Bild: Sorbetto 5, iStock.com; marrishuanna, iStock.com (Montage)

Sogenannte Sonderausgaben können Ihre Einkommensteuer erheblich senken. Gemeint sind mit dem Fachbegriff bestimmte Kosten der „privaten Lebensführung“. In Paragraf 10 des Einkommensteuergesetzes listet der Fiskus eine Reihe an Posten auf, die er als Sonderausgaben anerkennt.

Hier sind die wichtigsten:

1. Versicherung für Krankheit und Pflege

Zumindest die Beiträge für eine Basisabsicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung erkennt das Finanzamt in voller Höhe als Sonderausgaben an. Haben Sie ein Kind und übernehmen die Krankenversicherung, dann zählen diese Beiträge auch. Haben Sie einen Anspruch auf Kindergeld, tragen Sie diese Aufwendungen in der Anlage Kind Ihrer Steuererklärung ein; falls nicht, dann in der Anlage Vorsorgeaufwand wie Ihre eigenen Beiträge.

Haben Sie als Arbeitnehmer weniger als 1.900 Euro eingetragen, dann können Sie weitere Beiträge als „sonstige Vorsorgeaufwendungen“ absetzen, und zwar Beiträge für folgende Versicherungen: Krankenzusatz, Arbeitslosen, Risikoleben, Unfall, Erwerbs- und Berufsunfähigkeit sowie Haftpflicht. Für Selbstständige, die (freiwillig) gesetzlich oder privat versichert sind, liegt der Höchstbeitrag bei 2.800 Euro.

2. Rentenversicherung

In die Zeilen 4 bis 10 der Anlage Vorsorgeaufwand gehören Ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, die Sie Ihrer Lohnsteuerbescheinigung entnehmen.

3. Rürup-Rente

In Zeile 8 schreiben Sie Ihre Einzahlungen in einen Rürup-Vertrag. Insbesondere für Selbstständige ist dies ein kräftiger Hebel, um Steuern zu sparen. Für 2018 berücksichtigt das Finanzamt 86 Prozent von maximal 23.712 Euro, also bis zu 20.393 Euro als Sonderausgaben. Wichtig: Für diese Höchstgrenzen zählen sowohl Ihre Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung (siehe Punkt 2) als auch der Rürup-Vertrag. Für zusammenveranlagte Ehepaare gilt der doppelte Höchstbetrag.

4. Riester-Rente

Zusätzlich zu den Zulagen, die es für einen Riester-Vertrag gibt, können Besserverdienende von einer Steuerersparnis von mehreren Hundert Euro profitieren. Dazu müssen sie die Anlage AV ausfüllen. Das Finanzamt zieht zwar im Steuerbescheid die Zulagen ab, es verbleibt aber ein Steuer-Guthaben.

5. Kinderbetreuung

Die Gebühren für die Kita oder sonstige Aufwendungen für die Betreuung Ihrer Kinder unter 14 Jahren sind als Kinderbetreuungskosten absetzbar. Je Kind sind bis zu 4.000 Euro drin, das sind zwei Drittel vom Höchstbetrag von 6.000 Euro. Hierzu benötigen Sie ebenfalls für jedes Kind eine Anlage Kind.

6. Schulgeld

Haben Sie für den Schul- oder Internatsaufenthalt Ihrer Kinder Schulgeld bezahlt? Bis zu 5.000 Euro im Jahr können Sie für jedes Kind in der jeweils auszufüllenden Anlage Kind als Sonderausgaben geltend machen.

7. Spenden

Spenden an gemeinnützige Organisationen können Sie von der Steuer absetzen. Besonders stark gefördert werden Parteispenden. Bis zu 20 Prozent Ihrer Einkünfte akzeptiert das Finanzamt. Spenden Sie mehr, können Sie den überschießenden Betrag in den Folgejahren als Spendenvortrag nutzen. Dazu füllen Sie die zweite Seite des (digitalen) Mantelbogens aus.

