ETF-Entnahmestrategie im Ruhestand

KI-Zusammenfassung

: Wie lässt sich für 500.000 € eine einfache Entnahmestrategie aufsetzen, wenn der Start in 3–5 Jahren geplant ist und Renten die Grundkosten decken?

Wie lässt sich für 500.000 € eine einfache Entnahmestrategie aufsetzen, wenn der Start in 3–5 Jahren geplant ist und Renten die Grundkosten decken?

  • Mehrere Beiträge sehen einen Cash-Puffer von fünf bis acht Jahresausgaben als sinnvoll, damit in schwachen Börsenphasen weniger Aktien verkauft werden müssen.
  • Häufig genannt wird eine niedrigere Entnahmerate von 3,0 % statt 3,3 %, wenn das Depot über rund 30 Jahre möglichst erhalten bleiben soll.
  • Aus der Community kommen einfache Modelle wie jährlicher Kassensturz, flexible Vanguard-Regel oder bewusst variabler Konsum, während Dividenden, Steuern und Kapitalverzehr unterschiedlich bewertet werden.
  • Hier im Forum wird ja oft und gerne detailliert über einzelne ETF-Produkte und Portfolio-Allokationen diskutiert, jedoch vergleichsweise selten über Entnahmestrategien. Dabei gibt es ja offensichtlich einige, die stramm auf die Entnahmephase zugehen oder diese bereits gestartet haben. Daher würde ich gerne einen eigenen Thread dazu aufmachen, in dem eigene oder geplante Entnahmestrategien beschrieben und diskutiert werden können. Es soll dabei aber nicht um bestimmte ETFs, sondern mehr um die grundlegenden Konzepte gehen.

    Ich selbst starte mit dem, was ich vorhabe:

    Ich plane in ca. 3–5 Jahren den Beginn der Entnahmephase.

    Viele gängige Entnahmestrategien erscheinen mir sehr komplex und häufig US-dominiert. Dort muss der Lebensunterhalt meist zu einem sehr großen Teil aus dem Depot bestritten werden. Andere Konzepte kommen aus der "FIRE-Bewegung", bei der häufig Zeiträume von 50 oder mehr Jahren fast ausschließlich aus dem Depot finanziert werden sollen. Bei mir ist die Ausgangslage – wie vermutlich bei vielen Foristen – völlig anders. Ich habe Ansprüche aus gesetzlicher Rente, Betriebsrenten, Riester-Renten usw., die meine Basis-Fixkosten voraussichtlich decken werden. Hinzu kommt ein schuldenfreies Eigenheim. Das Wertpapierportfolio dient daher vor allem dem Komfort-Konsum. Zugleich soll es in meinem Fall in weiten Teilen für die nächste Generation erhalten bleiben. Zielsetzung ist somit nicht die mathematische Maximierung der Entnahmerate. Ich suche kein hochkomplexes Modell, das mit Excel-Tools und Monte-Carlo Simulationen den letzten Zehntelprozentpunkt Entnahmerate herausquetscht, sondern ein einfaches und intuitives Modell.

    Meine Prioritäten:

    • Da die Renten die Basis-Lebenshaltungskosten decken werden, kann ich etwas kürzertreten, wenn die Börse schlecht läuft. Läuft sie hingegen sehr gut, sind Sonderentnahmen möglich.
    • Das Portfolio soll für die nächste Generation möglichst erhalten bleiben. Nicht zwingend vollständig, aber doch zu weiten Teilen. In schlechten Marktphasen soll daher verhindert werden, dass das Depot durch zu hohe Entnahmen dauerhaft ausblutet.
    • Die Strategie soll einigermaßen einfach sein. Unterjährig möchte ich das Depot im besten Fall ignorieren können. Die Regeln sollen auch im höheren Alter noch verständlich bleiben.

    Ich nehme zu Beginn ein Portfolio von 500.000 EUR an, auch wenn es in Wirklichkeit vielleicht höher sein wird. Aber mit dieser runden Zahl rechnet es sich leichter.

