ETF110 demnächst ausschüttend -- Was tun?

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    • ETF110 demnächst ausschüttend -- Was tun?

      Ich bin vor 3 Jahren der Empfehlung von FINANZTIP gefolgt und habe in den ETF110 investiert. Damals zählte zu den Depotbankfavoriten auch die DAB-Bank,die dann von Consorsbank übernommen wurde.
      Ich habe jetzt einen größeren Bestand an ETF110 ( einige Einmalanlagen und ein beendeter Sparplan).
      Durch die Tatsache, dass ETF110 dennächst nicht mehr thesaurierend sein wird, fällt der "Zinseszinseffekt" weg. Dieser ist laut FINANZTIP hinsichtlich des Endergebnisses von Bedeutung.
      Mit einer einmaligen Ausschüttung p.a. könnte man ja noch umgehen (Wiederanlage). 4 mal p. a. sind diesbezüglich eher lästig.
      Konsumieren möchte ich die Ausschüttungen nicht, da die Anlage Teil meiner Altersversorgung sein soll. Der "Zinseszinseffekt" ist mir wichtig.
      Was also sollten Leute mit ETF110-Altbeständen tun, die bein Consors verwahrt werden?
      Ausschüttungen selbst wieder anlegen?
      ETF110 verkaufen und einen thesaurierenden kaufen? Beispielsweise A0RPWH?
      Einen Sparplan anlegen, der bezüglich der Sparraten so konzipiert ist, dass die Ausschüttungen (nach Steuern) wieder angelegt werden?
      Ich freue mich auf Diskussionsbeiträge.

      Liebe Grüße
    • Ich hatte im Zuge einer anderen Anfrage bei justETF die tatsächlichen Renditen verglichen. Dabei zeigte es sich, dass gute Thesaurierer über 5 Jahre ca. 0,2 - 0,3% p.a. mehr bringen als gute Ausschütter. Daher würde ich in diesem Fall - großes Depot, keine Depotbewegung - einen Umtausch in einen anderen Thesaurierer erwägen.

      Bitte noch die neue Besteuerung im Auge behalten. s. finanztip.de/indexfonds-etf/investmentsteuerreformgesetz/

      Beim Thesaurierer muss die Vorabpauschale echt versteuert werden wenn der Freibetrag überschritten ist / kein Freistellungsauftrag vorliegt. Umgekehrt sollte mMn der ausgeschüttete Ertrag höher sein als die Vorabpauschale. Sofern man also mit der Vorabpauschale den Freibetrag nicht ausschöpft verschenkt man hier Steuerbefreiung, hat im Gegenzug den Zinseszinseffekt im Fonds. Das kann man mit ein paar Annahmen rechnen, es kommt allerdings kein allzu signifikanter Effekt heraus.
    • Ich werde meine Ausschüttungen des ETF110 einmal jährlich per Einmalanlage wiederanlegen. Aktuell habe ich Depots bei DKB, Comdirect und Flatex. Die Depotbank mit den niedrigsten Kaufkosten erhält meine Order. Wenn es eines Tages ans Entsparen geht, ziehe ich identische ETF per Depotübertrag zusammen und verkaufe mit einer Einzelorder.

      Das ganze bedarf ein klein wenig Vorlauf und Planung, erscheint mir aber binnen 1 Monats mit 20 Minuten Aufwand erledigt zu sein.
    • Du kannst bei zinsen-berechnen.de einige Hochrechnungen machen. Das kann einem ziemlich die Augen öffnen. Beispiel: Du willst 30 Jahre lang 500 Euro im Monat anlegen und hoffst auf 5% Rendite.

      Welches Ergebnis hast du, wenn die Rendite thesauriert wird und welche wenn sie ausgeschüttet wird? Der Unterschied ist sechstellig

      Wie unterscheidet sich eine Order ohne Kaufkosten zu einer mit 1,5%? Der Unterschied ist vierstellig.

      (Wenn ich es richtig im Kopf habe, habe es nicht neu eingegeben.)

      Daran merke ich für mich, ob sich Kopfzerbrechen lohnt oder nicht. Was nicht heißt das Finetuning nicht sinnvoll ist. Aber es ist oft nicht kriegsentscheidend.
    • Kurz zum Hintergrund der Umstellung auf ausschüttend:

      Nach eigener Aussage hat es sich Comstage wohl nicht einfach gemacht mit der Entscheidung. Letztlich waren wohl zwei Dinge ausschlaggebend. Die Investmentsteuerreform, die eine fiktive und pauschale Vorabbesteuerung bringt. Hier galt dann, dass wenn eh zu versteuern ist, auch gleich Geld fließen kann, sprich ausgeschüttet werden kann.

      Und der zweite Punkt bildeten wohl Kundenbefragungen. In Zeiten der künstlich niedergehaltenen Zinsen bevorzugt wohl eine Mehrheit der Anleger eine regelmäßige Ausschüttung, quasi als Ersatz für wegbrechende Zinseinkünfte.

