Andreas Beck: Staatsanleihen rollen eine steile Zinskurve herunter

  • Das wird auch hier wieder thematisiert:

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    Verständnisfrage:

    Wenn aus einer 5 jährigen Restlaufzeit nach einem weiteren Jahr Haltedauer eine vierjährige Restlaufzeit wird, dann sollen solche Anleihen angeblich eine - sofern an dieser Stelle der Zeitachse gegeben - steile Zinskurve herunterrollen. D.h. deren Umlaufrendite müsste steigen. Weil sie bei gegebener Verzinsung gegenüber Neu-Emissionen attraktiver werden und ihre früheren Werte im Vergleich zu anderen Staatsanleihen, die zu anderen Zeiten mit anderen Zinskonditi8nene. emittiert wurden, bereits angepasst wurden.

    Ich konnte das aber anhand der Kurse von laufenden Deutschen Staatsanleihen nicht erkennen. Vielleicht habe ich etwas übersehen.

    Kann das jemand vielleicht an einem Beispiel näher erläutern?

  • Ich schaue das Video gar nicht an. Aber was du beschreibst, kenne ich so:

    Bei einer normal (steil) ansteigenden Zinskurve bedeutet „Roll-down“ nicht, dass die Umlaufrendite steigt, sondern sie fällt UND der Kurs steigt. Der Effekt ist: Eine 5-jährige Anleihe wird nach einem Jahr zu einer 4-jährigen und rutscht damit auf einen niedrigeren Renditepunkt der Kurve (bei sonst gleichen Bedingungen). Sie wird also wertvoller, nicht unattraktiver.
    Wenn du das in den Kursen kaum siehst, liegt das oft daran, dass der Effekt relativ klein ist und von Zinsbewegungen, Spreads, Kupon, Angebot/Nachfrage oder einer flachen Kurve überlagert wird.

    Ich mache mal ein fiktives Beispiel:

    4-jährige rentieren mit 2,5 %
    5- jährige rentieren mit 3,2 %

    Du kaufst eine neue 5-jährige Anleihe für nominal 100 , Koupon 3,2 %.

    Nach einem Jahr ist das Zinsniveau zufälligerweise gleich geblieben, deine Anleihe hat 4-Jahre Restlaufzeit aber immer noch Koupon 3,2 %.
    Somit muss ihre Notierung an der Börse über 100 steigen.

  • Danke für dir Korrektur bezüglich der Umlaufrendite.

    Es kann sein, dass der Einbruch im März letzten Jahres den Kursverlauf für das letzte Jahr optisch so sehr beeinflusst hat, dass die Sichtbarkeit des "roll-down"-Effekts überlagert wurde. Ich schaue mir das noch einmal an. Bei anderen deutschen öffentlichen Anleihen - von einzelnen Bundesländern - war das besser erkennbar.

  • Ich konnte das aber anhand der Kurse von laufenden Deutschen Staatsanleihen nicht erkennen. Vielleicht habe ich etwas übersehen.

    Du hast bspw. übersehen, dass das Zinsniveau nicht statisch ist, sondern sich zuletzt jede Anleihe zum Zeitpunkt X in einem völlig anderen Zinsniveau mit einer ganz anderen Zinskurve wiedergefunden als ein Jahr vor X. Teils gab es jüngst auch eine inverse Zinskurve! Dass sich da Effekte überlagern und einzelne Effekte nicht klar identifizierbar sind, dürfte klar sein.

    Außerdem ist die Zinskurve momentan sehr flach, wie auch Tomarcy schon schrieb. Wie soll man da einen großen Effekt sehen


    Grds., auch hier, wie so oft und von mehreren, der Hinweis: Beschäftige Dich doch bitte ein bisschen mit den Grundlagen, bevor Du mit staunenden Augen Fragen aufm Hochseil stellst.

  • Du hast bspw. übersehen, dass das Zinsniveau nicht statisch ist, sondern sich zuletzt jede Anleihe zum Zeitpunkt X in einem völlig anderen Zinsniveau mit einer ganz anderen Zinskurve wiedergefunden als ein Jahr vor X. Teils gab es jüngst auch eine inverse Zinskurve! Dass sich da Effekte überlagern und einzelne Effekte nicht klar identifizierbar sind, dürfte klar sein.