    Angestrebte Allokation zu Beginn der Entnahmephase:

    • 75% Aktien-ETF-Portfolio = 375.000 EUR, in bzw. nach den ersten Entnahmejahren schrittweise Erhöhung auf 80-90%
    • 25% risikoarme Anlage als Cash-Puffer (z. B. Mischung aus Tagesgeld, Geldmarktfonds und/oder kurz laufende Bundesanleihen) = 125.000 EUR = anfänglich ca. 7 Jahre Entnahmebedarf mit schrittweiser Reduzierung auf 3–5 Jahre Entnahmebedarf

    Moderate Entnahmerate von 3,3%, also anfänglich 16.500 EUR p.a., mit jährlicher Anpassung als Inflationsausgleich um +2%

    In schlechten Börsenjahren, insbesondere zu Beginn, entnehme ich aus dem Puffer, um nicht nach starken Kursrückgängen Aktien verkaufen zu müssen. Das reduziert das Renditereihenfolgerisiko (schlechte Börsenjahre direkt zu Beginn). Wenn zu Beginn keine Krise eintritt, wird der Puffer trotzdem auf etwa 3-5 Jahre Entnahmebedarf abgebaut und somit die Aktienquote auf +80% angehoben.

    In guten Börsenjahren fülle ich den Cash-Puffer durch Verkäufe aus Aktien wieder auf etwa 3-5 Jahre Entnahmebedarf auf. Es soll dabei jedoch kein aktives Rebalancing stattfinden, sondern die Allokation wird vorrangig über die Entnahmen gesteuert.

    Statt eines komplizierten "Guardrail-Modell nach Guyton-Klinger" nutze ich eine einfache Regel zur variablen Entnahme: Wenn das Aktien-Portfolio um mehr als 20 % vom letzten Allzeithoch fällt, wird die Entnahme temporär für das aktuelle Jahr und evtl. das Folgejahr um 10% gekürzt. Sobald der Abstand wieder unter 10% fällt oder spätestens wenn ein neues Hoch erreicht wird, kehre ich zur normalen Entnahme zurück. Umgekehrt sollen auch Zusatzentnahmen nach besonders starken Börsenjahren möglich sein. Jedoch nur, wenn der Cash-Puffer auf wenigstens 3 Jahre aufgefüllt ist und das Gesamtportfolio real über dem Startwert liegt.

    Mit diesem Ansatz aus ausreichendem Cash-Puffer, moderater Höhe der Entnahmerate und einer Anpassung in Krisenzeiten erwarte ich, dass die Pleitewahrscheinlichkeit über einen Zeitraum von 30 Jahren unterhalb von 10% liegen wird und im Median ein weitgehender, dauerhafter Vermögenserhalt möglich ist.

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  • Saarlaender , so sieht meine Entnahme auch aus. Ich habe vor 2 Jahren meinen Sparplan von Aktien in Geldmarkt ETF gewechselt, ich liege jetzt bei 80/20 Aktien/Geldmarkt und einen Sicherheitsbaustein, dieser ist in Tagesgeld. Meine Renten, GRV und Betriebsrente, reichen für alle normalen monatlichen Zahlungen, die schönen Dinge des Lebens kommen aus meinen Ersparnissen, mein Puffer ist auf 5 Jahre ausgelegt, das soll durch regelmäßige Verkäufe in etwa so bleiben. Die Inflation habe ich mit 2,5% gerechnet, bei normalen Verlauf komme ich bis zum Lebensende sehr gut hin und kann den Kindern auch noch ein Erbe überlassen, selbst wenn mich irgendwann die Pflege treffen sollte, fühle ich mich gut vorbereitet.

