Kita
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Drei von fünf Eltern wünschen sich, ihr Kind nach dem ersten Geburtstag in eine Tagesbetreuung zu geben. Seit sieben Jahren haben Sie darauf einen Rechtsanspruch und die Gemeinden bezuschussen in der Regel die Betreuung. Es ist also alles prima geregelt, aber leider nur in der Theorie. Die eigentliche Hürde besteht häufig darin, überhaupt einen Platz zu finden.

Seit Jahren mangelt es in Deutschland an Betreuungsplätzen – vor allem für die ganz Kleinen. Obwohl stetig ausgebaut wird, ist die „Betreuungslücke“ zuletzt größer und größer geworden. Denn immer mehr Eltern wünschen sich einen Platz: Rund 331.000 fehlten 2018 für Kinder unter 3 Jahren, vor allem in den Großstädten. Bei den über 3-Jährigen fehlten rund 125.000 Plätze.

Folgendes sollten Sie bei der Suche beachten:

1. Einen Plan machen

Viele Eltern verfolgen angesichts des Mangels die Strategie, ihr Kind bei Dutzenden Kitas auf die Warteliste zu setzen. Das erzeugt allerdings nur Chaos – bei den Eltern wie bei den Einrichtungen. Da kann man sich schnell verzetteln und verpasst die entscheidenden Vorstellungstermine. Besser ist es wahrscheinlich, sich gezielt ein paar gute Kandidaten auszusuchen und dann am Ball zu bleiben.

2. Die späten Winterkinder

Kitas nehmen die meisten neuen Kinder im August oder September auf, weil mit dem Start des Schuljahres die künftigen Erstklässler die Kita verlassen. Melden sollten sich Eltern möglichst im Vorjahr, und dann jeden Monat ihr Interesse erneut bestätigen, bis die Einrichtung entschieden hat. Schwierig ist das natürlich bei Kindern, die im Winter oder Frühling geboren sind. Dann landen die Eltern oft sehr weit hinten auf der Warteliste.

In diesem Fall kann es sinnvoll sein, sich zunächst eine Alternative zu suchen. Betreut werden kleine Kinder nicht nur in Kitas, sondern auch von Tagesmüttern und -vätern. Auch diese Art der Betreuung wird öffentlich gefördert – genauso wie die Kitas. Listen mit Adressen liegen in der Regel in Jugendämtern und Rathäusern aus.

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Die Tagesmütter antworten in der Regel schneller als Kitas: Sie können direkt entscheiden, ob sie noch ein Kind aufnehmen. Außerdem werden bei ihnen nicht nur im Herbst Plätze frei: Denn die Betreuung durch eine Tagesmutter ist nur bis zum dritten Geburtstag möglich, dann muss das Kind wechseln.

Das hat zwar den Nachteil, dass Sie später immer noch einen Kita-Platz brauchen. Aber Sie haben Zeit gewonnen. Und der Platzmangel ist bei den älteren Kindern erheblich geringer.

3. Die Gemeinde unterstützt Sie bei den Kosten

Haben Sie einen Platz gefunden, schließen Sie einen Betreuungsvertrag. Ihre Stadt oder Gemeinde unterstützen Sie dabei finanziell. Nachweise zum eigenen Einkommen geben Sie entweder der Einrichtung oder reichen Sie bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung ein. Dann wird berechnet, was Sie zu zahlen haben. Erhalten Sie Wohngeld oder Kinderzuschlag, ist die Betreuung für Sie kostenfrei. Beziehen Sie Arbeitslosengeld, übernimmt die Arbeitsagentur die Gebühren.

In zwei Bundesländern ist die Betreuung für alle Kinder kostenlos: Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. In Berlin müssen Sie dazu beim Jugendamt einen Kita-Gutschein beantragen und können diesen dann in der Kita einlösen. Auch Hamburg, Erfurt oder Heidelberg arbeiten mit Gutscheinen – kostenfrei ist die Betreuung dort für kleine Kinder aber nicht.

Das Essen müssen Sie in jedem Fall selbst bezahlen: Die Kosten dafür gehören nirgends zu den Betreuungskosten. Übrigens: Betreuungskosten können Sie von der Steuer absetzen. Dies gilt auch für freiwillige Zuzahlungen an die Kita.

4. Wenn es mit dem Platz nicht klappt

Finden Sie keinen Platz, kann Ihnen das Jugendamt helfen. Die Mitarbeiter dort sind informiert, wenn kurzfristig ein Platz in einer Kita frei wird. Hilft das nicht, können Sie vor Gericht ziehen: Ab seinem ersten Geburtstag hat ein Kind Anspruch auf sieben Stunden Betreuung am Tag. Arbeiten beide Eltern im ersten Lebensjahr des Kindes oder suchen Arbeit, besteht der Rechtsanspruch ebenfalls. Wenn Sie Ihren Anspruch gerichtlich einklagen, dann müssen Sie in der Regel aber auch den Platz akzeptieren, den Ihnen das Amt zuweist.

Können Sie wegen der fehlenden Betreuung für Ihr Kind nicht wie gewünscht an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren, sollten Sie Elternzeit beantragen oder verlängern: Jedem Elternteil stehen insgesamt 24 Monate zu. Ist das Kind noch keine drei Jahre alt, ist keine Zustimmung des Arbeitgebers nötig. Sie müssen den Antrag aber sieben Wochen vor Beginn stellen. Ist die Bezugszeit für Elterngeld ausgeschöpft, haben Sie dann natürlich kein Einkommen. Ihre Kommune können Sie dann noch auf Schadensersatz verklagen.

Es ist auch möglich, dass Sie nach dem ersten Lebensjahr des Kindes noch Elterngeld erhalten: mit Elterngeld Plus. Bedingung ist dabei, dass Sie in Teilzeit arbeiten. Spielt Ihr Arbeitgeber mit oder sind Sie selbstständig, können Sie so vielleicht die Zeit überbrücken, bis Sie eine Zusage für einen Platz erhalten.

Serie Kinder und Geld

1. Geld schenken? Aber richtig!
2. Das erste Smartphone
3. Wenn das Kind krank ist
4. Nutzen Sie die Ruhe vor der Geburt
5. Nach der Geburt geht’s richtig los (mit den Formularen)
6. Die lange Suche nach dem Kita-Platz

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