Geld online schnell überweisen
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Falls Sie zu den 50 Millionen Kunden der Sparkassen gehören, ist Ihr Geldhaus gerade in der Gegenwart angekommen: Seit vergangener Woche können Sie in Sekunden Geld überweisen – mit Instant Payment.

Lange hatten Überweisungen von Bank zu Bank etwas von Rauchzeichen: Bis das Geld auf dem Konto des Empfängers landete, konnten Tage vergehen. Mal eben schnell im Kino das geborgte Geld für die Eintrittskarte digital an den Freund rüberschieben oder an Ort und Stelle zahlen für ein per Kleinanzeige gekauftes Bügeleisen – keine Chance. Wie in der digitalen Steinzeit.

Die neue Echtzeit-Überweisung funktioniert nur, falls Ihr Gegenüber auch bei einer Bank ist, die Instant Payment kann (vor den Sparkassen hatte bereits die Hypovereinsbank das System eingeführt, die Deutsche Bank will folgen). Und es fallen in aller Regel Gebühren an: 50 oder 60 Cent pro Blitzüberweisung sind üblich.

Diese Kosten sind schwer verständlich, denn jede Sparkasse legt ihre eigene Gebühr fest. Einige Sparkassen verzichten ganz darauf – wie die in Leverkusen, im Kreis Stade oder im Umkreis von Braunschweig. Wie willkürlich die Preispolitik ist, zeigt das Beispiel der Sparkassen Hegau-Bodensee und Neuburg-Rain: Die beiden verlangen sogar 5 Euro. Das wirkt nicht so, als wollten die ernsthaft ihren Kunden den Service anbieten.

Blitzschnell Geld senden können Nutzer des US-Zahlungsanbieters Paypal schon länger – meist sogar kostenlos. Einfach den Betrag in der App eintippen, an den Telefonbuch-Kontakt senden, fertig. Zumindest, wenn das Gegenüber ebenfalls Paypal-Nutzer ist. Die Zahlung kommt allerdings auf einem gesonderten Paypal-Konto an. Zum Einkaufen im Internet können Sie das Geld also nutzen, denn die meisten Online-Händler akzeptieren Paypal.

Die Miete oder Ihre Versicherungen können Sie damit aber nicht bezahlen. Und wenn Sie selbst privat etwas verkaufen, verlangt Paypal für den Service 1,9 Prozent Provision plus pauschale 35 Cent. Bei etwas teureren Dingen kann das deutlich mehr kosten als der Sparkassen-Service.

Andere App-Anbieter, die eng mit den Banken zusammenarbeiten, übertragen das Geld direkt von Girokonto zu Girokonto. Dazu zählen Kwitt (von den Sparkassen und den Volksbanken), Cringle (arbeitet mit DKB und Consorsbank zusammen), Paydirekt (Volksbanken, ING-Diba und viele mehr) und Lendstar. Richtig schnell und komfortabel läuft das aber nur ab, wenn Sender und Empfänger die entsprechende App installiert und ihr Girokonto damit verknüpft haben.

Hier kommt das Whatsapp-Prinzip zum Tragen: Weil „alle“ Whatsapp auf ihrem Smartphone haben, nutzt man es eben auch. So können sich andere Apps nur schwer durchsetzen. Das Whatsapp des Geldsendens ist momentan Paypal. Ob Kwitt, Cringle und Co. den Weg aus der Nische finden, ist daher ungewiss. Immerhin hat der Sparkassenservice Kwitt inzwischen über 900.000 Nutzer.

Komfort und Schutz beim Einkauf im Netz

Beim Online-Shopping profitieren Paypal-Kunden davon, dass Liefer- und Rechnungsadresse in manchen Fällen automatisch eingetragen werden. Das spart langes Tippen. Den Kaufpreis zieht Paypal von Ihrem Girokonto oder der Kreditkarte ab. Das dauert etwas – in dem Fall arbeitet die Zeit aber für Sie.

Kommt die bestellte Ware nicht an oder ist kaputt, dann greift der sogenannte Käuferschutz von Paypal. Dabei schaltet sich Paypal als Mittler ein und kümmert sich darum, dass Sie Ihr Geld zurückbekommen, falls Ihre Reklamation berechtigt war und der Händler trotzdem auf stur geschaltet hat.