      Der Comstage-Chef betonte in einem Webinar aber auch, dass ihm klar sei, dass man es nicht allen recht machen kann. Mir zum Beispiel. Als Kleinanleger schätze ich den Zinseszinseffekt bei thesaurierenden ETF. Dieser fällt nun weg. Bei relativ geringen Ausschüttungen lohnt eine Wiederanlage bei mir meist nicht. Bei Sparern mit größeren Beständen sieht dies natürlich anders aus.

      Und dir Steuererhöhung für Kleinanleger (die den Sparerfreibetrag nicht ausschöpfen) durch die 15 % KSt innerhalb des ETF trägt zusätzlich zur Frustration bei. Hier ist Comstage natürlich machtlos. Dies haben Politiker verbrochen.
    • Fonds müssen auf dem Fonds zugeflossene Dividenden 15 % KöSt abführen. Die Teilfreistellung greift aber erst, wenn der Anleger tatsächlich Steuern zahlen müsste, sprich sein Sparerfreibetrag ausgeschöpft ist. Hat er ihn nicht ausgeschöpft, gibt es keinerlei Ausgleich und er zahlt 15 % der Dividenden an den Staat. In der Praxis ist die Ausschüttung des Fonds an den Anleger entsprechend gekürzt. Letztlich ist dies nichts weiter als eine verkappte Doppelbesteuerung.

      Die bestraft insbesondere Kleinanleger. Es durchbricht auch die bisherige Besteuerungslogik, die davon ausging, dass der Fonds selbst kein Steuersubjekt ist, alle Einnahmen an den Anleger durchreicht und erst dieser dann die Besteuerung vornimmt.

      Erstaunlicherweise kam diese Steuererhöhung (für Kleinanleger) auch bei der Stiftung Warentest (die hinter finanztip.de steht) nur in einem Nebensatz mal zur Sprache, wurde aber nie weiter thematisiert.

      Auch der Wegfall der Steuerstundung bei thesaurierenden Fonds durch die nunmehr vorweggenommene virtuelle Pauschalbesteuerung kann für etliche Anleger eine praktische Steuererhöhung bedeuten.

      Und eher als Nebenwirkung stellen viele Fondsanbieter bisher thesaurierende Fonds auf eine jährliche Ausschüttung um. Dies wiederum führt bei der Mehrzahl der Kleinanleger zu einer verringerten Rendite, da die oft geringen Ausschüttungen aus Kostengründen eben nicht sofort wieder angelegt werden. Bei einer Thesaurierung führt ja gerade dies zu einer Renditesteigerung durch den Zinseszinzeffekt.

      Alles in allem hat diese Steuerreform für die Masse der Anleger, die fürs Alter vorsorgt, handfeste Nachteile und Steuererhöhungen zur Folge. All das habe ich hier und bei der Stiftung Warentest kaum oder gar nicht thematisiert gefunden. Aber dafür werden Glühlampenverbot und Staubsaugerkastrierung bejubelt. Was das alles noch mit Verbraucherschutz zu tun hat, bleibt deren Geheimnis.
    • Das Argument, die Umstellung auf Ausschüttung sei von Comstage nur deshalb gemacht worden, um den Anlegern den Steuerabzug vom Girokonto zu ersparen, ist wenig überzeugend ( FINANZTIP- Blog vom 2.3.18 ).
      Dafür hat man bei Comstage offenbar den Gedanken der langfristigen „Vermögensbildung“ ( Stichwort Ergänzung zur mageren „staatlichen“ Rente) als weniger wichtig eingestuft. Der dafür wichtige „Hebel“ der Thesaurierung kann jetzt nur über Umwege und mit verminderter Wirkung erreicht werden. "Pantoffeldepot" war gestern. Jetzt sind die Sportschuhe gefragt.
      Wenn das Argument von Comstage überzeugend wäre, dann müsste wohl damit gerechnet werden, dass die anderen Fondsgesellschaften nachziehen. Warum sollten die dortigen Anleger andere Vorlieben haben als die von Comstage?
      Würde bedeuten, dass alle jetzt diskutierten Strategien im Zusammenhang mit der Umstellung auf „Ausschüttung“ wieder nur vorläufigen Charakter haben.
      Für mich ist das Girokonto-Argument wenig überzeugend.
      Um so erstaunlicher, dass FINANZTIP dieses so unkritisch weiter transportiert.
    • Wie immer gibt es auf das gleiche Thema unterschiedliche Sichten. Wer über den Pauschbetrag kommt zahlt netto ein. Der Betrag ist beim momentanen Basiszinssatz vielleicht noch moderat, kann bei weiterem Zinsanstieg jedoch rapide ansteigen.

      Wir haben in der Familie aufgrund der Steuerproblematik bei thesaurierenden Auslandsfonds schon vor einigen Jahren wo möglich auf ausschüttend umgestellt und bleiben auch dabei. Da wir überwiegend aktive Fonds halten und dort die kostenfreie Wiederanlage zumindest bei den Fondsbanken Standard ist haben wir mMn eine gute Lösung.