Vorab: Mein entstandener Schaden wurde von der Bank aus Kulanz vollständig beglichen. Mir geht es daher nicht um eine Beschwerde über die konkrete Schadensregulierung, sondern um das grundsätzliche Verständnis, wie ein Depotübertrag in solchen Fällen abläuft. Deshalb schildere ich den Vorgang auch neutral.
Ich beauftragte bei meiner Depotbank A einen Depotübertrag von Bank B zu Bank A. Der eigentliche Übertrag – also zwischen Ausbuchung bei Bank B und Einbuchung bei Bank A – dauerte sechs Tage.
Während dieser sechs Tage fand bei der betreffenden Aktie ein Aktiensplit statt. Da dieser nicht automatisch berücksichtigt wurde, kontaktierte ich beide Banken. Zunächst verwiesen beide Banken jeweils auf die andere Seite und machten diese für die Durchführung des Aktiensplits verantwortlich.
Nach etwa drei Wochen führte Bank B den Split schließlich durch und übertrug die daraus zusätzlich entstandenen Aktien nachträglich zu Bank A.
In der Zwischenzeit fand außerdem eine Dividendenausschüttung statt. Automatisch wurde zunächst nur die Dividende für die ursprüngliche Aktienanzahl von Bank A gutgeschrieben. Für die zusätzlichen Aktien aus dem Aktiensplit erfolgte keine Dividendengutschrift.
Daraufhin kontaktierte ich erneut beide Banken. Auch bezüglich der Dividende verwiesen beide zunächst gegenseitig aufeinander. Ich setzte beiden Banken Fristen zur Klärung bzw. Zahlung und schaltete schließlich die BaFin ein.
Anschließend schrieb Bank A die fehlende Dividende gut – nach deren Aussage aus Kulanz. Bank B teilte mir hingegen mit, dass sie die Aktien aus dem Split zu spät erhalten habe und deshalb keine Dividendenausschüttung mehr vornehmen könne.
Da ich bereits drei ähnliche Fälle bei Depotüberträgen von großen, eigentlich erfahrenen deutschen Banken (gelb, blau und rot) erlebt habe und in allen Fällen letztlich mit Unterstützung der BaFin eine Lösung erreicht werden konnte, frage ich mich inzwischen:
Ist dieser Ablauf bei Depotüberträgen in Deutschland tatsächlich normal bzw. systembedingt?
Insbesondere beschäftigt mich die Frage, warum zwischen der Ausbuchung bei der abgebenden Bank und der Einbuchung bei der empfangenden Bank überhaupt sechs Tage liegen können. Etwas überspitzt formuliert: Da kann ich die Aktie ja fast per Post verschicken – das geht vermutlich schneller.
Noch mehr wundert mich aber, was in dieser Zeit mit Kapitalmaßnahmen wie einem Aktiensplit oder einer Dividendenausschüttung passiert.
Wenn die Aktie während des Übertrags bei keiner der beiden Banken im Depot verbucht ist: Wer ist in diesem Zeitraum für die Verarbeitung von Kapitalmaßnahmen verantwortlich? Und wie wird sichergestellt, dass dem Depotinhaber dadurch keine Ansprüche verloren gehen?
Vielleicht gibt es hier jemanden mit entsprechendem Fachwissen oder Erfahrungen aus der Praxis, der erklären kann, wie ein Depotübertrag technisch und rechtlich abläuft und warum solche Fälle offenbar nicht automatisch zwischen den beteiligten Banken bzw. Verwahrstellen geklärt werden, schließlich reden wir von Banken mit Datenanbindung und Computern.
Vielen, vielen Dank.