  • Moderate Entnahmerate von 3,3%, also anfänglich 16.500 EUR p.a., mit jährlicher Anpassung als Inflationsausgleich um +2%

    Mit Blick auf den gewünschten Vermögenserhalt ist eine anfängliche Entnahme von 3,3 % sportlich. Nachdem das Depot ohnehin nur den Luxus garantieren soll, wäre mir das zu viel.

    Statt eines komplizierten "Guardrail-Modell nach Guyton-Klinger" nutze ich eine einfache Regel zur variablen Entnahme: Wenn das Aktien-Portfolio um mehr als 20 % vom letzten Allzeithoch fällt, wird die Entnahme temporär für das aktuelle Jahr und evtl. das Folgejahr um 10% gekürzt. Sobald der Abstand wieder unter 10% fällt oder spätestens wenn ein neues Hoch erreicht wird, kehre ich zur normalen Entnahme zurück.

    1) Für so eine Vorgehensweise musst Du die ganze Historie vorhalten inklusive eventueller Sonderentnahmen. Das was einfach klingt, kann praktisch kompliziert werden.

    2) Das SORR erst zu bekämpfen, wenn Du 20 % unter dem letzten Allzeithoch liegst ist vermutlich zu spät. Entweder wirst Du dann sehr starke Einschränkungen machen müssen oder Du brauchst viel Glück, damit es gut ausgeht.

    Umgekehrt sollen auch Zusatzentnahmen nach besonders starken Börsenjahren möglich sein. Jedoch nur, wenn der Cash-Puffer auf wenigstens 3 Jahre aufgefüllt ist und das Gesamtportfolio real über dem Startwert liegt.

    Eine Orientierung am "Realwert" des Depots macht Sinn, wenn man nicht unter seinen finanziellen Möglichkeiten bleiben will. Eine Anpassung der Entnahme finde ich vorteilhafter und einfacher als Zusatzentnahmen nach Regelwerk vorzunehmen.

    Mit diesem Ansatz aus ausreichendem Cash-Puffer, moderater Höhe der Entnahmerate und einer Anpassung in Krisenzeiten erwarte ich, dass die Pleitewahrscheinlichkeit über einen Zeitraum von 30 Jahren unterhalb von 10% liegen wird und im Median ein weitgehender, dauerhafter Vermögenserhalt möglich ist.

  • Ich befinde mich seit 2014 in der Entnahmephase und orientiere mich mittlerweile an dem recht einfach umzusetzenden Modell von Vanguard. Begonnen hatte ich mit einer voll variablen Entnahme, die zu kräftigen Schwankungen geführt hat. Mein Anlageziel ist sehr langfristig ausgerichtet (Vererbung). Meine Renten incl. Betriebsrente reichen bei mietfreiem Wohnen gut für die Basics. Auch bei mir ist das Depot vorrangig für Luxus zuständig.

    Die Entnahmerate orientiert sich an der Zielgröße von 3 % des Depots bei einer Aktienquote von rund 90 %. Die Entnahmerate wird jährlich in etwa um die Inflation angehoben. Wenn das Depot besser läuft, erhöhe ich die Entnahme zusätzlich um maximal 5 % und wenn das Depot schlechter läuft, kürze ich die Entnahme nach Inflationsausgleich um bis zu 2 %. Bei mehreren Verlustjahren hintereinander bedeutet dies, dass ich weitgehend auf den Inflationsausgleich verzichte.

    An Aufwand muss ich dafür einmal im Jahr einen Kassensturz machen. Meist im Januar.

    • Wert des Depots
    • Inflation Vorjahr
    • Entnahmerate Vorjahr

    Die Berechnung der Entnahmerate für das folgende Jahr erfolgt anhand der alten Entnahme, dem Depotwert und der Inflation des vergangenen Jahres.

