Verstärkt Trumps Fiskalpolitik das Währungsrisiko für Nicht US-Anleger?

  • Ein fröhliches Hallo in die Runde!
    Ja, genau das ist die Frage, die mich seit geraumer Zeit umtreibt:

    Verstärkt Trumps Fiskalpolitik das Währungsrisiko für Nicht US-Anleger?

    Seit der 2. Amtszeit von Donald Trump hat dieser rd. 160 der über 250 Positionen des "Project 2025" umgesetzt, welche die Heritage Foundation in den letzten Jahren ausgearbeitet hatte. Project 2025 ist ein politischer Plan zur Umgestaltung der US-Bundesregierung und zur Konsolidierung der Exekutivgewalt zugunsten einer rechtsgerichteten und radikal evangelikalen Politik.

    Hierzu gehört im Kern auch die Destabilisierung des US-Dollars um so den Umbau günstig zu finanzieren. So ist auch Trumps vielfach kolportierte Idee zu verstehen, dass durch die massive und bewusst herbeigeführte Abwertung des Dollars die im Umlauf befindlichen US-Staatsanleihen sich sozusagen "automatisch" zu einem quasi 0%-Kupon mit einer Laufzeit von 100 Jahren umwandeln, um so billiges Geld für den Staatsumbau generieren zu können.

    Dass dieses Ziel ernsthaft verfolgt wird, lässt sich an der bisherigen Abwertung des US-Dollars allein in 2025 sehr gut erkennen.

    Da nun aber nahezu 85% aller ETFs die wir hier so gerne besparen in US-Dollar notieren, ist diese Tendenz für unsere Rendite auf den Eurokurs schlecht und könnte sich in den kommenden Monaten noch deutlich weiter verschlechtern.

    Wie seht ihr denn das, haltet ihr eure Anteile (Buy and hold) oder denkt ihr über Alternativen nach (ETFs die in EURO notieren, Hedged ETFs...)?

  • Da nun aber nahezu 85% aller ETFs die wir hier so gerne besparen in US-Dollar notieren, ist diese Tendenz für unsere Rendite auf den Eurokurs schlecht und könnte sich in den kommenden Monaten noch deutlich weiter verschlechtern.

    Wie seht ihr denn das, haltet ihr eure Anteile (Buy and hold) oder denkt ihr über Alternativen nach (ETFs die in EURO notieren, Hedged ETFs...)?

    In welcher Währung der ETF notieren spielt keine Rolle. Wichtig ist was in den ETF drin steckt. Und wenn der ETF 60% USA beinhaltet, hängt man eben auch zu 60% am US-Dollar.
    Und Währungsabsicherung machen exportorientierte Unternehmen dieser Welt ohnehin schon. Ich habe einige Jahre bei einem mittelständischen Maschinenbauer gearbeitet. Wenn es ein Projekt in Fremdwährung gab, wurde das entsprechend abgesichert. Geht auch gar nicht anders, wenn zwischen Auftragseingang und (Teil)Rechnungstellung teilweise Monate liegen.

    Langfristig gleichen sich die Währungsunterschiede eh wieder aus. Wie fuchsen schon schrieb. Langfristig auf die Charts schauen.

    PS: Als der Dollar jahrelang gegenüber dem Euro an Wert gewonnen hat, hat sich auch niemand darüber beschwert, dass die Renditen in Euro höher waren als in US$ ;)

  • PS: Als der Dollar jahrelang gegenüber dem Euro an Wert gewonnen hat, hat sich auch niemand darüber beschwert, dass die Renditen in Euro höher waren als in US$ ;)

    Nun, wer würde sich bei höheren Renditen denn auch schon beschweren wollen?
    Aber es stimmt, solange die USA im ETF das Schwergewicht ist, solange ist die Abwertung des US-Dollars ein Renditefresser.

    Natürlich haben langfristige Anleger in Sachen Währungsrisiko (wahrscheinlich) gut Lachen, da sich diese Differenzen im Laufe größerer Anlagezeiträume wieder nivellieren, nur der Anleger, der kurz- und mittelfristige Zeiträume im Fokus hat, ist in der aktuellen Situation gekniffen.

