Germania am Boden
Germania am Boden. Bild: Monika Skolimowska / dpa-Zentralbild / dpa

Und wieder ist eine Airline insolvent, diesmal trifft es Germania. Leider gibt es für Fluggesellschaften bis heute keine gesetzlich vorgeschriebene Insolvenzversicherung wie bei Pauschalreisen. Fluggäste sind dennoch nicht völlig machtlos.

Pauschalreisende sind sicher

Falls Sie Ihren Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, muss Ihr Reiseveranstalter für Ersatz sorgen. Wenden Sie sich direkt an ihn.

Wenn Sie irgendwo festsitzen

Hatten Sie auf eigene Faust gebucht und sind schon im Urlaub, müssen Sie sich jetzt selbst um einen Rückflug kümmern. Mehrere Airlines bietet dabei ihre Hilfe an. Die Lufthansa will Germania-Geschädigten Rückflüge für 50 Euro plus Steuern innerhalb Europas anbieten (je nach Verfügbarkeit), aus dem Nahen Osten für 200 Euro plus Steuern. Bei Eurowings und Tuifly erhalten Kunden im Anschluss die Hälfte zurückerstattet.

Das Geld zurückfordern von der Germania

Falls Sie den Flug mit Kreditkarte gezahlt haben, können Sie ein „Chargeback“-Verfahren auslösen. Das dient dazu, ungerechtfertigte Buchungen zurückzuholen. Visa und Mastercard zählen ausdrücklich Insolvenzen dazu. Wenden Sie sich an Ihre Bank, nicht an die Kreditkartenfirma. Die hält ein Formular fürs Chargeback vor.

Allerdings müssen Sie für ein Chargeback in der Regel nachweisen, dass Sie versucht haben, das Geld vom Reisevermittler oder von Germania zurückzukriegen. Mindestens benötigen Sie eine Mitteilung, dass Ihr Flug nicht stattfindet.

Im Fall der Insolvenz von Air Berlin wissen wir von mehreren Kunden, bei denen das Chargeback geglückt ist. Zumindest wenn sie direkt bei der Airline gebucht hatten. Dass Fluggäste später aus der Insolvenzmasse entschädigt werden, ist hingegen eher unwahrscheinlich.

Geld zurück vom Reisevermittler

Schwieriger ist es bei Reisevermittlern, denn viele widersprechen dem Chargeback. Wenn der Vermittler mit seinem Widerspruch nicht durchkommt, kann es sein, dass er von Ihnen das Geld zurückverlangt – und mit Inkasso droht.

Uns ist ein Fall bekannt, bei dem ein Kunde den Reisevermittler durch seine Entschlossenheit vom Inkasso abgebracht hat. Die Rechtslage ist leider völlig offen. Mehr dazu und einen Musterbrief finden Sie hier.

Übrigens: Während Germania keine Paypal-Zahlungen annahm, tun das viele Reisevermittler. Dann können Sie den Käuferschutz von Paypal in Anspruch nehmen. Rechtlich liegt der Fall dann genauso wie beim Chargeback.

Das Chargeback-Kleingedruckte

Immer wieder fragen uns Leser, wo Mastercard und Visa Hinweise darauf geben, wie sie Chargeback im Fall von Insolvenzen regeln. Das ist tatsächlich nur sehr schwer zu finden. Bei Mastercard steht es im Chargeback-Guide – und zwar ab Seite 49. Der Guide ist komplett auf Englisch. Dort heißt es, ein möglicher Grund für Chargeback ist: „Travel services arranged through an online travel agency or tour operator were not received and the travel agency or tour operator is no longer in business.“ Übersetzt heißt der entscheidende Teil dieses Satzes, dass es ein Grund für Chargeback ist, wenn eine Reiseleistung nicht erhalten wurde und entweder das Reisebüro oder das ausführende Unternehmen nicht länger im Geschäft ist.

Bei Visa finden sich die entsprechenden Hinweise in den Visa Rules, auch auf Englisch – und zwar ab Seite 688. Hier wird als Bedingung für ein Chargeback genannt: „The Cardholder participated in the Transaction but the Cardholder or an authorized person did not receive the merchandise or services because the Merchant or Prepaid Partner was unwilling or unable to provide the merchandise or services.“ Hier ist die entscheidende Formulierung, dass der Anbieter nicht Willens oder nicht fähig ist, den Service anzubieten.

Bei beiden Kartenanbietern folgen auf die ausgewählten Zitate eine Reihe von weiteren Ausführungshinweisen. Das ist leider etwas kompliziert, weil juristisch formuliert – und für Verbraucher nicht gerade sehr transparent gefasst.

