Wie böse ist Dein Aktienpaket?

Hendrik Buhrs Stand: 20990 2
Windkraft
Bild: acilo / GettyImages

Viele haben Berührungsängste mit Aktien, wollen nicht an Firmen beteiligt sein, die etwa Angestellte schlecht behandeln oder die Umwelt ruinieren. Doch seit einiger Zeit gibt es ETFs auf Nachhaltige Unternehmen. Das hat so manchen motiviert, sich neu mit ETF-Sparen zu beschäftigen. Doch wer in den Firmenverzeichnissen dieser ETFs stöbert, muss sich oft wundert: Wieso ist da Nestlé drin? Wieso der Flughafen Sydney ? Oder wieso Shell? Die wirtschaften doch nicht nachhaltig!

Gute Fragen, schwierige Antworten

Doch, tun sie. Oder nicht. Je nach Auslegung des Wortes „nachhaltig“. Beim Investieren soll es drei Konzepte in Einklang bringen: Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Das Thema hat aber so viele Facetten, dass es enorm schwierig ist, die eine Definition zu finden, die für alle passt. Die EU arbeitet zwar an einer verbindlichen Einteilung, kann aber an diesem Grundproblem nichts ändern.

Denk etwa an Volkswagen: Sollte der Autobauer wegen des Dieselskandals aus Deinem Fonds fliegen? Und weil das meiste Geld weiter mit Verbrennern gemacht wird? Oder ist VW gerade ein Vorbild, weil der Konzern ambitioniert Richtung Elektro umsteuert?

Dazu kommen Grundsatzfragen, zum Beispiel: Sind Atomkraft oder Gentechnik nachhaltig oder nicht – und sollen sie ins nachhaltige Depot?

Von hellgrün zu dunkelgrün

Es gibt viele Möglichkeiten, das zu entscheiden – und deshalb viele Schärfegrade unter den nachhaltigen Fonds. Hinzu kommt: Die Fonds sind unterschiedlich breit aufgestellt und unterschiedlich teuer. Schaust Du nicht genau hin, landest Du bei einem teuren aktiven Fonds, der laxe Kriterien anlegt. Gerade in diesen Verdacht geraten ist die deutsche DWS: Gegen sie ermitteln US-Behörden wegen „Greenwashing“ – also den Versuch, etwas grün aussehen zu lassen, das gar nicht grün ist.

Unsere Finanztip-Empfehlung für nachhaltige ETFs

Was heißt das für Dich? Finanztip hat sich bewusst für einen Mittelweg entschieden. In unseren Empfehlungen und im ETF-Rechner findest Du Fonds, die Extreme vermeiden. Sie sortieren beherzt aus und lassen im Vergleich zu normalen ETFs drei Viertel der Unternehmen weg. Dabei bleiben sie aber kostengünstig und so breit über viele Branchen aufgestellt, dass Krisen in einzelnen Konzernen oder Märkten abgefedert werden. Kennzahlen wie der CO2-Fußabdruck sind deutlich besser als beim Marktschnitt. Und ihre jährliche Rendite lag zuletzt ähnlich gut wie die ungefilterter weltweiter Fonds.

Uns ist noch ein Gedanke wichtig: Muss man nachhaltig anlegen? Wird die Welt davon besser? Es gibt zwei typische Missverständnisse von Anlegern: Ihr Geld fließt mitnichten in die Konzerne selbst. Und ein Aktienverkauf führt nicht automatisch zu einer anderen Firmenpolitik. Wenn aber sehr viele Anleger eine Firma aus dem Portfolio schmeißen, dann kann sie schon unter Druck geraten. Mehr Aspekte findest Du hier.

Eins ist klar: Ob Du etwa mit einem Autokonzern im Fonds Rendite machen willst, entscheidest natürlich Du. Ganz ohne Kompromisse und Recherche geht es dabei nicht. Wie Du dabei vorgehen kannst, haben wir Schritt für Schritt für Dich aufgeschrieben.

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Hendrik Buhrs
Autor

Stand:

Redakteur im Team Bank und Versicherung. Vor seiner Zeit bei Finanztip berichtete er für die Radioprogramme des Hessischen, später des Westdeutschen Rundfunks über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Hendrik hat in Münster und Exeter VWL studiert. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er bei Radio Q und im Lokalfunk Recklinghausen. Gespartes Geld investiert er gern in Reisen.

2 Kommentare

  1. Bitte korrigieren. Nicht nachhaltig, ist nicht böse. Böse ist eine politische Wertung. Ich mag zum Beispiel Waffenhersteller die unsere Polizisten und Soldaten ausrüsten und finde das nicht böse.
    Zu meiner persönlichen Freiheit gehört kaffee, kakao, Zigarren, Whisky, preiswerte Energie, Flugreisen, Fleisch und vieles mehr und das ist Alles nicht böse, sondern gut.

    1. Hallo Martin,
      ich würde gerne unsere Wortwahl erklären. Zum einen steht das „böse“ in der Überschrift in einer Frageform. Welche Antwort zu einem konkreten Depot auf diese Frage gegeben wird, ist dann doch ein zentrales Thema des Artikels … dass dies eben sehr im Auge des Betrachters liegt, und man nur schwerlich die unterschiedlichen Werturteile über einen Kamm scheren kann. Sie geben ja einige Beispiele. Atomenergie und Gentechnik habe ich im Text genannt. Eine andere Frage ist, inwiefern man böse und nachhaltig gegenüberstellen kann. Allerdings dürften viele nachhaltig orientierte Anleger das Wörtchen „gut“ für sich reklamieren, deshalb denke ich, dass dann auch „böse“ als Denkanstoß in Ordnung geht.
      Freundliche Grüße,
      Hendrik Buhrs

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