Erfolgssyndrom und schlechte Führungskräfte

  • Hallo liebe Mitforisten,

    ich arbeite in einer Behörde (Jobcenter) und mache das sehr gerne und tatsächlich auch sehr gut, sodass meine fachliche Expertise teilweise in Fachliteratur und Richtlinien einfließt. Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit und versuche rechtliche Probleme zu lösen und Bürgern zu ihrem rechtlichen Anspruch zu verhelfen und schaffe es dabei 2 bis 3mal so viel wegzuarbeiten wie mein Pendant gegenüber. Bei meiner Behörde tritt leider das Erfolgssyndrom auf - besonders leistungsstarke und kompetente Mitarbeiter werden aufgrund ihrer guten Arbeit mit noch mehr Aufgaben belastet, andere schalten da ein zwei Gänge runter. I

    Mein bisheriger Vorgesetzter (geht in den Ruhestand) hatte einen kooperativen Führungsstil, alle standen immer Gewehr bei Fuß, wenn dann dochmal mehr Arbeit anfiel, Krankheitstage waren eine Seltenheit, er ist/war fachlich sehr kompetent, aber schon etwas eigensinnig und hat sich schwer getan sich der Behördenleitung unterzuordnen. Jetzt bekomme ich voraussichtlich einen neuen Vorgesetzten, der keine entsprechende Fachlichkeit hat (schon alleine aus seinem Werdegang und Ausbildung nicht wirklich haben kann) und der es in seiner bisherigen Abteilung -innerhalb eines Jahres- es geschafft hat, die Mitarbeiter so dermaßen zu demotivieren, dass die Produktivität spürbar und messbar nachgelassen hat. Er neigt zur Herrschsucht, was in Verbindung mit dem fehlenden Fachwissen ... naja, suboptimal ist.

    Die Behördenleitung steht voll hinter dem neuen Vorgesetzten (... warum auch immer ...), solche Stellen werden bei uns auch nicht klassisch ausgeschrieben, sondern vorher kommisarisch besetzt und nach einem Jahr erfolgt eine Ausschreibung (bei der im Regelfall der bisher kommisarische Vorgesetzte es dann auch faktisch bleibt).

    Und jetzt da ich mir das alles so aufschreibe, weiß ich gar nicht mehr was ich fragen wollte :). Es liegt halt leider nicht immer nur an der eingenen Einstellung ob man seinen Job gerne macht, wenn einem ein tendenziell herrschsüchtiger und fachlich inkompetener Mensch vorgesetzt wird. Ich spiele mit dem Gedanken, meiner künftigen Führungskraft aufzuzeigen, dass ich gewillt bin weiter motiviert zu erscheinen, wenn er den Tyrannen in sich an die Leine legt, die Alternative ist, dass ich als unmotivierter Mitarbeiter auch meine bisherige "Performance anpassen" werde ... was sich direkt auf ihn auswirken könnte, weil die Arbeit dann auf seinem Tisch landet ... das ist gefühlt aber ein Spiel mit dem Feuer. Auf der anderen Seite muss ich ihm klar machen, dass ich nicht die Absicht habe seine Arbeit zu machen -tendenziell erwartet er, dass seine Untergebenen das machen und der "nur" führt - das wird aber so nicht laufen können.

    Warum sind gute Chefs so rar gesät?

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  • Gute Frage. Hatte mal jemand vor der Nase, deren Stil eine Art Bossing war. Irgendwann habe ich verstanden, dass sowas abgewettert werden muss. Jede Energie dagegen ist verschenkt. Möglichst viele, die unabgesprochen zum Personalrat gehen, das hilft auf Dauer. Es war übrigens nicht ihre Absicht, sie war nur heillos überfordert.