    Beispielrechnung
    500.000 Depotwert, Inflation 2,5 %, Entnahmerate Vorjahr 13.500 Euro.
    3 % von 500.000 Euro = 15.000
    13.500 + 2,5 % Inflation = 13.837,50 inflationsadjustierte Entnahme
    Die untere Grenze nach Abzug von 2 % = 13.560,75
    Die obere Grenze nach Erhöhung um 5 % = 14.529,38

    Die zukünftige Entnahme muss sich immer zwischen oberer und unterer Grenze bewegen, starke Schwankungen sind ausgeschlossen. Hier kommt die obere Grenze zum Tragen, weil 15.000 Euro > 14.529 Euro ist.

    Der Vorteil ist, dass ich keinerlei historische Werte vorhalten muss. Mir reichen diese drei Zahlen. Meine Entnahme reagiert auf die Entwicklung meines Vermögens innerhalb der gesetzten Grenzen, ohne jede kleine Bewegung mitzumachen. Sonderentnahmen sind jederzeit möglich, reduzieren aber möglicherweise die Rente des Folgejahres.

    Aktuell bin ich am überlegen, den Anstieg zukünftig auf 4 % zu begrenzen statt bisher 5 %. Das würde das SORR noch stärker reduzieren und offen gestanden habe ich kaum Verwendung für mehr.

  • Ich werde ja verschiedene ETFs und Assets haben, meine max. 3% Entnahme hab ich mir folgendermaßen vorgestellt:

    Ausgangssituation:
    - 100% Aktienquote die auch bleibt
    - 50-100k Cashpuffer

    Entnahme:
    - einmal jährlich wird der Cashpuffer wieder aufgefüllt
    - das geschieht aus den am besten gelaufenen Assets dieses Jahr
    - sprich Heiliger Amumbo wenn die Börse super lief, oder Tech-ETF wenn der stark war oder eben z.B. BTC
    - in schlechten Jahren vom normalen Welt-ETF oder bei ganz schlechten wird der Cash Puffer weiter verbraucht und das Depot nicht angerührt
    - eventuell werde ich auch noch einen Gold ETC nehmen

  • Einfach was in dem Jahr die stärkste Performance hatte. Das wird abgeschöpft. Bis zu einem Mindestbetrag. Also z.B. 100k beim Tech ETF. Bzw werden halt mehrere Assets abgegriffen und vermutlich nicht nur von einem kleinen genommen.


    So hab ich auch ein klein wenig Rebalancing dabei und es vom Kopf leicht mein Geld wieder raus zu holen.

  • Ich befinde mich seit 2014 in der Entnahmephase und orientiere mich mittlerweile an dem recht einfach umzusetzenden Modell von Vanguard. Begonnen hatte ich mit einer voll variablen Entnahme, die zu kräftigen Schwankungen geführt hat. Mein Anlageziel ist sehr langfristig ausgerichtet (Vererbung). Meine Renten incl. Betriebsrente reichen bei mietfreiem Wohnen gut für die Basics. Auch bei mir ist das Depot vorrangig für Luxus zuständig.

    Die Entnahmerate orientiert sich an der Zielgröße von 3 % des Depots bei einer Aktienquote von rund 90 %. Die Entnahmerate wird jährlich in etwa um die Inflation angehoben. Wenn das Depot besser läuft, erhöhe ich die Entnahme zusätzlich um maximal 5 % und wenn das Depot schlechter läuft, kürze ich die Entnahme nach Inflationsausgleich um bis zu 2 %. Bei mehreren Verlustjahren hintereinander bedeutet dies, dass ich weitgehend auf den Inflationsausgleich verzichte.

    Du hast dann ja eine ähnliche Ausgangslage und Zielsetzung wie ich, nur mit dem Unterschied, dass die Entnahmephase bereits eine ganze Weile läuft. Ansonsten sehe ich die Unterschiede in der Umsetzung im Wesentlichen in einer leicht geringeren Entnahmerate und einer aktiveren/früheren Anpassung dieser Entnahmerate an Marktveränderungen, richtig?

    Ich hoffe, dass es irgendwann verbrieft faire Anbieter gibt, die das mit der Entnahme für einen regeln. Bei euren „einfachen“ Modellen steige ich nicht durch.

