Sparschwein

Zurzeit sehe ich auf Facebook ständig Beiträge mit reißerischen Titeln à la „Millionär mit 30 – mit diesen Tipps gelingt Euch das“ oder „Finanziell abgesichert durch Passiveinkommen“. Das macht mich jedes Mal aufs Neue wütend, denn es handelt sich um einen Trugschluss. Der Klick auf den Beitrag klärt es zwar auf – Thema ist der Erfolg irgendeines Start-up-Unternehmers mit dem Millionen-Exit oder des Reisebloggers mit Riesenzielgruppe. Die bittere Wahrheit aber ist: Kaum jemand unter 30 wird das in den nächsten Jahren schaffen, unternehmerische Energie hin oder her. Und wenn, dann nur durch ein Erbe, den Traumjob mit Geschäftsführer-Salär oder „Wer wird Millionär“-Teilnahme…

Die Flinte ins Korn werfen lässt mich das aber nicht. Bloß, weil es innerhalb von wenigen Jahren nicht mit dem Millionärsstatus klappt, heißt das nicht, dass man keinen Vermögensaufbau betreiben kann! Das Ansparen von Vermögen fällt mir bei stetigem Einkommen auch passiv leicht, das heißt durch Einsparungen in den privaten Ausgaben. Hier habe ich die Tipps zusammengestellt, die mir in den vergangenen Jahren besonders geholfen haben.

Das Wichtigste zuerst: Finanztip-Programm durchziehen

Es überrascht wenig, dass ich als Finanztip-Angestellte das Finanztip-Programm empfehle. Das würde ich aber nicht tun, wenn ich nicht vollkommen überzeugt wäre. Durch Anpassungen in meiner Haftpflichtversicherung, im Handy-Vertrag, bei Strom und Gas sowie durch Investitionen in Tagesgeld, Festgeld und Indexfonds habe ich allein in den vergangenen zwei Jahren etwa 400 Euro mehr im Jahr herausgeholt. Nicht schlecht für einen Single-Haushalt mit wenig Optimierungsmöglichkeiten, oder? Fakt ist: Unternehmen haben nichts zu verschenken, Treue wird nicht belohnt. Habt keine Skrupel, häufig zu wechseln und immer den besten Deal für Euch abzuschließen. Euer Geldbeutel wird es Euch danken.

Macht der Gruppe nutzen

Gruppenrabatte machen vieles günstiger. Wer sich mit anderen zusammentut, spart im Großen wie im Kleinen. Das kann die WG statt der eigenen Wohnung sein, der Tagesausflug mit dem ermäßigten Bahn-Gruppenticket oder das Hostelzimmer mit der Reisegruppe. Auch Abos wie Amazon Prime oder Spotify lassen sich einfach unter mehreren aufteilen, zum Beispiel unter Arbeitskollegen. Oder wie wäre es mit einem Großeinkauf mit Megapacks statt Miniflaschen?

Mittelweg statt Holzklasse und Luxus

Es muss nicht immer billig, billiger, am billigsten sein. Aber die Luxusvariante braucht man eben auch nicht immer! Gut, dass es den goldenen Mittelweg gibt. Besonders oft zeigt sich der bei mir in den Urlaubsausgaben: Hotelzimmer im Hostel statt 5-Sterne-Unterkunft, Pension oder Airbnb statt Hotel, Sparpreis statt Flexpreis bei der Bahn.

Für wen doch die einfache Variante reicht, der sollte die Augen überall offenhalten. Mein Blog zum Beispiel betreibe ich mit einem Dienstleister, der preislich als Discounter durchgeht und dabei weniger Serverausfälle hat als die großen Anbieter.

Rabatte, Gutscheine & Kostenloses

Zugegeben, Schnäppchen jagen ist ein alter Hut. So ziemlich jeder hat eine gewisse Ahnung davon, wie es funktioniert. Wer trotzdem Starthilfe braucht, wird auf zahlreichen Sparportalen im Internet fündig. Aber gerade deswegen solltet Ihr auch hier ungewöhnliche Wege gehen! Die Mitglieder der Finanztip-Community empfehlen zum Beispiel die Nutzung von Cashback-Diensten. Bei Amazon gibt es kostenlose Bücher, Cineasten-Blogs suchen regelmäßig die besten kostenlosen Filme in Mediatheken heraus und im Ausland gelten Rabatte oft für junge Leute bis 26 oder 30 Jahre.

Mein persönlicher Tipp: kostenlose Online-Kurse von Universitäten. Die sogenannten MOOCs finden sich auf Plattformen wie Coursera, Iversity, Udacity & Co. und stehen den „echten“ Uni-Kursen in nichts nach. Wer kein Zertifikat braucht, aber über die Kenntnisse verfügen muss, spart sich den Reibach (für einen vergleichsweise geringen Obolus gibt es Prüfung und Zertifikat obendrauf).

