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Ein Herzinfarkt, der den halben Körper lähmt, ein Brand oder Hochwasser, das die Wohnung zerstört – persönliche Notlagen sind emotional schon schlimm genug. Hinzu kommt oft eine enorme finanzielle Belastung. Die gute Nachricht: Zumindest einen Teil der Kosten können sich Betroffene über die Steuererklärung zurückholen. Der Posten nennt sich treffend „außergewöhnliche Belastungen“. Davon gibt es im Steuerdeutsch zwei Arten: allgemeine und besondere außergewöhnliche Belastungen.

Leicht absetzbar: die besonderen außergewöhnlichen Belastungen

Für bestimmte Lebenssituationen stehen Ihnen laut Einkommensteuergesetz (Paragrafen 33a und 33b) Pauschal- oder Höchstbeträge zu. Beantragen können Sie diese in der Steuererklärung. Hier die vier Wichtigsten:

1. Unterhaltshöchstbetrag
Sorgen Sie finanziell für bedürftige Angehörige, zum Beispiel für Ihre Eltern im Pflegeheim, steht Ihnen für 2017 ein Unterhaltshöchstbetrag bis zu 8.820 Euro zu (Anlage Unterhalt).

2. Pflegepauschbetrag
Falls Sie einen Angehörigen selbst zu Hause pflegen, ohne dafür Geld zu nehmen, tragen Sie dies im Mantelbogen in den Zeilen 65/66 ein und erhalten dafür den Pflegepauschbetrag von 924 Euro.

3. Behinderung
Für eine Behinderung ab einem Grad von 25 steht Ihnen ein Pauschalbetrag von 310 bis 1.420 Euro zu (Mantelbogen ab Zeile 61).

4. Ausbildungsfreibetrag
Ist Ihr volljähriges Kind Student oder Azubi und wohnt nicht mehr bei Ihnen, beantragen Sie in der Anlage Kind den Ausbildungsfreibetrag (bis zu 924 Euro pro Jahr).

All diese besonderen außergewöhnlichen Belastungen können Sie nur bis zu einem bestimmten Betrag von der Steuer absetzen. Für Pauschalbeträge müssen Sie nicht mal Ihre Kosten nachweisen.

Etwas aufwendiger ist es, Krankheitskosten, Bestattungen oder Folgen von Naturkatastrophen abzusetzen.

Mindestgrenze knacken – die zumutbare Belastung

Die allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen können Sie unbegrenzt absetzen – dafür müssen Sie die Kosten aber immer belegen können. Und viel wichtiger: Sie müssen erstmal die Grenze der „zumutbaren Belastung“ überwinden. Das ist der Eigenanteil, den Sie selbst zahlen.

Abhängig vom Einkommen, Familienstand und der Anzahl Ihrer Kinder liegt Ihre zumutbare Belastung zwischen 1 und 7 Prozent des Gesamtbetrags Ihrer Einkünfte. Mithilfe eines Rechners der Finanzverwaltung können Sie Ihre Belastungsgrenze ermitteln. Über diesen Betrag müssen Sie kommen, um allgemeine außergewöhnliche Belastungen absetzen zu können.

Tipp: Die Berechnung der zumutbaren Belastung hat sich aufgrund eines Urteils des Bundesfinanzhofs im letzten Jahr geändert – zum Vorteil der Steuerzahler. Steuerbescheide ab 2013, die vorläufig ergangen sind, können Sie auf Antrag beim Finanzamt noch ändern lassen.

Krankheit, Pflege, Kur – allgemeine außergewöhnliche Belastungen

Der Strauß an möglichen allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen ist vielfältig. Am wichtigsten sind Krankheits-, Pflege- und Kurkosten. Dazu kann beispielsweise auch eine künstliche Befruchtung gehören. Auf jeden Fall muss die Behandlung medizinisch erforderlich und die Kosten müssen angemessen sein. Als Nachweis genügt meist eine ärztliche Verordnung.

Weil Sie die zumutbare Belastungsgrenze in einem Kalenderjahr überwinden müssen, sollten Sie planbare Ausgaben bündeln. Dies gilt beispielsweise für Zahnprothesen, Hörgeräte, Brillen, krankheitsbedingte Wohnungsumbauten und andere abzugsfähige Krankheitskosten.

Es gibt weitere Dinge, die Sie als allgemeine außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen können: Kosten für die Bestattung von Angehörigen, Reparatur und Neukauf von Hausrat nach einer Naturkatastrophe, Entgiftung einer Wohnung (zum Beispiel, um Asbest zu beseitigen).

Die Liste der außergewöhnlichen Belastungen ist so bunt wie das Leben. Noch mehr Beispiele und alle Details, wie Sie am besten vorgehen, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Die Finanztip-Steuerserie:

  1. Wer eine Erklärung abgeben muss – und wer sollte
  2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
  3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
  4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
  5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
  6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen

 

 

 

2 KOMMENTARE

  1. Zu 3. Behinderung
    Für eine Behinderung ab einem Grad von 25 steht Ihnen ein Pauschalbetrag von 310 bis 1.420 Euro zu (Mantelbogen ab Zeile 61).
    Hier fehlt der Hinweis, dass bei GdB unter 50 ein zusätzliches Merkzeichen wie z.B. B eweglichkeitsbeeinträchtigung usw. erforderlich ist, um in den Genuss des Pauschbetrages zu kommen.

    • Danke für den Hinweis!
      Hab auch noch eine Anmerkung/Ergänzung zu Pkt. 2 (Pflegepauschbetrag):
      Voraussetzung für die Inanspruchnahme des Pflegepauschbetrages:
      Der Pflegebedürftige muss hilflos sein (Pflegegrad 4 bzw. 5 oder über einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „H“ für hilflos oder „BI“ für blind).

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