    Außerdem ist die Zinskurve momentan sehr flach, wie auch Tomarcy schon schrieb. Wie soll man da einen großen Effekt sehen


    Grds., auch hier, wie so oft und von mehreren, der Hinweis: Beschäftige Dich doch bitte ein bisschen mit den Grundlagen, bevor Du mit staunenden Augen Fragen aufm Hochseil stellst.

    Ist der letzte Satz so eine Art "Posing in einem Finanzforum"? Willst Du mir damit sagen, dass Du mehr Ahnung hast ("der Platzhirsch bist") und andere sich bei solchen Themen gefälligst zurückhalten sollten? Läuft das auch hier so ähnlich wie im Fitnessstudio und bei den Auto-Schraubern? Ist ja niedlich.

    Wesentlich zweckdienlicher - und gar nicht so kompliziert - wäre es gewesen, auf US Staatsanleihen zu verweisen. Und zusätzlich auf die Information, dass kurz vor Fälligkeit die Annäherung an den Nominalwert stattfinden muss und daher der "roll-down" Effekt vorher eingepreist werden muss.

    Z.B. diese US Staatsanleihe:

    https://www.comdirect.de/inf/anleihen/US91282CFB28

    2,75% Nominalzinssatz plus 2,5% Kursgewinn = 5,25% Rendite im letzten Jahr (in US Dollar gerechnet)

    Einmal editiert, zuletzt von KaffeeOderTee (8. Februar 2026 um 07:11)

  • Wesentlich zweckdienlicher - und gar nicht so kompliziert - wäre es gewesen, auf US Staatsanleihen zu verweisen. Und zusätzlich auf die Information, dass kurz vor Fälligkeit die Annäherung an den Nominalwert stattfinden muss und daher der "roll-down" Effekt vorher eingepreist werden muss.

    Z.B. diese US Staatsanleihe:

    https://www.comdirect.de/inf/anleihen/US91282CFB28

    2,75% Nominalzinssatz plus 2,5% Kursgewinn = 5,25% Rendite im letzten Jahr (in US Dollar gerechnet)

    Worin, meinst Du, unterscheiden sich denn die Mechanismen zwischen deutschen Bundesanleihen und US-Staatsanleihen, sodass Du hier etwas erkennst, was woanders im Dunkeln liegt?

  • Worin, meinst Du, unterscheiden sich denn die Mechanismen zwischen deutschen Bundesanleihen und US-Staatsanleihen, sodass Du hier etwas erkennst, was woanders im Dunkeln liegt?

    Es ging mir nur um den Hinweis von Dir:

    Außerdem ist die Zinskurve momentan sehr flach, wie auch Tomarcy schon schrieb. Wie soll man da einen großen Effekt sehen

    Die Zinsstruktukurve für US Staatsanleihen ist extrem steil. Da kann man den "roll-down" Effekt daher besser sehen. Oder bist Du anderer Meinung?

  • Die Zinsstruktukurve für US Staatsanleihen ist extrem steil. Da kann man den "roll-down" Effekt daher besser sehen. Oder bist Du anderer Meinung?

    Der Spread zwischen 1 und 10 Jahren ist bei US Treasuries aktuell etwa 0,8 Prozentpunkte. Ob das „extrem steil“ ist, gerade auch im historischen Vergleich, kannst Du Dir bspw. hier anschauen: https://www.ustreasuryyieldcurve.com


    Bei Bundesanleihen beträgt der Spread aktuell etwa … 0,7 Prozentpunkte … Du kannst das zB hier anschauen: https://www.boerse-stuttgart.de/de-de/tools/zinsstrukturkurven/


    Nun sage mir, lieber KaffeeOderTee, ob ein Delta von 0,1 Prozentpunkten zwischen einem und zehn Jahren Laufzeit den Kurvenverlauf „extrem“ verändert?

