Berufsunfähigkeitsversicherung

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    • chris2702 schrieb:

      Man sollte sich bei jeder Versicherung fragen, ob man im Schadenfall vor dem Ruin steht oder lieber die Risikoabsicherung finanziert. Bei Berufsunfähigkeit ständen die meisten vor dem Ruin. Bei verlorenem Reisegepäck würde kaum einer mit der Wimper zucken.

      Denn wenn der Fall eintritt, bringt einen auch eine Statistik nicht weiter.
      Da ist schon was dran.

      Ich sage ja auch nicht: Schließ keine BU ab. Sondern: Lass Dich von den Zahlen nicht kirre machen und denke selber nach, bevor Du der Herde folgst....

      Pull disclosure: Ich habe eine BU. Als Selbstständiger trifft einen das Thema Einkommensausfall ja durchaus nochmal härter.
    • Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Arbeitsverdichtung in den letzten Jahren fortgeschritten ist. Dies betrifft mutmaßlich eher den Bürobereich. Ein Kolonnenführer im Straßenbau wird eher zu einer "gesunden" Work-Life-Balance neigen als der klassische Vertriebler. (Reine Spekulation bzw. gefühlte Wahrnehmung!)

      Insofern würde ich grundsätzlich zum Gedanken an eine BUV raten, was nicht heißen muss, dass auf Teufel-komm-raus eine abgeschlossen werden muss.

      Aber es ist so, wie @chris2702 es beschrieben hat, die BU ist finanziell gesehen mehr Genickbruch als verstauchter Knöchel. Daher muss man die ganze Sache besser einmal gedanklich durchspielen.
    • Keine BUV abzuschließen wird statistisch gesehen in über 50% der Fälle gut gehen. Auch gibt es sicherlich einige Leistungsfälle, die nicht mehr als die eingezahlten Beiträge ausbezahlt bekommen.

      Das Risiko einer langlaufenden BU ist aber nur von den allerwenigsten Menschen selbst zu tragen, was diese Versicherung so wichtig macht.

      Die Fälle psychischer Erkrankungen sind in der Mehrzahl und es gibt mehr Leistungsfälle, die auf Ereignissen aus dem privaten Umfeld beruhen als auf einem stressigen Job.

      Psychische Erkrankungen lässt sich sicherlich vorbeugen, aber sie lassen sich nicht vermeiden.
    • Hab mir den Artikel dann doch mal gezogen ;)
      Grundsätzlich finde ich die Argumente sinnvoll und natürlich ist eine BU kein No-brainer, aber sicher meistens sinnvoll.

      Was ich an der Argumentation der FASZ schief finde, ist die Beurteilung der psychischen Risiken, wie hier im Thread ja auch schon angesprochen. Das Risiko Psyche nimmt allgemein zu, nicht nur im Bereich BU. Dieses steigende Risiko sind in den Zahlen zur Erwerbsminderung, die da zitiert werden, sicher unterrepräsentiert. Dort ist ja der Gesamtbestand an Erwerbsgeminderten genannt, und darin befinden sich sicher noch nicht so viele psychisch Geschädigte, wie es in 10-20 Jahren sein werden.

      Und: Auch wenn eine psychische Episode nicht dauerhaft sein muss, wird sie in vielen Fällen doch zu einem längeren Verdienstausfall führen - und womöglich zu einem Wechsel in einen erträglicheren Job => der Betreffende ist BU, aber nicht erwerbsgemindert!

      Der Artikel sagt zwar, dass Erwerbsminderung nicht gleich BU. Aber dennoch sind die Zahlen eben nicht gut vergleichbar und schief.

      Zur Klarstellung: Sehr wahrscheinlich, dass die kolportierten 25% Vertriebsgewäsch sind. Aber ich halte es für gefährlich, das Risiko klein zu reden.
      Was die Annahmepolitik der Versicherer sowohl hinsichtlich Anträgen als auch Leistungen angeht, liegt die FASZ sicher richtig.
    • Ich denke schon, dass die 25% stimmen könnten. So für alle Deutschen ohne weitere Selektion.

      Aber es ist sicher nicht die Leistungsquote der Versicherer. Denn die Versicherten haben entweder eine Gesundheitsprüfung überstanden oder einen Ausschluss...

      Wer eine BUV bekommt, hat ein deutlich geringeres Risiko, BU zu werden.

