Bild: Sorbetto 5, iStock.com; marrishuanna, iStock.com (Montage)

Ein Schlaganfall, der den halben Körper lähmt; ein Brand oder Hochwasser, das die Wohnung zerstört – persönliche Notlagen sind emotional schon schlimm genug. Hinzu kommt oft eine enorme finanzielle Belastung. Die gute Nachricht: Zumindest einen Teil der Kosten können sich Betroffene über die Steuererklärung zurückholen. Der Posten nennt sich treffend „außergewöhnliche Belastungen“. Davon gibt es im Steuerdeutsch zwei Arten: allgemeine und besondere außergewöhnliche Belastungen.

Leicht absetzbar: die besonderen außergewöhnlichen Belastungen

Für bestimmte Lebenssituationen stehen Ihnen laut Einkommensteuergesetz (Paragrafen 33a und 33b) Pauschal- oder Höchstbeträge zu. Beantragen können Sie diese in der Steuererklärung. Hier die vier Wichtigsten:

1. Unterhaltshöchstbetrag
Sorgen Sie finanziell für bedürftige Angehörige, zum Beispiel Ihr studierendes Kind, für das es kein Kindergeld mehr gibt, steht Ihnen für 2018 ein Unterhaltshöchstbetrag bis zu 9.000 Euro zu (Anlage Unterhalt). Weiteres Beispiel: Sie unterstützen Ihre aus Altersgründen im Heim lebenden Eltern finanziell, damit sie überhaupt genug zum Leben haben. Allerdings rechnet das Finanzamt Einkünfte und Bezüge Ihrer Eltern oberhalb von 624 Euro an.

2. Pflegepauschbetrag
Falls Sie einen Angehörigen mit Pflegegrad 4 oder 5 selbst zu Hause pflegen, ohne dafür Geld zu nehmen, tragen Sie dies im Mantelbogen in den Zeilen 65/66 ein und erhalten dafür den Pflegepauschbetrag von 924 Euro. Pflegen Sie beide Elternteile, haben Sie Anspruch auf den doppelten Betrag.

3. Behinderung
Für eine Behinderung ab einem Grad von 25 steht Ihnen ein Pauschbetrag von 310 bis 3.700 Euro zu (Mantelbogen ab Zeile 61). Falls Sie das zum ersten Mal machen, müssen Sie einen Nachweis einreichen wie den Feststellungsbescheid oder den Schwerbehindertenausweis.

4. Ausbildungsfreibetrag
Ist Ihr volljähriges Kind Student oder Azubi und wohnt nicht mehr bei Ihnen, beantragen Sie in der Anlage Kind den Ausbildungsfreibetrag (bis zu 924 Euro pro Jahr).

All diese besonderen außergewöhnlichen Belastungen können Sie nur bis zu einem bestimmten Betrag von der Steuer absetzen. Für Pauschalbeträge müssen Sie nicht mal Ihre Kosten nachweisen.

Etwas aufwendiger ist es, Krankheitskosten, Bestattungen oder Folgen von Naturkatastrophen abzusetzen.

Mindestgrenze knacken – die zumutbare Belastung

Die allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen können Sie unbegrenzt absetzen – dafür müssen Sie die Kosten aber immer belegen können. Und viel wichtiger: Sie müssen erstmal die Grenze der „zumutbaren Belastung“ überwinden. Das ist der Eigenanteil, den Sie selbst zahlen.

Abhängig vom Einkommen, Familienstand und der Anzahl Ihrer Kinder liegt Ihre zumutbare Belastung zwischen 1 und 7 Prozent des Gesamtbetrags Ihrer Einkünfte. Mithilfe eines Rechners der Finanzverwaltung können Sie Ihre Belastungsgrenze ermitteln. Über diesen Betrag müssen Sie kommen, um allgemeine außergewöhnliche Belastungen absetzen zu können.

Tipp: Die Berechnung der zumutbaren Belastung hat sich aufgrund eines Urteils des Bundesfinanzhofs im Jahr 2017 geändert – zum Vorteil der Steuerzahler. Steuerbescheide ab Ende August 2013 sind in diesem Punkt vorläufig ergangen.  Haben Sie die Kosten in früheren Steuererklärungen angegeben und überschreiten nach der Neuberechnung jetzt doch Ihre zumutbare Belastung, korrigiert das Finanzamt von sich aus die alten Steuerbescheide. Sie profitieren dann sogar nachträglich von der Neuberechnung.

