppelte Versicherung

Um den Wagen billig anbieten zu können und weit oben auf dem Portal zu erscheinen, treiben viele Verleiher die Selbstbeteiligung bei Diebstahl oder Schaden in die Höhe. Auf den Vergleichsportalen können Sie meist eine Versicherung buchen, welche die Eigenbeteiligung erstattet – das ist auch empfehlenswert. Am Urlaubsort versuchen aber viele Verleiher, zusätzlich noch eine Versicherung zu verkaufen, die die Selbstbeteiligung senkt. Ein Leser berichtet uns, dass er eine Stunde diskutieren musste, bis er endlich den Wagen ohne Extraversicherung überlassen bekam.

Tipp: Hartnäckig bleiben und darauf beharren, dass Sie bereits gut versichert sind. Falls alles nichts nützt, sofort nach der Unterschrift bei der Zentrale des Vermieters reklamieren. Allerdings ist es selten möglich, das Geld zurückzubekommen, wenn Sie einmal unterschrieben haben.

2. Die unvermeidliche Landessprache

Oft erhalten Sie den Vertrag im Urlaub nur in der Landessprache, selbst bei europaweit tätigen Verleihfirmen. Dabei gibt es eine Selbstverpflichtung der großen Verleiher („Code of Best Practice“) für die EU. Darin wird unter anderem gefordert, Verträge immer auch auf Englisch anzubieten, wenn möglich auch auf Deutsch und Französisch .

Tipp: Verlangen Sie zumindest einen englischen Vertrag.

Mietwagenparkplatz
Bild: olgalngs, iStock.com

3. Der elektronische Vertrag

Oft wird einem gar kein Papier mehr hingelegt, sondern nur der Computerbildschirm zu Ihnen gedreht – und Sie sollen darauf unterschreiben. Danach wird Ihnen der Vertrag in einen Umschlag gesteckt und überreicht. Fällt Ihnen auf, dass der Betrag höher ist als ausgemacht, wird manchmal behauptet, das sei eine Kaution, die später zurückgezahlt wird. In Wahrheit ist es eine Extraversicherung.

Tipp: Lassen Sie sich den Vertrag vorher ausdrucken. Wenn das nicht fruchtet, lesen Sie den Vertrag direkt danach und reklamieren Sie sofort, falls etwas nicht stimmt. Gegebenenfalls auch schriftlich bei der Zentrale des Anbieters.

4. Die mangelhafte Kreditkarte

Im Regelfall wird ein Betrag in der Höhe der Selbstbeteiligung auf Ihrer Kreditkarte geblockt. Manchmal akzeptieren die Verleiher Ihre Karte nicht. Entweder hat sie nicht genug Verfügungsrahmen oder gar keine echte Kreditfunktion. Das Europäische Verbraucherzentrum hat den Eindruck, dass die Verleiher eigentlich einen Spielraum haben, ob sie die Karte akzeptieren oder nicht. Oft werde das genutzt, um den Verleih teurer zu machen: Ohne ausreichende Deckung Ihrer Karte müssen Sie dann eine teure Kautionsversicherung abschließen. Oder eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung vom Vermieter (siehe oben), was die Miete noch viel teurer macht.

Tipp: Unbedingt den Verfügungsrahmen checken und eine echte Kreditkarte dabeihaben, die auf den Namen des Mieters ausgestellt ist.

5. Der Bagatellschaden

Auch an kleinen Schrammen lässt sich bei der Übergabe gut verdienen. Ein Leser berichtet von einem Kratzer in der Plastik-Radkappe, für den er 40 Euro zahlen sollte. Es kann aber auch teurer werden. Das EVZ berichtet von Fällen, wo diverse Kratzer bereits bei der Anmietung im Lack gewesen seien, die Mitarbeiter sie aber als „nicht wesentlich“ eingestuft hätten – und diese so nicht ins Übergabeprotokoll kamen. Bei der Abgabe waren sie dann plötzlich wesentlich.

Tipp: Fotografieren und filmen Sie das Auto bei Annahme und Abgabe rundum. Nehmen Sie relevante Schäden vorher auf.

6. Wir sind hier fertig

Wenn Sie am Mietwagenschalter stehen, sollen Sie alles Mögliche unterschreiben. Manche Verleiher wollen dagegen praktisch gar nichts für den Kunden quittieren. Auch nicht Mangelfreiheit bei der Abgabe, die Schlüsselrückgabe oder den Kilometerstand.