Andere Anbieter wie Paydirekt haben sich davon inspirieren lassen und bieten ebenfalls einen Käuferschutz an. Aber Vorsicht: Selbst wenn das Käuferschutz-Verfahren zu Ihren Gunsten ausgeht und Sie Ihr Geld wiederhaben, kann der Verkäufer immer noch ein Inkassoverfahren einleiten oder vor Gericht ziehen. Das hat der Bundesgerichtshof im vergangenen Jahr entschieden. Es ist also der Händler, der dem Geld hinterherlaufen muss, nicht der Käufer.

Ähnliche Vorteile genießen Nutzer von „Amazon Pay“: Amazon wickelt nicht nur Zahlungen für sich selbst ab, sondern auch für andere Händler. Loggen Sie sich dazu beim Onlineshop mit Ihren Amazon-Zugangsdaten ein. Sie müssen kein neues Konto bei dem Händler einrichten. Einen Käuferschutz gibt es auch, der heißt bei Amazon Pay „A-bis-z-Garantie“. Bei der Akzeptanz muss sich Amazon Pay allerdings hinter dem Platzhirschen Paypal einreihen; es gibt weniger Händler, die Amazon Pay eingebunden haben.

Übrigens haben Sie auch mit manchen „klassischen“ Bezahlmethoden eine Art Käuferschutz. Zahlen Sie zum Beispiel mit Ihrer Kreditkarte, und beim Einkauf geht etwas schief: Reklamieren Sie die Zahlung bei der Bank, von der Sie die Karte haben (also nicht bei Visa oder Mastercard). Das Verfahren nennt sich Chargeback. Dafür haben Sie in vielen Fällen zwischen sechs und acht Wochen Zeit, bei bestimmten Leistungen auch länger. Dann kümmert sich Ihre Bank darum, dass Sie Ihr Geld wiedersehen.

Haben Sie per Lastschrift gezahlt, können Sie Innerhalb von acht Wochen den abgebuchten Betrag sogar selbst zurückholen per Onlinebanking. Aber Vorsicht: Machen Sie das nur, wenn Sie sicher sind, das Recht dazu zu haben. Denn sonst drohen Kosten durch Mahnungen und Inkasso.

Viel aufwendiger ist es hingegen, eine Überweisung zurückzuholen. Wenn das Geld bereits auf dem anderen Konto gutgeschrieben wurde, hat Ihre Bank keinen Zugriff mehr auf den Betrag. In dem Fall müssen Sie bei Ihrer Bank eine Rücküberweisung anfragen. Ihr Geldhaus wendet sich dann an die andere Bank und diese an den Empfänger. Der muss der Rücküberweisung zustimmen – das ist unwahrscheinlich bei einem Händler, der schon vorher Ihre Reklamation abgelehnt hat. Erstatten muss Ihre Bank das Geld nicht. Das gilt für die neue Echtzeit-Überweisung genauso wie für klassische Überweisungen.

Digitales Bezahlen spielt auch offline, also im Supermarkt oder Restaurant, eine immer größere Rolle. Erst vor kurzem ist die Handy-Zahlmethode Google Pay in Deutschland an den Start gegangen – während Apple Pay noch auf sich warten lässt. Leiten die digitalen Alternativen das Ende des Bargeldes ein? Darüber berichten wir in den kommenden Ausgaben des Finanztip-Newsletters.

21 KOMMENTARE

  1. Guten Tag Herr Pöhler,
    meinen Sie nicht, dass es Sinn macht, die Bezahlmethoden nach Datenschutz zu bewerten ? Paypal geht zwar sehr flott, aber eigentlich habe ich keine Lust, meine Daten an diesen US-Konzern zu geben. Der freut sich doch nur, die Daten weiter zu verwerten o. zu verkaufen, darum kostet der Dienst auch nichts. Die deutschen Dienste (z.B. Sofortüberweisung) halte ich für viel empfehlenswerter !

    • Hallo Herr Vogts,
      tatsächlich standen bei der Recherche Komfort und Preis im Vordergrund. Ihren Vorschlag, das Thema Datenschutz stärker zu beleuchten, finde ich gut. Übrigens gibt es bei Datenschutz und Sicherheit durchaus Kritik an Sofortüberweisung. Denn der Nutzer gibt bei dem Dienst für jede Transaktion seine Zugangsdaten zum Onlinebanking sowie eine Tan ein – hochsensible Daten also.

