Wie kalkuliert ihr für den Lebensunterhalt?

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    • Kennst du das Konzept des Äquivalenzeinkommens? Ist ne interessante Überlegung. Ein Single ist Mitte der Mittelschicht mit ca. 1600 Euro Netto pro Monat. Ein Paar hat Vorteile durch Synergien, braucht deshalb nur 50% mehr. Ein Kind unter 14 Jahre braucht nur 30% mehr. Somit befindet sich eine Familie mit einem jungen Kind mit 3000 Euro Nettoeinkommen in der Mitte der Mittelschicht. de.wikipedia.org/wiki/%C3%84quivalenzeinkommen

      Ich denke, den größten Betrag macht monatlich bei einem Deutschen die Miete oder Hauskreditrückzahlung aus. Ideal wären hier 20% vom Netto, das ist aber bei obigem 3000 Euro Beispiel illusorisch wenn man nicht JWD wohnt. Gefühlt finde ich es ab 30% kritisch, aber für 900 Euro Warmmiete bekommt man auch in vielen Großstädten Deutschlands nichts familientaugliches. Zumindestens dürfte der Haupteinflussfaktor für den "gefühlten Lebensstandard" sein, wieviel Nettoeinkommen absolut vorhanden ist und wieviel in die Miete geht. Ich kann mir vorstellen, dass man als Kleinfamilie mit 3000 Euro vernünftig lebt - aber nicht in der Großsstadt.

      Bei uns kann ich sagen, dass wir sehr klein angefangen haben, ich hatte einen Halbtagsjob, der mittelmäßig bezahlt war, meine Freundin/jetzige Frau war Studentin und lebte von normaler familiärer Unterstützung.
      Inzwischen arbeite ich Vollzeit, meine Frau hat einen Halbtagsjob, uns gelang es immer, knapp unter unseren finanziellen Möglichkeiten zu bleiben, auch wenn diese Möglichkeiten sich in 6 Jahren vergrößert haben. Echtes Budgeting betreiben wir nicht, Ausgaben ab 100 Euro besprechen wir, wir challengen uns auch mal "Sie: Muss es der 1500 Euro Grill sein? Ich: Ne, hast eigentlich Recht, No Name tuts auch".

      Eigentlich kenne ich dazu auch Links, aber irgendwie lassen die sich hierher nicht übertragen.
      Wenn du "FAZ Deutschlands obere 10 prozent" oder "SZ bin ich reich" googelst, solltest du auf Berichte kommen, ab wann der Grenznutzen von Geld drastisch abnimmt.
    • Hallo @KaiRe

      ich glaube das kann man glaube ich pauschal gar nicht sagen. Angemessen ist, was man sich leisten kann - als Student habe ich auf deutlich kleinerem Fuß gelebt als heute - weil ich es mir damals nicht anders leisten konnte.

      Das steckt ja schon im Wort "angemessen" - es ist an das Maß der finanziellen Möglichkeiten angepasst.

      Da kommt natürlich gleich die Frage nach der Obergrenze: Wo hört angemessen auf und fängt Verschwendung an? Das ist eine gute Frage - und kommt auch immer auf die Perspektive an.

      Manch einer mag es für Verschwendung halten, wenn ich eine Flasche Wein für 30, 50 oder mehr Euro aufmache. Ich gebe zu, dass das ein Luxus ist - den ich mir aber gerne und bewusst manchmal gönne. Ist es unangemessen? I don't think so... Ich gebe dafür z.B. für mein Auto extrem wenig Geld aus, auch wenn ich mir fast jedes Auto leisten könnte. Ist eine Frage der Prioritäten...

      Ein Freund von mir hatte mal eine interessante Rechnung aufgemacht: Er bemisst seine Investitionsbereitschaft danach, wie viel Zeit er mit etwas verbringt. In der konkreten Diskussion ging es um Smartphones - er sagt, er nutzt seines so viel, dass gemessen an der Zeit, die er damit verbringt 700€ eigentlich ein Witz sind - insbesondere wenn man es mit anderen Dingen wie z.B. einem Rennrad vergleicht, die ähnlich oder mehr kosten, die man aber deutlich weniger nutzt.

      Ich handhabe das ein Stückweit ähnlich: Bei den Dingen, die ich oft brauche und von denen ich abhänge, bin ich tendenziell sehr spendierfreudig. Mein Beruf bringt es zum Beispiel mit sich, dass ich sehr viel reise. Daher habe ich nachdem ich den fünften Rollkoffer in ungefähr genauso vielen Jahren verschlissen hatte, einen richtig guten gekauft. Kostet halt dann so viel wie ein Kurzurlaub. Aber ist für mich (meiner Meinung nach) - angemessen.


      Natürlich könnte ich mir meiner Familie auch von 2.000€ netto leben - andere schaffen das ja auch. Aber wenn ich mir ein bissel mehr leisten kann, dann ist das auch ok.

      Die viel entscheidendere Frage ist: Wie schnell kann man die Kosten wieder runterskalieren, wenn es sein muss? Das ist nämlich das eigentliche Problem - mit steigendem Einkommen entwickelt man sich schnell zu einem finanziellen Öltanker, bei dem ein Kurswechsel gar nicht so schnell möglich ist.

      Wenn ich auf meine Familie und mich schaue, würde ich sagen, dass wir sicherlich ein halbes Jahr bräuchten, sollten wir unser Arbeitseinkommen verlieren oder berufsunfähig werden, um unsere Kosten so weit zu reduzieren, dass wir vom doppelten ALG I oder unseren BU-Renten leben könnten. In der Zeit muss die Anpassung aus dem Ersparten finanziert werden.

      Cheers
      Elias
    • @chris2702

      Das mit dem Äquivalenzeinkommen kannte ich nicht, nein. Interessantes Konzept, danke!


      @elijah2807

      Ich kann mir auch nur schlecht vorstellen, wieder auf ein Level zu rutschen wie als ich in der Ausbildung war. Vor 30 Jahren war das Lehrgeld nicht gerade hoch :thumbdown:

      Es wäre super, hier mal von der "anderen" Seite zu hören, also von einer Familie, die gerade mit wenig rumknuspert. Ich bin vor ein paar Wochen mal über den Blog einer Engländerin gestoßen, die ist chronisch krank und kann daher nur wenig beisteuern. Sie hat geschildert, wie sie Monat füßr Monat managet und schaut, dass es irgendwie geht (ohne dabei auf "arbeitslos" zu machen, obwohl sie könnte!). Ich bewundere solche Menschen, die mit wenig viel schaffen.
    • Kalkulieren für den Lebensunterhalt?
      Bei mir nicht. Ich führe kein Haushaltbuch, weil ich mich durch das Haushaltsbuch gegängelt fühlen würde.
      Bei mir reicht der Blick auf den Depotbestand und gelegentlich aufs Girokonto. Sparsame Lebensführung hat sich so eingeprägt, dass ich mir selten Gedanken zu den Geldausgaben machen muß. Ich fühle mich so freier.
      Das soll natürlich keine Empfehlung zum Nachmachen sein.

      Altsachse