13 KOMMENTARE

  1. Sehr geehrter Hr. Urbach, bezieht sich Ihr Hinweis des Charge Back auch auf American Express ( d. H. bezahlen eines Fluges über diese Kreditkarte )

    • Zu American Express haben wir leider keine Informationen, wie die das Thema Insolvenzen bei Chargeback handhaben. Probieren Sie es am besten aus.

  2. Sehr geehrter Herr Urbach,
    vielen Dank für die Informationen mit der Kreditkarte. Sie sind die Ersten, die dieses endlich mal richtig aufarbeiten. Haben Sie auch Informationen darüber, innerhalb welcher Frist man die Ansprüche geltend machen kann? Hier liest man immer von maximal 540 Tagen.

  3. M.E. muss nicht mal eine Insolvenz vorliegen. Keine vollständige Leistung = kein Geld.

    Ich habe in völlig anderen Bereichen den Betrag bei der Abbuchung auf der Kreditkarte geblockt. Für den Fall, dass die Zahlung bei Germania erst kürzlich erfolgt ist, geht das schneller. So habe ich die Rechnung eines Hotels geblockt, die in Hinsicht einer ordnungsgemäßen Rechnung“ fehlerhaft war und auch die Rechnung eines großen Mietwagenverleihers, der mir einen Wagen mit nicht vollem Tank übergegen habe, welches ich beim Volltanken vor der Rückgabe bemerkt hatte. Weder Hotel noch Mietwagenverleiher waren einsichtig, dafür aber ohne Rückfragen Mastercard, die mir den Betrag nicht abgebucht haben.

  4. Ich habe mit VISA gebucht. Flug wäre im Juli. Habe die Bank auf o.g. Visa Rules angesprochen. Die Bank sagt, man soll sich beim Insolvenzverwalter melden. Außerdem ist der Flugtermin im Juli abzuwarten. Danach hat man 14 Tage, Zeit den Chargeback einzuleiten. Erfolg aus Sicht der Bank sehr gering. Ein Chargebackverfahren jetzt wurde abgelehnt. Wie ist die Antwort woanders?

  5. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe über Seat24 per Sofortüberweisung Germania Tickets gekauft. Gibt es in diesem Fall eine Chance das Geld zurück zu bekommen?

  6. Sehr geehrter Herr Urbach,
    ich habe auch für dieses Jahr bei Germania über
    einem Reisebüro für August buchen lassen. Er,
    also der Reisevermittler hat von seinem Konto
    das Geld abbuchen lassen und ich die Summe
    vor Ort bezahlt.
    Meine frage wäre ob der Reisevermitter für mich
    ein Chargeback machen kann\darf?

    • Lieber Kemal,

      die Frage ist eher, ob nicht Ihr Reisebüro sowieso in der Pflicht ist, Ihnen Ihr Geld zu erstatten.
      Haben Sie nur den Flug gebucht? Oder noch etwas dazu? Und haben Sie das mit einer Rechnung bezahlt? Falls ja, kann es sein, dass es sich um eine Pauschalreise handelt (ganz egal, ob das Resiebüro das so wollte oder nicht). Und dann wäre Ihr Reisebüro in der Pflicht, auf eigene Kosten einen neuen Flug zu besorgen.

      Mehr dazu hier:
      https://www.finanztip.de/blog/neues-pauschalreiserecht-was-aendert-sich-fuer-verbraucher/#ungewollte-pauschalreise

      Beste Grüße!

      • Hallo Herr Urbach,
        vielen Dank für die schnelle Antwort.
        Ich habe im Reisebüro nur den Flug gebucht, vor Ort bezahlt. Anschließend hat
        er als Nachweis ein *.pdf Dokument als Rechnung erhalten. Wie kann ich anhand
        der Rechnung sehen, ob es sich um eine Pauschalreise handelt, ist da eine bestimmte
        Kennung mit drauf? Ich werde mal hingehen und die Rechnung anfordern.

        Schöne Grüße

        Kemal

  7. Hallo! Wenn alles so einfach wäre… Meine Frau war heute morgen bei der Commerzbank. Dort hat man von Chargeback noch nie was gehört… Kommt vielleicht nicht oft genug vor.

  8. Hallo Hr. Urbach,
    es würde mich auch interessieren, was es mit der Frist von 540 Tagen auf sich hat.
    Wir habeb uns Flug, im Juli 2018 mit der MasterCard gebucht.
    Haben wir über Chargeback die Chance, unsere Zahlung zurück zu bekommen ?
    Herzlichen Dank für Ihre Antwort im Voraus.

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