Knapp 43 ct kostet eine Kilowattstunde (kWh) Strom für Neukunden derzeit. Einen Teil des eigenen Verbrauchs mit einer Photovoltaikanlage (PV) auf dem eigenen Dach zu decken, dürfte sich doch immer lohnen – oder?

Vergleichsportale vermitteln momentan auch kurzfristig noch Firmen, die PV-Anlagen montieren. So könntest Du noch im Winter zum Wunschkraftwerk kommen. Dabei solltest Du aber vorsichtig sein und genau nachrechnen.

Nicht mehr als 1.800€ pro kWp zahlen

Denn solche Anlagen sind deutlich teurer geworden. Wir haben beispielhafte Angebote für ein Haus in Berlin eingeholt – oft werden hier Preise von über 2.500€ netto pro Kilowattpeak (kWp) aufgerufen. Zum Vergleich: Wir, aber auch CO2-Online, empfehlen, nicht mehr als 1.800€ netto pro kWp zu zahlen. Falls Du planst, in Deine eigene PV-Anlage zu investieren, solltest Du deshalb genau nachrechnen. Hier ein Beispiel:

  • Du willst eine PV-Anlage zur Eigennutzung und speist überschüssigen Strom ins Netz ein.
  • Du investierst in eine 32,5 qm große PV-Anlage mit 6,5 kW Leistung.
  • 1.950 kWh des erzeugten Stroms verbrauchst Du selbst, 4.550 speist Du ins Netz ein und bekommst dafür 8,2 ct pro kWh.
  • Deine Anlage verursacht im Jahr außerdem 250€ Wartungskosten, die angenommene Betriebsdauer liegt bei 20 Jahren. So lange ist die Einspeisevergütung garantiert, Du solltest also mit diesem Zeitraum kalkulieren. Außerdem läuft die Garantie häufig 20 Jahre.
  • Finanztip empfiehlt: Rechne mit einem Strompreis von 30 ct pro kWh. Derzeit sind die Strompreise im Vergleich der letzten Jahre relativ hoch. Trotzdem solltest Du konservativ rechnen, denn der Strompreis kann in Zukunft auch wieder sinken. Wenn sich die PV-Anlage bei 30 ct pro kWh rentiert, klappt es auf jeden Fall und Du zahlst nicht drauf.

Bezahlst Du in diesem Beispiel pro kWp 1.800€ netto, hat sich Deine PV-Anlage nach 16,5 Jahren refinanziert. Über 20 Jahre erzielst Du so zwar nur eine Rendite von 1,89% pro Jahr – dieses Szenario ist dafür aber quasi schon der Worst Case. Bezahlst Du dagegen wie in unserer Recherche 2.500€ netto pro kWp, amortisiert sie sich erst nach knapp 23 Jahren. Du wärst also auf jeden Fall außerhalb der angepeilten 20 Jahre. Bringt die PV-Anlage nicht die optimale Leistung, z. B., weil sie verschattet oder nicht optimal nach Süden ausgerichtet ist, bist Du schnell in einem Bereich, in dem sie wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Hoher Eigenverbrauch hilft

Zwar geht es vielen bei einer PV-Anlage auch darum, klimafreundlich Strom zu erzeugen. Draufzahlen möchtest Du höchstwahrscheinlich aber nicht – ganz abgesehen davon, dass Du für das Geld wahrscheinlich woanders mehr Rendite bekommen hättest.

Wir raten deshalb, konservativ zu planen und nicht mehr als 1.800€ netto pro kWp auszugeben, damit sich die Anlage aus unserem Beispiel sicher rentiert. Übrigens: Ab 2023 ist brutto hier gleich netto, da künftig die Umsatzsteuer für den Kauf der PV-Anlage bei null liegen soll. Und: Je höher Dein Eigenverbrauch ist, desto schneller rentiert sich die Anlage. Denn Du sparst teuren, zugekauften Strom.

Arbeitest Du im Homeoffice, hast ein E-Auto, das man tagsüber laden kann oder heizt Du mit einer Wärmepumpe mit intelligenter Steuerung, kannst Du den Eigenverbrauch maximieren.

