Kraftwerk
Bild: Schroptschop / GettyImages

Es ist ein bisher einmaliger Vorgang. Die Stromdiscounter Wunderwerk und Rheinische Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft (mit den Marken Immergrün und Meisterstrom) haben zahlreichen Kunden die Verträge gekündigt und bieten vorerst keine neuen Verträge an. Die Firmen wollen die Preise für neue Kunden neu berechnen.

Der Grund: Kohle, Gas und die zum Betrieb der Stromkraftwerke notwendigen Emissionszertifikate sind viel teurer geworden. Da Deutschland seinen Strom zur Hälfte aus fossilen Brennstoffen erzeugt, wirkt sich das auf den Strompreis an der Strombörse aus. Seit Januar hat der sich verdreifacht.

Dein Strompreis muss deswegen aber nicht steigen. Lieferanten, die langfristig eingekauft haben, sind von den hohen Börsenpreisen weniger betroffen. Zudem sinkt die Umlage auf Erneuerbare Energien (EEG-Umlage) zum Jahreswechsel deutlich: um fast 3 Cent pro Kilowattstunde. Die Entgelte für die Stromnetze sinken in einigen Regionen, in anderen steigen sie leicht. Je nachdem, wo Du wohnst, kann Dein Stromanbieter den Preis stabil halten oder muss ihn nur leicht erhöhen.

Will Dein Stromanbieter den Preis zum Jahreswechsel erhöhen, muss er das bis Ende November mitteilen. In jedem Fall hast Du bei Preiserhöhungen ein Sonderkündigungsrecht. Prüfe mit unserem Stromvergleichsrechner, ob Du etwas Besseres findest. Der Rechner empfiehlt Dir ausschließlich verbraucherfreundliche Tarife, mit oder ohne Bonus. Tarife von Wunderwerk und Immergrün gehören schon länger nicht dazu.

So sollten sich die Preise fairer Stromanbieter ändern

Die Senkung der EEG-Umlage um 2,8 Cent pro Kilowattstunde bedeutet: Einen Haushalt mit 2.500 Kilowattstunden Stromverbrauch wird um rund 70 Euro im Jahr entlastet. Diese geringeren Kosten zehren mit hoher Wahrscheinlichkeit die höheren Beschaffungskosten für Strom auf, die Dein Lieferant 2022 zahlt. Ob er den Strompreis stabil halten kann oder erhöhen muss, hängt, wie gesagt, auch an den Netzentgelten in Deiner Region. So verändern sich diese in 19 größeren Netzgebieten.

Veränderung der Kosten für Netz- und Messstellenentgelt bei 2.500 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr 2022

Stadt/Region
Netzbetreiber Mehrkosten/Minderkosten
Bayern Bayernwerk + 2 Euro
München und Umgebung SWM Infrastruktur + 10 Euro
Hessen, Niedersachsen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen Energienetz Mitte + 21,50 Euro
Kiel und Umgebung SW Kiel Netz 0
Bremen und Bremerhaven Wesernetz (Bremen) + 22,50 Euro
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Avacon + 10 Euro
Paderborn und Umgebung Westfalen Weser Netz – 6,50 Euro
Nürnberg und Umgebung N-ergie Netz – 18,50 Euro
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Netz – 23 Euro
Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern Edis – 17,50 Euro
Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen Mitnetz – 3 Euro
Thüringen TEN Thüringer Energienetze – 3,50 Euro
Dortmund Dortmunder Netz – 11 Euro
Baden-Württemberg Netze BW – 6 Euro
Hannover und Umgebung Enercity Netzgesellschaft + 14 Euro
Augsburg und Umgebung LEW Verteilnetz – 3,50 Euro
Stuttgart Stuttgart Netze – 13,50 Euro
Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg Wemag Netz – 32 Euro
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland Westnetz – 11 Euro

Die Kostendifferenz ergibt sich aus den ab 2022 geltenden Netzentgelten und Messstellenentgelten gegenüber dem Jahr 2021. Es handelt sich um Brutto-Beträge, die auf 50 Cent gerundet sind.

Quelle: Finanztip-Recherche auf Basis der vorläufigen Netzentgelte in 19 großen Verteilnetzgebieten in Deutschland. Für einige große Verteilnetze liegen noch keine vorläufigen Entgelte für 2022 vor (Stand: 15. Oktober 2021).

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Ines Rutschmann
Autor

Stand:

Ines Rutschmann ist unsere Energie-Expertin und widmet sich allen Fragen, die sich Verbraucher rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung. Danach war sie für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Masterabschluss in Energiemanagement.

4 Kommentare

  1. Bisher waren fast bei allen umbestellten Webemails die Möglichkeit diese über einen Botten diese Mails abzubestellen. Leider habe ich in der letzten Zeit zahlreiche Mails erhalten in denen diese Möglichkeit ( bitte keine weiteren Mails mehr zusenden ) nicht mehr enthalten waren .
    Wie kann ich vorgehen um solche Mail abzubestellen, bzw. weitere zu verhindern ?

    1. Hat zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber ich antworte trotzdem: Das sind meist SPAM-Mails, die nur den Anschein haben ganz normale Werbemails zu sein. Da hilft nur Absender blockieren, SPAM-Filter einschalten/trainieren oder auf eine andere Mailadresse umstellen.

  2. Für Berlin bin ich mit den „berliner stadtwerken“ gut versorgt,
    entstanden aus dem runden Tisch der berliner Wasserbetriebe, regional, ökologisch und preiswert
    Für Gas nutze ich Havelgas von emb, auch in Berlin erhältlich und fördert die Region.

    beide lange Zeit nicht über Wechselportale auffindbar gewesen, sprich direkt suchen.

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