Sommer in Niedersachsen
Bild: Julian Stratenschulte / dpa

Zwischen einem Tief im Westen und einem Hoch im Osten strömt gerade heiße Luft aus der Sahara nach Deutschland. Der Sommer hat noch gar nicht offiziell angefangen, und schon gibt es tagsüber Hitze mit mehr als 30 Grad – und die ersten „Tropennächte“ des Jahres mit über 20 Grad. Das folgt einem klaren Trend: Seit 1950 hat sich die Zahl der heißen Tage über 30 Grad in Deutschland mehr als verfünffacht.

So mancher im Homeoffice sehnt sich jetzt nach seinem klimatisierten Großraumbüro. Andere quälen sich in überhitzen Läden, Werkstätten oder Imbissküchen. Und wünschen sich wahrscheinlich hitzefrei. Aber gibt es das überhaupt im Job?

 

1. Wann die Arbeit nicht mehr zumutbar ist

Um es gleich zu sagen: Als Angestellte hast Du kein Recht auf hitzefrei. Und es hängt schon gar nicht an der Temperatur draußen. Grundsätzlich ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Arbeit so einzurichten, dass seine Angestellten „gegen Gefahr für Leben und Gesundheit geschützt“ sind (§ 618 BGB).

Was das bei Hitze genau bedeutet, regelt die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5: Ab 26 Grad Raumtemperatur sollte die Chefin etwas tun, ab 30 muss sie das. Und ab 35 Grad darf ein Raum praktisch nicht mehr genutzt werden. Das heißt aber nicht, dass Du frei hast. Womöglich kannst Du ja woanders im Betrieb arbeiten.

 

2. Was Arbeitgeber tun sollten

Effektiver Sonnenschutz an den Fenstern, nächtliche Lüftung, hitzeerzeugende Geräte abschalten: Das sind Maßnahmen, die die Technische Regel beispielhaft anführt, um die Raumtemperatur zu senken. Möglich ist auch, Arbeitszeit auf den Morgen zu verschieben.

Oft hilft es schon, die Regeln für die Dienstkleidung zu lockern: In kurzen Hosen und ohne Sakko erträgt sich die Hitze schon viel leichter. Arbeitshandschuhe oder Helme sind natürlich nicht verhandelbar. Übrigens: Ab 26 Grad Lufttemperatur im Büro sollten, ab 30 Grad müssen Getränke bereitgestellt werden.

 

Tischler schwitzt bei der Arbeit
Bild: GettyImages / PeopleImages

 

3. Was Angestellte tun können

Egal ob ein Tischventilator, besonders luftige Kleidung oder ein kaltes Fußbad unterm Schreibtisch – alles ist erlaubt, wenn der Chef mitspielt. Und der ist ja auch von der Hitze betroffen. Betriebsräte haben bei Fragen der Gesundheit immer ein Mitspracherecht. Auch wenn es sehr heiß ist, solltest Du nicht einfach die Arbeit niederlegen. Du kannst Dich auch ans Amt für Arbeitsschutz wenden. Das ist sogar anonym möglich.

 

4. Was im Homeoffice möglich ist

Vielleicht kannst Du auch von Zuhause arbeiten – wegen Corona tun das viele ohnehin. Das ist aber nicht immer besser. Im Gegenteil: Viele Wohnungen sind viel aufgeheizter als Büros. Immerhin: Hier entscheidest Du meistens selbst über Kleidung, Ventilator und Pausen. Du kannst nachts lüften und ein nasses Bettlaken zur Abkühlung vor das Fenster hängen.

In Deinem Zuhause hast Du Rechte gegenüber der Vermieterin. Wird es stets zu heiß, kannst Du die Miete mindern und Abhilfe verlangen. Als Faustregel gilt: Drinnen muss es immer 6 Grad kälter sein als draußen. Unter Umständen kann das auch heißen, dass die Wände gedämmt müssen oder eine Klimaanlage eingebaut werden muss. Allerdings sind die Gerichte nachsichtiger bei Wohnungen mit sehr großen Fenstern oder in Dachgeschossen.

 

 

5. Wenn die Kinder hitzefrei haben

Es gibt also kein Hitzefrei im Job. Was aber, wenn die Kinder aus der Schule entlassen werden, aber weiter betreut werden müssen? In diesem Fall kannst Du früher nach Hause gehen, wenn sich niemand anders dafür auftreiben lässt. Aber auch das musst Du mit Deiner Chefin besprechen – einfach verschwinden ist keine gute Idee. Klar ist: Du hast keinen Anspruch auf Verdienstausfall.

 

6. Empfindliche Gruppen

Wer gesundheitlich vorbelastet ist, aber auch Schwangere, stillende Mütter, Jugendliche oder ältere Mitarbeiter haben einen Anspruch auf besonderen Schutz. Hier gelten laut der oben genannten Vorschrift 26 Grad schon als das maximal Zumutbare. Falls Dir die Hitze richtig zu schaffen macht, gehe unbedingt zum Arzt. Dann kannst Du gegebenenfalls per Attest nachweisen, dass Dir die Arbeit nicht zumutbar ist.

 

Die Zahl der heißen Tage und Tropennächte wird weiter zunehmen. Eine Folge des Klimawandels. Wer in die Stadt zieht, sollte sich klar sein, dass sich die Hitze in sehr bebauten Stellen mit wenig Freiflächen und Grün besonders staut. Die Nachttemperaturen können dort bis zu zehn Grad über denen am Stadtrand liegen. Auch verteilen sich die tropischen Nächte sehr ungleich über Deutschland, wie man gut an dieser Karte vom Umweltbundesamt nachvollziehen kann. Das wird immer mehr zu einem Kriterium, wo es sich gut leben lässt.

Matthias Urbach
Autor

Stand:

Als stellvertretender Chefredakteur ist Matthias Urbach für den Newsletter, Kooperationen und die redaktionellen Sonderprojekte von Finanztip verantwortlich. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

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