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Im zweiten Teil unserer Steuer-Serie geht es um die sogenannten Werbungskosten. Die haben nichts mit Reklame zu tun. Der Gesetzgeber definiert sie als „Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen“. Für Arbeitnehmer ist das alles, was sie für den Job selbst gezahlt haben.

Hier sind die wichtigsten Tipps, mit denen Sie Werbungskosten geltend machen können:

1. Vom Arbeitnehmer-Pauschbetrag profitieren

1.000 Euro sind immer drin. Selbst wenn Sie im Jahr 2018 nur eine kurze Zeit angestellt waren, steht Ihnen die komplette Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro zu. Bei der monatlichen Gehaltsabrechnung berücksichtigt der Arbeitgeber jeweils ein Zwölftel der Pauschale. Waren Sie also zum Beispiel nur drei Monate beschäftigt, hat Ihr Arbeitgeber nur 250 Euro berücksichtigt. Sobald Sie daher in Ihrer Steuererklärung die Anlage N ausfüllen, werden die kompletten 1.000 Euro von Ihrem Steuerbrutto abgezogen. Praktisch: Sie benötigen für die Pauschale keine Belege.

2. Jeder Euro über 1.000 Euro zählt

Sammeln Sie dennoch alle Quittungen. Denn sobald Sie die 1.000-Euro-Schwelle überschreiten, können Sie Ihr Steuerbrutto weiter reduzieren. Jeder einzelne ausgegebene Euro zählt und kann Steuern sparen. Dann müssen Sie jedoch alle Ausgaben belegen können, auch den Teil unterhalb der 1.000-Euro-Pauschale.

3. Fahrtkosten zur Arbeit

Für Ihre tägliche Pendelstrecke zum Arbeitsplatz dürfen Sie für jeden Entfernungskilometer 30 Cent als Fahrtkosten geltend machen.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit einer 5-Tage-Woche wohnt 15 Kilometer vom Büro entfernt. Das Finanzamt akzeptiert als Werbungskosten ohne Nachweis: 230 Tage × 15 Kilometer × 0,30 Euro = 1.035 Euro. Alleine mit den Fahrtkosten überschreitet er den Arbeitnehmer-Pauschbetrag.

Normalerweise sind mit der Entfernungspauschale alle Kosten abgegolten, also auch Reifenwechsel und Wartung. Passiert Ihnen aber auf dem Weg zur Arbeit ein Unfall, können Sie auch die Reparaturkosten geltend machen.

Wichtig für Fernpendler: Für die Entfernungspauschale gibt es grundsätzlich einen Höchstbetrag von 4.500 Euro. Haben Sie höhere Ausgaben, können Sie diese tatsächlichen, nachweisbaren Kosten absetzen. Falls Sie Auto und öffentliche Verkehrsmittel kombinieren, dann gilt der Höchstbetrag für die Teilstrecke, die Sie mit dem Zug zurücklegen.

4. Computer und andere Arbeitsmittel

Erledigen Sie häufig berufliche Arbeiten mit Ihrem privat gekauften Computer? Der berufliche Anteil hierfür kann auf 50 Prozent geschätzt werden, sodass Sie die Hälfte des Kaufpreises über drei Jahre abschreiben können. Nur günstige Arbeitsmittel, also sogenannte „geringwertige“ bis zu einem Neupreis von 952 Euro, können Sie auf einen Schlag absetzen. Diese Grenze wurde 2018 fast verdoppelt. War Ihr im letzten Jahr gekaufter Laptop nicht teurer, dann dürfen Sie ihn schon komplett in der Steuererklärung 2018 abschreiben. Weitere typische Arbeitsmittel sind: Schreibtisch, Bücherregal, Werkzeug, Aktentasche und Berufsbekleidung.

Tipp: Bei einem Bücherregal können Sie zum Beispiel einen beruflich genutzten Anteil schätzen und hierfür Werbungskosten absetzen. Viele Finanzämter akzeptieren pauschal 110 Euro für Arbeitsmittel.

5. Weitere Werbungskosten

Das Spektrum an Werbungskosten ist breit: Dazu gehört zum Beispiel die doppelte Haushaltsführung, falls Sie wegen des Jobs eine Zweitwohnung haben, das Arbeitszimmer, Bewerbungskosten, Kontoführung (pauschal bis 16 Euro akzeptiert das Finanzamt ohne Nachweis), 20 Prozent der Telefonkosten (bis 20 Euro pro Monat) oder Umzugskosten, falls das beruflich nötig war. Ja, sogar Feierkosten können Sie absetzen, falls Sie zum Beispiel mit Ihrer Abteilung auf die Beförderung anstoßen.