Tipp: Bestehen Sie darauf! Auch die Selbstverpflichtung sieht das vor (siehe oben). Entspannt ist das Thema für Sie nur, wenn Sie den Wagen mit Komplettschutz ohne Selbstbeteiligung gebucht haben.

7. Das Tank-Roulette

Die Tankregeln sind inzwischen ebenfalls im „Code of Best Practice“ der Branche geregelt: Man muss den Wagen so betankt zurückgeben können, wie man ihn bekommen hat. Die gute Nachricht: Ums Tanken gibt es inzwischen nur noch selten Streit.

8. Der „No-Show“

Unserer Kollegin ist folgendes passiert: Obwohl für einen Monat gemietet und im Voraus bezahlt, wurde ihr der Wagen einen Tag nach dem gebuchten Mietstart nicht mehr ausgegeben. Die Verleiher berufen sich in solchen Fällen auf „No Show“, also Nichterscheinen. Nach Erfahrungen des EVZ kann das auch schon nach ein paar Stunden passieren. Selbst wenn das Fahrzeug schon im Voraus bezahlt war – weil über ein Portal gebucht. Der Kunde soll dann einen zweiten, meist teureren Vertrag abschließen. Oft wird sogar die Rückzahlung des Geldes für den ersten Vertrag verweigert.

Tipp: Rufen Sie den Verleiher an, wenn sich Ihr Flug verspätet. Falls Sie den Wagen nicht mehr bekommen, verlangen Sie unbedingt das Geld zurück. Die Chancen stehen gut, das Geld wenigstens im Nachhinein erstattet zu kriegen. Der Verleiher kann kaum einen Schaden durch Ihre Verspätung nachweisen – das Auto ist ja schon wieder vermietet.

9. Die bequeme Abbuchung

Ein besonders kurioser Fall, aber so passiert: Stellen Sie sich vor, Ihr Mietwagen in Italien wird von der Schranke einer Tiefgarage erwischt. Der Garagenbetreiber räumt seine Schuld ein. Der Vermieter ist bequem und meldet den Schaden nicht beim Garagenbetreiber, sondern zieht das Geld einfach von Ihrer Kreditkarte ab; der Betrag liegt unterhalb der Selbstbeteiligung. Was nun? Sie haben eine Versicherung vom Vergleichsportal für eine Erstattung der Selbstbeteiligung – und wenden sich ans Portal. Immerhin sprechen die auch deutsch. Die wollen aber die Selbstbeteiligung nicht erstatten: Schließlich sei die Zusage vom Portal nur gedacht für den Fall, dass Sie selbst einen Schaden anrichten. In so einer Situation steht man schnell verloren zwischen allen Stühlen.

Tipp: Praktisch wäre es schon, einen Komplettschutz ohne Selbstbeteiligung direkt beim Vermieter zu haben, leider kommt das meist sehr teuer. Wenn Sie den Extraschutz des Vergleichsportals wählen, sollten Sie unbedingt genau auf die Bedingungen achten. Und immer die Polizei einschalten, wenn es zu einem Unfall kommt. Leider brauchen Sie manchmal am Ende externe Hilfe, auch wenn Sie alles richtig gemacht haben.

Wahl der Waffen: So gehen Sie vor!

Es muss nicht immer so blöd laufen. Aber vielleicht sollten Sie für die nächste Urlaubsbuchung im europäischen Ausland schon mal notorische Anbieter meiden: So sind Goldcar und Firefly beide schon von der italienischen Wettbewerbsbehörde AGCM mit Bußgeldern belegt worden, wegen unlauterer Geschäftspraktiken.

Achten Sie darauf, dass Ihnen nicht zu viel von der Kreditkarte abgebucht wird. Leiten Sie im Zweifel eine Rückbuchung (Chargeback) ein.

Immer, wenn Sie Ärger mit einem Dienstleister im EU-Ausland, Island oder Norwegen haben, können Sie sich an das Europäische Verbraucherzentrum EVZ wenden. Die arbeiten in solchen Fällen im Interesse der Verbraucher – ähnlich wie die Verbraucherzentralen. Dort kriegen Sie eine kostenlose Beratung (auf Deutsch) und unter Umständen auch direkte (außergerichtliche) Hilfe.