  • 2,75% Nominalzinssatz plus 2,5% Kursgewinn = 5,25% Rendite im letzten Jahr (in US Dollar gerechnet)

    Ich kann im Übrigen die Rechnung auch nicht nachvollziehen, wenn ich mir die von Dir benannte Anleihe anschaue - https://live.deutsche-boerse.com/anleihe/us9128…-22-27?mic=XFRA:

    Kursgewinn in 2025 / seit einem Jahr: 1,82 / 1,93 Prozentpunkte

    Kupon: 2,75 Prozent

    Damit Gesamtrendite in 2025 / seit einem Jahr: 4,57 / 4,68

    (Da ich nicht wusste, ob Du mit „im letzten Jahr“ das letzte 12-Monatsintervall oder das letzte Kalenderjahr meintest, habe ich mal beide Zeiträume genannt.)

  • Auf der Seite https://www.comdirect.de/inf/anleihen/US91282CFB28 steht im "1 Jahr Chart" ein Kursgewinn von 96,5 auf 99,0. Das müssten sogar 2,6 % auf Basis der 96,5 sein.

    Die kommen auf den Kupon mit drauf. Also 2,75 + 2,6 = 5,35

    Keine Ahnung, was da gerechnet und benannt wird … kannst Du mir das bitte auf der Basis der Originaldaten zeigen? Ich denke und rechne gerne selbst und ich kam bei der Betrachtung der Originaldaten auf mein Ergebnis … das sich zufälligerweise auch ziemlich mit dem deckt, was auf Basis der Zinsstrukturkurve von vor einem Jahr (die kannst Du auf der oben von mir verlinkten Seite anschauen) zu erwarten ist.


    Ich sage es nochmal: Basics!


  • Ich sage es nochmal: Basics!

    Unwissende wissen häufig nicht, was sie nicht wissen und wie weit sie einerseits von der Basis und andererseits von der Erleuchtung entfernt sind.

    Wie schön, wenn die Unwissenden Fragen stellen.

    Wie schön, wenn es geduldige Menschen gibt, die ihnen ihr Niveau nicht nur vor den Latz knallen und nicht nur sagen, dass sie einer hilfreichen Antwort unwürdig sind sondern ihnen den Weg zur Erleuchtung weisen anstatt ihnen bloß mitzuteilen sie seien auf dem falschen.

    ETFs für Dummies spielt es auf Finanztip, Finanzfluss etc rauf und runter, da hat das Dummie die Stufe der Fragenerechtigung bald erklommen. Anleihen für Dummies sind rarer gesäht, da kommen dumme Fragen mitunter länger vor.

  • Ist der letzte Satz so eine Art "Posing in einem Finanzforum"? Willst Du mir damit sagen, dass Du mehr Ahnung hast ("der Platzhirsch bist") und andere sich bei solchen Themen gefälligst zurückhalten sollten? Läuft das auch hier so ähnlich wie im Fitnessstudio und bei den Auto-Schraubern? Ist ja niedlich.

    Ja, auch hier läuft es so (wie überall).

    Es könnte sein, dass durch die frühere Dominanz des jüngst weitergewanderten Platzhirschen die anderen nicht so sichtbar waren und diese die Lücke, die er hinterlassen hat, nun langsam füllen.

  • Die einfache Strategie für Privatanlegerinnen sieht so aus:

    1. Nur Anleihen „unter 100“ kaufen

    2. Sich die „Rendite“ bei Kauf notieren

    3. Steigt die Anleihe deutlich über 100: Halten bis Endfälligkeit, wenn die ursprünglich gewünschte Rendite weiterhin passt oder vorzeitig verkaufen, um Kursgewinne zu realisieren und ggf. in neue „unter 100“-Anleihen mit ähnlicher Laufzeit umzuschichten.

    4. Fällt die Anleihe: Nicht aus Kursgründen verkaufen, solange sich an der Bonität des Emittenten nichts wesentlich verschlechtert hat, die Rendite bis Endfälligkeit steigt dann sogar. Ziel bleibt: Halten bis zur Rückzahlung zum Nennwert.

    Wichtig: Verkäufe sollten sich an Rendite und Bonität, nicht an kurzfristigen Kursbewegungen orientieren.