    Ich zum Beispiel habe Situationsbedingt einen Anlagehorizont von ca. 5 bis 8 Jahren - da sieht es mit den Währungsdifferenzen schon erheblich schlechter aus.

  • Ich zum Beispiel habe Situationsbedingt einen Anlagehorizont von ca. 5 bis 8 Jahren - da sieht es mit den Währungsdifferenzen schon erheblich schlechter aus.

    Da muss man sich ehrlich fragen, ob bei einem solchen Anlagehorizont die Anlage in Aktien generell die richtige Wahl ist. :/
    Zumindest sollte man über den Anteil den Aktien im Anlagebaustein ausmachen nachdenken. Es gab eben auch mal lange Jahre in denen mit marktbreiten Aktieninvestments gar keine Renditen erzielt wurden. Und da spielten Währungsdifferenzen dann die kleinste Rolle.

  • Hierzu gehört im Kern auch die Destabilisierung des US-Dollars um so den Umbau günstig zu finanzieren.

    Ob sich Trump wirklich gleich die "Destabilisierung" des Dollar wünscht, vermute ich eher nicht. Die Stellung als Leitwährung bietet dafür zu viele Vorteile. Denke, es geht ihm eher um einen relativ "weichen" Dollar.

    Ganz zu Ende gedacht erscheint mir das aber nicht. Dabei kann beispielsweise die sog. "importierte Inflation" (via erforderlicher Importe) zum Problem werden oder beispielsweise auch die Halter von US-Staatsanleihen irgendwann höhere Zinsen fordern, wenn ihre Anleihen bei Fälligkeit mit einem immer "weicheren" Dollar zurückgezahlt werden - um nur zwei der möglichen negativen Aspekte anzusprechen.

    Kann mich noch gut erinnern, als klassische Weichwährungsländer in Europa (Beispiel: Italien) 15 oder 20 Prozent Zinsen auf ihre 10-jährige Staatsanleihen gezahlt haben (präziser zahlen mußten). Anders waren diese nicht am Markt zu platzieren, weil in italienischer Lira zurückgezahlt wurde ...

    Auch Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed (beispielsweise durch eine von Trump bezüglich der Fed orchestrierte Personalpolitik) könnte für einen noch "weicheren" Dollar sorgen. Im Extremfall - Trump macht aus der Fed einen reinen Erfüllungsgehilfen seiner Politik - sogar zur einer dann tatsächliche "Destabilisierung des Dollar" (ggf. auch als Weltleitwährung).


    Last but not least: Nach meinen Erfahrungen ist nichts so schwer zu antizipieren, wie die Wechselkurse von Währungen (die absoluten "Schrottwährungen" vielleicht mal ausgenommen, da liegt man mit einer Prognose "immer weiter nach unten" in der Regel richtig).

  • Da muss man sich ehrlich fragen, ob bei einem solchen Anlagehorizont die Anlage in Aktien generell die richtige Wahl ist. :/

    Aber Ja! Die Anlage in Aktien ist auch bei Kurz- bzw. Mittelfristigen Zeiträumen immer noch die bessere Wahl!
    Natürlich passt die "übliche" Buy-and-hold Strategie nicht (mehr) und man verwendet andere Strategien.

    Doch abseits aller Strategien lässt sich festhalten, dass

    ... Trumps Fiskalpolitik einen durchaus signifikanten Einfluß auf die Rendite von ETFs hat, welche ihren Schwerpunkt in den USA haben

    ... Kurz- und Mittelfristige Anlagen hierdurch deutlich stärker betroffen sind, als Anlagezeiträume die mehrere Dekaden umfassen

    ... Ein Währungsrisiko ggf. durch entsprechende wohlbekannte Gegenmaßnahmen zumindest etwas abgemildert werden kann.

    Der US-Dollar wird gegenüber dem EURO ansteigen.
    Sagt meine Frau. Da hoffe ich mal, dass sie richtig liegt…

    Also, damit wettet sie zumindest aktuell gegen den bisherigen Trend. Ich drücke Ihr (und mir) die Daumen!