    Das ist genau mein Problem. Die Regelwerke der ausgefeilteren Entnahmestrategien sind mir zu kompliziert. Ich habe allerdings die Hoffnung, das auch ohne fremde Hilfe mit einer Art "intuitiven Regel" hinzubekommen. Das ist natürlich ein Widerspruch in sich. Aber sinngemäß würde ich einfach die Höhe der Entnahmerate in irgendeiner Form an die Börsenkursentwicklung anpassen. Ich frage mich allerdings ob man dazu dann ein Regelwerk oder gar Excel braucht oder ob man das auch nach Bauchgefühl hinbekommt :/ Ich meine, es ist doch letztlich nur die Entscheidung wie groß der Schluck aus der Pulle ist, in Abhängigkeit davon wie der Portfoliowert sich in den letzten 12 Monaten entwickelt hat.

  • Ich denke, ich werde es auch mit etwa 3% Entnahme versuchen. Oder ich gehe doch nach und nach in Ausschütter und schaue erst mal, wie weit ich mit den Ausschüttungen komme. Wird sich hoffentlich in den 18 Jahren bis zur Rente herauskristallisieren

  • Ich denke, ich werde es auch mit etwa 3% Entnahme versuchen. Oder ich gehe doch nach und nach in Ausschütter und schaue erst mal, wie weit ich mit den Ausschüttungen komme. Wird sich hoffentlich in den 18 Jahren bis zur Rente herauskristallisieren

    Ich habe mich für eine Mischung aus Ausschütter und etwaigen Verkauf bei Bedarf entschieden. 80% Etfs und 20% sicherer Anteil. Mit den 20% würde ich bei normalem Verlauf 7-8 Jahre hinkommen. Durch die Ausschüttungen plane ich den Puffer immer wieder aufzufüllen.

  • Ich habe mich für eine Mischung aus Ausschütter und etwaigen Verkauf bei Bedarf entschieden. 80% Etfs und 20% sicherer Anteil. Mit den 20% würde ich bei normalem Verlauf 7-8 Jahre hinkommen. Durch die Ausschüttungen plane ich den Puffer immer wieder aufzufüllen.

    Klingt nach einer entspannten Strategie 8)

    Wie entscheidest du dabei wieviel du aus dem Puffer entnimmst und tatsächlich verkonsumierst? Einfach konstante Rate oder mal mehr, mal weniger nach Bauchgefühl?

  • Interessantes Thema, vielen Dank. Von der eingangs gemachten Beschreibung trifft fast alles auch auf uns zu. Wollen aber mit 63 aufhören, sofern wir dann noch dürfen bzw. die dann geltenden Abzüge es immer noch möglich machen. Depot dient auch v.a. dem schönen Leben. Wir haben allerdings fast nur ausschüttende ETF, sodass der aus der BaV gefütterte Cash Puffer vermutlich sogar länger halten wird. Insofern bauen wir den Cash Puffer nur für die ersten beiden Jahre auf, bis die BaV fällig wird. Dann wird mit dieser oder mit Depotentnahme weiter gemacht. Und dann schauen wir mal. Habe in Excel ein paar Szenarien durchgespielt, bin aber realistisch genug zu glauben, dass sich noch das eine oder andere ändern wird. Deshalb planen wir das Depot auch eher mit etwas Puffer bzw. niedrigeren Entnahmerate. Was aber natürlich vorausgesetzt, dass wir unsere Sparrate durchhalten können.

  • Saarlaender Das normale „Leben“ können wir aus den Renten bestreiten. Eine feste Entnahme ist erst notwendig, wenn einer nachbleibt. Durch die derzeitigen Ausschüttungen wäre ein gewisser Anteil schon gedeckt. Wie sich das entwickelt, kann man aber ja nicht vorhersehen.

