Deutsche Rentenversicherung
Bild: Julian Stratenschulte / dpa

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen Ihre erste Renteninformation und sind jenseits der Fünfzig. Die Gesetzliche Rentenversicherung teilt Ihnen mit, dass Sie aktuell Anspruch auf 800 Euro Rente haben und dass es 1.500 Euro werden könnten, wenn Sie bis 67 voll durcharbeiten. Sie bekommen jedes Jahr eine solche Information.

Aber 1.500 Euro ist viel weniger, als Sie aktuell netto verdienen: 2.600 Euro. Und Steuern und Krankenkasse müssen Sie aus der künftigen Rente auch noch bezahlen. Das geht doch nicht?

Den Lebensstandard werden Sie so tatsächlich nicht komplett halten können. Nehmen wir mal an, Sie haben bis jetzt nur in die gesetzliche Rente eingezahlt. Aber zahlen vielleicht schon eine eigene Wohnung ab. Das sind jetzt Ihre Optionen:

1. Was Sie brauchen

Wie viel vom aktuellen Netto brauchen Sie wirklich in der Rente? Kosten, die mit Ihrem Arbeitsplatz zu tun haben, fallen weg. Die Kinder sind aus dem Haus, ihre Ausbildung finanziert. Und wenn Sie eine Immobilie abbezahlen, sollte das bis 67 passiert sein. Sie brauchen also netto viel weniger. Sagen wir 70 Prozent. Das wären bei Ihnen gut 1.800 Euro nach Steuer und Krankenkasse.

Unsere Empfehlung: Setzen Sie frei werdendes Einkommen (Kinder) und etwaige Einkommenssteigerungen, die nicht in die Tilgung fließen, konsequent für die Altersvorsorge ein. Nehmen Sie dabei auch die staatliche Förderung mit.

2. Jetzt noch riestern

Bei einem guten Riester-Vertrag mit höchstmöglicher Einzahlung von 2.100 Euro gibt es 175 Euro direkte Förderung und mit dem Beispiel-Einkommen einige hundert Euro Steuervorteil. Kostet Sie 160 Euro im Monat. Wenn Sie ein Haus abbezahlen, nutzen Sie den Riester-Vertrag für regelmäßige Tilgung, um schon vor der Rente fertig zu sein.

3. Die Betriebsrente mitnehmen

Angenommen, Ihre Firma bietet eine betriebliche Altersvorsorge neu an. Erstmals beteiligt sich das Unternehmen mit einem 20-Prozent-Zuschuss, wenn Sie Gehalt umwandeln. Wenn Sie etwa 2.400 Euro im Jahr umwandeln, landen 2.880 Euro auf Ihrem Altersvorsorgekonto. Wegen der Steuer- und Sozialversicherungsvorteile schrumpft Ihr Monatsnetto nur um rund 100 bis 150 Euro.

4. Ein wenig in Aktien anlegen

Nun gehen schon mindestens 260 Euro weg von Ihrem aktuellen Nettoeinkommen. Wollen Sie die Chance auf etwas mehr Rendite haben, dann sparen Sie sich eins von beiden, Riester oder Betriebsrente – und zahlen in Aktien ein. Das erhöht allerdings auch Ihr Verlustrisiko. An der Börse geht es zwar kurzfristig auf und ab, aber über 15 Jahre gab es mit solchen Produkten noch nie Verluste und im Schnitt der vergangenen Jahrzehnte knapp 8 Prozent Rendite. Zahlen Sie am besten in einen weltweit aufgestellten Aktien-Index-Fondssparplan ein.

Zum Rentenstart müssen Sie auch nicht zwingend gleich alle Aktien in Rente umwandeln. Zehren Sie besser nach und nach Ihr Aktiendepot auf – auch das verringert Ihr Börsenrisiko.

5. Länger arbeiten

Das genügt noch nicht? Eine Möglichkeit haben Sie noch: Später in Rente gehen. Dadurch erhöht sich automatisch die Rente. Zusätzlich können Sie weiter freiwillig einzahlen.

6. In der Rente jobben

Wenn es gar nicht anders geht, werden Sie Altersvorsorgetrainer in der Volkshochschule. Sie kennen sich aus. Und 2.100 Euro im Jahr können Sie dort steuerfrei hinzuverdienen. Kein Schrecken – es geht. Und macht wahrscheinlich auch noch Spaß.

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2 KOMMENTARE

  1. Warum sprechen Sie beim Arbeitgeberzuschuss in der BAV von 20 %? Meines Wissens sind nur 15 % für den Arbeitgeber verpflichtend, soweit SV-Beiträge eingespart werden.

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