Hotline-Serie
Bild: RapidEye, iStock.com

Wenn angebliche Polizisten am Telefon behaupten, dass sie Ihr Bargeld auf Blüten hin überprüfen müssen oder vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter Sie anrufen, weil Ihr Computer angeblich von Viren befallen ist – dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Betrugsversuch. Es gibt aber auch weniger offensichtliche Methoden:

1. (Unerlaubte) Werbeanrufe

Bevor Firmen Sie zu Werbezwecken anrufen dürfen (sogenannte Cold Calls), müssen Sie ausdrücklich zustimmen – zum Beispiel bei einer Online-Registrierung. Das hält manche Anbieter nicht davon ab, es auch ohne Einverständnis zu tun. Oder sie holen sich die Zustimmung auf dubiosem Wege, etwa über ein Gewinnspiel. Mit solchen Anrufen will man Ihnen meist Lotterielose, Reisegutscheine, Strom-, Gas- und Telefonverträge oder Zeitschriftenabos andrehen.

Ein beliebter Trick: Der Anrufer stellt zuerst ein paar Fragen, auf die fast jeder mit „ja“ antwortet, zum Beispiel „Würden Sie sich über einen Gewinn von 10.000 Euro freuen?“. Nachdem Sie so darauf eingestimmt wurden, immer „ja“ zu sagen, beginnt der Anrufer, Ihnen den eigentlichen Vertrag aufzuschwatzen. Wer die Masche kennt, ist immun. Falls Sie Lust haben, verneinen Sie doch mal direkt die Eingangsfrage: „Nein – so ein Lottogewinn macht nur unglücklich.“

2. Wenn angeblich Ihre Bank anruft

Relativ schwer als Betrüger zu entlarven sind Anrufer, die sich für Angestellte Ihrer Bank ausgeben. Im Display erscheint sogar oft die richtige Nummer Ihrer Bank, denn diese Anzeige lässt sich fälschen. Unter einem Vorwand versuchen die Anrufer, Ihre Kartendaten zu bekommen: Sie geben beispielsweise vor, es habe ungewöhnliche Abbuchungen auf der Kreditkarte gegeben. Geben Sie niemals Ihre PIN oder Ihre Kartenprüfnummer preis! Legen Sie auf und rufen Sie selbst Ihre Bank an.

3. Der falsche Helfer

Ein verbreiteter Trick von Betrügern funktioniert so: Der Anrufer behauptet, er könne Ihnen aus der Patsche helfen, in die Sie sich angeblich selbst manövriert hätten. Zum Beispiel sagt der Anrufer, Sie hätten einen Vertrag geschlossen, der sich automatisch um ein Jahr verlängert habe – für 67,90 Euro im Monat. Die Anrufer werfen dabei gerne mit juristischen Begriffen um sich, etwa „rechtsgültig“, „Paragraph“ oder „BGB“. Wenn Sie erstaunt oder verzweifelt reagieren, bietet der Anrufer generös an, er könne „eine Ausnahme machen“, obwohl das eigentlich nicht seine Aufgabe sei. Dann schlägt der Anrufer vor, Sie nach drei Monaten aus dem Vertrag zu lassen – Sie „sparen“ 600 Euro. Nicht wenige stimmen dann erleichtert zu. Die drei Monate waren von Anfang an das Ziel des Anrufers.

Lässt der Anrufer nicht locker, drohen Sie, eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur einzureichen. Das wirkt meist.

4. Der Lockanruf (Ping-Call)

Es klingelt nur ein- oder zweimal, das aber mehrmals in der Woche. Neugierig, wie man nun mal ist, ruft man zurück – und schon schnappt die Falle zu. Denn die Telefonnummer im Display war eine teure „Service“-Nummer oder eine Rufnummer im Ausland.

Bevor Sie unbekannte Telefonnummern zurückrufen, geben Sie diese auf speziellen Internetseiten ein, etwa wer-ruftan.de, tellows.de oder wemgehoert.de. Dort bewerten andere Angerufene die Nummer. Das ist meist sehr hilfreich, um einzuschätzen, ob es sich um einen seriösen Anrufer handelt oder nicht.

Falls Ping-Anrufer oder Verkäufer es immer wieder versuchen, sperren Sie die Nummer. Beim iPhone zum Beispiel drücken Sie auf das „i“ rechts neben der Nummer, wischen dann nach ganz unten und wählen „Anrufer blockieren“. Auch im Router kann man solche Nummern blockieren. Für die Fritzbox finden Sie die Anleitung hier.

Serie „Überleben in der Hotline“

1. Schneller durchkommen
2. Worauf es beim Telefonat ankommt
3. Verträge am Telefon abschließen
4. Das hilft bei ernsten Störungen
5. So wehren Sie Betrüger ab

Daniel Pöhler
Autor

Stand:

Daniel Pöhler war bis Ende 2020 Co-Pilot im Newsletter-Team und gelegentlich als Mobilitäts-Experte von Finanztip unterwegs. Daniel hat Betriebswirtschaft studiert und bei einem Fachmagazin für Telekommunikation volontiert. Seine ausgeprägte Leidenschaft für gute Sprache hatte ihm einen weiteren Job bei Finanztip eingebracht: den des stellvertretenden Textchefs.

3 Kommentare

  1. Bei unbekannten Rufnummern im Telefondisplay heben wir nicht ab, sondern warten, bis sich der Anrufbeantworter meldet. Unseriöse Anrufer werden mit Sicherheit nichts daraufsprechen und der Anruf ist erledigt.
    Wir rufen nur zurück, wenn etwas sinnvolles daraufgesprochen wurde.

    1. Hatte 3 Jahre Telefonterror. Das dreisteste war ein Anruf aus unserer Landeshauptstadt vom Amtsgericht. Da mein Sohn dort studiert, habe ich bei der Vorwahl abgenommen. Das dortige Mahngericht, zu dem ich durchgestellt wurde, verlangte 6000,- für eine nicht beglichene Rechnung. Ratenzahlung könne nur ein Münchner Anwalt veranlassen, wenn ich diesen Namen und Nummer anriefe. Ich rief an bei der Polizei, stellte Strafantrag. Seither habe ich Ruhe.
      Tipp: Brille am Telefon deponieren, dass Display gleich erkannt wird.

  2. Warnung :: Wir erhalten aktuell 2 – 3 mal in der Woche Anrufe von >> 0043 _ _ _ _ _ _ aus Österreich , wo Zeitschriften und Stromverträge angeboten werden .. Alles sehr unseriös siehe auch im Internet unter >> 0043 u.s.w.

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