8. Kirchensteuer

Auf die zweite Seite das Mantelbogens gehören auch Kirchensteuer und Kirchgeld. Diese Ausgaben werden vollständig als Sonderausgaben abgezogen.

9. Unterhalt

Für Unterhaltszahlungen an den Expartner gibt es steuerlich zwei Möglichkeiten: ein Abzug als außergewöhnliche Belastungen oder als Sonderausgaben. Als Sonderausgaben, mit dem sogenannten Realsplitting, sind höhere Kosten absetzbar – bis zu 13.805 Euro und zusätzlich die übernommenen Basisbeiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Allerdings muss Ihr Ex zustimmen, weil er den Unterhalt versteuern muss. Ihr Expartner kann verlangen, dass Sie ihm den Steuernachteil ausgleichen.

Zum Ratgeber

Die Finanztip-Steuerserie:

  1. Auftakt: Steuern leicht gemacht
  2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
  3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
  4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
  5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
  6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen

 

 

 

Udo Reuß
Autor

Stand:

Steuerredakteur bei Finanztip Verbraucherinformation GmbH - ein Unternehmen der Finanztip Stiftung, Berlin. Zuvor hat der Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Steuerrecht für verschiedene Wirtschafts- und Fachverlage wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media geschrieben – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht Udo die relevanten Urteile für Steuersparer.

10 Kommentare

  1. Der Ratschlag, haushaltsnahe Leistungen mit dem Vorjahreswert anzusetzen, wenn die Abrechnung nich nicht vorliegt, ist keine gute Idee. Das Finanzamt in Hamburg kürzt dann den gesamten Betrag auf NULL

  2. Hallo, ich habe eine Frage.
    Kann ich, wenn ich als Oma meine Enkelin mit einem monatlichen Betrag zum Studium unterstütze, den Betrag von der Steuer absetzen?
    Enkelin erhält Kindergeld. Erhält kein Bafög. Eltern sind geschieden. Mutter zahlt einen Beitrag.
    Vater zahlt auch einen Beitrag.
    Gäbe es dafür einen gesonderten Vordruck?
    Vielen Dank vorab für ihre Antwort. Freundliche Grüße Hilde Finke

    1. Hallo Frau Finke,
      eine steuerrechtliche Einzelfallberatung dürfen wir nicht leisten. Doch Sie finden in der folgenden Passage aus meinem Ratgeber außergewöhnliche Belastungen Ihre Antwort, die Ihnen nicht gefällt:

      Unterstützung bedürftiger Personen
      Wenn Sie eine bedürftige Person unterstützen, für die weder Sie noch eine andere Person Anspruch auf Kindergeld bzw. Kinderfreibeträge haben, können Sie Ihre Aufwendungen bis zum Unterhaltshöchstbetrag als außergewöhnliche Belastungen steuermindernd geltend machen. Voraussetzung ist, dass Sie gegenüber der Person gesetzlich unterhaltsverpflichtet sind.

      https://www.finanztip.de/aussergewoehnliche-belastungen/

      Freundliche Grüße

      Udo Reuß
      Experte und Redakteur Steuern bei Finanztip

  3. Ich bin übrigens einem Irrtum aufgesessen – wäre auch zu schön um wahr zu sein: die Prämien zur Basisrente (Rürup-Rente) werden nicht von der Steuerschuld, sondern vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen. Dadurch ist dieses Investment nicht interessant, zumindest wenn man nur von Kapitaleinahmen lebt. Da habe ich teures Lehrgeld bezahlt.

