Bildungsurlaub
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Wir verschenken Urlaub – jedes Jahr fünf Tage. Genauer gesagt: Bildungsurlaub. Nie davon gehört? Dann sind Sie nicht allein. Nur einer von 100 Arbeitnehmern nimmt seinen Bildungsurlaub wahr. Dabei steht er allen zu – es sei denn, Sie arbeiten in Sachsen oder Bayern.

Die Idee des Bildungsurlaubes: Sie bekommen Sonderurlaub, um sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln. Ihr Gehalt fließt weiter, Sie zahlen den Kurs. Dieser kann bei Ihnen um die Ecke stattfinden, aber auch in Spanien oder Italien. Er muss nur als Bildungsurlaub anerkannt sein.

Das Berufsleben verlangt heute von uns, flexibel zu sein und ständig neu zu lernen. Wir müssen Beruf und Familie unter einen Hut bekommen. Da kann es guttun, sich einmal für fünf oder zehn Tage ganz um sich selbst zu kümmern. Und zum Beispiel an der Volkshochschule einen Kurs zu buchen wie „Yoga – erfolgreich und entspannt im Beruf“. Den hat im April ein Berliner Gericht explizit als Bildungsurlaub eingestuft.

Nicht nur freie Tage auf Kosten des Chefs

Eigentlich hat sich die Bundesrepublik Deutschland bereits 1974 völkerrechtlich verpflichtet, dass jeder Arbeitnehmer Bildungsurlaub nehmen kann. Dahinter steckt das Bildungsideal der Siebziger: sozialer Aufstieg durch bessere Ausbildung.

Doch die Arbeitgeberverbände machten Druck dagegen. In der Regel waren es SPD-Regierungen, die die Idee in den Bundesländern umsetzten. Zuerst in den Stadtstaaten, dann auch in den Flächenländern. Baden-Württemberg führte den Bildungsurlaub erst 2015 ein. Und wo stets die Union regierte, gibt es noch immer keinen.

Bis heute ist Bildungsurlaub umstritten. Tatsächlich ergeben Studien, dass Bildungsurlauber hinterher motivierter und auch deutlich zufriedener an die Arbeit gehen. Am Ende profitiert also auch die Firma.

Yoga, Sprachkurs oder Europapolitik – was darf’s sein?

Das Angebot ist vielfältig: Es reicht vom „Intensivkurs Italienisch“ in Siena über das „SEO-Boot-Camp“ auf Teneriffa bis zum Excel-Kurs an der Volkshochschule Köln. Es gibt Schulungen für Führungskräfte wie „Konflikte im Team effektiv lösen“ oder „Persönlichkeit, Präsenz, Führung“. Sie können sich in Fotografie, Kunst oder Videoschnitt fortbilden. Dazu kommen politische Themen wie „Lebensraum Elbe“ oder „Die EU und der Populismus“.

Rechnen Sie damit, dass ihr Vorgesetzter misstrauisch ist und Ihren Bildungsurlaub ungern genehmigt. Suchen Sie daher schon vorab das Gespräch, bevor Sie etwas buchen. Erklären Sie Ihre Motive und besprechen Sie, wann es zeitlich im Betrieb am besten passt – auch wenn Sie dazu rechtlich nicht verpflichtet sind.

Welche Regeln in den einzelnen Bundesländern gelten, wann Ihr Chef nein sagen kann, was Sie beim Antrag beachten müssen und wann Sie Ihre Kurskosten von der Steuer absetzen können, lesen Sie in unserem Ratgeber.

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