Frau hinter Aktenordnern
Bild: Andrey Popov / GettyImages

Wer heute etwas kauft oder bucht, kriegt oft gleich eine Versicherung dazu angeboten, egal ob Waschmaschine, Handy oder Brille, ob Flug oder Bahnticket. Auch Versicherer, bei denen man schon ist, schicken gerne Werbebriefe – für Zahnversicherung, Unfallschutz und so weiter.
Tatsächlich geben wir immer mehr für Versicherungen aus: Rund 1.500 Euro sind es im Schnitt pro Jahr und Haushalt. Knapp 30 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor, selbst wenn man die Inflation berücksichtigt. Da stellt sich natürlich die Frage: Brauchen wir überhaupt so viel Versicherung?

Hier unsere Antwort:

 

1. Diese Versicherungen nützen meist nur dem Anbieter

Fast zwei von drei Erwachsenen tragen eine Brille, sie zu versichern ist aber unnötig. Gern wird der Schutz im Paket mit anderen Versicherungen verkauft. Wenn die Brille kaputtgeht, ist der finanzielle Schaden vergleichsweise gering. Auf der anderen Seite ist die Erstattung oft auf einen jährlichen Höchstbetrag begrenzt. Lege lieber jeden Monat ein wenig Geld zur Seite – dann bist Du Deine eigene Versicherung.

Auch Handy-Versicherungen sind oft teuer. Sie erstatten meist nicht den Neupreis, sondern nur das, was das Handy vor dem Schaden noch wert war. Bring Dein kaputtes Smartphone besser zur Reparatur oder kauf Dir alternativ ein gebrauchtes Handy. Beides spart Geld und schont die Umwelt.

Wenig sinnvoll ist auch die Ausbildungsversicherung: Viele Großeltern schließen sie für die Enkel ab. Das ist zwar bequem, aber teuer – eine Mischung aus Versicherung und Geldanlage. Sterben die Einzahler, übernimmt die Versicherung deren monatlichen Beitrag. Der Sparanteil lohnt sich aber nur selten. Hohe Abschlusskosten und niedrige Zinsen reduzieren die Rendite. Besser, Du legst das Geld für Kinder und Enkel selbst an.

 

2. Diese Versicherungen leisten nicht, was sie versprechen

Einige Versicherer und Makler wecken falsche Erwartungen: Ein typisches Beispiel ist die Reisegepäckversicherung. Auf Reisen seine Reisedokumente oder Wertsachen zu verlieren, ist für viele eine Horrorvorstellung. Meist wird man bestohlen, etwa in Menschenmengen oder im Zug. Ausgerechnet bei Diebstahl berufen sich die Versicherungen aber gern auf „grobe Fahrlässigkeit“ und kürzen ihre Zahlung. Eine Gepäckversicherung ist daher nicht sinnvoll. Gegen Raub und Einbruch ins Hotelzimmer versichert Dich auch eine gute Hausratversicherung.

Ärgerlich ist auch die Restschuldversicherung. Sie soll helfen, wenn Du Deine Kreditraten nicht mehr zahlen kannst, zum Beispiel wegen Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Doch die Versicherung ist sehr teuer – und springt viel zu oft gar nicht ein. Sie ist eher ein Zusatzgeschäft für die Bank.

Viele Menschen haben auch eine falsche Vorstellung von der privaten Unfallversicherung. Sie zahlt nur, wenn Du nach einem Unfall dauerhaft körperlich beeinträchtigt bist. Jedoch entsteht nur jede 50. Schwerbehinderung durch einen Unfall, viel häufiger ist eine Krankheit die Ursache. Daher lohnt sich die Versicherung oft nicht. Neuerdings werben Unfallversicherer für eine Absicherung gegen Impfschäden. Ein großer Unsinn: Die kommen absolut selten vor.

 

3. Diese Versicherungen schützen Dich vor dem Ruin

Besser als die so oft verkaufte Unfallversicherung ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie sichert den Verlust Deines Einkommens ab, ganz egal, aus welchem Grund Du dauerhaft berufsunfähig wirst.

Überhaupt ist es wichtig, Dich vor den ganz großen Risiken zu schützen. Unverzichtbar ist da die private Haftpflichtversicherung. Nehmen wir an, Du überquerst unachtsam die Straße. Ein Tanklaster weicht aus, und fährt in ein Wohngebäude. Ein Großbrand entsteht. Die Kosten würden Dich in den Ruin treiben. Eine gute Privathaftpflicht deckt das ab und muss nicht mehr kosten als 60 Euro im Jahr. Auch Dein Hund kann große Schäden anrichten, falls er sich losreißt. Davor schützt die Hundehaftpflicht. Sie kostet etwa 30 Euro im Jahr und ist in einigen Bundesländern sogar vorgeschrieben.