  • Ich spiele mit dem Gedanken, meiner künftigen Führungskraft aufzuzeigen, dass ich gewillt bin weiter motiviert zu erscheinen, wenn er den Tyrannen in sich an die Leine legt, die Alternative ist, dass ich als unmotivierter Mitarbeiter auch meine bisherige "Performance anpassen" werde ... was sich direkt auf ihn auswirken könnte, weil die Arbeit dann auf seinem Tisch landet ... das ist gefühlt aber ein Spiel mit dem Feuer. Auf der anderen Seite muss ich ihm klar machen, dass ich nicht die Absicht habe seine Arbeit zu machen -tendenziell erwartet er, dass seine Untergebenen das machen und der "nur" führt - das wird aber so nicht laufen können.

    Uli, da hast du dir ja was vorgenommen. 😊 Wie willst du das anstellen? Das ist der Typ Vorgesetzter, der mangelnde Kompetenz, fehlende Erfahrung und Unsicherheit durch Dominanz zu vertuschen versucht. Meine Erfahrung mit solchen Vorgesetzten ist leider, dass da nur ein Stellenwechsel hilft.


    Ich wünsche Dir viel Glück und gutes Gelingen.

  • Kennst Du den Kerl schon selbst? Gerade Leute, die gerne andere tyrannisieren, reagieren oft überraschend positiv, wenn man ihnen contra gibt und klare Grenzen zieht, evtl. (muss nicht sein, käme aber als Steigerungsvariante in Frage) in genau dem fiesen Tonfall, den sie selbst am Leibe haben.

    Warum gute Chefs so rar gesät sind ... och DidiRich, ich kann doch nicht überall sein.

  • britty meine Frau (Erzieherin) sagt auch immer zum Thema Mobber in der Schule, die machen das, weil es ihnen nicht gut geht ... ich kriege da immer wilde Agressionen die ich in den Griff kriegen muss ^^ ... ich will dem "Mobber" immer aufzeigen, dass es immer einen größeren Fisch im Teich gibt, der sich das nicht gefallen lässt ... laut meiner Frau ein ganz falscher Ansatz.

    Evaluise ... ja, ich kenne den Kerl schon, ich habe ihn mal eingelernt in seine damalige Arbeit und war da wenig begeistert von seinen fachlichen Fähigkeiten und habe ihm dabei zugesehen wie er protigiert wurde ... das macht es etwas schwierig für mich und wohl auch für ihn ... aber ein Ansatz für leben und lebenlassen.

    • Hilfreichste Antwort

    DidiRich Es ist schon ein paar Jahre her, jetzt kann ich großzugig sein;)

    Es macht schon noch einen Unterschied, ob einer aus Hilflosigkeit handelt oder absichtlich.

    Wenn er dich gut in Erinnerung hat, könnte es klappen - sofern du ihm nicht auf die
    Nase haust...... Ich habe, ohne Ankündigung,eine Art Dienst nach Vorschrift gemacht, aber weiterhin auch das Mehr, was mir Freude gebracht hat.

  • Das Problem ist, ich habe (inklusive dem Kerl jetzt) schon einige Kollegen gesehen, denen mehr "Macht und Titel" gegeben wurde und denen dass dann iwie zu Kopf gestiegen ist. Ich bin da vielleicht nicht der Typ der das verstehen kann ...

    Warum gute Chefs so rar gesät sind ... och DidiRich, ich kann doch nicht überall sein.

    Tatsächlich haben mich viele Kollegen angesprochen, sie würden sich wünschen, dass ich die Stelle übernehme, selbst mein jetziger Vorgesetzter wollte mich in Stellung bringen (was aber leider eher ein Bärendienst war) ... ich bin leider auch ein kleiner Querkopf der weiß was er kann, das ist manchmal hinderlich um die Karriereleiter erklimmen zu wollen :saint:

  • ich arbeite in einer Behörde ...

    Kondoliere.

    ... und mache das sehr gerne und tatsächlich auch sehr gut, sodass meine fachliche Expertise teilweise in Fachliteratur und Richtlinien einfließt.

    Gratuliere.

    Warum sind gute Chefs so rar gesät?

    Unabhängig von der Frage, ob das wirklich so ist - nach meinen langjährigen Erfahrungen sind auch gute "Indianer" (angestellte Mitarbeiter) ähnlich "rar gesät" wie gute "Häuptlinge" (Chefs) ...

