Steuer-Serie Teil 6 Kapitalerträge
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Wer die Finanztip-Empfehlungen befolgt, fährt wahrscheinlich Gewinne ein – etwa in Form von Zinsen vom Tagesgeldkonto oder Dividenden aus dem Aktiendepot. Der Fachbegriff dafür ist Kapitalerträge, und auf diese müssen Sie 25 Prozent Steuern zahlen.

Wenn Sie nichts unternehmen, zieht Ihre Bank die 25 Prozent automatisch von Ihrem Gewinn ab (plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer). Das Institut zahlt die Steuern direkt ans Finanzamt – als sogenannte Abgeltungssteuer. Sie bekommen das Geld also gar nicht erst zu Gesicht. Das ist bequem, weil Sie die Beträge nicht selbst in der Steuererklärung eintragen müssen. Allerdings kommt es oft vor, dass am Ende zu viel Steuern ans Finanzamt geflossen sind!

So holen Sie sich das Geld zurück:

1. Steuerfrei bis 801 Euro

Die gute Nachricht zuerst: Auf Ihre Kapitalerträge bis 801 Euro müssen Sie keine Steuern zahlen (das Doppelte für Ehepaare). Denn jedem Bürger steht dieser Sparerpauschbetrag zu. Damit Ihre Bank erst gar keine Abgeltungssteuer von Ihren Gewinnen abzweigt, sollten Sie einen Freistellungsauftrag bei dem Geldinstitut einrichten. Führen Sie mehrere Konten oder Depots, dann können Sie den Betrag auf Ihre Banken aufteilen. Falls Sie es versäumt haben, die Aufträge einzurichten oder die Aufteilung auf die einzelnen Geldhäuser nicht optimal war, holen Sie sich die zu viel bezahlte Abgeltungssteuer mit der Anlage KAP zurück.

2. Rentner und Studenten behalten ihren Gewinn

Keine Steuern müssen Sie zahlen, wenn Sie mit Ihrem insgesamt zu versteuernden Einkommen 2017 nicht über 8.820 Euro kamen – das ist der sogenannte Grundfreibetrag. Das betrifft insbesondere Studenten, Rentner, Minijobber und andere Geringverdiener. Beantragen Sie beim Finanzamt eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung. Diese geben Sie Ihrer Bank; die Bescheinigung gilt bis zu drei Jahre.

3. Prüfen lassen, was günstiger für Sie kommt

Liegt Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent (genauer gesagt: der Grenzsteuersatz), sollten Sie die „Günstigerprüfung“ beantragen (Anlage KAP, Zeile 4). Dann zweigt die Bank von Ihren Kapitalerträgen nicht mehr 25 Prozent ab, sondern den niedrigeren Satz. Und das Finanzamt zahlt zu viel bezahlte Abgeltungssteuer zurück. Davon profitieren Steuerzahler, deren zu versteuerndes Einkommen 2017 unter 16.080 Euro lag.

4. Beträge hin und her schieben

Die Anlage KAP sollten Sie auch ausfüllen, wenn Sie Gewinne und Verluste bei verschiedenen Banken miteinander verrechnen wollen (Zeilen 10 und 11). Hierfür benötigen Sie eine Verlustbescheinigung der Bank.

5. Ausländische Quellensteuer anrechnen lassen

Das oben beschriebene System mit Abgeltungssteuern und Freistellungsaufträgen funktioniert nur mit inländischen Erträgen. Ihre Kapitalerträge aus einem ausländischen Depot müssen Sie in der deutschen Steuererklärung angeben (ab Zeile 15). Im Ausland gezahlte und noch nicht angerechnete Quellensteuer kann zumindest teilweise die Abgeltungssteuer reduzieren, sofern Sie sie in den Zeilen 51 bis 53 eintragen.

6. Erstattungszinsen vom Finanzamt

Mit 0,5 Prozent monatlich, also 6 Prozent im Jahr, verzinst das Finanzamt Steuerrückerstattungen, sobald eine Karenzzeit von 15 Monaten verstrichen ist. Doch auch das ist ein Zinsgewinn, auf den wieder Abgeltungssteuer fällig wird. Deshalb müssen die Zinsen vom Finanzamt in der Anlage KAP in Zeile 14 eingetragen werden als „Kapitalerträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben“. Es könnte sein, dass diese Steuer wieder entfällt: vorausgesetzt das Bundesverfassungsgericht gibt einem klagenden Steuerzahler recht (Az. 2 BvR 482/14).

Die Finanztip-Steuerserie:

  1. Wer eine Erklärung abgeben muss – und wer sollte
  2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
  3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
  4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
  5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
  6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen

 

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Steuerredakteur bei Finanztip Verbraucherinformation gemeinnützige GmbH, Berlin. Zuvor hat der Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Steuerrecht für verschiedene Wirtschafts- und Fachverlage wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media geschrieben – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht Udo die relevanten Urteile für Steuersparer.

3 KOMMENTARE

  1. Die Darstellung unter Punkt 3. (Günstigerprüfung) ist nicht ganz korrekt. Die Bank zieht nicht den niedrigeren Satz, sondern immer die 25% ab. Die Günstigerprüfung ist also immer nur im Rahmen der Steuererklärung möglich und mit dem entsprechenden Aufwand verbunden.

  2. Darstellung zu 3.
    Ab Satz 2 ist die Antwort irreführend. Richtig ist: Die Bank zweigt bei Überschreiten des Freistellungs-betrages bei Kapitalerträgen immer 25 Prozent Kapitalerstragssteuer, Soli- und ggf. Kirchensteuer ab. Erst das Finanzamt zahlt bei Antrag der Günstigerprüfung nach festgestestellter Unterschreitung des persönlichen Steuersatzes zu viel bezahlte Abgeltungssteuer zurück. Davon profitieren nicht nur Steuerzahler, deren zu versteuerndes Einkommen 2017 unter 16.080 Euro lag, sondern alle, deren persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt.

  3. Was ist mit der Abschlußgebühr für einen Bausparvertrag, kann die Gebühr auch als Kosten mit Guthabenszinsen verrechnet werden?

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