Schwangere im Job
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Sie erwarten Ihr erstes Kind? Nutzen Sie die Ruhe vor der Geburt! Zum Seelebaumelnlassen. Aber auch für Vorbereitungen, zu denen Sie nach der Geburt garantiert nicht mehr kommen – weil Ihre Tage praktisch kürzer werden. Eltern mit kleinen Kindern kreisen nämlich auf einer eigenen Umlaufbahn mit deutlich kürzerer Zeit. Allenfalls die Nächte werden länger. Wenn Sie Ihr Kind stundenlang beruhigen müssen, damit es einschläft.
Klingt nach Schwarzmalerei? Klar – vielleicht ist es nur der Schlafmangel, der aus diesen Zeilen spricht. Wenn Ihr Leben mit Kind völlig entspannt wird: umso besser! Doch vorsichtshalber sollten Sie viele bürokratische Dinge schon erledigt haben, damit sie nach der Geburt nicht mehr an Ihren Hacken kleben.

1. Solange Sie die Kinder noch planen

Beschäftigen Sie sich mit Elterngeld und Elternzeit. Denn das bekommen Sie als Eltern, egal ob sie selbstständig oder angestellt arbeiten. Der Trick dabei: Je höher das Nettogehalt vor der Geburt, desto höher später das Elterngeld. Sind Sie verheiratet, sollte der Elternteil, der später mehr Elternzeit nimmt, die bessere Steuerklasse wählen. Dann gibt es mehr Elterngeld. Entscheidend sind in der Regel sieben Monate vor Geburt beim Vater und sieben Monate vorm Mutterschutz bei der Mutter.

2. Mutterschutz und Mutterschaftsgeld: Ihre Rechte

Geschützt sind werdende Mütter, sobald sie ihrem Arbeitgeber sagen, dass sie schwanger sind. Dann haben sie zusätzliche Rechte, können zum Beispiel schwerer gekündigt werden. Auch Arbeitssicherheit spielt dann eine größere Rolle. Und Sonntags- und Nachtarbeit sind in der Regel tabu. In den eigentlichen Mutterschutz gehen Schwangere normalerweise ab sechs Wochen vor der Geburt bis acht Wochen danach. In diesem Zeitraum sind sie von der Arbeit befreit, in manchen Fällen dürfen sie auch nicht arbeiten.

Im Endeffekt bekommen Sie dann weiter Ihr Nettogehalt. Einen Teil gibt’s von der Krankenkasse, einen Teil vom Arbeitgeber. Das sogenannte Mutterschaftsgeld müssen Sie bei der Krankenkasse beantragen, den Arbeitgeberzuschuss beim Arbeitgeber.

Sollte es Komplikationen geben und Sie können schon Monate vor der Geburt nicht mehr arbeiten, bekommen Sie ebenfalls weiter Geld bis zum Ende des Mutterschutzes.

Schwangerschaftstest
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3. Elternzeit und Elterngeld beantragen

Der Mutterschutz geht in der Regel nahtlos in die Elternzeit über, sofern Sie nicht sofort wieder arbeiten gehen wollen (was härter ist, als viele glauben).

Genauer gesagt rechnet der Gesetzgeber sogar automatisch den ersten Monat nach der Geburt als Elternzeit bei der in Mutterschutz stehenden Mutter an. Elternzeit und auch das Elterngeld müssen Sie beantragen. Elternzeit beantragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor Beginn. Nutzen Sie dafür gerne unser Musterschreiben.

Überlegen Sie, wer wie viele Monate zu Hause bleibt: Beide Elternteile können bei jedem Kind gleichzeitig oder nacheinander bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen. Das müssen Sie auch nicht am Stück tun. Auch zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes können Sie nochmal einige Monate nehmen.

In der Elternzeit sind sie unbezahlt von der Arbeit freigestellt. Statt Gehalt bekommen Sie Elterngeld. Je nachdem, wie viel Sie im Jahr vor der Geburt verdient haben, erhalten Sie mindestens 300 Euro bis maximal 1.800 Euro (65 Prozent vom Netto). Basis-Elterngeld gibt es für 14 Monate, wenn beide Partner je mindestens zwei Monate zu Hause bleiben.

Den Antrag auf Elterngeld stellen Sie bei der zuständigen Elterngeldstelle. In vielen Bundesländern können Sie den Antrag erst nach der Geburt einreichen. Das sollten Sie dann auch zügig tun. Denn Elterngeld wird höchstens drei Monate rückwirkend gezahlt. Die wichtigsten Dokumente können Sie schon vor der Geburt zusammensammeln.

4. Elterngeld Plus – Zeit und Geld flexibel planen

Wollen Sie sich die Elternzeit mit Ihrem Partner teilen und in Teilzeit weiterarbeiten, bekommen Sie auch Elterngeld: das sogenannte Elterngeld Plus. Das gilt auch, falls Sie sich nach der Elternzeit nicht sofort wieder Vollzeit in den Beruf stürzen, sondern mit ein paar Wochenstunden langsam an den Arbeitsalltag gewöhnen wollen. Beim Elterngeld Plus bekommen Sie die Hälfte vom Basis-Elterngeld (also 150 Euro bis 900 Euro), dafür aber doppelt so lange (28 Monate).

Elterngeld Plus und Basis-Elterngeld können Sie beliebig kombinieren. Was sich für wen genau lohnt, muss jeder individuell entscheiden. Machen Sie sich im Vorfeld genau Gedanken, wann Sie wie lange Elternzeit nehmen und wann Sie wie viel in Teilzeit arbeiten wollen. Sprechen Sie sich mit Ihrem Partner ab und informieren Sie Ihren Arbeitgeber rechtzeitig (mindestens sieben Wochen vorher). Das erleichtert den Elterngeld-Antrag erheblich.

5. Rentenpunkte gerecht verteilen

Eines ist sicher: Pro Kind bekommen Sie drei Rentenpunkte angerechnet. Sie werden damit so gestellt, als hätten Sie drei Jahre durchschnittlich verdient (im Jahr 2018 betrug dieser Durchschnittsverdienst immerhin 3.880 Euro.) Die Rentenpunkte werden automatisch allein der Frau zugeordnet. Wenn Sie sich als Paar die Elternzeit teilen, sollten Sie die Rentenpunkte für das Kind untereinander fair aufteilen. Zu beantragen ist das bei der Deutschen Rentenversicherung.

 

Serie Kinder und Geld

1. Geld schenken? Aber richtig!
2. Das erste Smartphone
3. Wenn das Kind krank ist
4. Nutzen Sie die Ruhe vor der Geburt
5. Nach der Geburt geht’s richtig los (mit den Formularen)

 

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