Machst Du nach Ende der Corona-Pandemie endlich wieder Urlaub, ist die Auslandskrankenversicherung unverzichtbar. Ein Krankenhaustag in den USA oder ein medizinischer Rücktransport kostet mehrere Tausend Euro. Einen guten Vertrag gibt es schon ab 10 Euro im Jahr.

Eine komplette Auflistung, welche Versicherungen wirklich sinnvoll sind, findest Du in unserem Ratgeber.

Dorian Obst
Autor

Stand:

Dorian Obst liebt gute Kommunikation. Deshalb hat er sich nach seinem Studium der Politik- und Wirtschaftswissenschaften für eine PR-Ausbildung bei Finanztip entschieden. Als Trainee in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bringt er Finanztip in die Medien. Bereits zuvor sammelte Dorian erste Presseerfahrung bei der Vaihinger Kreiszeitung und dem SWR Tigerenten Club.

9 Kommentare

  1. Betrifft :
    Auslands Krankenversicherung
    In den vergangenen ca. 10 Jahren war ich in den Wintermonaten für 4-5 Monate in Teneriffa für einen Langzeiturlaub.
    Dafür hatte ich immer eine Auslandskrankenversicherung abgeschloßen für diesen Zeitraum, neben der Jährlichen Auslandskrankenversicherung die aber nur für eine Einzelreise von bis zu 4-6 Wochen Deckung bietet.
    Da ich im kommenden Winterurlaub über 80 Jahre alt sein werde nehmen mich die Versicherungen die ich bisher buchte auf Grund der 80-Jahresgrenze nicht mehr auf.
    (Ich bin bei der SBK gesetzlich Versichert)
    Gibt es noch Versicherungen die dieses Risiko jenseits der 80-Jahresgrenze übernehmen ?
    Mit freundlichen Grüßen

    Peter Butscher

  2. @ Herren List und Bastian
    Selbstverständlich zahlt eine Unfallvers. auch nur bei einem solchen und genau definierten Ereignis. Und auch dann erst bei Teil- oder Vollinvalidität gemäß Gliedertaxe. Aber dafür kostet sie auch nur einen Bruchteil einer BU-Vers. Und mit „Haushalt“ meinte ich Menschen, die keiner Tätigkeit ausser Haus nachgehen, sondern den Haushalt machen. Und Beispiele muss man doch sicher nennen dürfen, ohne gleich Panik zu verbreiten. Die Menschen müssen sich ja auch Situationen vorstellen können bzw. fragen danach. Sie pers. brauchen so etwas ja nicht, wenn sie es nach einer Information darüber nicht für nötig erachten. Ist doch ihre pers. Sache, wie geschrieben.

  3. Jürgen List, warum sollten sie auch bezahlen? Es ist ohne bleibenden Schaden nunmal kein versichertes Schadenereignis. In Wahrheit ist das Problem der Unfallversicherung, dass die meisten Menschen denken, die würde immer irgendwas zahlen, wenn man einen Unfall hat. Dem ist nun mal nicht so. Trotzdem schließe ich mich an, dass man eine Unfallversicherung nicht pauschal ausschließen sollte. Das ist jeweils eine individuelle Entscheidung. Natürlich ist die Berufsunfähigkeitsversicherung die bessere Alternative. Allerdings muss man hierbei auch sehen, dass viele diese Versicherung nicht abschließen können, bzw. bei den aufgerufenen Prämien wollen. Ein Dachdecker zB kann die Prämie für die BU in vielen Fällen gar nicht bezahlen. Hier findet schon seit Jahren eine dramatische Risikoauslese seitens der Versicherer statt, mit dem ursprünglichen Gedanken der gemeinsamen Tragung des Risikos eines Einzelnen hat die BU absolut nichts mehr zu tun. Häufig handelt es sie hier allerdings um Berufe, die ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko haben. Daher kann eine Unfallversicherung hier wieder Sinn ergeben

  4. Sind Sie sicher, dass die Privathaftpflicht zahlen muss, wenn der Tanklaster in ein Wohngebäude fährt und ein Brand ausbricht? Bitte begründen Sie diese Aussage. Dankeschön.