    Ausnahmen sind Kosten für Autokauf, Modernisierungen am Haus etc. Das ist aber schlecht planbar. Das muss bedarfsgerecht gehalten werden. Es soll der sichere Puffer möglichst immer erhalten bleiben, entweder bei geringen Entnahmen durch die Ausschüttungen oder Verkäufe in guten Börsenjahren.

  • Hier im Forum wird ja oft und gerne detailliert über einzelne ETF-Produkte und Portfolio-Allokationen diskutiert, jedoch vergleichsweise selten über Entnahmestrategien.

    Das sehe ich ganz ähnlich.

    Da sich hier - bei einer bestimmten Gruppe jedenfalls - sog. "Selbstzitate" einer speziellen Aufmerksamkeit und Beliebtheit erfreuen, werde ich gerne einige einstreuen ...

    Siehe beispielsweise hier:

    Zum Themenkomplex "Altersvorsorge und Vermögensaufbau" gibt es nach meinem Eindruck (deutlich) mehr Infos im Internet und anderen Medien als zum Themenkomplex "gezieltes und kontrolliertes Entsparen bzw. Entnahmepläne im Alter".

    In dem Kontext:

    Viele gängige Entnahmestrategien erscheinen mir sehr komplex und häufig US-dominiert.

    Auch das sehe ich zumindest ähnlich; siehe hier beispielsweise:

    Auch wenn ich mich mit dem Thema "sichere Entnahmerate" (Safe Withdrawal Rate (SWR)) nur mal ganz am Rande und nur ganz oberflächlich beschäftigt hatte, aus meinem diesbezüglich deutlich kundigeren Umfeld (einige davon sind auf eine genaue Kalkulation angewiesen) lautet schon länger der Tenor, daß diese wohl auf der Trinity-Studie beruhende pauschale 4% Regel - in dieser Schlichtheit jedenfalls - eher sehr bis hoch naiv ist und daher besser nicht zu Anwendung kommen sollte (insbesondere vor dem Hintergrund des Rendite-Reihenfolge-Risikos (Sequence of Returns Risk (SoRR)).

    Stichworte (aus den wenigen diesbezüglichen Gesprächen mit mir) waren u. a. "Monte-Carlo" Simulation, die SWR-Series ("earlyretirementnow" von BigERN), "SoRR" (Sequence of Return Risk"), "Guyton-Klinger" Regel (wohl besser als die 4% Regel aber auch noch naiv), weitere Instrumente wie "Cash-Puffer", "dynamische Entnahmestrategie" ("Prime Harvesting"), "Glide-Path-Strategy" (Aktienquote wird wohl logarithmisch über 30 Jahre Richtung 100% erhöht) - um nur einige Stichworte zu nennen und ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit.

    Ein generell wichtiger Aspekt bei dem Thema scheint mir auch die Frage, wieviel % der Kosten (im Alter, als Rentner bzw. Ruheständler) stammen von einem "sicheren" Grund- bzw. Sockeleinkommen" (GRV, PRV, BAV etc.) und wieviel % sollen bzw. müssen vom Depot kommen. Berührt ist damit die Frage der Stabilität bzw. Fragilität der Gesamtkonstruktion. Und wohl auch die Frage wie dynamisch und flexibel die Entnahme bzw. das Entsparen (bei Variante b) überhaupt sein bzw. gestaltet werden kann.

    Mir als Finanz-Laie, wenn auch einem schon lange an solchen Themen Interessierten, ging es nur darum die pauschale "4%-Regel" nicht als unbestrittenes "Dogma", "Goldstandard" oder gar eine Art "Gesetz" etc. pp. im Raum stehen zu lassen.

    Ganz generell handelt es sich bei derartigen Überlegungen immer um solche, die nur auf Basis von "Rückspiegelbetrachtungen" (Daten der Vergangenheit) aufgestellt werden. Auf welcher Basis auch sonst, denn die Zukunft kann keiner zuverlässig kennen.

