Solarpanele
Bild: querbeet / GettyImages

Der von Wladimir Putin angeordnete Überfall auf die Ukraine macht vielen von uns einmal mehr bewusst, wie sehr wir vom Import fossiler Energien abhängen – vor allem aus Russland. Bundeskanzler Olaf Scholz hat am Sonntag klargemacht, dass Deutschland sich schnell von dieser Abhängigkeit befreien will. Schlecht fürs Klima ist der Einsatz von Kohle, Gas und Öl ohnehin.

Aber Du musst nicht auf die Ampelkoalition warten. Du kannst Deine eigene Energiewende sofort starten. Und so geht’s:

1. Lass Deine Heizung in Schuss bringen

Der Frühling kommt. Die Zeit bis zum Herbst solltest Du nutzen: Prüfe, ob die Heizung richtig eingestellt ist. Lass zum Ende der Heizperiode einen „hydraulischen Abgleich“ machen, wenn die Räume nicht gleichmäßig warm werden. Dämme die Heizungsrohre ordentlich, wenn sie es nicht sind. Der Staat unterstützt Dich, wenn Du Deine Heizung optimierst – mit einem Zuschuss oder einer Steuerermäßigung.

2. Dämme Dein Haus und investiere in Solarthermie

Größere Effekte erzielst Du, wenn Du Dein Haus besser dämmst. Du musst dabei nicht gleich alles sanieren. Bei zweischaligem Mauerwerk etwa lässt sich Dämmmaterial einblasen. Nutzt Du den Dachboden nicht zum Wohnen, dann dämme die Decke zum Geschoss darunter. Der Aufwand ist überschaubar, und Du verringerst Deinen Wärmebedarf jeweils um etwa 20 Prozent. Mit einer solarthermischen Anlage auf dem Dach brauchst Du etwa 15 Prozent weniger Heizöl oder Gas. Für all dies gibt es Zuschüsse.

3. Mit einer Wärmepumpe heizt Du günstiger

Hohe Kosten treffen Dich auch, wenn Du mit Holz oder Fernwärme heizt. Denn die Preise sind für alle Brennstoffe gestiegen. Nur wer im energieeffizienten Haus (zum Beispiel im „Passivhaus“) wohnt oder mit Wärmepumpe heizt, ist weniger betroffen.

Wärmepumpen brauchen zwar Strom, aber sie nutzen kostenlose Wärme, die sie aus der Luft oder aus dem Boden ziehen. Im Idealfall brauchst Du etwa 1 Kilowattstunde (kWh) Strom, um 4 Kilowattstunden Wärme zu nutzen. Für 20.000 kWh Heizleistung zahlst Du aktuell etwa 2.000 Euro – bei durchschnittlichem Wärmebedarf auf 160 Quadratmetern Wohnfläche. Bei Gas oder Heizöl sind es mindestens 2.500 Euro.

Für die Wärmepumpe gibt es besondere, vergünstigte Stromtarife, die etwa 6 Cent pro kWh günstiger sind als Haushaltsstrom. Und wenn im Juli wie geplant die EEG-Umlage entfällt, wird die Wärmepumpe noch attraktiver im Vergleich zur Gasheizung. Mit weiteren Entlastungen für Wärmestrom ist zu rechnen.

4. Eigener Solarstrom auch zum Heizen und Autofahren

Der günstigste Strom aber ist der, den Du selbst erzeugst – mit einer Photovoltaikanlage. Die Kilowattstunde aus eigener Erzeugung kostet Dich etwa 10 bis 14 Cent. Überschüsse speist Du ins Netz, wofür Du eine Einspeisevergütung bekommst.

Je größer Du eine Solaranlage baust, desto schneller rentiert sie sich. Groß bauen solltest Du vor allem, wenn Du in absehbarer Zeit eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto anschaffen willst.

5. Auch Mieter können Solarstrom erzeugen

Wohnst Du zur Miete, frage Deine Vermieterin nach Mieterstrom. Eine Erzeugungsanlage im Haus liefert Dir dann die Energie. Solarer Mieterstrom ist dabei mindestens 10 Prozent günstiger als der preiswerteste Strom, der vollständig über das Netz kommt. Will Dein Vermieter keine solche Anlage, bleibt noch, ein Balkonmodul anzuschaffen – damit verringerst Du Deinen Strombezug aus dem Netz um etwa 15 Prozent.

Egal, was Du davon machst: Sinnvoll ist es immer, gar nicht erst so viel Energie zu verbrauchen. In unseren Ratgebern findest Du Tipps zum Sparen von Heizenergie und zum Stromsparen.

