Kredit für Luxus?

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    • Kredit für Luxus?

      Ich bin ein einfach gestrickter Menschen und habe immer nach der Devise gehandelt: Wenn ich es mir nicht leisten kann Luxus zu bezahlen, dann geht’s halt nicht. Einen Kredit für die Finanzierung von Luxusvorhaben, habe ich nie aufgenommen.

      Ist das eigentlich „Old School“?

      Andererseits lese ich, dass immer mehr Menschen in eine „Schuldenfalle“ tappen? Sei es, dass sie die falschen, teuren, Mobilfunkverträge zu lange und zu ergiebig nutzen, sei es, dass sie ihren Urlaub finanzieren (müssen)weil des Geld das man dafür ja auch ansparen könnte, anderweitig ausgegeben wurde.

      In Deutschaland gabs in 2017 rund 94000 Privatinsolvenzen. Das sind nicht immer der arme Rentner, die alleinerziehende Mutter oder die Omi, der man ihr Geldabgegaunert hat, die sich hinter dieser Zahl verstecken. Oft genug soll es sich bei den insolventen Mitmenschen auch um solche handeln, die schlicht und einfach mit der Anschaffung von Gütern die man nicht zum Leben braucht unvorsichtig waren und sich Geld dafür geliehen haben das sie dann nicht zurück zahlen konnten.

      Ist das eigentlich so ok, oder ist „Solidarität“ immer nur die „Solidarität“ (auch) mit denen die sich einfach mal die Freiheit herausnehmen gegenüber ihren Gläubigern unsolidarisch zu sein?


      Statistik mit der Entwicklung von Privatinsolvenzen:


      de.statista.com/statistik/date…in-deutschland-seit-2000/
    • Ich sehe zwei Seiten. Einerseits: Ich habe nie einen Kredit aufgenommen, nicht für Notwendiges, nicht für Nutzloses. Ich habe nie mein Konto überzogen. Ich bezahle sogar mein Handy bar statt über einen Vertrag.

      Das muss man aber so nicht machen.

      Das Kreditgewerbe ist eine staatlich regulierte Geldmaschine, die wir öffentlich verfügbar halten. Da Menschen sich hier in den Abgrund stürzen, hat der Staat auch die Pflicht, sie anschließend wieder da heraus zu holen. Man kann schließlich auch nicht billige Süßigkeiten verteilen und anschließend sagen "aber Dick darf keiner werden". Insofern finde ich das Rechtsinstitut der Privatinsolvenz goldrichtig.
    • @chris2702

      Nun, das ist mir ein wenig zu ideologisch.

      Ich stelle mehr ab auf die Selbstverantwortung des Menschen. Das nicht nur zu Wahlzeiten wenn vom „mündigen Bürger“ die Rede ist, dessen Stimme man will. Ich halte einen Haftungsverbund zugunsten von Menschen die sich leichtfertig verschulden für falsch und bin auch nicht der Meinung, dass denen zu helfen wäre.

      Ich denke auch nicht, dass der Staat dafür verantwortlich ist, wenn Menschen durch übermäßigen Konsum von Zucker dick und krank werden.

      Es gab mal ein Programm des "Kommödchen" in Düsseldorf, das lautet so ähnlich wie: Wird der liebe Gott schon sehen wenn mir die Finger abfrieren. Warum kauft er mir auch keine Handschuhe!
    • Wenn man "Luxus" definiert als "nicht zwingend notwendig, aber macht einfach Spaß", dann wäre es doch nur konsequent, ein solches Vorhaben per Kredit zu finanzieren.

      Ich denke, es macht auch keinen Sinn, den Kredit bzw. die Kreditfinanzierung generell zu verteufeln.

      Es geht dabei aber schon darum, das Maß zu halten.

      Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn bei jeder 0%-Finanzierung ein Faltblatt der örtlichen Schuldnerberatungsstelle überreicht werden müsste.
    • Wakomata schrieb:

      Ich halte einen Haftungsverbund zugunsten von Menschen die sich leichtfertig verschulden für falsch und bin auch nicht der Meinung, dass denen zu helfen wäre.


      Ich denke auch nicht, dass der Staat dafür verantwortlich ist, wenn Menschen durch übermäßigen Konsum von Zucker dick und krank werden.
      Ich denke das ist Teil des gesellschaftlichen Miteinanders. "Er hätte ja nicht selbst zur Flasche greifen brauche, jetzt ist er Alkoholiker, ist mir doch egal, der soll mal schön selbst sehen wie er wieder auf die Beine kommt." oder "Selbst schuld dass er kriminell war, der muss gebrandmarkt werden und darf nie wieder ins soziale Leben integriert werden. Hat keine Ausbildung? Seine Schuld."

      Da ist der Schritt zu "Er hat sich mit seinen Krediten übernommen? Selbst schuld, die sollen noch seine Enkel für ihn abbezahlen" nicht weit.