    Bei Haltungen wie der Deinigen Immer eine Empfehlung: Via Selbständigkeit und/oder Unternehmensgründung selbst zum Chef ("Häuptling") werden und es gegenüber seinen Angestellten ("Indianern") dann besser machen ...

  • Solche Mitarbeiter wie dich wünscht man sich. Maßlos von sich selbst überzeugt, und in einem Aufwaschen den Kollegen, den neuen Chef und die Führungsebene gleichermaßen abwerten.

    Gelassenes Abwarten und offen schauen wie „der Neue“ wirklich ist, den Willen, die Hierarchie zu akzeptieren und Vorgesetzte zu unterstützen (das ist nun mal die „Treuepflicht“ der AN nicht nur im ÖD) kann man deinem Posting nicht entnehmen

    Mag ja sein, dass du ein guter und leistungsstarker Fachexperte bist, und mag sein dass Kollege und „der Neue“ Flaschen sind. Das können wir alles nicht beurteilen. Aber dass du auf Krawall und nicht auf Respekt gebürstet kann man erkennen.

    Ich frag mich da immer, warum die „Alles Besserkönner“ nicht die Führungsrolle übernommen haben. Klar, kann eine „geschobene Partie“ gewesen sein, dass daraus nichts geworden ist. Oft war es aber doch mangelnde Bereitschaft jene Dinge zu tun die halt so zu tun sind auch wenn sie einem nicht schmecken. Ich glaube, darin wärest du jedenfalls nicht gut.

  • Tatsächlich haben mich viele Kollegen angesprochen, sie würden sich wünschen, dass ich die Stelle übernehme, selbst mein jetziger Vorgesetzter wollte mich in Stellung bringen (was aber leider eher ein Bärendienst war) ... ich bin leider auch ein kleiner Querkopf der weiß was er kann, das ist manchmal hinderlich um die Karriereleiter erklimmen zu wollen :saint:

    Alles klar.

    Keiner von der Sorte „ich wollte nicht obwohl mich alle angefleht haben“ sondern einer von der Sorte „ich wäre der bessere Chef geworden, aber es war allgemein bekannt dass ich ein Besserwisser bin und drum wollte man mich nicht.

  • Jetzt bekomme ich voraussichtlich einen neuen Vorgesetzten, der keine entsprechende Fachlichkeit hat (schon alleine aus seinem Werdegang und Ausbildung nicht wirklich haben kann) und der es in seiner bisherigen Abteilung -innerhalb eines Jahres- es geschafft hat, die Mitarbeiter so dermaßen zu demotivieren, dass die Produktivität spürbar und messbar nachgelassen hat. Er neigt zur Herrschsucht, was in Verbindung mit dem fehlenden Fachwissen ... naja, suboptimal ist.

    Perspektivwechsel: Warum sollte man einen Vorgesetzen brauchen, der fachlich besser ist als man selbst?

    Mein Vorgesetzter und ich harmonieren hervorragend, weil jeder sein eigenes Gebiet hat, auf dem er Experte ist und das ergänzt sich wirklich gut.


    Und noch was aus eigenem Erleben:

    Ein Vorgesetztenwechsel, den ich als Mitarbeiter erlebt habe, war von einem Mikromanager zu einem, der die Richtung vorgegeben hat. Ich war kurz davor zu kündigen, weil ich Mikromanagement nicht aushalte. Viele andere im Team hatten Probleme, aus der vorgegebenen Richtung abzuleiten, was ihr Job ist. Welcher der beiden Vorgesetzten ist/war gut?

    Die Behördenleitung steht voll hinter dem neuen Vorgesetzten (... warum auch immer ...),

    ... weil sie ihn sonst nicht auf die Stelle gesetzt hätten.

  • Für mich klingt das nach "früher war alles besser". Grundsätzlich fand ich Veränderungen immer spannend. Sie bedeuteten auch für mich, mal wieder über seine eigene Arbeit nachzudenken, raus aus den ausgetretenen Pfaden, Neuland erkunden. Klar, mal war es gut, mal weniger gut. Was ist den die Alternative, immer das gleiche, wie im Tiefschlaf. Das dabei Fehler oder zumindest keine Innovationen entstehen ist klar. Und jetzt bin ich ganz böse, das ist genau der klassische Vorwurf gegen Behörden.