      Und nebenbei: Wer vergibt hier denn die Schlagwörter? Wieso steht da denn die Unfallversicherung dabei?
    • Philip Wenzel schrieb:

      Wir klopfen alle auf die Melone, die wir kaufen...

      Mir gefällt nicht, dass Vermittler immer die 25% bemühen, ohne zu reflektieren, dass die Wahrscheinlichkeit in der selektierten Gruppe deutlich geringer ist. Was würde wohl eine Versicherung kosten, bei der das Risiko 1:4 ist...
      Da ist schon etwas dran.

      Es wäre sicher auch schön, wenn das Thema BU bzw. BUV nüchtern beleuchten würde. Nur ist das Erwerbseinkommen für die meisten von uns so wichtig, dass der Verlust der Arbeitsfähigkeit (auch nur auf ein bestimmtes Berufsbild bezogen) ein Schlag ins Kontor ist und Ängste heraufbeschwört. Da fällt es dann nicht unbedingt leicht, emotionslos zu einer Entscheidung zu kommen.

      Aber die Frage nach den Kosten für eine Versicherung mit 25%iger Leistungsquote, die ist gut!
    • Andererseits könnte es schon tatsächlich so sein, dass die Kalkulation passt...

      Ein BUV kostet für 1.000 Euro für einen Schüler insgesamt etwa 30.000 Euro. Bei einem Akademiker kann es auch mal weniger sein, ist klar. Aber im Schnitt dürfte das so in etwa als Durchschnittsprämie hinkommen.

      Selbst, wenn der Versicherte dann mal 2 Jahre BU sein sollte, trägt sich der Vertrag aus den eigenen Beiträgen...

      Und bei neueren Verträgen geht die Tendenz der Durchschnittsdauer so in etwa in diese Richtung...
    • Hallo,

      die Aussage zu einer durchschnittlichen Bezugsdauer der BU von nur 2 Jahren verblüfft mich. Dies bedeutet ja, dass auf einen „echten“ Fall von 10 Jahren Bezugsdauer neun Fälle mit einer Bezugsdauer von nur reichlich einen Jahr entfallen (weitere Zahlenspiele dieser Art lassen sich problemlos konstruieren).

      Kennen Sie die Ursache dieser relativ kurzen durchschnittlichen Bezugsdauer, wundersame Gesundung oder sozialverträgliches Frühableben?

      Wenn ich davon ausgehe, dass ein Jahr ohne Einkommen sicherlich nicht schön ist, aber für die meisten irgendwie überlebbar, ist eine echte Bedürftigkeit für eine BU ja nur noch in der Größenordnung von 1/10 der sonst kolportierten Wahrscheinlichkeit. Habe ich da einen Denkfehler?

      Gruß Pumphut
    • Ich finde die Diskussion gerade sehr spannend.
      Was aber nicht zu vergessen ist: die Bezugsdauer oder wieviele Menschen BU werden sind rein statistische Werte. Wenn man selbst langfristg betroffen ist, ist man sicher über die abgeshclossene Versicherung dankbar oder ärgert sich keine zu haben.
      Was mich als statistische Grösse noch interessieren würde ist, wie hoch im Durchschnitt eine BU versichert wird. Gehen als mehr Versicherte den Weg "hauptsache BU versichert, wenn auch nur 500€" oder geht es eher in die Richtung, dass bis zu 70 oder 80% des Nettos versichert werden (entsprechend teuer).

      Kleine Anektote nebenbei: ich hatte ein Gespräch mit einer Versicherungsvertreterin und sie tätigte die Aussage, dass ich mich bei meinem Beruf sowieso nicht sorgen müsse, da ich die Versicherungsbeiträge immer ohne Probleme zahlen können würde. Ich habe mich dann im Umkehrschluss gefragt, ob ich dann überhaupt eine BU abschliessen sollte, wenn mir durch das Orakel in Form der Versicherungsvertreterin immer genug Finanzpolster prophezeit wird.
    • Liebes FT-Team,

      als kürzlich jedes Unternehmen mit ihren Opt-Ins zur DGSVO um die Ecke kam, stellte sich mir die Frage, ob eine BU zur Auskunft verpflichten werden kann, welche Auskünfte ggf. nach Antragsstellung bei Ärzten eingeholt wurden?