      Viele Grüße
      Daniel Pöhler

  2. Also mal ehrlich, Herr Pöhler, in wieviel Prozent der Fälle wäre die „Sekundenüberweisung“ unbedingt sinnvoll oder notwendig? Doch nicht bei den hier angeführten Beispielen. Abgesehen von den immens großen Aufwand für die IT der Banken und Datenleitungen, innerhalb von Sekunden müssen die Überweisungen diversen Checks unterzogen werden. Und überhaupt, so ökologisch ist das nicht gerade für einen marginalen Nutzen. Die meisten Überweisungen laufen heute innerhalb eines Tages. In allen Lebensbereichen muss heute möglichst alles gleich und sofort zu haben sein. Eine ungesunde Entwicklung. Lassen wir mal die Kirche im Dorf.

    • Hallo Frank,
      stimmt, nicht immer ist es nötig, dass das Geld sofort ankommt. Manchmal aber schon. Ich persönlich habe schon Freunden an Ort und Stelle per Paypal Geld rübergeschoben, das sie mir zuvor geliehen hatten. So kann ich gar nicht erst vergessen, es ihnen zurückzugeben. Und der Freund sieht an der App-Benachrichtigung sofort, dass sein Geld da ist und muss sich das auch nicht merken. Weitere Beispiele sind nahe Fristen oder Bestellungen, auf die man nicht lange warten will.
      Viele Grüße
      Daniel Pöhler

    • Ich lebe schon seit Jahren in Thailand. Hier haben alle Banken die Sofortüberweisung. Zur gleichen Bank, im gleichen Bezirk, ist die Überweisung frei. Alles Andere kostet unterschiedlich bis zu 1,30 € an Gebühren. Ein sehr angenehmes System.

  3. Sehr geehrter Herr Pöhler, ich benutze zwar Googles PayPal-System, betrachte das aber als Ausnahme von der Regel. Neulich brauchte ich für mein Hobby z.B. ein bestimmtes elektronisches Bauteil, das ich über den deutschen Fachhandel entweder gar nicht oder ab 100 Stück aufwärts oder mit einem solchen „Mindermengenaufschlag“ und zu einem solch späten Termin hätte beziehen können, dass sich das Problem beinahe von selbst gelöst hätte. Dank PayPal war es kein Problem, dass zwei Partner in unterschiedlichen Teilen der Welt vertrauensvoll miteinander ins Geschäft kommen konnten. „Für den Hausgebrauch“ bleibe ich beim ganz normalen Überweisungs- bzw. Lastschriftverfahren, das meine Hausbank in maximal zwei Arbeitstagen abwickelt. Meine Buchhändlerin, meine Autowerkstatt und etliche andere Händler und Dienstleister kennen mich seit Jahren und wissen (und ich sie „anders herum“ ebenfalls), dass sie sich auf mein Wort verlassen können. Ich bezahle also spesenfrei und ohne datentechnischen Striptease einfach „nur mit meinem guten Namen“. Das geht nämlich auch. Nur am Rande: In den USA bekommen Sie beim Tanken Ihres Mietwagens einen günstigeren Preis, wenn Sie bar und nicht an der Tanksäule per Kreditkarte bezahlen! Sie müssen nur etwas mehr laufen und vorab Bargeld an der Kasse hinterlegen, bis zu dessen Höhe die Säule dann freigeschaltet wird.

    • Sehr geehrter Herr Koch,
      vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht. Ich mache es ähnlich und nutze immer die Zahlungsmethode, die mir für den jeweiligen Zweck am sinnvollsten erscheint.
      Viele Grüße
      Daniel Pöhler

  4. Ich benutze schon seit zwei Jahre als zweite Karte O2 Bank (unterstützt von Fidor Bank). Die haben von Anfang an Überweisungen sofort ausgeführt. Ein paar Mal habe ich das wirklich benötigt. Ich habe versäumt Strafzettel zu bezahlen weil das Brief irgendwie verlegt habe. Zufällig habe ich das Brief gefunden und bis Fristende war noch zwei Stunden. Hier hat es geholfen

  5. Die 1822 direkt wird die Blitzüberweisung zum 29.8. einführen, allerdings für sage und schreibe 0,99€ pro Onlinevorgang!! Da brauche ich nicht zu Überlegen, da ich die meisten Lastschriften gekündigt habe und fast alles händisch überweise. Also, mit den Standard-Überweisungen komme ich sehr gut zurecht. Ich finde den Preis unverschämt.