  • ...

    Warum sind gute Chefs so rar gesät?

    Weil seit paar Jahrzehnten nur noch Vitamin B und Zettel (Nachweise) etwas gelten sowie die Generation Einzellkind-Wohlstand-Narzisten das Ruder übernommen haben. Ebenso die fehlende Weitsicht einen Nachfolger, neue Führungskraft etc. langfristig aufzubauen statt den erstbesten von den Kleinanzeigen zu nehmen.

  • DidiRich 3. Juli 2026 um 07:43

    Hat einen Beitrag als hilfreichste Antwort ausgewählt.
  • Solche Mitarbeiter wie dich wünscht man sich. Maßlos von sich selbst überzeugt, und in einem Aufwaschen den Kollegen, den neuen Chef und die Führungsebene gleichermaßen abwerten.

    Naja, die Beurteilungen und Gespräche mit meinen direkten Vorgesetzten sprechen dafür. Höchstpunktzahl und Zwischenzeugnis mit einer Top-Bewertung. Ich weiß, dass das arogant klingt, aber es ist eben messbar, mein Pendant und ich arbeiten aus einem Pool heraus und er schafft eben in guten Jahren die Hälfte meiner Fallzahlen blei gleicher Arbeitsqualität. Unter Wert verkauf ich mich eben nicht gerne.

    Und ja Pepekeke , deine "Kritik" habe ich wohl verdient, da ich den Eingangs-Thread schon sehr aus einer kurzzeitigen Frustration heraus geschrieben habe. Trotz positiver Bewertungen, passe ich nicht in die Führungsriege "bevor in nach unten trete, spucke und kratze ich nach oben" so wurde das mal gesagt in einer Bewertung meiner Chancen in die Führungsriege aufzusteigen. Deshalb beliebt bei Kollegen (auch als Stellvertreter meines Vorgesetzten) und eben unbeliebt bei der Behördenleitung. Und ja, ein einfacher Mitarbeiter bin ich nicht, aber Respekt (und Loyalität) sind keine Einbahnstraßen, zumindest nicht in meiner Welt. Ich dachte eigentlich, dass habe ich alles Akzeptiert, aber so ein kleiner (auf krawall gebürsteter) innere Schweinehund ist da wohl leider noch.


    Für mich klingt das nach "früher war alles besser". Grundsätzlich fand ich Veränderungen immer spannend.

    Ich versuche es (jetzt mehr) unter dem Aspekt zu sehen. Danke, über solche "harten" Denkanstöße freue ich mich. Es ist nur für mich schwer, jemand der in meinen Augen wenig fachliche Kompetenz mitbringt, sinnige Veränderungen zuzutrauen. Vor allem wenn er in der anderen Abteilung schon ziemliche handwerkliche Fehler prdouziert hat.


    Er schreibt über den öD. Da geht es nur nach oben raus.

    Kündigungen kennen die da doch nicht.

    Sehr verallgemeinernd, aber ja, ich habe von der Tätigkeit her meinen Traumjob gefunden, die Bezahlung stimmt... eine Kündigung kommt nicht in Frage. Ein Amtswechsel/Tätigkeitswechsel sehr ungerne, wer gibt schon gerne eine Tätigkeit auf die einem Spaß macht. Ein pendeln oder Umzug zu einem anderem Jobcenter, käme schon wegen der Familie nicht in Frage.


    <3DANKE<3 an alle hier, auch wenn das Thema nicht so wirklich in dieses Forum gehört hat. Ich werde versuchen dem "Neuen" mit offenen Visier begegnen und ein Miteinander versuchen, Dienst nach Vorschrift widerstrebt mir eigentlich, denn ich möchte Kollegen nicht hängen lassen. Vielleicht ist da auch viel Abschiedsschmerz, wenn man schon mal einen so guten Chef gehabt hat ... denkt man nicht, dass da was Besseres nachkommen wird.

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