Leute legen Geld an der Börse an
Bild: Sorbetto 5, iStock.com; marrishuanna, iStock.com (Montage)

Wer die Finanztip-Geldanlage-Empfehlungen befolgt, fährt wahrscheinlich Gewinne ein – etwa in Form von Zinsen vom Tagesgeldkonto oder Dividenden aus dem Aktiendepot. Der Fachbegriff dafür ist Kapitalerträge, und auf diese müssen Sie 25 Prozent Steuern zahlen. In der Steuererklärung für 2018 sind jetzt erstmals die neuen Regeln für die Fondsbesteuerung zu berücksichtigen. Wir erklären Ihnen im Folgenden, was sich dadurch ändert.

Wenn Sie nichts unternehmen, zieht Ihre Bank die 25 Prozent automatisch von Ihrem Gewinn ab (plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag, insgesamt also mindestens 26,38 Prozent zuzüglich eventuell Kirchensteuer). Das Institut zahlt die Steuern direkt ans Finanzamt – als sogenannte Abgeltungssteuer. Sie bekommen das Geld also gar nicht erst zu Gesicht.

Das ist bequem, weil Sie die Beträge nicht selbst in der Steuererklärung eintragen müssen. Für viele Anleger ist das in Ordnung – auch für die meisten Fondsbesitzer. Allerdings kommt es oft vor, dass am Ende zu viel Steuern ans Finanzamt geflossen sind!

Und das sollten Sie wissen:

1. Steuerfrei bis 801 Euro

Die gute Nachricht zuerst: Auf Ihre Kapitalerträge bis 801 Euro müssen Sie keine Steuern zahlen (das Doppelte für Ehepaare). Denn jedem Bürger steht dieser Sparerpauschbetrag zu. Damit Ihre Bank erst gar keine Abgeltungssteuer von Ihren Gewinnen abzweigt, sollten Sie einen Freistellungsauftrag bei dem Geldinstitut einrichten. Führen Sie mehrere Konten oder Depots, dann können Sie den Betrag auf Ihre Banken aufteilen. Sie dürfen aber mit allen Freistellungsaufträgen insgesamt den Sparerfreibetrag nicht überschreiten. Damit Sie dabei den Überblick behalten, laden Sie sich unsere kostenlose Excel-Vorlage herunter.

Falls Sie es versäumt haben, die Aufträge einzurichten, oder die Aufteilung auf die einzelnen Geldhäuser nicht optimal war, holen Sie sich die zu viel bezahlte Abgeltungssteuer mit der Anlage KAP zurück.

2. Rentner und Studenten behalten ihren Gewinn

Keine Steuern müssen Sie zahlen, wenn Sie mit Ihrem insgesamt zu versteuernden Einkommen 2018 nicht über 9.000 Euro kamen – das ist der sogenannte Grundfreibetrag. Das betrifft insbesondere Studenten, Rentner, Minijobber und andere Geringverdiener. Beantragen Sie dazu beim Finanzamt eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung. Diese geben Sie Ihrer Bank; die Bescheinigung gilt bis zu drei Jahre.

3. Prüfen lassen, was günstiger für Sie kommt

Liegt Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent (genauer gesagt: der Grenzsteuersatz), sollten Sie die „Günstigerprüfung“ beantragen (Anlage KAP, Zeile 4). Das ist der Fall, wenn Sie zusammen mit Ihren Kapitalerträgen auf ein zu versteuerndes Einkommen von höchstens 16.336 Euro kommen; für zusammenveranlagte Ehepartner gilt der doppelte Betrag. Dann holen Sie sich mit der Steuererklärung die Differenz zur bereits abgeführten Abgeltungssteuer zurück.

Übrigens: Die Günstigerprüfung ist für Sie ohne Risiko. Sollte Ihr zu versteuerndes Einkommen höher sein, dann bleibt es dabei, dass Ihre Kapitalerträge mit 26,38 Prozent abgeltend besteuert wurden.

4. Beträge hin und her schieben

Die Anlage KAP sollten Sie auch ausfüllen, wenn Sie Gewinne und Verluste bei verschiedenen Banken miteinander verrechnen wollen (Zeilen 10 und 11). Dafür benötigen Sie eine Verlustbescheinigung der Bank.