  6. Paypal hat nette Gebühren, wer mal bei ebay was verkauft hat, weiss wovon ich rede. Noch dicker kommt es, wenn man im nicht Euro Ausland kauft und zum Beispiel in UK £ oder Dollar bezahlt.
    Da schlägt Paypal ca. 4% drauf, das ist so teuer wie der Bargeld Wechselkursaufschlag der Banken. Da sind Kreditkarten immer billiger, meist 2%.

    • Diesen Aufschlag kann man aber vermeiden, wenn man bei PayPal eine Kreditkarte hinterlegt und dann über diese abrechnen lässt. Die Kreditkartenunternehmen berechnen sehr marktnahe Wechselkurse. Manche Banken (bspw. DKB) verzichten sogar auf das sonst übliche Auslandseinsatzentgelt.

      Allerdings ist die Einstellung bei Paypal, die zwangswesie Währungsumrechnung abzustellen, so gut wie nicht zu finden. Es gibt sie. Paypal hat es aber bewusst unfassbar schwer gemacht, diese zu finden.

  7. Ich hoffe, dass im Vergleich auch Revolut auftauchen wird. Da ich nicht nur viel international unterwegs bin, sondern auch Bank Konten in mehreren Ländern habe, ist mir der Service von Revolut mittlerweile sogar die Zahlung des Premium Services wert. Zahlungen und Überweisungen in viele Länder der Welt zu interbank Kursen, ohne Gebühr und am gleichen Arbeitstag, zu einem anderen Revolut Konto gar innerhalb Sekunden, machen Banking für mich sehr einfach.
    Alles, was fehlt, ist Apple Pay….

  8. Sehr geehrter Herr Pöhler, wenn Sie eine Überweisung zurückrufen wollen, dann ist das ein Übeweisungsrückruf und keine Rücküberweisung. Hier geht die Initiative vom Auftraggeber der Zahlung us. Wenn die Initiative vom Zahlungsempfänger ausgeht, dann spricht man von der Rücküberweisung. Das nur zur Klarstellung des Begriffes.
    Die tolle Möglichkeit, Geld per Handy an ein anderen Handy zu übertragen, ist vielleicht in wenigen Einzelfällen sinnvoll aber bestimmt nicht, wenn ich von einem Freund Geld geliehen habe. An jeder Ecke ist heute ein Geldautomat, im Supermarkt kann ich Geld abheben und die gute, alte online-Überweisung gibt es ja auch noch. Warum gebe ich meinem Freund das Geld nicht einfach beim nächsten gemeinsamen Kneipenbesuch zurück. Denn wir reden hier doch von Kleinbeträgen, oder? Und wenn jemand vergessen hat, seine Strafzettel zu bezahlen (Ruddy s.o.), dann ist er einfach schlampig unterwegs. Für solche Aktionen benötigt eigentlich niemand diese tollen neuen Zahlungswege.
    MfG

  9. Schlampig zu sein kann bei jedem passieren. Bestimmt auch Sie sind nicht perfekt. Aber bei O2 Bank ist diese Option kostenlos. Dafür extra zu zahlen bin ich nicht bereit, außer bei drohende Abmahnung oder so.

    • Hallo, wenn Instant-Payment bei der O2-Bank kostenlos ist, dann ist das auf den ersten Blicke wunderbar, aber dann zahlen Sie halt die Kosten für diese Funktionzahlen mit Ihrem Monatspreis einfach mit, dann auch diese Bank muss Geld verdienen und hat daher nichts zu verschenken.
      Viel Spaß mit der neuen tollen Funktion.

  10. KWITT funktioniert übrigens bei allen Sparkassen UND Volks-Raiffeisenbanken, Banksektor-übergreifend!
    Mit einem Marktanteil im Privatkundengeschäft von zusammen über 60% ist das kein Nischenangebot mehr.

  11. Was mich immer ärgert, daß eigentlich selten , oder fast nie berichtet wird, was die so gelobten “ new world Internet 4-5-6…“ konzerne „Ihre“ Kunden mit Wucherartigen Profit abzocken. AirBnP oder booking come, oder uber und viele ähnliche sollen bis zu 25 % für Ihre IN-Leistungen rauspressen !!!!!
    Warum schweigen und verschweigen dies immer unsere so tollen „new life“ presse und nachrichter firmen ??? wohl „Schweigegelder“ kassiert ???

    • Was heißt rauspressen? Die Gebühren sind bekannt und können jederzeit nachgelesen werden. Wem diese nicht passen, macht dort eben keine Geschäfte. Ich kann hier kein Problem erkennen.

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