Deepwater Horizon - Jahrestag der schwersten Ölpest
Pelikan mit verklebten Gefieder – Ölpest nach der Deep Water Horizon Katastrophe. Bild: Charlie Riedel / dpa

In Deinem Einkaufskorb liegen vielleicht Bio-Äpfel und regionale Produkte. Aber wie sieht es eigentlich mit Nachhaltigkeit und bewusster Auswahl im Depot und Deiner Geldanlage aus?

Umweltschutz und soziale Verantwortung sind noch ein Nischenthema bei den Finanzen: Nachhaltige Anlagen haben nur einen Anteil von gut 5 Prozent am Markt aller Fonds in Deutschland. Spricht also etwas dagegen?

Nicht unbedingt: Auch der Bio-Anteil bei Lebensmitteln liegt in einem ähnlichen Bereich. Und beide Trends zeigen nach oben. Deshalb haben wir Dir hier zusammengestellt, was Du wissen musst, um nachhaltig in Aktien anzulegen. Oder Dein Girokonto künftig bei einer grünen Bank zu führen.

 

1. Ein breiter Begriff

An der Börse kann Nachhaltigkeit verschiedene Dinge bedeuten. Manche Aktienfonds haben Ausschlusskriterien: Sie schließen generell Unternehmen aus, die zum Beispiel Waffen oder Tabak herstellen, die Umwelt zerstören oder stark Öl und Kohle nutzen. Andere folgen dem „Best-in-Class“-Ansatz und suchen aus jeder Branche nach Vorbildern – das könnte dann auch die Fluglinie sein, die den geringsten Kerosinverbrauch hat. Weil es keine einheitliche Definition gibt, hilft Dir hier nur, die Beipackzettel genau zu lesen.

 

2. Risiken vermeiden durch nachhaltige ETFs

Der Wunsch, nachhaltiges Wirtschaften zu unterstützen, sollte Dich nicht unvorsichtig machen. Unsere allgemeinen Tipps für die Geldanlage bleiben wichtig: Kaufe keine Einzelaktien oder Fonds, die in nur wenigen Ländern oder Branchen investieren. Halte Dich auch von aktiv gemanagten Fonds fern, weil diese hohe Verwaltungskosten verursachen, ohne deshalb mehr Rendite abzuwerfen.

Auch als nachhaltige Anlage empfehlen wir ETFs, in denen mehrere hundert Titel stecken, zu niedrigen laufenden Kosten. Diese ETFs verzichten auf einige Unternehmen, die als nicht oder weniger nachhaltig gelten. Das muss übrigens nicht auf Kosten der Rendite gehen. Nehmen wir den nachhaltigen Index MSCI World SRI, den kleinen Bruder des MSCI World. Egal, ob über 1 Jahr, 3 oder 5 Jahre, in vielen Vergleichszeiträumen entwickelte sich der nachhaltige unter den Brüdern besser. Hier findest Du eine Auswahl nachhaltiger ETFs.

Jahrestagung der NRA in Indianapolis
Keine Unterstützung von Waffen – mit nachhaltigen ETFs. Bild: Michael Conroy / dpa

 

3. Dein Geld geht nicht direkt ans Unternehmen

Als Mitbesitzer sollst Du Dich wohlfühlen, zumal die Unternehmen den Wertzuwachs Deiner Anlage erwirtschaften. Mach Dir aber klar: Anders als wenn Du etwa ein Produkt der Firma kaufst, also zum Beispiel Tabak, geht beim Aktienkauf Dein Geld normalerweise gar nicht direkt ans Unternehmen. Du kaufst Aktien in der Regel an der Börse von anderen Anlegern, und bei denen landet Dein Sparbetrag. Das heißt natürlich nicht, dass es völlig egal ist, in was Du investierst: Bei Anlegern beliebte Unternehmen gewinnen an Gewicht und Einfluss.

 

4. Was mit Deinem Gesparten passiert

Wenn Du Tagesgeld oder Festgeld anlegst, nutzt die Bank Deine Einlage auch, um damit Geschäfte zu machen. Autobanken wie die Volkswagen Bank oder die BMW Bank unterstützen zum Beispiel ihre Mutterkonzerne beim Finanzieren oder Leasen von Fahrzeugen. Der Finanzdienstleister Klarna streckt Ausgaben beim Onlineshoppen vor und nutzt dazu auch die Sparguthaben seiner Kunden.

Wie grün Großbanken in ihrem Alltagsgeschäft sind, ist kaum unabhängig zu beurteilen. Die selbst herausgegebenen „nichtfinanziellen Berichte“ dazu sind ziemlich vage und werden nicht detailliert von Wirtschaftsprüfern kontrolliert. Die Umweltstiftung WWF untersucht 14 Institute.

 

5. Alternative Banken: Grün, aber teurer

Deshalb gibt es ein Dutzend Spezialbanken wie GLS Bank oder Triodos, die sich komplett dem nachhaltigen Gedanken verschrieben haben. Sie legen offen, an wen sie Kredite ausgeben. Interessanter, aber umfangreicher Lesestoff für Kunden. Der Fair Finance Guide nimmt einige Banken unter die Lupe. Nachteil: Die Festgeldzinsen sind unterdurchschnittlich. Und auch die Kontoführung kommt meist teurer als bei den anderen Banken.

 

6. Nachhaltig heißt auch: langfristig

In seiner anderen Bedeutung bedeutet nachhaltig auch einfach, langfristig an die Geldanlage heranzugehen. Unsere Empfehlung ist seit jeher, an der Börse nur Geld anzulegen, wenn Du es zehn bis fünfzehn Jahre nicht brauchst. So kannst Du Krisen am Aktienmarkt aussitzen, ohne unnötige Verluste machen zu müssen. Und am Ende hast Du hoffentlich die Geldsumme zusammen, auf die Du gespart hast. Damit wären wir wieder beim Einkaufen: Wenn Du später mit solide angelegtem Geld Dinge bezahlst, die ökologisch und sozial verantwortungsvoll hergestellt wurden, dann schließt sich der nachhaltige Kreislauf.

Zum Ratgeber

 

Finanztip-Serie Geldanlage

1. Tagesgeld im Tiefflug: Was bringt das noch?
2. Anleger-Nepp: So schützt Du Dich
3. Aktien – nimm die ganze Pizza, nicht nur die Olive
4. Anleihen – sind sie besser als Festgeld?
5. Nachhaltig denken – geht das nicht etwas grüner?

Hendrik Buhrs
Autor

Stand:

Redakteur im Team Bank und Versicherung. Vor seiner Zeit bei Finanztip berichtete er für die Radioprogramme des Hessischen, später des Westdeutschen Rundfunks über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Hendrik hat in Münster und Exeter VWL studiert. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er bei Radio Q und im Lokalfunk Recklinghausen. Gespartes Geld investiert er gern in Reisen.

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