Ölpreise erreichen Höchststände – das kannst Du tun

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine steigen die Ölpreise unermüdlich. Am Freitagvormittag kosteten 100 Liter Heizöl rund 142 Euro – das sind knapp 55 Prozent mehr als vor zwei Wochen. Auch an den Tankstellen wird es teurer: Am Dienstag mussten Autofahrer im Schnitt fast 1,83 Euro für einen Liter Super E10 und knapp 1,76 Euro für einen Liter Diesel zahlen.

Bist Du aufs Auto angewiesen, solltest Du die Preise mehrerer Tankstellen vergleichen und am besten abends tanken. Falls Du mit Öl heizt, solltest Du erst bestellen, wenn sich die Preise wieder gefangen haben. Wegen des sehr milden Winters dürfen die meisten Leute ohnehin noch genug im Tank haben, so dass sie bis dahin warten können.

Ines Rutschmann
Autor

Stand:

Ines Rutschmann ist unsere Energie-Expertin und widmet sich allen Fragen, die sich Verbraucher rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung. Danach war sie für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Masterabschluss in Energiemanagement.

12 Kommentare

  1. Mich interessiert der „staatliche Zuschuss“ im Zusammenhang mit dem hydraulichen Abgleich.
    Was muss ich dafür tun? Wie hoch ist der Zuschuss?
    Frdl. Gruss G. Borgartz

  2. Hinzu kommt, das ein Großteil aller Lieferungen über längere Zeiträume preislich und qualitativ in Verträgen festgelegt sind. Die hohen Preise gelten also nur für die frei verfügbaren Mengen an Energie (Gas, Öl, Strom). Und natürlich auch beim Neuabschluss von Lieferverträgen spielt der höhere Preis eine Rolle. Egal wer im internationalen Handel spekuliert – die Oligarchen sind mit dabei.

  3. Die Lieferungen von Oel u. Gas aus Russland od. anderen Ländern wurden meines Wissens an keinem Tag unterbrochen, wieso steigen dann die Preise 🤔

    1. Lieber Herr Nöcker,
      da haben Sie Recht. Die hohen Beschaffungspreise an den Märkten sind nicht durch eine plötzlich gestiegene Nachfrage seit dem Jahreswechsel oder eine Verknappung des Angebots zu erklären. An den Energiemärkten agieren aber nicht nur Produzenten, Großhändler und Lieferanten, sondern auch Spekulanten.

          1. Ich finde das sehr wichtig, das hier nochmal ganz klar darauf hingewiesen wird, das nicht der Krieg schuld an den gestiegenen Preisen ist sondern die Politik und Spekulanten. Das da niemand gegen vorgeht passt zum Vorgehen, die Bürger unter Druck zu setzen und klein zu halten. Geht nach hinten los….

            1. Ganz so einfach ist es nicht. Der Krieg hat Unsicherheit am Energiemarkt ausgelöst. Das hat Auswirkungen auf die Preise. Aber die starke Erhöhung im März war nicht allein durch den Krieg zu erklären.

              1. Es ist ganz klar nachzuweisen, dass der Preisanstieg bereits im 3. Quartal 2021 begann. Und mit seiner Aussage von gestern hat sich der beste Außenminister im besten Deutschland das wir je hatten, selbst ins Knie geschossen. Ihm war es von vornherein klar. Bereits vor einigen Tagen sagte Habeck, dass die ganzen Sanktion mit der Energieverknappung bereits weit vor Weihnachten , vor Monaten, vorbereitet wurden. Aber wie sagte die junge Dame vom Allensbach- Institut heute morgen:“ Die Grünen machen Politik für die Oberschicht – und „Die“ kann es sich ja leisten.“

                1. Der Ölpreis ist das ganze Jahr 2021 mehr oder weniger kontinuierlich gestiegen, also auch schon vor der Bundestagswahl. Dieser Anstieg liegt in der nach den Corona-Beschränkungen wieder sukzessive gestiegenen Nachfrage nach Erdöl weltweit begründet. Auf die wachsende Nachfrage reagierten die OPEC-Länder aber zunächst nicht mit höheren Fördermengen bzw. erhöhten sie im Herbst 2021 nur wenig. Diese Verknappung des Angebots bei steigender Nachfrage war die Politik der Förderländer, nicht die der Abnehmer. Ende Februar löste der Krieg in der Urkraine dann einen starken Preissprung aus.

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