Zaster Laster der Berliner Volksbank
Bild: IMAGO / Christian Ditsch

Der Blick auf die Sparzinsen macht immer schlechtere Laune. Nullkommanull Prozent ist längst Standard. Und nun finden immer mehr private Sparer auch noch ein Minuszeichen auf ihrer Zinsabrechnung. Die Postbank etwa nimmt vom Tagesgeld ihrer Neukunden ab Montag 0,5 Prozent Negativzinsen – von allem, was 25.000 Euro überschreitet. Auch viele Volksbanken und Sparkassen kassieren bereits als „Verwahrentgelt“ getarnte Minuszinsen.

Damit scheint die alte Vereinbarung mit der Bank ungültig: Wir Sparer geben ihr unser Geld – und dafür kriegen wir Zinsen. Viele erinnern sich noch gut an Zinsen von 3 oder 4 Prozent. Wie das Geld mehr und mehr wurde. Aber war das wirklich immer so?

Leider nein. Ein Faktor wird in dieser Rechnung gerne übersehen: die Inflation. Experten reden daher lieber vom Realzins. Das ist der Zins, der nach Abzug der Inflation übrigbleibt. Ob Dein Geld weniger oder mehr wird, hängt also auch davon ab, wie stark die Preise steigen.

 

Die Realzinsen waren schon oft negativ

In der Geschichte der Bundesrepublik gab es mehrere Phasen, in denen die realen Zinsen aufgrund hoher Inflation deutlich im Minus waren. So ließ der Ölpreisschock Anfang der 1970er-Jahre die Inflation extrem steigen. Bis Anfang der Achtziger blieben die realen Zinsen negativ, lagen phasenweise bei minus 2 Prozent! Dabei gab es aufs Sparbuch rund 4 Prozent – die Inflation lag zugleich bei 6 Prozent. Auch Anfang der Neunziger, kurz nach der Wiedervereinigung, rutschten die Realzinsen wegen hoher Inflation für ein paar Jahre deutlich ins Minus.

Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt, dass die realen Zinsen für den Sparbuch-Ersatz Tagesgeld seit 2004 sogar fast durchgehend im Minus waren – insbesondere nach der Finanzkrise, mit deren Folgen die EU-Wirtschaft noch heute kämpft. Unter anderem um finanzschwache EU-Staaten (und damit den Euro) vor dem Kollaps zu bewahren, hat die Europäische Zentralbank (EZB) diverse Maßnahmen ergriffen – darunter die anhaltende Senkung des Leitzinses.

 

Grafik Realzinsen Blog

 

Die wirtschaftliche Theorie dazu: Ist der Leitzins niedrig, steigen die Preise, weil Verbraucher Geld ausgeben und Unternehmen investieren. Sparen lohnt nicht – Kredite aufnehmen schon. Die EZB möchte damit eine Inflation von 2 Prozent erreichen. Diese Inflationsrate gilt als ideal für die wirtschaftliche Stabilität: Nicht nur zu stark steigende Preise gefährden den Wohlstand, sondern auch sinkende Preise.

 

 

Entspannt bleiben und gelassen investieren

Für Dich ist wichtig, dass Du die Inflation mitdenkst, Dich aber nicht beunruhigen lässt von Diskussionen – wie der aktuellen um eine höhere Preissteigerung durch die Corona-Krise. Die aktuellen Negativzinsen der Banken sind ärgerlich, aber keine Katastrophe. Lass Dich nicht zu unseriösen Anlagen hinreißen, nur weil sie mehr Zinsen versprechen. Denn viel schlimmer als reale Negativzinsen ist ein Totalverlust bei einem windigen Anbieter, der „Bonusgold“ oder anderen Unsinn verspricht.

Auf dem Tages- oder Festgeldkonto ist der Notgroschen bis zu 100.000 Euro pro Bank wenigstens sicher. Für Geld, auf das Du langfristig verzichten kannst, gilt: Wenn Du auch in Aktien anlegst, hast Du sehr gute Chancen auf eine positive Realrendite. Dafür am besten geeignet sind Indexfonds (ETFs).

 

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Nicolas Heronymus
Autor

Stand:

Nicolas Heronymus schreibt im Newsletter über die wichtigsten aktuellen Geldthemen. Außerdem betreut er den Bereich Kfz-Versicherung mit. Nicolas hat bei Finanztip volontiert und dabei auch zwei Monate bei Zeit Online hospitiert. Vor Finanztip sammelte er erste Erfahrungen in der Finanz- und Versicherungswelt. Er hat Politikwissenschaft in Lüneburg, Berlin und Rom studiert.

1 Kommentar

  1. Frage/Wunsch fuer die Zukunft:

    Bewertung der Konten der Deutschen Bank!

    Manche sprechen von Postbank und Deutscher Bank als „Gierbanken“,
    neuerlich immer mehr.
    Wie muss man das sehen?
    Her,mann Troll, Tokio
    P.S. Bin von euch immer sehr begeistert: klingt kompetent und ehrlich!

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