  4. Könnte die Redaktion bitte für mich und sicherlich viele andere folgenden Sachverhalt erläutern: Wenn Herr S nur von Einkünften aus Aktiengeschäften lebt, dann ist ja ab Überschreiten des Grundfreibetrages nebst sonstigen Abzügen die Steuer per Abgeltungssteuer auf die Kapitaleinnahmen gedeckelt aber auch abgegolten. Wenn nun Herr S so schlau war und anstatt Steuern zu bezahlen, sich in erheblichem Umfang Anwartschaften auf die Basisrente (Rürup~) kaufte, so werden diese Einzahlung (2019 mit 88%) von der Steuerschuld abgezogen. Da er aber durch die Abgeltungssteuer schon seiner Steuerpflicht nachgekommen ist, müsste er ja gar keine Steuerklärung mehr verfassen und abgeben.
    Nun die Frage: da er aber die 88 % für das Investment in die Basisrente abziehen lassen kann, muss er nun doch eine Günstigerprüfung beantragen denn wie sonst erfährt das Finanzamt, daß er bereits (direkt durch die Bank) Steuern bezahlt hat?

    1. Sehr geehrter Herr Bach,

      ich teile Ihre Einschätzung.
      Allgemein gilt, dass ein Steuerpflichtiger (S) Vorsorgeaufwendungen wie die Beiträge zu einer Rürup-Rentenversicherung als Sonderausgaben absetzen kann. Dafür füllt er die Anlage Vorsorgeaufwand aus:
      https://www.finanztip.de/vorsorgeaufwendungen/

      Wenn S inklusive der Kapitaleinkünfte ein so niedriges zu versteuerndes Einkommen hat, dass sein Grenzsteuersatz unterhalb des Abgeltungssteuersatzes von 25 % liegt, dann lohnt sich für ihn eine Günstigerprüfung in der Anlage KAP.
      https://www.finanztip.de/steuererklaerung-anlage-kap/
      Die Günstigerprüfung bringt einen Steuervorteil, wenn S im Jahr 2018 mit allen steuerpflichtigen Einkünften inklusive den Kapitalerträgen höchstens 16.330 Euro erreicht. Bei höheren Einkünften liegt sein Grenzsteuersatz über 25 %.
      Falls er darüber kommt, dann bleibt es dabei, dass die Kapitalerträge mit 25 % + Soli + ggf. Kirchensteuer abgeltend besteuert wurden. Sie werden nicht höher besteuert. Insofern kann die freiwillige Steuererklärung einen Vorteil bringen.

      Freundliche Grüße
      Udo Reuß
      Experte und Redakteur Steuern bei Finanztip

  5. Hallo,

    uns würde interessieren, wo genau wir die in der DRV geleisteten „Beiträge zum Ausgleich einer Rentenminderung bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters“ im Sonderausgaben-Formular geltend machen können. Vielen Dank vorab, Ihr

    Sigurt Heehler

  6. Hallo, zum Thema Kinderbetreuung habe ich eine Frage. Kann ich als Großmutter von 4 Enkeln die Fahrkosten zu meinen Enkeln steuerlich geltend machen oder können das meine Kinder, wenn ich meine Enkel betreue..Ich lebe in Sachsen und meine Enkel in Berlin.

    1. Im Ratgeber Kinderbetreuungskosten erklären wir, dass im Grunde eine echte Kinderbetreuung und ein Vertragsverhältnis zwischen den Eltern und der betreuenden Oma bestehen müsste, damit die Eltern Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben absetzen können. Wenn dies gelebt und bezahlt wird, dann könnte eine Erstattung der Fahrtkosten vereinbart werden. Doch sporadische Besuchsfahrten von Sachsen nach Berlin lassen sich sicherlich nicht absetzen.

      „Wenn Ihre (Schwieger-)Mutter oder andere nahe Angehörige auf Ihr Kind aufpassen und die Betreuung entgeltlich erfolgt, dann können Sie auch diese Kosten von der Steuer absetzen. Dafür müssen allerdings klare und eindeutige Vereinbarungen getroffen worden sein, die Sie tatsächlich umsetzen. Wohnt Ihre Betreuungsperson mit Ihnen und Ihrem Kind in einem Haushalt zusammen, sind die Kinderbetreuungskosten nicht absetzbar.“
      aus: https://www.finanztip.de/kinderbetreuungskosten/

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