Rentner
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Fast jeder fünfte Rentner hört nicht freiwillig auf zu arbeiten, sondern kann aus gesundheitlichen Gründen einfach nicht mehr. In solchen Fällen springt die gesetzliche Rentenversicherung ein und zahlt eine Erwerbsminderungsrente. So funktioniert das staatliche Sicherheitsnetz:

1. Wer die Rente bekommt

Für die Erwerbsminderungsrente zählt, ob Sie überhaupt noch irgendeine Arbeit verrichten können. Ein Handwerksmeister mit Knieschaden, der noch einen Bürojob machen könnte, bekommt also keine Erwerbsminderungsrente. Darin liegt der große Unterschied zu einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung: Diese zahlt bereits, wenn Sie in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten können. Für den gesetzlichen Schutz gilt das nur noch, sofern Sie vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden.

2. Wie lange Sie mindestens einzahlen müssen

Allerdings bekommen Sie die Rente bei Erwerbsminderung nur, wenn Sie mindestens fünf Jahre gesetzlich versichert waren. Außerdem müssen Sie in den vergangenen fünf Jahren mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge eingezahlt haben. Dabei werden unter Umständen auch Wartezeiten angerechnet – etwa für Kindererziehung oder Arbeitslosigkeit. Für Berufsanfänger gibt es Ausnahmen.

3. Wie viel Rente Ihnen zusteht

Die volle Erwerbsminderungsrente gibt es, wenn Sie nicht mehr als drei Stunden am Tag arbeiten können. Sind Sie noch drei bis sechs Stunden einsatzfähig, bekommen Sie in der Regel nur die halbe Rente. Wie hoch die Erwerbsminderungsrente genau ausfällt, hängt von den Rentenansprüchen ab, die Sie bereits erworben haben. Werfen Sie einfach einen Blick auf Ihre jährliche Renteninformation. Dort steht, wie viel Rente Sie derzeit bei voller Erwerbsminderung bekämen.

4. Das ändert sich 2019

Die Bundesregierung hat die Erwerbsminderungsrente verbessert: Ab 2019 wird die Rente so berechnet, als hätte der Betroffene bis zum Alter von 65 Jahren und acht Monaten weiter eingezahlt. Das erhöht die Rente spürbar: für einen Durchschnittsverdiener, der erwerbsunfähig wird, um etwa 90 Euro im Monat.

Denn zuvor wurde so gerechnet, als hätte man bis 62 in die Rentenkasse eingezahlt – bis 2014 sogar nur bis 60. Leider greift die neue Regel nicht, wenn Sie schon in Erwerbsminderungsrente sind.

5. Zusätzlich vorsorgen ist sinnvoll

Eine volle Erwerbsminderungsrente beträgt im Schnitt etwa 750 Euro im Monat, die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung gut 400 Euro. Das reicht kaum aus zum Leben. Um im Fall der Fälle nicht auf Hartz IV in Form der Grundsicherung angewiesen zu sein, empfehlen wir, dass Sie zusätzlich vorsorgen, am besten mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Allerdings hilft diese nur, bis Sie in die Altersrente wechseln.

6. So beantragen Sie die Rente

Die Erwerbsminderungsrente zu beantragen, bedeutet viel Papierkram. Hilfe beim Ausfüllen der Unterlagen bekommen Sie bei der Rentenversicherung, ehrenamtlich tätigen Versichertenältesten oder Sozialverbänden. Wird Ihr Antrag abgelehnt, sollten Sie binnen eines Monats Widerspruch einlegen. Bringt auch das nichts, können Sie vor dem Sozialgericht klagen.

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1 KOMMENTAR

  1. Toller Artikel!
    Insbesondere für die Menschen interessant, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung haben oder keine mehr bekommen. Das kann ja auch sein, weil man einfach zu krank ist oder diese im höheren Alter oder in dem speziellen Beruf einfach zu teuer ist.
    Man kann aber auch über private Versicherungen eine Erwerbsunfähigkeitsrente absichern. Haben Sie hier konkrete Empfehlungen?

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