5. Abgabepflicht bei Fonds und Anlagen auf ausländischen Wertpapierdepots

Das oben beschriebene System mit Abgeltungssteuer und Freistellungsaufträgen funktioniert nur mit Erträgen, die Ihrem Depot in Deutschland gutgeschrieben werden. Wenn Sie ein ausländisches Depot haben, müssen Sie Ihre Kapitalerträge selbst der Steuer melden. Füllen Sie dazu Zeile 15 der Anlage KAP und zusätzlich die neue Anlage KAP-INV aus. Manche Banken oder Depotanbieter stellen eine Steuerbescheinigung aus, der Sie die entsprechenden Erträge entnehmen können.

6. Die neuen Regeln für thesaurierende Auslandsfonds

Die Reform der Fondsbesteuerung sorgt dafür, dass in- und ausländische Fonds gleichbehandelt werden. Führen Sie Ihr Depot in Deutschland, dann kümmert sich Ihre Bank um den abgeltenden Steuerabzug.

Falls Sie nach dem Verkauf eines Fonds doch mit dem Finanzamt abrechnen wollen, dann können Sie die Daten aus der Steuerbescheinigung Ihrer Depotbank übernehmen und in die angegebenen Zeilen des Steuerformulars KAP eintragen. Die Bank ermittelt jetzt auch die Steuer für im Ausland aufgelegte Fonds, die ihre Erträge nicht ausschütten, sondern wieder anlegen (thesaurierende Auslandsfonds). Auf dieser Basis hat Ihre Bank möglicherweise zu Jahresbeginn erstmals Abgeltungssteuer auf die sogenannte Vorabpauschale einbehalten. Diese gehört aber erst in Ihre Steuererklärung für 2019.

7. Verkauf von ausländischen thesaurierenden Fonds

Haben Sie in einen ausländischen thesaurierenden Fonds oder ETF investiert, so mussten Sie Ihre bis Ende 2017 angefallenen und wiederangelegten Dividenden (sogenannte „ausschüttungsgleiche Erträge“) Jahr für Jahr selbst in der Steuererklärung angeben. Dieser Aufwand entfällt für Erträge ab 2018, weil nun die Vorabpauschalen greifen.

Haben Sie aber im vorigen Jahr einen solchen Fonds verkauft, dann müssen Sie dem Finanzamt nachweisen, dass Sie in den Vorjahren Ihre ausschüttungsgleichen Erträge bereits versteuert haben. Mehr dazu im Ratgeber KAP im Abschnitt „Verkauf von ausländischen thesaurierenden Fonds“.

8. Die neue Teilfreistellung

Steuern zahlen müssen Sie auf Dividenden, Vorabpauschalen und Veräußerungsgewinne. Ihre deutsche Depotbank berücksichtigt bei der Berechnung auch die neue Teilfreistellung. Bei Wertpapierfonds, die mindestens zur Hälfte mit Aktien gefüllt sind, werden nun 30 Prozent aller Erträge steuerfrei gestellt. Die Bank führt die Abgeltungssteuer nur auf den steuerpflichtigen Teil der Erträge ab – also auf 70 Prozent der Erträge im Falle von Aktienfonds und Aktien-ETFs. Das Teilfreistellungssystem löst damit die komplizierte Anrechnung von ausländischen Quellensteuern ab.

Haben Sie im Ausland Quellensteuern bezahlt, die noch nicht angerechnet wurden, können Sie diese in den Zeilen 51 bis 53 der Anlage KAP eintragen. Das Finanzamt verrechnet diese zumindest teilweise – abhängig vom Land, aus dem die Erträge stammen.

9. Wenn Sie alte Fonds verkauft haben

Fonds, die Sie vor 2009 gekauft haben, gelten als bestandsgeschützte Alt-Anteile. Eine Wertsteigerung bis Ende 2017 ist komplett steuerfrei; für die Zeit danach nur bis zu einem persönlichen Freibetrag von 100.000 Euro. Wie für alle Fonds hat Ihre Bank zum 31. Dezember 2017 einen fiktiven Veräußerungsgewinn festgestellt, der dauerhaft steuerfrei ist.

