Schäuble
Bild: Michael-Kappeler, dpa

Als unser Leser Jan aus Osnabrück neulich auf den Depotauszug seiner Bank schaute, erschrak er ziemlich: Er hatte im November Anteile von Indexfonds (ETFs) verkauft und musste mehr als 700 Euro Abgeltungssteuer zahlen, obwohl sein Gewinn nur bei 400 Euro lag. Ein Fehler? Leider nein, nur der ganz normale Steuer-Irrsinn! Seit Anfang des Jahres wird bei der Abgeltungssteuer anders gerechnet, so hat das noch Wolfgang Schäuble (im Bild) in seiner Zeit als Finanzminister umgesetzt.

Aufpassen müssen alle Anleger, die Anteile an reinen Aktienfonds besitzen, die heute weniger wert sind als am 31. Dezember 2017. Angesichts des Börsenabschwungs der vergangenen Monate ist das sehr wahrscheinlich. Das Problem: Während der bis Jahresbeginn aufgelaufene Gewinn voll zählt, werden vom Verlust in diesem Jahr nur 70 Prozent dagegen gerechnet.

Das bedeutet für unseren Leser Jan: Die ETF-Anteile waren Ende 2017 rund 8.000 Euro mehr wert als beim Kauf. 2018 verloren sie 7.600 Euro. Das Finanzamt rechnet die 8.000 Euro voll als Gewinn, aber vom Verlust nur 70 Prozent, also 5.320 Euro. Macht rechnerisch 2.680 Euro „Gewinn“ – und damit mehr als 700 Euro Abgeltungssteuer.

Sofern Sie also nicht schon bald das Geld brauchen, denken Sie noch mal über den Verkauf nach.

Wichtig vor allem: Verkaufen Sie niemals aus Panik in einem Börsenabschwung. Wollen Sie langfristig Vermögen aufbauen – also zum Beispiel „mit Aktien für die Rente vorsorgen“, wie Friedrich Merz vorgeschlagen hat –, dann zählt nur die langfristige Perspektive! Wer zwischen 1975 und 2017 beliebige 15 Jahre in ein weltweites Aktienportfolio investierte, verlor niemals Geld. Schwankungen am Aktienmarkt haben sich stets ausgeglichen.

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