Vergleichen, vergleichen, vergleichen

Es ist verlockend, beim Einkauf das erstbeste Angebot zu nehmen und den verlangten Preis zu zahlen. In unserer hochvernetzten Welt mit schier endlosen Informationsmöglichkeiten ist das aber gewiss nicht die schlaueste Vorgehensweise. Beim Online-Shopping fällt der Abgleich nicht schwer: Wer ein Vergleichsportal in einem neuen Tab aufmacht, sieht sofort, wo es den Artikel preiswerter gibt. Beim Verhandeln mit dem Verkäufer im Laden helfen Einkaufs-Apps und der vorherige Vergleich im Internet. Auf diese Art und Weise habe ich bei meinem Smartphone 100 Euro gespart.

Selbst bei der Art und Weise der Bezahlung lässt sich sparen: Erhebt der Plattformbetreiber zusätzliche Gebühren für die Nutzung von Kreditkarte oder Paypal? Meist ist die Zahlung per Lastschrift am günstigsten.

Keine Lust zu vergleichen? Angebote mit stabilen Beiträgen nutzen

Ihr habt keine Lust auf mühseliges Vergleichen? Oder keine Zeit? Das ist nicht schlimm. In den Tests findet unsere Redaktion immer wieder Anbieter, die nicht unbedingt das allergünstigste Angebot haben, aber mit stabilen, fairen Preisen hervorstechen.

Auch mal verzichten

Einer meiner größten Sparposten der letzten Jahre war das Auto, beziehungsweise: dass ich keines hatte. In der Großstadt lebt es sich wunderbar ohne eigenes motorisiertes Gefährt. Für den Besuch zu Hause tut es auch der Fernbus oder die Bahn, und für größere Einkäufe kann man auf die Autos der lokalen Carsharing-Anbieter zurückgreifen.

Wenn Ihr die Fragen „Brauche ich es wirklich?“ und „Was nützt es mir?“ nicht beantworten könnt, solltet Ihr besser verzichten. Als Antwort zählt für mich dabei übrigens durchaus „Es bereitet mir große Freude“. Man soll sich ja auch mal etwas gönnen…

Ausbildung oder Weiterbildung? Preise wie für Studenten

Ihr seid gerade in den Endzügen eines Studiums oder einer Ausbildung? Das ist der beste Zeitpunkt für kleinere Investitionen. Zum Beispiel könnt Ihr noch die Studentenversion von MS Office abstauben, das Ticket für die eigentlich teure Tagung sichern oder die Bahncard vergünstigt anschaffen. Der Internationale Studentenausweis ISIC gilt in der Regel für ein Jahr. Damit lassen sich die Einsparungen noch einmal verlängern.

Als ich 2013 eine formale Weiterbildung absolvierte, erhielt ich eine Art „Studentenausweis“. Zwar wurde der nicht überall akzeptiert, aber er brachte mir den einen oder anderen Rabatt, zum Beispiel im Kino. Es kostet nichts als Überwindung, beim Bildungsträger nach einem Ausweis zu fragen.

Ein besonderer „Life Hack“ gelang mir 2013. In der Regel werden ÖPNV-Ausbildungstickets nur an Schüler und Studenten ausgegeben. Bei einigen Verkehrsgemeinschaften steht jedoch in den AGB, dass „formale“ Ausbildungen ebenfalls anerkannt sind. Das habe ich mir in meinen Volontärsvertrag schreiben lassen. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick erhielt ich von der Dame am Schalter die begehrte Ausbildungsmarke – und sparte jeden Monat 20 Euro.

Wissen, wie man sich manipulieren kann

Ein Bekannter erzählte mir neulich, dass er sich pro Monat ein bestimmtes Budget zuteilt. Alles, was darüber liegt, überweist er auf das Tagesgeldkonto oder investiert es in sein Depot. Würde das gesamte Einkommen auf dem Girokonto liegen, wäre er versucht, es auszugeben. Ich selbst habe bei mir ähnliches beobachtet: Selten habe ich mehr als 50 Euro im Geldbeutel, im Alltag zahle ich lieber bar als mit Giro– oder Kreditkarte. Wenn ich extra zum Automaten laufen muss, ärgere ich mich und überlege es mir zweimal.

Der Schlüssel zu besserem Sparverhalten liegt nicht in DER einen Formel. Man muss einzig und allein wissen, wie man sich erfolgreich manipulieren kann. So wird „Neinsagen“ einfach.

Nicht vergessen: Auch mal was abgeben

Vom Plus auf dem Konto gebe ich gerne etwas ab. Daraus ergibt sich sogar wieder ein kleiner Vorteil: Spenden lassen sich von der Steuer absetzen.