Genau auf Kleingedrucktes achten

Vergleiche in jedem Fall Angebote und achte dabei auf das Kleingedruckte und die Rechenannahmen. Ein Beispiel: Rechnet man bei unserer Test-Anlage mit 2.500€ netto pro kWp, aber statt 30 ct pro Kilowattstunde mit einem Strompreis von 45 ct, amortisiert sich die Anlage nicht nach rund 23, sondern nach etwa 16 Jahren.

Prüfe deshalb ganz genau, mit welchen Werten die Anbieter in Beispielrechnungen kalkulieren. Wie der Strompreis künftig aussieht, ist kaum vorherzusagen. Manche Anbieter rechnen aber trotzdem mit 45 ct pro kWh und einer jährlichen Strompreissteigerung von 4,7%. Da rechnet sich eine PV-Anlage natürlich schnell – aber nur auf dem Papier.

Frag auch bei lokalen Anlagenbauern nach

Vergleiche auf jeden Fall online Preise, bei Finanztip empfehlen wir selfmade-energy* und photovoltaik-angebotsvergleich*. Hol Dir dort mindestens ein Angebot – und vergleich es mit dem, was Anlagenbauer aus Deiner Region anbieten. Der Unterschied kann momentan bei mehreren Tausend Euro liegen. Achte außerdem darauf, wie lange die Garantie auf problematische Bauteile wie den Wechselrichter und (falls vorhanden) den Batteriespeicher gilt.

Kosten, Förderung, Montage: Hier erfährst Du das Wichtigste rund um eine PV-Anlage für Dein Dach.

Emil Nefzger
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6 Kommentare

  1. 1800 Euro pro KWP, wo gibt es das?
    Gilt die Rechnung inklusive Speicher?
    Ich habe bis jetzt nur Angebote über 5000 Euro pro KWP bekommen. inklusive 10KWH Speicher.

  2. Hallo
    Durch Bekannten bin ich auf Enpal Aufmerksam geworden, bei ihm baut Enpal jetzt eine 10kw auf (meine mit Speicher) ,er muss in Zukunft 249€ zahlen im Monat (Miete), das klingt ganz schön viel, auch wenn der Betrag 20 Jahre bleibt.
    Ich selber hatte eigentlich auch interesse und sogar einen Online Termin, aber nachdem was ich alles gelesen habe, möchte den Termin lieber absagen.
    Habe eine älteres Haus, Verbrauch liegt bei knapp 3300kmh im Jahr, zur Zeit zahle ich 39,5 cent pro kwh. Es wird mit Gas geheizt, da sich in dem alten Haus eher keine Wärmepumpe lohnt, evt mal Gasttherme mit Solar Hilfe oder ähnlichen.

    Das mit Enpal klingt halt schön, da 20 Jahre Garantie mit Wartung usw mit drin sind, aber die Anlage wird über 20 Jahre ganz schön teuer.
    Denke wenn überhaupt muss ich mich besser informieren wie hier und über einen Kauf incl Montage nachdenken, evt lohnen sich da günstige Kredite ja auch.

  3. Hallo Herr Nefzger,
    auch ich bin großer Freund von Finanztip. Können Sie die 1800,.€ genauer aufschlüsseln was hierin enthalten ist -Welche Leistungen dies beinhaltet?
    Sind dies incl. MwSt. ?

    Herzlichen Dank für Info

  4. Hi,

    ich finde die Finanztip-Infos & -Videos zwar fast immer sehr gut, aber diese Rechnung kann ich nicht exakt nachvollziehen (Amortisation nach 16.5 Jahren)…

    Abgesehen davon nimmt man häufig an, dass der Wechselrichter nach ca. zehn Jahren getauscht werden muss. Ist das in den 250 Euro pro Jahr enthalten?

    1. Beim Selbstverbrauch spart man pro kWh 21.8 Cent (30 Cent minus entgangener 8.2 Cent). Wenn ich stattdessen mit 30 Cent rechne (falsch), kommts ungefähr hin. Aber so ist das nicht korrekt…

      1. Das stimmt so leider nicht. die 30ct sparen Sie da Sie diese nicht beim lokalen Stromanbieter für die kWh bezahlen müssen. Sie vergleichen in ihrer Rechnung nur die unterschiedlichen Möglichkeiten der Amortisation. In diesem Fall geht es aber darum ob es sich lohnt eine Anlage zu kaufen oder nicht. Wenn Sie die Anlage haben, dann haben sie die Wahl zwischen einspeisen (8,2ct) oder selbst verbrauchen (30ct).

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