  5. Vielen Dank für den Artikel. Als erstes sollte man aber den Unterschied zwischen Versicherer bzw. Versicherungsvermittler/-agenten, Mehrfachvermittler und Versicherungsmakler benennen und nicht immer alle in einen Topf werfen. Und selbstverständlich ist eine BU-Versicherung sicherlich die Sinnvollste, eine Unfallversicherung mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis und guter Gliedertaxe und gutem Bedingungswerk kann immer nur eine Ergänzung sein. Aber pauschal davon abzuraten finde ich mehr als fahrlässig. Wenn man das als Makler macht, ist man in der Haftung. Sie schliessen in ihren AGBs sicherlich eine solche aus.
    Es kommt doch ganz auf die pers. Situation der Menschen und deren Schutzbedürfnis an. Eine Unfallvers. ist auch nicht dafür da, für den Lebensunterhalt zu sorgen, sondern um Kosten, bedingt durch den Unfall, aufzufangen. Auto umbauen bzw. behindertengerechtes Fahrzeug, Türzargen verbreitern, damit man mit dem Rollstuhl durchpasst, evtl. Eigentum kaufen, damit man das überhaupt machen darf, etc. Und dass z. B. gerade bei Kindern oder im Haushalt generell mehr durch Unfälle passiert als durch Krankheit ist eine gegenteilige Statistik. Bei z. B bei Kindern, Hausmann/-Frau, berufl. Vielreisende als Ergänzung sicherlich doch sinnvoll. Aber wie gesagt, es kommt auf die pers. Situation und das Schutzempfinden des Einzelnen an. Durch ihre Pauschalaussagen beschäftigen die Menschen sich erst gar nicht damit bzw. holen sich keinen vernünftigen Rat ein…und wenn etwas passiert, sagen sie nur „upps“. Ein anderer hat aber den Schaden. VG

    1. Ich bin Arzt und hatte in meinem Fachgebiet viel mit Unfällen zu tun. Leider ist es so wie im Artikel dargestellt: Unfallversicherungen bei den gängigen Unfällen ohne großen bleibenden Schaden bezahlen so gut wie nie. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich auch nur sagen: Spar dir das Geld und damit auch viel Ärger!

      1. Das ist doch der Klassiker. Danke für den Hinweis aus Ihrer Perspektive mit Kontakt zu vielen Betroffenen. Der Threadersteller betreibt das übliche Angst-Mach-Spiel von Menschen, die Versicherungen verkaufen. Natürlich kann man einen Fall konstruieren, wo die Versicherung gut wäre. Aber Finanztip schreibt ja gerade, dass es viel häufiger durch Krankheiten zu Einschränkungen kommt – und solange ich die dann nicht versichert habe, braucht es keine Unfallversicherung. Und den Hinweis auf Unfälle im Haushalt empfinde ich schon fast als Hohn. Klar passieren die meisten Unfälle im Haushalt. Aber es lebt halt auch jeder in einem Haushalt und damit braucht dann auch jeder die Versicherung – wie praktisch…

      2. Sie schreiben, „Unfallversicherungen bei den gängigen Unfällen ohne großen bleibenden Schaden bezahlen so gut wie nie“. Das ist auch insoweit richtig, da ein bleibender Invaliditätsschaden abgedeckt ist, nicht mehr und nicht weniger.
        Ein junger Handballer aus meinem Bekanntenkreis hatte einen Knieschaden im Spiel erlitten. Innenbänder, Kreuzbänder, Knorpel und Meniskusschaden. Alles wurde operativ wiederhergestellt und nach einem Jahr Reha spielt er wieder problemlos Handball. Trotzdem hat die Unfallversicherung 20% Invalidität anerkannt und 25.000 Euro ausbezahlt.

  6. Sehr geehrte Damen und Herren
    Bin ein aufmerksamer Leser von Finanztip. Prima, weiter so. Vor einem viertel Jahr, genau zum 31.12.2020 habe ich ein Probeabo (6Monate) für die Zeitschrift“ Euro am Sonntag“ über sie abgeschlossen. Sie haben darauf hingewiesen, dass bei Nichtgefallen unter der E-Mail bestands@presseshop.news. gekündigt werden kann. Dies tat ich am 4.3.21 mit der Bitte um Künd.-bestätigung. Am 14.3.war noch nichts da. Eine Recherche übers Internet ergab eine ganz andere Anschrift und eine andere Faxnummer wie von ihnen mitgeteilt. Kann es sein, dass durch solche Verschleierungstricks Kunden in eine Probeabofalle gelotst werden sollen ? Dies soll keine Kritik sein, sondern eine Feststellung von einem kritischen Leser.

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