      Nehmen wir den Fall an, der Antragsteller einer BU hat alle Gesundheitsfragen gewissenhaft beantwortet. Aufgrund der Antworten wird die Versicherung aktiv und erfragt sich notwendige Informationen beim Arzt des Antragstellers. Dieser oder die Versicherung versäumen es sorgfältig zu arbeiten und übersehen eine Erkrankung des Antragstellers.Jedoch zahlt der Versicherungsnehmer einen Riskozuschlag, der aufgrund der Versäumnisse des Arztes oder der Versicherung zu gering berechnet ist.

      Sollte es zum Versicherungsfall kommen, wäre hier ein Rechtsstreit wahrscheinlich. Über eine Auskunft der Versicherung, welche Erkrankungen im Risikoaufschlag berücksichtigt sind könnte der Versicherte Versäumnisse erkennen oder sollte es ggf. noch nicht zum Versicherungsfall gekommen sein, könnte noch gemeinsam mit der Versicherung korrektiv nachgebessert werden.

      Also kurze Frage: macht es für Versicherte Sinn, die Gesundheitsinformationen bei der Versicherung anzufragen bevor das Kind ggf. in den Brunnen fällt?

      Viele Grüße
      lkoullen
    • Also mal zu den Zahlen:

      Derzeit liegt der Schnitt der Rentenhöhe bei 1.000 Euro. Man könnte sagen, dass die Beitragsbefreiungen das Ergebnis nach unten ziehen, aber das sind nicht so viele. Es sind tatsächlich viel zu häufig viel zu niedrige Werte abgesichert. Dabei wäre es besser, lieber kurz und richtig als lang und falsch versichert zu sein.

      Was die Laufzeit anbelangt: Ältere Bestände weißen noch durchschnittliche Laufzeiten von etwa 7 Jahren auf. Teilweise gab es hier aber auch noch den 3-jährigen Prognosezeitraum...

      Heute ist das anders. Bin ich 6 Monate BU oder hab sogar ne AU-Klausel, dann bin ich ein Leistungsfall. Das sind eine ganze Menge Fälle. Auf der anderen Seite stehen die Fälle, die 7+ Jahre dauern. Mit dem verflixten siebten Jahr fällt die Reaktivierungswahrscheinlichkeit so ziemlich auf null. Die Fälle bleiben dann BU bis zum Schluss.
    • @Ikoullen

      Ich glaube nicht, dass es Ihre Aufgabe ist, zu prüfen, ob der Versicherer den Risikozuschlag richtig berechnet. Selbst, wenn der Arzt etwas falsch gemacht hätte, wäre er dem Versicherer als Erfüllungsgehilfe zuzurechnen.

      Aber: Der Arzt muss Ihnen Auskunft erteilen, welche Daten er an den Versicherer gegeben hat, wenn Sie das interessiert. Sind ja Ihre Daten... §630g BGB, würde ich mal sagen, gibt das her...
    • lkoullen schrieb:

      Liebes FT-Team,

      als kürzlich jedes Unternehmen mit ihren Opt-Ins zur DGSVO um die Ecke kam, stellte sich mir die Frage, ob eine BU zur Auskunft verpflichten werden kann, welche Auskünfte ggf. nach Antragsstellung bei Ärzten eingeholt wurden?

      Nehmen wir den Fall an, der Antragsteller einer BU hat alle Gesundheitsfragen gewissenhaft beantwortet. Aufgrund der Antworten wird die Versicherung aktiv und erfragt sich notwendige Informationen beim Arzt des Antragstellers. Dieser oder die Versicherung versäumen es sorgfältig zu arbeiten und übersehen eine Erkrankung des Antragstellers.Jedoch zahlt der Versicherungsnehmer einen Riskozuschlag, der aufgrund der Versäumnisse des Arztes oder der Versicherung zu gering berechnet ist.

      Sollte es zum Versicherungsfall kommen, wäre hier ein Rechtsstreit wahrscheinlich. Über eine Auskunft der Versicherung, welche Erkrankungen im Risikoaufschlag berücksichtigt sind könnte der Versicherte Versäumnisse erkennen oder sollte es ggf. noch nicht zum Versicherungsfall gekommen sein, könnte noch gemeinsam mit der Versicherung korrektiv nachgebessert werden.

      Also kurze Frage: macht es für Versicherte Sinn, die Gesundheitsinformationen bei der Versicherung anzufragen bevor das Kind ggf. in den Brunnen fällt?