Im Ratgeber Werbungskosten haben wir alles für Sie alphabetisch aufgelistet, was sich absetzen lässt: von Arbeitsmitteln bis Zinsen.

Übrigens: Auch als Vermieter haben Sie Werbungskosten: Eben alles, was Sie zahlen, um am Ende Miete einzunehmen. Also Kreditzinsen und Erhaltungsaufwendungen zum Beispiel. Zwar haben auch Selbständige und Gewerbetreibende solche Kosten, die heißen dann aber Betriebsausgaben.

Zum Ratgeber

Die Finanztip-Steuerserie:

  1. Auftakt: Steuern leicht gemacht
  2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
  3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
  4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
  5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
  6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen

 

 

8 KOMMENTARE

  1. Guten Tag, ich bin Rentnerin und finde es schade, dass Sie bei der Absetzbarkeit der Werbungskosten
    die Rentner nicht auffuehren. Sich gibt es da doch auch Betraege zum Absetzen, vielleicht Spenden o.a. Vielleicht koennen Sie das Thema doch nochmal aufnehmen in Bezug auf Rentenbezieher.
    Mit freundlichen Gruessen
    Rosemarie Schmidt

  2. Guten Tag,
    wir sind Rentner und auf Grund der anstehenden Rentenerhöhung kommt wieder die Frage nach eventuellen Besteuerung auf. Wie und wo können wir erfahren ob wir Steuerpflichtig sind?
    Danke für eine Info im Voraus.
    Mit freundlichem Gruß
    J. Rückwaldt

  3. Guten Tag Herr @Rückwaldt,
    im Ratgeber Rentenbesteuerung https://www.finanztip.de/steuererklaerung/rentenbesteuerung/
    erkläre ich ausführlich wie die Rentenbesteuerung funktioniert.
    Die folgenden Aussagen setzen voraus, dass Sie neben der Rente keine weiteren zu versteuernden Einkünfte haben:
    Die Pflicht, eine Steuererklärung abgeben zu müssen, erreichen Sie bereits recht schnell. Nämlich dann, wenn der steuerpflichtige Teil Ihrer Rente über 9.100 Euro liegt. Der einmal festgelegte Freibetrag bleibt ja konstant, abhängig davon wann Sie erstmals eine Rente bekommen haben. Im Ratgeber haben wir zur Orientierung eine Tabelle der maximal steuerfreien Bruttorente. Außerdem finden Sie dort einen Link zum Alterseinkünfte-Rechner des Bayerischen Landesamts für Steuern.
    Dann müssen Sie selbst kalkulieren.
    Sie können aber möglicherweise in Ihrer Steuererklärung etliche Posten absetzen, sodass Sie möglicherweise keine oder nur eine geringe Steuer zahlen müssen. Doch das hängt von Ihren individuellen steuerlich abzugsfähigen Ausgaben ab.
    ich empfehle Ihnen, Steuersoftware zu benutzen: https://www.finanztip.de/steuersoftware/
    Es gibt auch Programme, die sich auf Rentner spezialisiert haben.

    Mit freundlichem Gruß
    Udo Reuß
    Redakteur Steuern bei Finanztip

  4. Guten Tag,
    ich bin Rentner und bin auch an der Absetzbarkeit von Werbekosten interesiert, desweiteren bin ich auch Vermieter. Bitte teilen Sie mir mit wo ich mich für meine Steuererklärung schlau machen kann

  5. Ich habe ständig Ärger mit dem Finanzamt, weil die mir die Unterstützungsleistungen an meinen behinderten, bedürftigen Sohn nicht anerkennen wollen.

  6. Guten Tag,

    ich bin angehender Vermieter, Kann ich Renovierungsaufwendungen absetzten, wenn diese dazu Beitragen, dass Haus oder die Wohnung zum vermieten herzurichten, also auch wenn noch keine Mieter eingezogen sind? Beispiel, in 2019 habe ich eben Kosten aus Renovierung für eine Wohnung die erst 2020 vermietet wird.

    Mit freundlichen Grüßen
    Roland B.

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