Kind mit Smartphone
Bild: Robert Michael / dpa-Zentralbild/dpa

„Schalte Dutzende Brawler mit mächtigen Superskills frei und verbessere sie.“ Ein siebenjähriger Junge kam dieser Aufforderung eines Handy-Spiels nach. „Brawler“, so nennen sich die Kämpfer im Spiel „Brawl Stars“. Mit „Juwelen“ lassen sie sich freischalten. Die kann man freispielen – oder für echtes Geld kaufen.

Zum Glück des Jungen spielte er auf dem Handy seiner Mutter. Die hatte ihre Kreditkarte im Google-Playstore hinterlegt als Zahlungsmittel – und staunte, als sie die Rechnung bekam: 2.753,91 Euro.

Die Frau wandte sich an die Verbraucherzentrale Niedersachsen, die Google anschrieb und der Forderung widersprach. Schließlich ist ein Siebenjähriger nicht geschäftsfähig. Auch wenn Eltern ihren Kindern ein Handy bewusst zum Spielen überlassen, so die Verbraucherzentrale, bedeutet das „nicht automatisch die Erlaubnis, Käufe damit durchzuführen.“ Am Ende erließ Google den Großteil der Summe, die Mutter zahlte trotzdem 99,60 Euro.

In-App-Käufe sind seit ein paar Jahren die Masche, mit denen Spiele-Entwickler Kindern das Taschengeld abluchsen. Es beginnt kostenlos, aber wer nach einer Weile noch mithalten will, muss zahlen. Und Google verdient auf allen Android-Handys mit – das Unternehmen behält 30 Prozent des Umsatzes für sich.

Auch Apple verdient 30 Prozent an Käufen auf iPhones im App-Store. Dort kannst Du In-App-Käufe immerhin abschalten – und Käufe verlangen in der Regel eine Bestätigung. Bei Google ist das aber nicht so.

 

Google: In-App Käufe mit Passwort bestätigen

Bei Google lässt sich die Funktion In-App-Käufe nicht abschalten. Dort solltest Du unbedingt die Passwort-Abfrage „für alle Käufe auf Google Play“ aktivieren. Das geht in der App Play-Store unter Einstellungen > Authentifizierung. Hier die Beschreibung im Google Support. Noch sicherer ist es, das Zahlungsmittel zu entfernen und den Playstore ausschließlich mit Gutscheinkarten zu füttern. Und vielleicht doch besser keine Spiele zu laden, unter denen steht: „In-App-Produkte 0,99 $ bis 99,99 $ pro Artikel.“

 

Apple: Gut versteckter Abschalt-Knopf

Bei Apple kann es nicht so leicht passieren, dass Du aus Versehen etwas kaufst – oder Dein Kind in Deiner Abwesenheit. Denn der App-Store verlangt in der Regel bei allen Käufen Dein Passwort. Außer, Du hast es mal anders festgelegt. Es gibt nämlich bei Apple die Möglichkeit einzustellen, dass das Passwort nach einer Eingabe für die nächsten 15 Minuten lang nicht mehr abgefragt wird. Wer Touch-ID oder Face-ID nutzt, muss jedes Mal einen Kauf bestätigen. Ein Ausnahme gibt es: Auf der Apple-TV lässt sich die Eingabe eines Passworts bei Käufen auch ganz deaktivieren.

Zusätzlich kannst Du die In-App-Käufe ganz abschalten. Die Funktion ist aber gut versteckt. Du findest den entsprechenden Schalter auf iPhones seltsamerweise in den Einstellungen unter „Bildschirmzeit > Beschränkungen > Käufe im iTunes & App Store > In-App-Käufe“. Vor dem letzten Schritt musst Du Dein „Bildschirmzeit“-Passwort eingeben. (Mehr dazu ist im Apple-Support erklärt.)

Übrigens: Wie Du das erste eigene Handy Deines Kindes absicherst, kannst Du in unsere kleinen Serie Kinder und Handy nachlesen.

Matthias Urbach
Autor

Stand:

Matthias Urbach war von 2014 bis 2022 stellvertretender Chefredakteur von Finanztip. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

2 Kommentare

  1. So schlimm das Geschehene auch ist, so reißerisch ist aber leider auch der Artikel…
    Google hat die gleichen oder zumindest ähnliche Funktionen für solche Käufe. Wenn nicht absichtlich abgeschaltet, muss man für Einkäufe das Passwort auch bei Google erneut bestätigen. Nicht erst wenn man die Abfrage vorher aktiviert hat. Außerdem hat diese Info in der Mail gefehlt und steht nur in diesem Artikel…

    Eine Aussage wie „In-App-Käufe sind seit ein paar Jahren die Masche, mit denen Spiele-Entwickler Kindern das Taschengeld abluchsen.“ ist sehr reißerisch und so nicht korrekt. Es gibt natürlich immer schwarze Schafe, aber grundsätzlich ist das nicht die Masche um Kindern das Geld abzuluchsen sondern allgemein das Geschäftsmodell. Das Spiel selbst ist ja kostenlos. Im Schnitt sind die Spiele nicht speziell so gemacht, dass sie nur Kindern das Geld aus der Tasche ziehen, sondern einfach mit allen Nutzern den Umsatz per in-app Käufe und nicht per einmal Kauf machen.

  2. Mir ist vor ein paar Jahren das Gleiche passiert, allerdings war mein Sohn schon 14 und hat auf seinem eigenen Handy gespielt. Mein Kreditkartenkonto war wahrscheinlich noch von der Installation von WhatsApp hinterlegt. Ich gehöre einer Generation an, die noch nicht mit Smartphones aufgewachsen ist und bin froh, dass ich mein eigenes Smartphone einigermaßen beherrsche. Daher hätte mich dieser Fehler fast 3.000 € gekostet. Meine Kreditkartenfirma hatte mich übrigens auf die auffälligen Abbuchungen aufmerksam gemacht und mein Konto vorübergehend gesperrt, um noch mehr Schaden zu verhindern. Die Jungs in der entsprechenden Hotline von Google waren übrigens sehr hilfsbereit und verständnisvoll und haben mir, nachdem sie mir fast den ganzen Betrag ersetzt haben, noch alles so eingerichtet, dass in Zukunft nichts mehr passieren kann. Wieviel ich letztendlich bezahlt habe, weiß ich nicht mehr genau, aber das habe ich als Lehrgeld betrachtet und ich hoffe, dass mein Sohn, dem sein Tun und dessen Folgen übrigens sehr Nahe gegangen sind, auch was dabei gelernt hat. Die Sicherheitsvorkehrungen beim Bezahlen mit Kreditkarte werden ja immer höher, daher hoffe ich, dass sowas bald nicht mehr möglich sein wird.

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