Ihr habt auch einen Tipp zum besseren Sparen? Toll, dann teilt ihn mit der Community!

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Franziska Hauck war bis Oktober 2016 bei Finanztip für die Social Media-Kanäle und die Community verantwortlich. Erfahrung im Community Management sammelte sie bei Unternehmen der Holtzbrinck Gruppe, wo sie ihren Schwerpunkt auf den Aus- und Aufbau von Communities legte. Nach ihrem Studium in Deutschland und Großbritannien absolvierte sie eine Ausbildung an der Social Media Akademie.

7 KOMMENTARE

  1. Hallo Franziska,

    vielen Dank für diese Fülle an Spartipps! Für mich persönlich habe ich da den goldenen Mittelweg entdeckt. Ich halte nichts von übertriebenem Sparzwang oder Geiz, versuche aber auch durch Vergleichen unnötige Kosten zu vermeiden.

    Auf meinem Blog habe ich ein ganzheitliches Konzept zum Umgang mit Geld und der persönlichen Budgetierung vorgestellt. Das Finanzsetup enthält einen Vorschlag, wie man sich strukturell aufstellen könnte, ohne dass man sich Sorgen über die nächste Rechnung machen muss. Letztendlich ist das Konzept automatisiert und schafft zeitlichen Freiraum für schönere Dinge. Falls du Lust hast, schau gerne mal rein.

    Schönen Sonntag und beste Grüße
    Marco

  2. Diese Tipps sind natürlich alle gut und richtig. Die Frage ist aber dann: Was machen mit den Ersparnissen. Ersparnis macht nur dann Sinn, wenn es gut investiert wird. Im Niedrigzinsumfeld sind Geldanlagen und Vermögenssicherung eine Herausforderung. Viele Geldanlagen wie Immobilien sind nur Scheinlösungen, da sich die Immobilienpreise auf einem Allzeithoch befinden. Momentan ist es besser ein Haus zu verkaufen, als zu kaufen.

    Die Wertstabilität bei dauerhaften Renditechancen müssen im Fokus aktueller Geldanlagen stehen, damit sich das Ersparnis auch langfristig rentiert und echter Vermögensaufbau geschehen kann.

  3. Ich bin absoluter Fan von „Sparen mit fast keinem Mehraufwand“. Zum Beispiel durch ein gebührenfreies Giro-Konto oder durch den richtigen Strom Anbieter, auch wenn ich jedes Jahr wechsle. Zur Zeit ist es echt schwierig, mit dem gesparten Geld etwas sinnvolles anzufangen, aber hier hat sich (für mich jedenfalls) Tagesgeld mit Depotwechsel als einigermaßen lukrativ ergeben (Ich bin kein Fan langer Laufzeiten!). Auch hier muss man ca. zwei mal im Jahr aktiv werden, aber es kann sich echt lohnen.

  4. Danke für deinen tollen und Informativen Blog Beitrag. Gerade mir als Mitarbeiter eines GutscheinBlogs weiss schön es ist anderen beim sparen zu helfen. Liebe Grüße Ingo

  5. Ich finde deine Tipps hilfreich. Allerdings möchte ich den meiner Meinung nach entscheidendsten ergänzen: Kosten auf die Brutto-Seite bringen. Beim Arbeitnehmer passiert das rückwirkend zumindest in Teilen durch die Steuererklärung. Wirklich reich macht das aber auch noch nicht. Vor allem reden wir bei kleineren Einkommen ohnehin nicht von den entscheidenden Beträgen.

    Doch gerade bei etwas höhren Einkommen von zum Beispiel Ingenieuren, Anwälten oder Ärzten ist der Weg zum Reichtum viel kürzer als häufig angenommen wird. Das gelingt zum Beispiel durch Ausnutzen der Vorteile einer Familiengesellschaft.

    Entscheidend ist einfach, dass man möglichst viele Kosten (Anschaffung einer Immobilie, Erbschaftssteuer, Reparaturen, Fahrzeuganschaffung und so weiter) auf die Brutto-Seite verschiebt – zum Beispiel, indem man das bestehende Vermögen auf eine Gesellschaft überträgt. Auf diese Weise spart man wirklich Steuern und verkürzt die Zeit zum Reichtum erheblich.

    [Anmerkung der Redaktion: Der Beitrag wurde leicht gekürzt.)

  6. Super Beitrag! Mittlerweile gibt es echt sehr viel Dinge gratis! Bei Amazon sind mittlerweile fast zu jedem Thema kostenlose Ebooks erhältlich. Auch Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Musik machen es einem durch Familienangebote super günstig an Musik etc heran zu kommen. Die Möglichkeit gebrauchte oder B-Ware zu kaufen sollte man auch nicht ausser acht lassen! Im großen und ganzen kann man finde ich heute besser sparen denn je, wenn man nur einige Dinge beachtet.

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