Wenn Du über den Bau oder Kauf einer Wohnung nachdenkst, bist Du momentan wahrscheinlich maximal verwirrt. Die Nachrichten passen irgendwie nicht zusammen: Mal ist von sinkenden Preisen die Rede, dann wieder von steigenden. Also lieber warten, weil die Preise eher runtergehen, oder so schnell wie möglich noch ein bezahlbares Eigenheim suchen?

Was ist da los am Immobilienmarkt?

Das Statistische Bundesamt hat erst vor wenigen Tagen berichtet, dass die Preise für Wohnimmobilien um 10,2% gestiegen sind. Das Bundesamt hat dafür die tatsächlich gezahlten Preise für den Zeitraum Ende Juni 2021 bis Ende Juni 2022 verglichen.

Scheinbar völlig im Gegensatz dazu steht ein Bericht von Immoscout24 von Ende August: Hier wird von sinkenden Preisen bei Eigentumswohnungen und Häusern in vielen Gegenden Deutschlands berichtet. Aber Vorsicht: Immoscout hat dafür den Zeitraum Januar bis Juli 2022 ausgewertet und nur Angebotspreise auf dem Portal betrachtet – also die Preise, zu denen die Immobilien annonciert werden.

Bedeutet: Die beiden Aussagen schließen sich gar nicht aus. Die sinkenden Angebotspreise, die Immoscout beobachtet hat, sind aber ein Anzeichen dafür, dass demnächst auch die tatsächlichen Kaufpreise nicht weiter steigen oder sogar sinken könnten.

Einen Hinweis darauf, was auf dem Immobilienmarkt im Jahr 2022 wirklich passiert ist, geben auch die Zahlen der Bundesbank. Sie hat ermittelt, dass Privatpersonen bis im Frühjahr 2022 Baukredite in Rekordhöhe aufgenommen haben: über 32 Milliarden Euro waren es im März. Danach ging es dann bis Ende Juli ganz steil nach unten, auf etwa 21 Milliarden. Und jetzt kommt auch noch der Herbst, in dem die Bautätigkeit ohnehin zurückgeht.

Im Frühjahr 2022 sind die Bauzinsen von 1 auf 3% angestiegen. Damals gab es offenbar einen regelrechten Schlussverkauf am Immobilienmarkt, allerdings ohne die sonst üblichen Preisnachlässe. Wer bei den hohen Preisen noch kaufen konnte, hat gekauft. Wer nicht zum Zug kam, wartet darauf, dass Immobilien wieder erschwinglicher werden. Und dazu müssen die Verkäufer, also die Immobilienbesitzer, sich erst mit dem Gedanken anfreunden, dass sie nach den vielen Jahren steigender Preise jetzt vielleicht nicht mehr ganz so viel für ihr geliebtes Häuschen bekommen wie noch vor kurzem. Es kann gerade bei Immobilien manchmal etwas dauern, bis der Markt sich merklich dreht.

Wie solltest Du jetzt reagieren?

Wenn Du den Traum vom Eigenheim weiter träumst, haben wir fünf Tipps für Dich:

1. Lass Dich vom Anstieg der Bauzinsen nicht abschrecken. In vielen Regionen dürfte eine sinkende Nachfrage bald auch zu sinkenden Preisen führen.

2. Die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld sind auch gestiegen. Nutz den Zinsanstieg, um Eigenkapital anzusparen oder es bei Banken mit höheren Zinsen anzulegen.

3. Überleg, welche Summe Du monatlich aufbringen kannst, und berechne dann, wie viel Haus Du Dir leisten kannst. Dabei hilft Dir der Finanztip-Finanzierungsrechner.

4. Hast Du Deine Wunschimmobilie bereits jetzt gefunden, solltest Du unbedingt über den Kaufpreis verhandeln. Die Chancen, den drücken zu können, sind inzwischen deutlich gestiegen.

5. Lies weiterhin unseren Newsletter. Demnächst berichten wir über das nächste Förderprogramm zum Wohnungsbau, das offenbar gerade in Vorbereitung ist!

Dirk Eilinghoff
Autor

Stand:

Dirk Eilinghoff ist Stellv. Chefredakteur in der Finanztip-Redaktion und zusätzlich als Experte für die Themen Geldanlage und Baufinanzierung zuständig.

1 Kommentar

  1. Lassen Sie sich nicht abschrecken! Was für ein Käse. Bei einem Kaufpreis von 600.000.-€ bedeutet der Zinsanstieg eine monatliche Mehrbelastung von 1000.-€!. Außerdem sind die Anforderungen der Banken an das Eigenkapital gestiegen. Schieben Sie also den Gedanken an ein Wohneigentum weit von sich. Das belastet Sie nur. Mieten ohne Stress ist auch nicht übel. Sie bleiben „Frei“.

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