Steuerserie Teil 2: Werbungskosten
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Im zweiten Teil unserer Steuer-Serie geht es um die sogenannten Werbungskosten. Die haben nichts mit Reklame zu tun. Der Gesetzgeber definiert sie als „Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen“. Für Arbeitnehmer ist das alles, was sie für den Job selbst gezahlt haben.

Hier sind die wichtigsten Tipps, mit denen Sie Werbungskosten geltend machen können:

1. Vom Arbeitnehmer-Pauschbetrag profitieren

1.000 Euro sind immer drin. Selbst wenn Sie im Jahr 2017 nur eine kurze Zeit angestellt waren, steht Ihnen die komplette Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro zu. Bei der monatlichen Gehaltsabrechnung berücksichtigt der Arbeitgeber jeweils ein Zwölftel der Pauschale. Waren Sie also zum Beispiel nur drei Monate beschäftigt, hat Ihr Arbeitgeber nur 250 Euro berücksichtigt. Sobald Sie daher in Ihrer Steuererklärung die Anlage N ausfüllen, werden die kompletten 1.000 Euro von Ihrem Steuerbrutto abgezogen. Praktisch: Sie benötigen für die Pauschale keine Belege.

2. Jeder Euro über 1.000 Euro zählt

Sammeln Sie dennoch alle Quittungen. Denn sobald Sie die 1.000-Euro-Schwelle überschreiten, können Sie Ihr Steuerbrutto weiter reduzieren. Jeder einzelne ausgegebene Euro zählt und kann Steuern sparen. Dann müssen Sie jedoch alle Ausgaben belegen können, auch den Teil unterhalb der 1.000-Euro-Pauschale.

3. Fahrtkosten zur Arbeit

Für Ihre tägliche Pendelstrecke zum Arbeitsplatz dürfen Sie für jeden Entfernungskilometer 30 Cent als Fahrtkosten geltend machen.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit einer 5-Tage-Woche wohnt 15 Kilometer vom Büro entfernt. Das Finanzamt akzeptiert als Werbungskosten ohne Nachweis: 230 Tage × 15 Kilometer × 0,30 Euro = 1.035 Euro. Alleine mit den Fahrtkosten überschreitet er den Arbeitnehmer-Pauschbetrag.

Normalerweise sind mit der Entfernungspauschale alle Kosten abgegolten, also auch Reifenwechsel und Wartung. Passiert Ihnen aber auf dem Weg zur Arbeit ein Unfall, können Sie auch die Reparaturkosten geltend machen.

Wichtig für Fernpendler: Für die Entfernungspauschale gibt es grundsätzlich einen Höchstbetrag von 4.500 Euro. Haben Sie höhere Ausgaben, können Sie diese tatsächlichen, nachweisbaren Kosten absetzen. Falls Sie Auto und öffentliche Verkehrsmittel kombinieren, dann gilt der Höchstbetrag für die Teilstrecke, die Sie mit dem Zug zurücklegen.

4. Computer und andere Arbeitsmittel

Erledigen Sie häufig berufliche Arbeiten mit Ihrem privat gekauften Computer? Der berufliche Anteil hierfür kann auf 50 Prozent geschätzt werden, sodass Sie die Hälfte des Kaufpreises über drei Jahre abschreiben können. Nur günstige Arbeitsmittel, also sogenannte „geringwertige“ bis zu einem Neupreis von 487,90 Euro, können Sie auf einen Schlag absetzen. Für 2018 wurde diese Grenze übrigens auf 952 Euro fast verdoppelt. Weitere typische Arbeitsmittel sind: Schreibtisch, Bücherregal, Werkzeug, Aktentasche und Berufsbekleidung. Viele Finanzämter akzeptieren pauschal 110 Euro für Arbeitsmittel.

5. Weitere Werbungskosten

Das Spektrum an Werbungskosten ist breit: Dazu gehört zum Beispiel die doppelte Haushaltsführung, falls Sie wegen des Jobs eine Zweitwohnung haben, das Arbeitszimmer, Bewerbungskosten, Kontoführung (pauschal bis 16 Euro akzeptiert das Finanzamt ohne Nachweis), 20 Prozent der Telefonkosten (bis 20 Euro pro Monat) oder Umzugskosten, falls das beruflich nötig war. Ja, sogar Feierkosten können Sie absetzen, falls Sie zum Beispiel mit Ihrer Abteilung auf die Beförderung anstoßen.

Im Ratgeber Werbungskosten haben wir alles für Sie alphabetisch aufgelistet, was sich absetzen lässt: von Arbeitsmitteln bis Zinsen.

Übrigens: Auch als Vermieter haben Sie Werbungskosten: Eben alles, was Sie zahlen, um am Ende Miete einzunehmen. Also Kreditzinsen und Erhaltungsaufwendungen zum Beispiel. Zwar haben auch Selbständige und Gewerbetreibende solche Kosten, die heißen dann aber Betriebsausgaben.

Zum Ratgeber

Die Finanztip-Steuerserie:

  1. Wer eine Erklärung abgeben muss – und wer sollte
  2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
  3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
  4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
  5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
  6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Guten Tag, ich bin Rentnerin und finde es schade, dass Sie bei der Absetzbarkeit der Werbungskosten
    die Rentner nicht auffuehren. Sich gibt es da doch auch Betraege zum Absetzen, vielleicht Spenden o.a. Vielleicht koennen Sie das Thema doch nochmal aufnehmen in Bezug auf Rentenbezieher.
    Mit freundlichen Gruessen
    Rosemarie Schmidt

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