Wenn der Fall eigentlich klar liegt, Ihr Anbieter sich aber widerspenstig zeigt, können Sie sich auch an die Schlichtungsstelle der EU-Autovermieter wenden, den ECRCS. Gehört Ihr Anbieter zu den 12 Mitgliedern, können Sie dort eine Schlichtung erbitten, die für den Anbieter verbindlich ist (nicht für Sie). Nachteil: Der ECRCS entscheidet nur nach Aktenlage, nimmt keine Beweise auf.

14 KOMMENTARE

  1. Ich kann ADAC-Mitgliedern nur empfehlen, über den Autoclub zu buchen. Nahezu alle relevanten Ziele sind abgedeckt, mit Hertz, Avis und Europcar finden sich nur seriöse Anbieter im Angebot, der Vertrag ist auf deutsch und die Buchung beinhaltet eine Vollkasko ohne SB.
    Ich bin damit immer gut gefahren. Es gab noch nie Diskussionen wegen zusätzlicher Versicherungen oder sonstiges. Vergleichsportale sind im Einzelfall vielleicht mal ein wenig billiger, aber hier weiß man, dass man im Zweifel nicht alleine steht.

  2. Wir buchen nur noch Angebote ohne Selbstbeteiligung und ohne Kreditkarte.Das ist sehr entspannend bei der Abgabe des Kfz.Der Mehrpreis wiegt den Stress auf.
    (z.B.Sunnycars über billigermietwagen.de).

  3. Hände weg vom Vermittler holiday cars und dem amerikanischen Vermieter-Duo „Dollar Rent A Car“ und „Thrifty“!! Holiday Cars hat seinen Firmensitz in Irland und keine Vertretung in Deutschland. Schriftverkehr bei Beanstandungen nur in englischer Sprache
    Obwohl ich ein „Amerikaerfahrener Mitwagenkunde“ mit sehr guten Kenntnissen der englischen Sprache bin, ist es einer der beiden miteinander gesellschaftsrechtlich verbandelten Mietwagenfirmen gelungen, mir in dem nur auf dem Bildschirm angezeigten Mietvertrag eine völlig überteuerte und ebenso nutzlose Zusatzversicherung für „eine bevorzugte Hilfe bei Pannen und Unfällen“ für etwa 100 Dollar unterzuschieben. Mein schriftlicher Protest beim Vermittler in Irland wurde nie bearbeitet. Machen Sie also einen großen Bogen um alle drei genannten Firmen und leisten Sie keine elektronischen Unterschriften unter Verträge, die Sie nur auf dem Computerbildschirm gesehen haben!

  4. Ich buche seit Jahren über Sunny Cars meine Mietwagen. Auch die in Deutschland. Habe noch nie mit einem Anbieter vor Ort Schwierigkeiten gehabt. Sollten Kosten anfallen, werden die von Sunny Cars übernommen.

  5. hi ihr finanztipler, warum veröffentlich ihr kein Ranking mit den 10 schlechtesten Autvermietern
    Europas.Bei jedem Vermieter sollten kurz einige Angaben sein, mit welchen Praktiken er diesen
    Platz „errungen“ hat.

  6. Tankregelung
    Wir hatten für unseren Madeira-Urlaub bei Sixt einen Wagen gebucht mit der Tankregelung full/full. Der Mitarbeiter im Flughafen behauptete, dass vor unserem frühen Abflug am Sonntag keine Tankstelle in Flughafen-Nähe geöffnet sei (was, wie sich später herausstellte, nicht stimmte). Sixt würde die fehlenden Liter Benzin auftanken. Auf ausdrückliche Nachfrage erklärte der Mitarbeiter, dass Sixt in diesem Fall nur die fehlenden Liter und auch keine Service-Gebühren in Rechnungen stellen werde.

    Am Vorabend der Rückreise tankten wir den Wagen voll auf, fuhren dann noch 69 Kilometer. Sixt stellte uns später 95,77 Euro in Rechnung.
    In den von mir bei der Übernahme zu unterschreibenden Papieren war der Posten „Prepaid fuel, voraussichtlicher Endbetrag 95,77 Euro“ eingefügt. Die tatsächliche Bedeutung dieses Postens hatte ich nicht realisiert.

    Bereits am ersten Tag nach der Rückgabe bat Sixt per Mail, eine Bewertung abzugeben („Were we able to excite you? Please rate your most recent Sixt experience by taking a short survey.”) Die Schlussrechnung gab es erst zwei Tage später auf Anforderung – mit der 95,77 Euro-Forderung.