Die danach aufgelaufenen Wertsteigerungen werden von der Bank bei einem Verkauf automatisch versteuert und abgeführt. Wichtig: Den Freibetrag von 100.000 Euro berücksichtigt die Bank nicht. Deshalb sollten Sie in so einem Fall unbedingt Ihre Kapitalerträge aus der Steuerbescheinigung der Bank in die Zeile 7 eintragen und die neue Zeile 8a der Anlage KAP ausfüllen. Wie das geht lesen Sie im Ratgeber dazu im Abschnitt „Freibetrag sichern,…“. Lohn der Mühe: Das Finanzamt erstattet Ihnen die abgeführte Abgeltungssteuer.

10. Korrekturen bei falscher Abrechnung der Bank

Es kann sein, dass Ihre Bank beim Steuerabzug Fehler gemacht hat. Prüfen Sie daher Ihre Steuerbescheinigung genau. Wie das neue Investmentsteuergesetz funktioniert, haben wir in unserem Ratgeber genau erklärt. Drei Beispiele für mögliche Fehler Ihrer Bank nennen wir in unserem KAP-Ratgeber unter dem Abschnitt „Korrekturen bei falscher Abrechnung“.

11. Erstattungszinsen vom Finanzamt versteuern

Mit 0,5 Prozent monatlich, also 6 Prozent im Jahr, verzinst das Finanzamt Steuerrückerstattungen, sobald eine Karenzzeit von 15 Monaten verstrichen ist. Doch auch das ist ein Zinsgewinn, auf den wieder Abgeltungssteuer fällig wird. Deshalb müssen Sie die Zinsen vom Finanzamt in der Anlage KAP in Zeile 14 eintragen als „Kapitalerträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben“. Es könnte sein, dass diese Steuer künftig geringer ausfallen wird – vorausgesetzt, das Bundesverfassungsgericht gibt einem klagenden Steuerzahler recht, der den Zinssatz für viel zu hoch hält (Az. 2 BvR 482/14). Die Finanzämter werden daher in neuen Steuerbescheiden die Zinsen nur vorläufig festsetzen.

Zum Ratgeber

Die Finanztip-Steuerserie:

  1. Auftakt: Steuern leicht gemacht
  2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
  3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
  4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
  5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
  6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen

 

5 KOMMENTARE

  1. Die Darstellung unter Punkt 3. (Günstigerprüfung) ist nicht ganz korrekt. Die Bank zieht nicht den niedrigeren Satz, sondern immer die 25% ab. Die Günstigerprüfung ist also immer nur im Rahmen der Steuererklärung möglich und mit dem entsprechenden Aufwand verbunden.

  2. Darstellung zu 3.
    Ab Satz 2 ist die Antwort irreführend. Richtig ist: Die Bank zweigt bei Überschreiten des Freistellungs-betrages bei Kapitalerträgen immer 25 Prozent Kapitalerstragssteuer, Soli- und ggf. Kirchensteuer ab. Erst das Finanzamt zahlt bei Antrag der Günstigerprüfung nach festgestestellter Unterschreitung des persönlichen Steuersatzes zu viel bezahlte Abgeltungssteuer zurück. Davon profitieren nicht nur Steuerzahler, deren zu versteuerndes Einkommen 2017 unter 16.080 Euro lag, sondern alle, deren persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt.

  3. Was ist mit der Abschlußgebühr für einen Bausparvertrag, kann die Gebühr auch als Kosten mit Guthabenszinsen verrechnet werden?

  4. Warum senden die Banken die Jahressteuerbescheinigungen so spät?
    In meinem Fall soll jetzt im Juli endlich etwas für das vergangene Jahr kommen,
    bis Ende Juli muss die Steuererklärung bereits abgegeben sein; davor sind aber noch die Schulferien und damit der Jahresurlaub. Für das Erstellen (zumindest der letzten Eintragungen) der Steuererklärung bleiben damit nur wenige Tage.
    Die Algorithmen zur Berechnung der Steuerlast auf die Finanzanlagen liegen doch seit langem fest. Alles wird elektronisch berechnet. Da müsste doch das Ergebnis bereits in den ersten Januartagen feststehen.
    Da dies leider nicht der Fall ist, wartet man Monate auf seine Einkommensteuerrückzahlung und der Finanzminister ist der lachende Dritte.

  5. Estaba buscando esa informacion hace años,
    te lo agradezco, estoy de convenio con tu punto de vista y pienso igual.
    Despues de buscar mucho por Internet encontre lo que buscaba.
    Genial!!! muchas muchas gracias

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