    Im speziellen Fall kommt noch (erschwerend) hinzu, daß nicht wenige diese Daten aufgrund von US-Zahlen ermittelt wurden (schlicht, weil da vermutlich das meiste und auch am weitesten zurückreichenden Zahlenmaterial vorhanden ist). Diese US-Daten bzw. -Zahlen sind meines Erachtens aber tendenziell sehr bis äußerst "gutmütig" - u. a., weil die USA eine sehr dynamische Wirtschaft haben, die stärkste Volkswirtschaft der Welt stellen, eher marktwirtschaftlich aufgestellt sind, schon lange mit dem US-Dollar die Leit- bzw. Weltwährung stellen, keine Kriege und daraus resultierende Zerstörungen im eigenen Land hatten, autark aufgestellt sind in Sachen Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit (militärische Power) usw. Ob sich solche Regeln daher Eins zu Eins und automatisch auf andere Länder und deren Einwohner übertragen lassen, wäre daher eine eigenständige Fragestellung. Zumal sich auch die steuerlichen Rahmenbedingungen in den unterschiedlichen Ländern (für den Einwohner als Anleger) mehr oder weniger stark unterscheiden.

    Letztlich gilt aber in meinem (individuellen) Fall - darum geht es hier ja offensichtlich ... (siehe hier):

    Daher würde ich gerne einen eigenen Thread dazu aufmachen, in dem eigene oder geplante Entnahmestrategien beschrieben und diskutiert werden können. Es soll dabei aber nicht um bestimmte ETFs, sondern mehr um die grundlegenden Konzepte gehen.

    daß solche komplexe Überlegungen schon lange nicht mehr erforderlich sind:

    Um mit offenen Karten zu spielen: Für mich persönlich habe ich das Thema nicht weiter und näher verfolgt, da meine monatlichen Lebenshaltungskosten schon lange nur wenigen Prozentpunkten (*) der monatlichen Zuflüsse (Cashflow aus insbesondere Mieten und Dividenden) entsprechen.

    (*) Aktuell 4,3 Prozent.

    Das stimmt mich, ganz persönlich, relativ optimistisch sowohl für meine finanzielle Ruhestandsplanung als auch meine Stiftung.

    In meinem weiten Umfeld scheint sich - bei "kompakterem" sprich geringerem Vermögen - inzwischen übrigens eine gewisse Vorliebe oder Dominanz für Modelle wie "3% anfängliche Entnahmerate aus dem Depot (risikoreich) i. V. m. mit einer im Bedarfsfall (temporär) flexiblen Entnahmerate und/oder einem individuell als adäquat angesehenen und vorgehalten Puffer (risikoarm)" abzuzeichnen.


    Bei diesem speziellen Thema (Entnahmestrategien) wünsche ich Dir - Saarlaender - und allen anderen interessierten und engagierten Protagonisten gute Gedanken und ebensolche Entscheidungen !

  • Ich hab zu dem Thema schon vorher und auch hier ausgiebig gelesen und wurde zunehmend verwirrt. Daher hier meine Planung für Doofe:

    Wir haben genug in sicheren Anlagen (hauptsächlich Festgeldtreppe), dass wir fünf Jahre lang unsere - großzügig und unter Berücksichtigung auch etwas üblerer Inflation als aktuell - kalkulierte monatliche Rentenlücke auffüllen können, ohne ans Depot zu gehen. Neues Auto oder größere Arbeiten am Haus wären auch noch drin, wenn auch nicht beides - dann wird es eben ein Gebrauchtwagen. Wenn das Depot gut gelaufen ist, wird dieser Fünfjahresbunker Jahr für Jahr wieder aufgefüllt, und wenn es nicht gut gelaufen ist, dann entnehmen wir weiter aus dem dann eben schmelzenden Bunker und hoffen drauf, dass das Depot sich wieder erholt.

    Und wenn wir Pech haben, erholt sich das Depot fünf Jahre lang oder noch länger nicht und wir müssen peu à peu verkaufen. Ist dann halt so und Pech auch für die Erben.

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