    Nach Beschwerden bei Sixt Portugal und Deutschland wurde der Betrag letztlich doch nicht in Rechnung gestellt.

    Anmerkung 1: Die „General Car Rental Conditions“, die Allgemeinen Mietbedingungen, auf der Rückseite des Mietvertrags waren in einer kaum noch lesbaren Schriftgröße als Durchsatz gemischt in Portugiesisch und Englisch abgedruckt – so als ob das sowieso niemand lesen solle.

    Anmerkung 2: Wir haben schon zahlreiche Mietwagen gemietet. Noch niemals wurden wir bei der Übernahme so penibel wie am Flughafen auf Madeira auf die von Vormietern verursachten kleinsten Lackkratzer und auf die Kostenregelungen im Schadensfall hingewiesen. Man kann wohl befürchten, dass nach der Rückgabe genauso penibel nach weiteren neuen Kratzern gesucht wird.

  7. Ich kann den Komplettschutz von Sunny Cars nur empfehlen, den ich seit Jahren buche. Zwar sind die Verleihfirmen immer unterschiedlich, aber sie sind immer seriös. Versuche, Zusatzversicherungen zu verkaufen, gibt es zwar gelegentlich, doch der Hinweis auf die Vertragsbestimmungen von Sunny Cars lässt die Leute am Schalter schnell verstummen.

  8. Habe sehr schlechte Erfahrung mit Hertz UK gemacht.
    Habe ein Auto in Glasgow uebernommen welches am 3 Tag abgeschleppt wurden musste da die Batterie nicht mehr geladen wurde. Hat mich 2 Urlaubstage gekostet.
    Bei der Rueckgabe des Autos stellte ich fest dass man mir eine DAMAGE CHARGE von 100 GBP berechnet wurde. Habe dieses abgelehnt da ich keinen Schaden verursacht hatte aber meine Kreditkarte wurde trotzdem belastet ebenso wie die volle Mietsumme obwohl das Auto 2 Tage nicht benutzt werden konnte.
    Verbrecher mehr kann ich dazu nicht sagen.

  9. Firefly Palma de Mallorca. Nachträgliche Berechnung wegen besonderem Reinigungsaufwand. Auf den Fußmatten waren Krümel.
    @Finanztipp, der Hinweis auf einen möglichen Chargeback gibt es bei Mietwagen – Verleihern m. E. nicht. Das Geld ist einfach weg.
    Die Tatsache, daß Vergleichsportale Firefly und Goldcar etc listen, macht diese Portale selbst unseriös.

    • Auch bei Mietwagen ist bei missbräuchlicher Abbuchung und/oder Abbuchung von zusätzlichen Posten ein Chargeback möglich. Das EVZ hat die Erfahrung gemacht, wie unser Ansprechpartner dort uns mitteilte, dass Chargeback durchaus erfolgreich sein kann.

  10. Ich bin vor einigen Monaten in Lissabon von einem großen, internationalen Anbieter mit der Masche „den Vertrag schnell über den Bildschirm huschen und dann auf diesem unterschreiben lassen“ über‘s Ohr gehauen worden. Immerhin: die doppelt bezahlten Versicherungen wurden mir von Check 24 anstandslos zurückgezahlt. Auch ich empfehle dringend, alles zu versichern, auch Reifen, Glas, Dach und Unterboden, und auf Selbstbehalt zu verzichten. Auch eine „Mallorca-Police“ ist sinnvoll, um Unterdeckung bei der Haftpflicht im Ausland zu vermeiden.

  11. Tankregelung:
    Mir wurde in der Nacht vor der Rückgabe des PKWs in Catania der Wagen gestohlen. Ich konnte also den PKW nicht vollgetankt zurückgeben. Er war ja weg! Versichert war ich (glücklicherweise) ohne Selbstbeteiligung. Dennoch hat mir Europcar 114 Euro für das Benzin und Servicegebühren berechnet. Trotz vielfältiger Bemühungen bei Verleiher, Vermittler etc. habe ich diesen Betrag nicht erstattet bekommen.
    PS: Im Prinzip hätten die mir einen nicht versicherten Schaden (z.B. Unterboden) berechnen können. Ich konnte ja nicht beweisen, dass es diesen Schaden gar nicht gibt.

  12. Wir planen für 10 Tage einen Wagen für Jordanien in Berlin zu mieten. Hat jemand Erfahrungen damit?
    Vielen Dank im voraus.

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