      So funktioniert aber eine Gesellschaft wie die unsrige nicht. Ich bin weiterhin klar für die Möglichkeit der Privatinsolvenz.
    • @Referat Janders
      Wahrscheinlich geht es gar nicht ohne eine Kreditvergabe. Darauf fußt möglichweise jedwede Expansion von Unternehmen z.B. Und ich verteufele auch nicht die Kreditvergabe.
      Ich fürchte aber, dass der Appell an „Maß halten“ so ungehört verhallt wie der weniger Plastik zu verbrauchen.
      Was mich daran stört sit einfach die Tatsache, dass dann wenn’s schief gegangen ist mit der Rückzahlung oft genug nicht der Schuldner blechen muß, sondern die Gläubiger verzichten müssen für die Anschaffung Dingen die nicht unbedingt zum Leben dazugehören.
      Wer mag, der kann sich ja auch hier an Ort und Stelle beim „Finanztip“ beraten lassen. Wahrscheinlich tun das nur die wenigstens und jammern dann lieber später über die bösen Banken, Politiker und Menschen im allgemeinen.
    • @Wakomata: Verpflichtende Beratung wäre ja wieder Gängelung und kurz vor Sozialismus oder sonstwas.

      Die Privatinsolvenz muss es schon geben, sonst läuft es zumindest bei den typischen Fällen, die man bei RTL2 und Konsorten bewundern kann, auf eine Nullpfändung hinaus und am Ende wird das Erbe ausgeschlagen. So oder so sieht der Gläubiger keine Kohle.

      Irgendwie muss man den Komplex ja händeln. Das bestehende System ist so schlecht nicht, aber die Schuldnerberatung wird in der Regel (viel) zu spät aufgesucht. An der Stelle sollte man ansetzen.
    • Wakomata schrieb:

      @chris2701

      Und warum geärgert? Abfinden ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Übung. Muß jeder mal.
      Mich ärgert, dass die Fußballindustrie Milliardengewinne macht, aber der deutsche Steuerzahler die Polizeieinsätze bei Spielen und die Infrastruktur für Großereignisse zahlt.

      Mich ärgert, dass die Autoindustrie Milliardengewinne mit Betrug am Dieselmotor macht, aber nicht klar ist, wer die Schäden dieses Betrugs bezahlt.

      Mich ärgert, dass in meiner Kommune das Rathaus falsch bilanziert hat, Bürgermeister und Abteilungsleiter in den vorzeitigen voll bezahlten Ruhestand gehen und für die Bürger der Grundsteuerhebesatz B um 30% angehoben wird, um das Defizit auszugleichen.
    • Wakomata schrieb:

      @chris2702
      Schön wärs! Einmal abgesehen davon, dass es einen Einigungsversuch zwischen Gläubiger und Schuldner geben muß, denke ich daran wieviele öffentliche Gelder in Form von Sozialunterstützung, Mietzuschuß und was es sonst noch geben könnte, angefallen sind und zwar aus Steuermitteln dioe dann auch futsch sind.
      das klingt ein wenig, als wolltest du Leuten, die "Sozialunterstützung, Mietzuschuß und was sonst noch" bekommen, die Schuld an ihrer Lage geben. Die Frage der Schuld stellt sich aber im deutschen Sozialstaat nicht. Und es gibt sicher die komplette Bandbreite von "Pech gehabt" bis "selber Schuld".
    • Wakomata schrieb:

      Das Thema heißt doch: "kredit für Luxus". Denen die den Steuerzahler in Haftung nehmen für ihre Unfähigkeit mit dem Konsumieren aufzuhören, denen will ich nicht helfen müssen.
      Ich verstehe die Überlegung. Aber dann stände jeder der Leistungen vom Staat bezieht unter dem Generalverdacht des Schmarotzertums. Ich möchte nicht in einem Land leben, bei dem diese Grundannahme herrscht. Hartz 4 und alle Themen drum herum ermöglichen kein menschenwürdiges Leben. Klar gibt es Menschen, die das System verbrecherisch ausnutzen, die Hartz beziehen, schwarz arbeiten und in Saus und Braus leben. Die gehören bestraft. Aber die Mehrzahl lebt unfreiwillig ein Leben, das ich hoffentlich nie nachempfinden kann da ich es nicht erleben möchte und muss. Und die werden von unseren Ämtern schon genug gegängelt und runter gemacht. Jetzt noch die Schuldfrage zu klären und "die Schuldigen" alleine zu lassen fände ich unmenschlich.
    • @chris2702
      Was sie schreiben kann ich nachvollziehen. Ich weiß aber nicht, ob alle Ämter „gängeln“ sowenig ich weiß, was „menschenwürdiges Leben“ ist. Ich denke, die Diskussion darüber, was angemessen sit und was nicht mehr wird sich letztlich nicht auflösen lassen. Sie ist dennoch notwendig. Denn so wie „Bedürftige“ ein Recht darauf haben unterstützt zu werden, so haben die Unterstützen ein Recht darauf u kritisieren, wenn eine solche Unterstützung ausgenutzt wird. Ich weiß nicht wie es „richtig“ geht aber ich möchte, dass ich meine Interessen wahren kann.
      Aber noch einmal: Mein Beitrag sollte vom Luxus und den mit seiner Anschaffung verbundenen negativen Folgen handeln. Eine Sozialstaatsdiskussion möchte ich nicht führen, da sie besten falls zu nichts führt.