      Viele Grüße
      lkoullen

      Ich glaube hier liegt eine völlig falsche Vorstellung über das vor, wie Versicherungen arbeiten und welche weitgehenden Rechte Versicherungsnehmer und Versicherte in Deutschland Gott sei Dank haben.

      Natürlich dürfen Sie alle Gesundheitsinformationen, die über Sie bei der Versicherung gespeichert wurden auch erfragen bei Ihrer Versicherung und bekommen auch geliefert. Sie dürfen auch im Antrag auch ankreuzen, dass der Versicherer in jedem einzelnen Fall einer Arztanfrage zuvor bei Ihnen anfragt. Das Verfahren ist also ganz grundsätzlich transparent, aber eben auch aufwendig, weshalb Versicherungen das auch gar nicht so gerne tun und sich lieber auf die vom Kunden vorgelegten Informationen beschränkt.

      Das war aber auch vor DSGVO so. Und wenn eine BU-Versicherung einen Vertrag mit Ihnen gemacht hat, kann Sie Ihnen im Leistungsfall auch nicht die Versäumnisse eines Arztes oder eines Ihrer eigenen MA zur Last legen. Warum auch?
    • Hallo zusammen,

      stehe gerade vor dem Abschluss einer BU. Habe aber den Fehler gemacht letztes Jahr einen Arzt zwecks Rückenschmerzen zu konsultieren. Dabei kam nach Röntgen und MRT lediglich die Diagnose einer geringen linksseitigen Skoliose heraus. Quasi eine Diagnose die auf 99% aller Büroangestellten zutrifft. Aktuell fühle ich mich topfit und verstehe nun nicht, warum ich wegen dieser vergangenen Diagnose so Probleme habe eine BU vernünftig abzuschließen.

      Denn im Gespräch mit Makler 1 wurde mir gesagt, dass alle Versicherer den Rücken ausschließen werden. Makler 2 sagte mir zumindest, dass eine Versicherung dies nicht tun wird. Dadurch liegt aber der monatliche Preis auch bei 110€ bei 2000€ Netto Absicherung. Jetzt frage ich mich natürlich warum ich für eine ehrliche Einstellung zur Angabe meiner Krankenakte und vorsorgliche Gesundheitsuntersuchung bei Ärzten so Probleme beim BU Tarif bekomme.

      Ich hatte eher mit einem Beitrag von ca. 60-80€ / Monat gerechnet. Ist dies noch irgendwie möglich? Auch z.B. wenn man die Krankenakte erstmal verschweigt, da es ja kein konkretes Leiden gibt? Oder prüft die Versicherung dies sowieso? Sollte man jetzt 5 Jahre warten bis zum BU Abschluss, damit die Eintragungen nicht mehr gültig sind. Dann würde ich nämlich nicht mehr so leichtfertig zum Arzt gehen, wo normaler Sport auch geholfen hat.

      Vielen Dank!
    • Spontan sehe ich hier drei Wege:
      1. Fünf Jahre warten und gesund leben (und "darauf wetten", dass nichts schlimmeres dazukommt)
      2. Eine anonyme Risikovoranfrage stellen und dann das Ergebnis bewerten. Aus ihrem Beitrag hört es sich so an, als ob die Makler hier die Arbeit scheuen, ggf. selbst an die Versicherung herantreten. Einige bieten eine anonyme Risikovorprüfung an.
      3. Einige Arbeitgeber bieten BUs im Rahmen von Betriebsrenten an. Obwohl immer empfohlen wird, dies nicht zu koppeln, könnte es in schwierigen Fällen eine Absicherung geben, in der ansonsten keine Absicherung möglich wäre.
      Die Gesundheitsfragen nicht erschöpfend anzugeben, kann wie ein Blindflug bei 180 Sachen auf der Autobahn gleichen. Wenn im Leistungsfall dann herauskommt, dass hierzu schriftliche Angaben eines Arztes vorliegen (und die Versicherungen werden sicherlich alle Abrechnungen und Unterlagen sichten), ist das problematisch (Fahrlässig / Grob fahrlässig). Wenn nun aber bekannt wird, dass der Versicherer absichtlich getäuscht wurde, um einen Vertrag zu policieren, könnte dies als arglistige Täuschung aufgefasst werden. Falls dem so ist, sind die gezahlten Beiträge weg und der Versicherer tritt vom Vertrag zurück, leistet also nicht (und nie wieder für Sie).

      Das ist also nicht zu empfehlen..