Krankheit, Pflege, Kur – allgemeine außergewöhnliche Belastungen

Der Strauß an möglichen allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen ist vielfältig. Am wichtigsten sind Krankheits-, Pflege- und Kurkosten. Dazu kann beispielsweise auch eine künstliche Befruchtung gehören. Auf jeden Fall muss die Behandlung medizinisch erforderlich und die Kosten müssen angemessen sein. Als Nachweis genügt meist eine ärztliche Verordnung.

Müssen Sie selbst krankheitsbedingt ins Pflegeheim, dann dürfen Sie Ihre Mehraufwendungen steuerlich geltend machen.

Zahlen Sie die Heimkosten für Ihre pflegebedürftigen Eltern, dann können Sie diese ebenfalls als allgemeine außergewöhnliche Belastungen absetzen. In dem Fall können Sie die gesamten Kosten ansetzen, die das Heim in Rechnung stellt – also nicht nur für die Pflege, sondern auch für Unterkunft und Verpflegung.

Weil Sie die zumutbare Belastungsgrenze in einem Kalenderjahr überwinden müssen, sollten Sie planbare Ausgaben bündeln. Dies gilt beispielsweise für Zahnprothesen, Hörgeräte, Brillen, krankheitsbedingte Wohnungsumbauten und andere abzugsfähige Krankheitskosten.

Es gibt weitere Dinge, die Sie als allgemeine außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen können: Kosten für die Bestattung von Angehörigen, Reparatur und Neukauf von Hausrat nach einer Naturkatastrophe, Entgiftung einer Wohnung (zum Beispiel, um Asbest zu beseitigen).

Die Liste der außergewöhnlichen Belastungen ist so bunt wie das Leben. Noch mehr Beispiele und alle Details, wie Sie am besten vorgehen, lesen Sie in unserem Ratgeber.

 

Die Finanztip-Steuerserie:

  1. Auftakt: Steuern leicht gemacht
  2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
  3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
  4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
  5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
  6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen

 

 

 

 

Udo Reuß
Autor

Stand:

Steuerredakteur bei Finanztip Verbraucherinformation GmbH - ein Unternehmen der Finanztip Stiftung, Berlin. Zuvor hat der Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Steuerrecht für verschiedene Wirtschafts- und Fachverlage wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media geschrieben – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht Udo die relevanten Urteile für Steuersparer.

8 Kommentare

  1. Genau aus diesem Grund, lasse ich alle Zahnbehandlungen in Ungarn durchführen. Dann brauche ich mir wenig Sorgen um ausserordentliche Kosten zu machen, wenn dann doch spontan mal eine Zahnprothese fällig wird, weil die Kosten ohnehin nicht so hoch sind.

  2. Ich habe Epilepsie und bin jetzt Rentnermit einer geringen Rente. Ich soll jetzt einen Schwerbehinderten Ausweis bekommen. Kann ich als Rentner überhaupt etwas von defr Steuer absetzen, wenn ich keine Steuern bezahle.

  3. Mir ist gerade eine Handwerkerrechnung auf die Füße gefallen, die nicht extra die Anfahrt- und Materialkosten ausgewiesen hat. Das Material hatte ich selbst gestellt und trotz Nachweis darüber hat das Finanzamt die Rechnung nicht anerkannt.

    1. Einspruch einlegen und lassen Sie die Rechnung evt.korrigieren bzw, neu ausstellen und bei einem Zahlungsnachweis(keine Barzahlung) sollte die Absetzbarkeit kein Problem sein.
      Begründung Finanzamt sollte im Steuerbescheid stehen !

      1. Es hat funktioniert! 🙂
        Der Maler hat fürs Finanzamt ein Schreiben aufgesetzt, dass die Rechnung nur für die reine Arbeitsleistung gilt und ich habe die Kosten absetzen können.

  4. Zu 3. Behinderung
    Für eine Behinderung ab einem Grad von 25 steht Ihnen ein Pauschalbetrag von 310 bis 1.420 Euro zu (Mantelbogen ab Zeile 61).
    Hier fehlt der Hinweis, dass bei GdB unter 50 ein zusätzliches Merkzeichen wie z.B. B eweglichkeitsbeeinträchtigung usw. erforderlich ist, um in den Genuss des Pauschbetrages zu kommen.

    1. Danke für den Hinweis!
      Hab auch noch eine Anmerkung/Ergänzung zu Pkt. 2 (Pflegepauschbetrag):
      Voraussetzung für die Inanspruchnahme des Pflegepauschbetrages:
      Der Pflegebedürftige muss hilflos sein (Pflegegrad 4 bzw. 5 oder über einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „H“ für hilflos oder „BI“ für blind).

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